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Mittwoch, 3. April 2024

Fertig: Butterick 6380 - Kleid mit Herzausschnitt und Raffungen!

Heute zeige ich mal ein modernes Schnittmuster, wenn auch inspiriert von den Kleidern der 1940er Jahre: Butterick 6380 von Gretchen "Gertie" Hirsch mit Herzausschnitt, Miederteilchen und Raffungen.


Die erste Hürde bei Butterick ist immer die Größenauswahl, weil Butterick lächerlich große Mehrweiten für Bequemlichkeit vorsieht. Ich ignoriere daher regelmäßig die Körpermaßtabelle und gucke mir nur die Fertigmaße im Schnitt an.

Danach habe ich Größe 22 zugeschnitten. Gemäß der Fertigmaße passt sogar die große Brust rein, aber ich traue solchen Angaben nicht und habe trotzdem ein Probeteil mit FBA gemacht. Das Probeteil hatte dann aber erheblich zu viel Weite an der Brust, also zurück zum Ursprungsschnittmuster und dort habe ich 2cm Mehrlänge am unteren Rand des Brustteiles zugegeben, weil die große Brust mehr Länge braucht. Beim nächsten Mal würde ich noch einen Zentimeter Länge zugeben und ein Zentimeter mehr Weite würde letztlich wohl auch nicht schaden.


Der Ausschnitt wird auf jeder Seite durch einen Riegel gerafft. Die Riegel habe ich nachträglich um zwei Zentimeter verlängert, weil die ursprüngliche Länge zu straff saß und vor allem die Ärmel sehr gestört hat.

Außerdem habe ich den Ausschnitt um einen Zentimeter angehoben, also sowohl vorn an der Brust als auch hinten am Halsausschnitt einen Zentimeter zugegeben. Vorn insbesondere weil es mir ansonsten zu offenherzig wäre und dabei würde ich beim nächsten Mal auch bleiben, aber dann den Zentimeter zur Schulter hin wieder wegnehmen, denn hier wurde mir die Schulter etwas zu lang. Aufgrund der Raffungen fällt die zu lange Schulter zwar kaum auf, aber ich vermute, dass die Ärmel mit passender Schulter dann noch etwas besser säßen.


Statt den Reißer in der hinteren Mitte einzusetzen, habe ich ihn in der linken Seitennaht eingesetzt. Dann braucht man einen kürzeren Reißverschluss und kann das Kleid bequemer schließen. Außerdem erlaubt es, hinten im Bruch zuzuschneiden, wenn die Stoffmenge passt.

Apropos Stoffmenge: Da ist das Kleid mit nur zwei Meter wirklich sparsam. Das kam mir entgegen, denn mehr hatte ich nicht von dem süßen Stoff - ein Baumwollbatist mit kleinen Blümchen, von dem ich leider nicht mehr weiß, woher ich ihn habe.


Trotz der geringen Stoffmenge habe ich das Kleid übrigens um 6cm verlängert, denn der Rockteil ist meines Erachtens nach zu kurz geraten. Bereits beim Abpausen ist mir die geringe Länge aufgefallen und ich habe dann das Futter in der Länge genäht, die eigentlich für den Oberstoff vorgesehen war und für den Oberstoff entsprechend verlängert.


Das Kleid ist bis auf die Ärmel vollständig gefüttert. Ich habe einen Futterstoff in einem grellen Mint gewählt, den ich mir niemals einzeln gekauft hätte; er war Teil eines Konvolutes. Der Futterstoff ist aber ideal, denn er unterstreicht den Grundton des Stoffes und sorgt für guten Kontrast des Musters. Zufällig hatte ich auch passendes Garn für Nähmaschine und Overlock und sogar einen farblich passenden Reißer.


Letztlich habe ich noch die Ärmel um rund 5cm gekürzt, weil sie ansonsten genau unter der Brust endeten und das verbreitert optisch nochmal die ohnehin große Brust.

Vor dem Nähen hatte ich mir bei ein paar anderen Hobbyschneiderinnen die Passform angeguckt und ihre Erfahrungen dazu gelesen; der Vorteil wenn man Schnittmuster erst jahrelang lagert. Einige hatten dann die Puffärmel verringert, weil sie als zu wuchtig empfunden wurden. Statt zu reduzieren habe ich die Nahtzugabe der Ärmel im Oberteil festgesteppt - das sorgt dafür, dass sich der Puff schön legt und die Ärmel nicht so aufspringen.



Ich bin sehr zufrieden mit dem Kleid - es war leicht zu nähen, sitzt gut und ich finde, es mir steht; mit ein paar Anpassungen sollte es dann noch besser passen. Der sparsame Stoffverbrauch ist ebenfalls verlockend, zumal die Teilungen auch Raum für Kombinationen von verschiedenen Farben oder Stoff lassen. Empfohlen wird für das Kleid außerdem insbesondere Krepp und ich liebe Krepp sehr und habe noch mehrere Kreppstoffe im Schrank. Ich werde das Kleid also auf jeden Fall nochmal nähen!

Sonntag, 21. Januar 2024

Werkzeuge beim Nähen: Bügelholz/Clapper!


Ein Bügelholz (engl. Clapper) dient dazu, Nahtzugaben, Abnäherinhalte oder andere dicke Stellen schön flach zu bekommen.

Insbesondere bei sehr dicken Stoffen oder wenn viele Stofflagen aufeinandertreffen, wie beim Patchworken, ist es gar nicht so einfach die Lagen flachzubügeln; teilweise kommt noch dazu, dass die Stoffe nicht allzuviel Hitze vertragen wie bei Wollstoffen. Statt also den Stoff mehrfach der Hitze auszusetzen, wird die zu plättende Stelle einmal so heiß wie möglich und soweit verträglich mit Dampf gebügelt, dann wird sofort das Bügelholz draufgelegt und man lässt die Stelle auskühlen; bei Bedarf kann das Bügelholz mit der Hand noch leicht auf den Stoff gepresst werden. Durch das Gewicht des Bügelholzes und das langsame Auskühlen bleibt der Stoff danach schön flach und richtet sich nicht wieder direkt auf.


Auf dem Bild seht ihr die Abnäher in einem Rock aus Wollstoff - links einmal gebügelt und mit Bügelholz auskühlen gelassen, rechts sogar zweimal gebügelt. Man erkennt sofort, dass sich der Abnäher links viel schöner legt; sowohl an der Spitze, die sich sonst bei dicken Stoff besonders schlecht flachbügeln lässt, als auch am Rand, wo ja der Bund noch gegengenäht werden muss - gut gebügelt ist eben halb genäht!

Das Bügelholz haben wir - genauso wie meinen Bügelamboss - aus einer 28mm starke Buchenplatte aus dem Baumarkt herausgesägt. Buche ist ein Hartholz, harzt nicht und ist wenig empfindlich gegenüber der Hitze und Feuchtigkeit aus dem Bügeleisen und daher perfekt geeignet für solche Werkzeuge. Mein Bügelholz ist 20cm lang und 5cm breit. Wir haben es ordentlich geschliffen, damit es schön glatt ist und nicht am Stoff hängen bleibt. Bügelhölzer kann man auch kaufen, aber es ist wirklich leicht sie selbst zu machen - Länge, Breite und Form kann man ganz nach dem eigenen Bedarf individuell erstellen.

Habt ihr ein Bügelholz? Oder baut ihr euch vielleicht demnächst eines?

Wer es nicht so mit Holz hat, kann übrigens aus Stoffresten ein Bügelei nähen - auch eine unverzichtbare Bügelhilfe, die sich hilfsweise auch zum Flachpressen von auskühlenden Nähten eignet.

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Fertig: Burda Jacke #115 aus 10/2020!


Heute zeige ich meine Jacke für den Herbst und Winter nach dem Schnitt #115 aus der Burda 10/2020, wobei dieser Schnitt einen Jackenschnitt aus der allerersten Ausgabe der Burda Moden von 1950 aufgegriffen und neu aufgelegt hat.


Der Schnitt zeichnet sich einerseits durch die Schnittführung mit angeschnittenen Ärmeln und taillierter Form und andererseits durch die Details wie Steppnähte, Pelzbesätze und den geknöpften Gürtel aus. Außerdem erhält die Jacke durch die Verarbeitung von gemustertem Stoff, wie hier einem Karomuster, einen besonderen Dreh.


Gerade die Verarbeitung des Stoffes war für mich eine echte Herausforderung, denn ich wollte gern einen Stoff aus dem Vorrat verwenden, der aus zweiter Hand war und daher nur 2,2m hergab und zudem ein Mottenloch hatte, das umgangen werden musste. Burda sah für die Jacke mindestens 2,85m vor.

Nun weiß ich, dass Burda häufig sehr großzügig mit seinen Stoffangaben ist, daher wollte ich es trotzdem versuchen und habe also einige Stunden investiert und meine Schnittteile in verschiedenen Konstellationen auf das vorhandene Stoffstück gelegt. Und letztlich ist es gelungen - wenn die Jacke auch 3cm kürzer ist als vorgesehen, das Muster an den Ärmelnähten nicht passt und ich die Taschenbeutel sowie Saumbesätze stückeln musste. Außerdem habe ich das untere Rückenteil im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, was mir aber auch optisch sehr gut gefällt und was ich vermutlich auch bei ausreichend Stoff erwogen hätte.


Insgesamt bin ich aber sehr begeistert wie gut das Muster passt - gerade auch in der vorderen Mitte und am Übergang zu den seitlichen Vorderteilen habe ich mir Zeit gelassen und mit viel Sorgfalt zugeschnitten, festgesteckt und genäht.


Anpassungen gab es auch einige: Ich habe den Schnitt um zwei Kleidergrößen auf Größe 48 vergrößert, danach habe ich am Oberteil mit seinen Teilungsnähten eine Brustanpassung (Full Bust Adjustment) vorgenommen. Die Teilungsnaht lief aber an mir nicht wie gedacht, so war die Brustanpassung viel zu hoch geraten und am Probestück wölbte sich der Stoff deutlich oberhalb der Brust. Also nochmal von vorn und nun sitzt es fast richtig - sollte ich den Schnitt nochmal nähen, werde ich den Brustpunkt weitere 2cm nach unten verlegen.

Außerdem habe ich bei der Schulternaht ein festes Band mitlaufen lassen, damit der Wollstoff sich dort nicht aushängt und ich habe Schulterpolster eingenäht, die zwar im Schnitt nicht vorgesehen waren, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das Original solche hatte. Außerdem sieht die Schulterlinie mit Polstern einfach besser aus und der Stoff wirft weniger Falten - gerade in Bewegung.

Und falls jemand den Schnitt nähen möchte, kann ich nur empfehlen, die Steppnähte an den Vorderteilen erst nach dem Verbinden von Ober- und Unterteil abzusteppen; es ist schon herausfordernd genug, alle Muster und Nähte aufeinandertreffen zu lassen, da muss man es sich mit weiteren Nähten nicht noch extra schwer machen.


Der Kunstpelz, der an Persianer erinnert, und ein paar Druckknöpfe mussten dazugekauft werden, aber alle anderen Materialien wie Knöpfe, Garn und passendes Futter waren vorhanden. Zusätzliche Wattierung oder Einlage habe ich bis auf die normale Bügeleinlage nicht verwendet, sodass die Jacke nicht unbedingt für erhebliche Minusgrade geeignet ist, aber einen langen Spaziergang durch die verschneite Landschaft mit Schneebällen hat sie bereits zufriedenstellend absolviert.


Unter der Jacke trage ich ebenfalls Selbstgenähtes, nämlich ein rotes Oberteil aus Strickstoff und einen grauen Rock.

Jedenfalls bin ich äußerst zufrieden damit, wie die Jacke geworden ist und fühle mich sehr wohl darin!
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Sonntag, 21. März 2021

Anleitung: Ecken zwischen zwei Stoffen nähen!


Neulich hatte ich meinen Picknickrock mit besonderer Nahtführung, nämlich mit Ecken zwischen den Rockbahnen, gezeigt. Ecken zwischen zwei Lagen Stoff gibt es manchmal auch in Oberteilen mit Teilungsnaht oder bei Zwickeln (Näheres zu Zwickeln findet ihr hier). Man findet zwar sehr viele Anleitungen im Netz, wie man Briefecken näht, allerdings kaum dazu, wie man zwei Lagen Stoff über Ecken verbindet. Daher möchte ich euch das heute einmal zeigen.

Das Wichtigste beim Nähen von Ecken ist das exakte Arbeiten - markiert euch ganz genau die Eckpunkte und zeichnet die Nahtlinie ein, näht langsam, bügelt fleißig und arbeitet insgesamt sorgfältig.

Bei fransenden Stoff solltet ihr die Eckpunkte (insbesondere die inneren Spitzen!) vorab mit aufbügelbarer Vlieseline verstärken.


Das Nähen von Ecken erfolgt abschnittsweise in einer Richtung. Wir fangen bei (1) an und legen die beiden Stoffe an der Naht rechts auf rechts aufeinander.


Anschließend wird die Naht abgesteppt und ganz genau bis zur Ecke genäht!


Nun wird die innere Ecke (in diesem Falle der blaue Stoff) schräg bis zum Eckpunkt eingeschnitten. Achtet darauf nicht die Naht durchzuschneiden, aber seid mutig beim Anschnitt, denn je genauer ihr zuschneidet, desto genauer wird die Ecke. Achtet aber darauf, dass ihr bei dicken oder fransenden Stoffen lieber ein oder zwei Fäden mehr stehen lasst.

Dann werden die beiden Stoff wieder rechts auf rechts bei (2) aufeinander gelegt und vom ersten Eckpunkt genau bis zum zweiten Eckpunkt genäht.


Ordentliches Bügeln - soweit es der Stoff zulässt - sorgt dafür, dass sich der Stoff schön legt und die Ecken gut herauskommen.


Das Ganze wird dann nochmals wiederholt, aber dieses Mal wird der braune Stoffe an der inneren Ecke eingeschnitten und dann bei (3) wieder die Stoffe rechts auf rechts aufeinanderlegen und absteppen.


Die Herausforderung beim Ecken nähen ist vor allem die Sorgfalt, aber mit ein bisschen Ruhe und Geduld (und vielleicht einem Probestück) lässt sich das gut umsetzen und ich hoffe, die obige Beschreibung hilft euch bei der ersten (und jeder weiteren) Ecke!

Wie immer gilt: wenn ihr Fragen oder Ergänzungen habt oder euch der Beitrag gefallen hat, dann schreibt das gern in die Kommentare.

Freitag, 15. Januar 2021

Anleitung: Armblätter / Schweißblätter selber nähen!


Heute geht es mal um ein etwas unangenehmes Thema: Schwitzen! Schwitzen ist eine ganz normale Reaktion des Körpers auf hohe Temperaturen, auf körperliche Anstrengung oder auf innere Aufregung. Dennoch will man diese Reaktion nicht immer präsent haben, zB weil man dann noch nervöser wird, und auch nicht jedes Kleidungsstück verträgt das auf Dauer. Gerade Wollkleider oder -sakkos, Seidenblusen oder anderer feiner Zwirn sowie oft auch Vintagekleidung reagieren empfindlich auf Schweiß. Es entstehen Verfärbungen, teilweise bleiben trotz Waschen Schweißränder zurück und durch häufiges Waschen leidet der Stoff. Solche Kleidungsstücke sollten also möglichst schon vor dem Entstehen von Schweißflecken geschützt werden, damit sie lange schön bleiben.

Eine Möglichkeit, Kleidung insbesondere vor dem Schweiß unter den Achseln zu schützen, sind Armblätter / Schweißblätter (engl. Dress Shields). Das sind kleine Stoffeinlagen, welche in das Armloch des Kleidungsstückes eingelegt und befestigt werden, sodass sie statt der Kleidung den Schweiß aufnehmen. Nach dem Tragen werden die Armblätter entnommen und separat gewaschen, sodass die Oberbekleidung einfach nur ausgelüftet werden braucht und man ihr so die Wäsche ersparen kann.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Schmutzige Kleidung muss natürlich gewaschen oder gereinigt werden! Aber oftmals ist die Kleidung doch gar nicht dreckig, sondern lediglich getragen und halt etwas verschwitzt.

Armblätter kann man auch käuflich in der Kurzwarenabteilung erwerben, allerdings gibt es sie dort in der Regel nur in weiß und schwarz und wenigen Standardgrößen. Wer selbst nähen kann, der kann andere Farben wählen und zudem noch das Armblatt perfekt an das Armloch anpassen!

Denn am einfachsten lässt sich das Schnittmuster für Armblätter direkt aus dem Schnittmuster des Kleidungsstückes, das man damit ausrüsten will, ableiten. Einfach die Seitennaht von Vorder- und Rückenteil zusammenschieben und schon hat man die ideale Rundung für das Armblatt. Gleichzeitig entspricht die Seitennaht dem Fadenlauf.

Ich messe für meine Armblätter 10cm vom Armloch im Vorderteil und 6cm im Rückenteil ab. Dann markiere ich einmal 5cm und einmal 9cm in der Höhe und male eine schöne Rundung. Je nach eigenem Schwitzverhalten kann man die Armblätter in der Form und Größe beliebig anpassen. Das kleine Armblattteil wird in den Ärmel gelegt und das große kommt in das Oberteil.

Das so entstandene Schnittmuster wird anschließend auf den Stoff gebracht. Geeignet sind glatte, nicht zu dicke Baumwollstoffe, die sehr eng gewebt und kochbar sind - besonders gut gehen daher Stofftaschentücher oder Kissen- oder Bettenbezüge. Um die Feuchtigkeit zurückzuhalten ist es empfehlenswert noch eine Zwischenlage einzuarbeiten wie zB etwas feste, angeraute Baumwollstoffe. Die gekauften Armblätter nutzen als Zwischenlage oft eine hitzebeständige Plastikschicht, die den Schweiß nicht durchlässt.

Wer es sehr unauffällig möchte, kann die obere Lage des Armblattes auch aus passenden Stoff der Oberbekleidung (zB bei Sakkos aus dem Futterstoff) machen. Es sollten hingegen keine Plastikstoffe oder Stoffe mit Elasthan verwandt werden, denn diese vertragen keine heiße Wäsche und nehmen auch nicht so viel Feuchtigkeit auf wie Baumwollfasern. Armblätter sollten zudem nicht mit Weichspüler gewaschen werden, sonst büßen sie ihre Saugfähigkeit ein (Gleiches gilt im Übrigen auch für Handtücher).

Ich habe für meine Armblätter ein altes, unbenutztes Herrentaschentuch als Außenstoff und als Zwischenlage noch einseitig angerauten Baumwollstoff verwendet.

Für jedes Armblatt braucht man gegengleich jeweils zwei Teile aus dem Aussenstoff und die Zwischenlage einfach - falls ihr auch einseitig angerauten Stoff als Zwischenlage nehmt, achtet darauf, dass die angeraute Seite, welche ja saugstärker ist, zum Körper zeigen sollte. Insgesamt werden also für ein Paar Armblätter jeweils vier von den kleinen und großen Armblattteilen aus dem Außenstoff und zwei von den kleinen und großen Armblattteilen aus der Zwischenlage benötigt.

Anschließend werden jeweils ein kleines und ein großes Armblattteil füßchenbreit rechts auf rechts zusammengenäht. Die obere Lage Außenstoff und die Zwischenlage werden dabei wie eine Lage verarbeitet.


Danach wird das obere Armblatt - also das mit der Zwischenlage - an der Naht entlang gewendet und die Nahtzugabe in eine Richtung gebügelt. Die Nahtzugabe des unteren Armblattes wird in die andere Richtung gebügelt und dann beide Armblattteile an der Naht aufeinander gelegt und rundherum mit der Overlock (oder einem Zickzackstich) verbunden und gleichzeitig versäubert. Falls vorhanden sollte Bauschgarn oder dünnes Garn für die Overlock verwendet werden, damit es schön weich bleibt und die Naht nicht so dick aufträgt.


Armblätter sollten, damit sie nicht knautschen, befestigt werden - ich mache das mit kleinen Sicherheitsnadeln an beiden Spitzen und in der Regel auch noch an der Nahtzugabe der Seitennaht. Man kann das Armblatt auch mit einigen Handstichen befestigen, aber muss die dann immer lösen, wenn man die Armblätter seperat waschen will. Von den Nadeln merkt man beim Tragen übrigens überhaupt nichts und auch die Armblätter stören nicht - man merkt bei Kleidern oder Blusen lediglich, dass es unter der Achsel etwas besser gepolstert ist als üblicherweise.

Und damit hat man einen idealen Schutz der Kleidung vor Schweißflecken und die Kleider bleiben sauber und lange schön. Denn der nächste Sommer oder das nächste Vorstellungsgespräch kommt bestimmt.

Habt ihr noch Fragen? Ist etwas unklar? Oder benutzt ihr vielleicht schon längst solche kleinen Hilfsmittel?

Mittwoch, 6. Januar 2021

Rückblick 2020!

Die erste Woche des neuen Jahres eignet sich immer gut für einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Bei mir musste das Nähen im Jahr 2020 hinter dem Studium zurücktreten und daher habe ich nicht so viel genäht wie ich gewollt hätte, aber einiges ist doch zusammengekommen.

Mein Nähjahr startete erstmal überschaubar mit Kleinigkeiten, wie Bügelbrettbezug, textilem Schmuck und Frühlingshütchen, und einem Hemd für den Gatten.

Das erstes Kleidungsstück für mich war dann der Hosenrock nach Burda 126 aus 06/2012, der mir noch immer ausgesprochen gut gefällt und den ich dieses Jahr auch unbedingt nochmal nähen möchte.


Passend zum bereits vorhandenen Leinenrock habe ich aus den Resten einen Leinenbolero aus einem Schnitt von 1957 genäht und nun ein hübsches Set für sommerliche Tage mit frischen Abenden.


Diese Bluse ist nach einem Wäscheunfall mit einem roten Shirt braun gefärbt und anschließend nach einem alten Abplättmuster neu bestickt worden.


Dann habe ich die inzwischen sechste Bluse nach Simplicity 7708 genäht - hier aus einem grauen Viskosestoff mit rosaroten und blauen Vögeln.


Und weil ich auch mal ein paar einfarbige Oberteile brauchte, habe ich die Rita Blouse aus Jersey und mit etwas längeren Ärmeln genäht und war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich habe auch noch ein paar weitere Jerseys hier liegen, die eine solche Bluse werden möchten.


Es folgte direkt eine weitere kurzärmelige Bluse nach dem gleichen Schnitt aus einem leichten, roten Jersey. Dazu ein bunter Baumwollrock mit alten, roten Knöpfen und roter Zackenlitze.


Und das Beste habe ich mir wohl bis zum Schluss aufgehoben, denn mein Lieblingsstück im Jahr 2020 war eindeutig das Keid aus der Elsa 12/1950. Es war aufgrund der vielen Anpassungen das aufwendigste Stück. Ich hatte es in 2012 als erstes Kleid überhaupt schonmal genäht, aber da saß es wegen der fehlenden Anpassungen nicht gut und auch die Stoffwahl war unpassend, aber diese Version jetzt mag ich wirklich sehr gern. Ich hatte es schon mehrfach an und habe mich dabei immer wunderbar angezogen gefühlt. Ein roter Wollstoff für ein weiteres Modell liegt bereits hier.

Kleid aus der Elsa 12/1950 || selbstgenäht || 50er Jahre || beswingtesallerlei.de


Nicht mehr fertig wurde mein Weihnachtskleid, welches im Moment auf die Ösen und Ärmelsäume wartet. Ich hatte am Freitag vor Weihnachten meine mündliche Prüfung und da war an Nähen nicht zu denken. Aber ich bin optimistisch, dass das Kleid in Kürze fertig und getragen wird, aber das muss ich dann im Rückblick für das Jahr 2021 vorführen!

Damit wünsche ich uns allen ein frohes und gesundes neues Jahr!

Dienstag, 12. November 2019

Werkzeuge beim Nähen: Bügelamboss / Tailors Board!

Heute wird es richtig handwerklich - keine Sorge, das wird hier kein Heimwerkerblog, denn eigentlich geht es immernoch um's Nähen: Wir haben einen Bügelamboss, ein sogenanntes Tailors Board, gebaut!


Gerade neulich hat mir (mal wieder) eine Möglichkeit gefehlt, eine Briefecke ordentlich auszubügeln, und so bat ich den Gatten, ob wir nicht am Samstag einen Bügelamboss bauen könnten, denn auch der Gatte weiß:
Gut gebügelt ist halb genäht!
..und gleich zu Anfang einmal die Verwendungmöglichkeiten eines solchen Werkzeuges:


1.Rundung für Ärmel / Armkugeln
2.leichte Rundung für Seitennähte über die Hüfte oder Teilungsnähte an der Brust
3.Rundung mit Wölbung für schwer erreichbare Stellen wie an Krägen oder kleine Teile
4.langgezogene Spitze zum Ausbügeln von Ecken
5.Rundung für Bubikragen oder Ähnliches
6.glatte Kante mit anschließender Rundung für schwer erreichbare Stellen
Außerdem kann auf der Fläche des großen Stückes auch ganz normal flach gebügelt werden.


Ein sehr hilfreiches, vielseitiges Werkzeug also. Bereits im Jahr 1966 wurde dafür ein Patent angemeldet. Der Gatte und ich haben diese Anleitung befolgt.

Schon auf dem Papier ist allerdings aufgefallen, dass der Sitz der Verbindungen nicht ganz stimmt. Der Bügelamboss sollte, damit man die Ärmelnaht gut ausbügeln kann, auf den Spitzen stehen können - das passt aber mit den eingezeichneten Verbindungen nicht ganz überein. Außerdem ist der Winkel des kleinen Stückes nicht genau 90°. Falls ihr auch einen Bügelamboss bauen wollt, solltet ihr beides direkt auf dem Papier schon anpassen!


Verwendet haben wir eine 28mm starke Buchenplatte (vermutlich würden 18mm auch genügen) aus dem Baumarkt. Buche ist ein Hartholz, harzt nicht und ist wenig empfindlich gegenüber der Hitze und Feuchtigkeit aus dem Bügeleisen. Dass es sich um Hartholz handelt, hat man bei der Verarbeitung auch gemerkt - Stichsäge, Abschleifer und Holzfeile wurden ziemlich beansprucht.


Wir haben zunächst alle Einzelteile ausgeschnitten und ordentlich glatt geschliffen. Es sollte keine Kanten oder rauen Stellen mehr vorhanden sein, damit auch feine Stoffe nicht beschädigt werden.

Dann haben wir erst die zwei kleineren Teile verbunden, nochmal alle Markierungen kontrolliert und dann beide auf das große Stück gesetzt. Zur Verbindung haben wir 8mm starke Holzdübel sowie wasserfesten Holzleim verwendet.


Schließlich haben wir noch die Spitze zum Ausbügeln von Ecken gesägt und abgeschliffen.

Eigentlich wird auch das Ende der Rundung noch angespitzt, aber ich wollte es erstmal so austesten - wir können ja jederzeit noch Änderungen vornehmen. Außerdem ist durch das relativ dicke Holz bei uns das kleine Einzelteil etwas zu hoch gekommen, sodass der Bügelamboss ganz leicht geneigt ist, was ich aber eigentlich gar nicht verkehrt finde.


Einen ersten Test hat der Bügelamboss schon hinter sich und gut gemeistert - ich bin sicher, dass er mir in Zukunft gute Dienste leisten wird. Falls ihr also noch nicht wusstet, was ihr euch zu Weihnachten wünschen oder einer/einem Schneider/in schenken sollt, dann wäre das vielleicht das Richtige.

Was sind eure besten Werkzeuge zum Nähen und/oder Bügeln?

Freitag, 24. November 2017

Anleitung: Leistentasche / Pattentasche nähen!

Leisten (oder auch Pattentaschen) sind praktische Taschen an Röcken, Kleidern oder Mänteln. Sie können beliebig angebracht werden und tragen nicht so viel auf wie zB aufgesetzt Taschen. Mit den Patten kann man zusätzlich durch unterschiedliche Stoffe oder Musterverläufe kleine Hingucker setzen.

Da mein Weihnachtsrock auch Leistentaschen bekommen soll, habe ich diese lieber einmal geprobt. Obwohl mir das Prinzip durchaus klar ist, wollte ich es nicht am Rock selbst üben, denn einmal eingeschnitten gibt es kein Zurück. Und weil es gut gelungen ist, habe ich mir zum Nachschlagen gleich mal aufgeschrieben und aufgezeichnet wie es funktioniert.


Der Taschenbeutel wird im gleichen Fadenlauf wie das Kleidungsstück selbst gefertigt.
Die Leiste soll nicht ausleiern und auch nach mehrmaligem Reingreifen noch schön am Körper anliegen, daher darf sie sich nicht in der Breite dehnen. Dazu wird die Leiste gegen den Fadenlauf, also im 90°-Winkel zum Fadenlauf, geschnitten. Für zusätzlichen Halt werden die Leiste und großzügig der Bereich des Einschnittes mit Einlage verstärkt.

Zunächst wird die Leiste (bzw. Patte) gewendet, also rechts auf rechts aneinander gelegt und die Seiten zugesteppt. Danach einfach die Nahtzugabe knapp zurückschneiden, auf rechts wenden und Ecken ausformen.

Ich benutze zum Ausformen der Ecken Bambusstricknadeln - die vertragen Hitze und sind nicht so spitz, dass sie den Stoff durchstechen.

Die beiden Eingriffnähte liegen ca. 0,8-1cm auseinander und werden mit Kreide oder Garn auf beiden Seiten des Kleidungsstückes markiert.

Anschließend wird die Leiste mit der offenen Seite nach oben an die untere Naht des Tascheneingriffs gesteppt. An die obere Naht wird der untere Taschenbeutel genäht. Er wird rechts auf rechts aufgenäht und die Naht ist an beiden Seiten ca. 1cm kürzer als die untere Naht - so wird gewährleistet, dass die Leiste auf jeden Fall den Eingriff überdeckt.

Will man zB einer Manteltasche mehr Halt geben und macht daher den unteren Taschenbeutel aus Oberstoff, dann verwendet man hier eben diesen.

So sieht das dann aus:


Nun wird auf der linken Stoffseite (hier farblich dargestellt) eingeschnitten: mittig zwischen den Nähten ein gerader Einschnitt, der etwas kürzer ist als die Nähte selbst.
Dann wird bis zu den Nahtenden eingeschnitten. Der Taschenbeutel wird auf die linke Seite gezogen und die Leiste nach oben gelegt, sodass sie den Eingriff verdeckt und die Nahtzugabe der Leiste auf der linken Stoffseite liegt.

Alles gut plätten, damit es sich schön legt. Wenn sich Falten bilden, dann nochmal kontrollieren, ob wirklich bis zum Nahtende eingeschnitten wurde.

Danach den oberen Taschenbeutel an die Nahtzugabe der Leiste nähen. Dazu einfach den oberen Stoffbeutel an die Nahtzugabe feststecken und dann knapp an der bereits vorhandenen Naht entlang nähen. Weil der flutschige Futterstoff sich besser legt als der feste Oberstoff ist es günstiger, wenn der Futterstoff beim Nähen unten liegt.

Mit ein paar Handstichen sollten nun die kleinen Dreiecke, die sich beim Einschneiden des Tascheneingriffs gebildet haben, zwischen den beiden Taschenbeuteln fixiert werden. Das geht auch mit der Maschine, aber ist etwas friemelig, weil es viele Stofflagen sind und eng genäht werden muss. Ich finde, dass es per Hand schneller und sauberer geht.

Dann einfach die Taschenbeutel rechts auf rechts zusammensteppen.

Da die Taschenbeutel ja um 1cm versetzt angenäht wurden, steht der obere Taschenbeutel über - der Überstand wird nach dem Nähen einfach weggeschnitten. Falls der Rock gefüttert wird, reicht es als Versäuberung des Taschenbeutels die Nahtzugabe mit einer Zickzackschere zu stutzen. Ohne Futter sollte er mit der Overlock oder Nähmaschine versäubert werden.

Alles nochmal gut plätten und im Anschluss mit der Hand die Seiten der Leiste festnähen. Dabei an den beiden oberen Kanten ruhig ein paar Sicherungsstiche mehr, denn die müssen doch einiges aushalten.

Dann ist die Tasche auch schon fertig und kann noch zB mit einem Knopf verziert werden.

Der Blick nach innen in die Tasche sieht dann so aus:

Und nachdem das so gut geklappt hat, habe ich gleich mit den Patten aus dem hübschen braunen Wollstoff weitergemacht und es werden sicherlich nicht die letzten Leistentaschen an einem Kleidungsstück für mich sein. Ich hoffe die kleine Anleitung war verständlich und wenn ihr Fragen habt, dann immer raus damit. Ansonsten sehen wir uns am Sonntag zum Zwischenstand zum Weihnachtskleidrock.