Freitag, 15. Januar 2021

Anleitung: Armblätter / Schweißblätter selber nähen!


Heute geht es mal um ein etwas unangenehmes Thema: Schwitzen! Schwitzen ist eine ganz normale Reaktion des Körpers auf hohe Temperaturen, auf körperliche Anstrengung oder auf innere Aufregung. Dennoch will man diese Reaktion nicht immer präsent haben, zB weil man dann noch nervöser wird, und auch nicht jedes Kleidungsstück verträgt das auf Dauer. Gerade Wollkleider oder -sakkos, Seidenblusen oder anderer feiner Zwirn sowie oft auch Vintagekleidung reagieren empfindlich auf Schweiß. Es entstehen Verfärbungen, teilweise bleiben trotz Waschen Schweißränder zurück und durch häufiges Waschen leidet der Stoff. Solche Kleidungsstücke sollten also möglichst schon vor dem Entstehen von Schweißflecken geschützt werden, damit sie lange schön bleiben.

Eine Möglichkeit, Kleidung insbesondere vor dem Schweiß unter den Achseln zu schützen, sind Armblätter / Schweißblätter (engl. Dress Shields). Das sind kleine Stoffeinlagen, welche in das Armloch des Kleidungsstückes eingelegt und befestigt werden, sodass sie statt der Kleidung den Schweiß aufnehmen. Nach dem Tragen werden die Armblätter entnommen und separat gewaschen, sodass die Oberbekleidung einfach nur ausgelüftet werden braucht und man ihr so die Wäsche ersparen kann.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Schmutzige Kleidung muss natürlich gewaschen oder gereinigt werden! Aber oftmals ist die Kleidung doch gar nicht dreckig, sondern lediglich getragen und halt etwas verschwitzt.

Armblätter kann man auch käuflich in der Kurzwarenabteilung erwerben, allerdings gibt es sie dort in der Regel nur in weiß und schwarz und wenigen Standardgrößen. Wer selbst nähen kann, der kann andere Farben wählen und zudem noch das Armblatt perfekt an das Armloch anpassen!

Denn am einfachsten lässt sich das Schnittmuster für Armblätter direkt aus dem Schnittmuster des Kleidungsstückes, das man damit ausrüsten will, ableiten. Einfach die Seitennaht von Vorder- und Rückenteil zusammenschieben und schon hat man die ideale Rundung für das Armblatt. Gleichzeitig entspricht die Seitennaht dem Fadenlauf.

Ich messe für meine Armblätter 10cm vom Armloch im Vorderteil und 6cm im Rückenteil ab. Dann markiere ich einmal 5cm und einmal 9cm in der Höhe und male eine schöne Rundung. Je nach eigenem Schwitzverhalten kann man die Armblätter in der Form und Größe beliebig anpassen. Das kleine Armblattteil wird in den Ärmel gelegt und das große kommt in das Oberteil.

Das so entstandene Schnittmuster wird anschließend auf den Stoff gebracht. Geeignet sind glatte, nicht zu dicke Baumwollstoffe, die sehr eng gewebt und kochbar sind - besonders gut gehen daher Stofftaschentücher oder Kissen- oder Bettenbezüge. Um die Feuchtigkeit zurückzuhalten ist es empfehlenswert noch eine Zwischenlage einzuarbeiten wie zB etwas feste, angeraute Baumwollstoffe. Die gekauften Armblätter nutzen als Zwischenlage oft eine hitzebeständige Plastikschicht, die den Schweiß nicht durchlässt.

Wer es sehr unauffällig möchte, kann die obere Lage des Armblattes auch aus passenden Stoff der Oberbekleidung (zB bei Sakkos aus dem Futterstoff) machen. Es sollten hingegen keine Plastikstoffe oder Stoffe mit Elasthan verwandt werden, denn diese vertragen keine heiße Wäsche und nehmen auch nicht so viel Feuchtigkeit auf wie Baumwollfasern. Armblätter sollten zudem nicht mit Weichspüler gewaschen werden, sonst büßen sie ihre Saugfähigkeit ein (Gleiches gilt im Übrigen auch für Handtücher).

Ich habe für meine Armblätter ein altes, unbenutztes Herrentaschentuch als Außenstoff und als Zwischenlage noch einseitig angerauten Baumwollstoff verwendet.

Für jedes Armblatt braucht man gegengleich jeweils zwei Teile aus dem Aussenstoff und die Zwischenlage einfach - falls ihr auch einseitig angerauten Stoff als Zwischenlage nehmt, achtet darauf, dass die angeraute Seite, welche ja saugstärker ist, zum Körper zeigen sollte. Insgesamt werden also für ein Paar Armblätter jeweils vier von den kleinen und großen Armblattteilen aus dem Außenstoff und zwei von den kleinen und großen Armblattteilen aus der Zwischenlage benötigt.

Anschließend werden jeweils ein kleines und ein großes Armblattteil füßchenbreit rechts auf rechts zusammengenäht. Die obere Lage Außenstoff und die Zwischenlage werden dabei wie eine Lage verarbeitet.


Danach wird das obere Armblatt - also das mit der Zwischenlage - an der Naht entlang gewendet und die Nahtzugabe in eine Richtung gebügelt. Die Nahtzugabe des unteren Armblattes wird in die andere Richtung gebügelt und dann beide Armblattteile an der Naht aufeinander gelegt und rundherum mit der Overlock (oder einem Zickzackstich) verbunden und gleichzeitig versäubert. Falls vorhanden sollte Bauschgarn oder dünnes Garn für die Overlock verwendet werden, damit es schön weich bleibt und die Naht nicht so dick aufträgt.


Armblätter sollten, damit sie nicht knautschen, befestigt werden - ich mache das mit kleinen Sicherheitsnadeln an beiden Spitzen und in der Regel auch noch an der Nahtzugabe der Seitennaht. Man kann das Armblatt auch mit einigen Handstichen befestigen, aber muss die dann immer lösen, wenn man die Armblätter seperat waschen will. Von den Nadeln merkt man beim Tragen übrigens überhaupt nichts und auch die Armblätter stören nicht - man merkt bei Kleidern oder Blusen lediglich, dass es unter der Achsel etwas besser gepolstert ist als üblicherweise.

Und damit hat man einen idealen Schutz der Kleidung vor Schweißflecken und die Kleider bleiben sauber und lange schön. Denn der nächste Sommer oder das nächste Vorstellungsgespräch kommt bestimmt.

Habt ihr noch Fragen? Ist etwas unklar? Oder benutzt ihr vielleicht schon längst solche kleinen Hilfsmittel?

Kommentare:

  1. Genau so sind sie auch in meinem Brautkleid eingenäht, und ich bin froh, daß Schweißblätter drin waren, bei der Aufregung.....
    https://naehfreundin.blogspot.com/2020/10/lila-der-letzte-versuch-von-wegen.html

    Lustigerweise habe ich mal einen Blazer gekauft, in den waren als Schweißblätter handelsübliche Damenbinden (kein Witz!) eingeklebt. O.k. , das erfüllt seinen Zweck, so lange man den Blazer nicht ablegen muß.....

    Beste Grüße
    Susan

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    1. Eine Damenbinde finde ich aber auch fragwürdig - sowohl optisch als auch aus Nachhaltigkeitsaspekten, zumal das doch bestimmt raschelt beim Tragen?

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    2. Ich dachte auch, ich sehe nicht richtig. Die Binden habe ich entfernt, insofern kann ich zum "rascheln" nichts sagen.

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  2. Gute Idee, da ja bei Wollstoffen oft ein Auslüften auf dem Balkon oder im Garten zum "erfrischen" reicht.
    Zum Befestigen hätte ich noch eine Idee: es gibt kleine und ganz flache Druckknöpfe aus fast durchsichtigem Kunststoff von P.y.m
    Die benutze ich auch immer bei gekauften Blusen, um an der Knopfleiste die aufspringende Stelle zwischen 2 Knöpfen zusammenzuhalten, da bei mir die üppigste Stelle genau da sitzt, wo gerade kein Knopf ist.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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    1. Liebe Dagmar,

      da hast Du völlig recht - kleine Druckknöpfe sind auch super geeignet, insbesondere wenn man die Blätter wirklich konkret für ein Stück anfertigt :)

      Herzlichst, Anne

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  3. Wieder eine tolle Anleitung. Oft sind solche "alten" Dinge zu Unrecht aus der Mode gekommen, danke dass du sie wieder in Erinnerung rufst. Jetzt muss ich mich nur noch aufraffen welche für meine langärmligen Kleider zu nähen und rausfinden, wie das für Kimomoärmel am besten funktioniert.

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    1. Oh für Kimonoärmel finde ich es fast nicht so gut geeignet, weil Du sowieso schon so viel Stoff unter dem Arm hast. Eventuell könnte es sich anbieten ein Hemdchen drunterzuziehen und da am Armloch das Armblatt zu befestigen :)

      Vielen Dank für den lieben Kommentar :)

      Herzliche Grüße, Anne

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