Dienstag, 12. November 2019

Werkzeuge beim Nähen: Bügelamboss / Tailors Board!

Heute wird es richtig handwerklich - keine Sorge, das wird hier kein Heimwerkerblog, denn eigentlich geht es immernoch um's Nähen: Wir haben einen Bügelamboss, ein sogenanntes Tailors Board, gebaut!


Gerade neulich hat mir (mal wieder) eine Möglichkeit gefehlt, eine Briefecke ordentlich auszubügeln, und so bat ich den Gatten, ob wir nicht am Samstag einen Bügelamboss bauen könnten, denn auch der Gatte weiß:
Gut gebügelt ist halb genäht!
..und gleich zu Anfang einmal die Verwendungmöglichkeiten eines solchen Werkzeuges:


1.Rundung für Ärmel / Armkugeln
2.leichte Rundung für Seitennähte über die Hüfte oder Teilungsnähte an der Brust
3.Rundung mit Wölbung für schwer erreichbare Stellen wie an Krägen oder kleine Teile
4.langgezogene Spitze zum Ausbügeln von Ecken
5.Rundung für Bubikragen oder Ähnliches
6.glatte Kante mit anschließender Rundung für schwer erreichbare Stellen
Außerdem kann auf der Fläche des großen Stückes auch ganz normal flach gebügelt werden.


Ein sehr hilfreiches, vielseitiges Werkzeug also. Bereits im Jahr 1966 wurde dafür ein Patent angemeldet. Der Gatte und ich haben diese Anleitung befolgt.

Schon auf dem Papier ist allerdings aufgefallen, dass der Sitz der Verbindungen nicht ganz stimmt. Der Bügelamboss sollte, damit man die Ärmelnaht gut ausbügeln kann, auf den Spitzen stehen können - das passt aber mit den eingezeichneten Verbindungen nicht ganz überein. Außerdem ist der Winkel des kleinen Stückes nicht genau 90°. Falls ihr auch einen Bügelamboss bauen wollt, solltet ihr beides direkt auf dem Papier schon anpassen!


Verwendet haben wir eine 28mm starke Buchenplatte (vermutlich würden 18mm auch genügen) aus dem Baumarkt. Buche ist ein Hartholz, harzt nicht und ist wenig empfindlich gegenüber der Hitze und Feuchtigkeit aus dem Bügeleisen. Dass es sich um Hartholz handelt, hat man bei der Verarbeitung auch gemerkt - Stichsäge, Abschleifer und Holzfeile wurden ziemlich beansprucht.


Wir haben zunächst alle Einzelteile ausgeschnitten und ordentlich glatt geschliffen. Es sollte keine Kanten oder rauen Stellen mehr vorhanden sein, damit auch feine Stoffe nicht beschädigt werden.

Dann haben wir erst die zwei kleineren Teile verbunden, nochmal alle Markierungen kontrolliert und dann beide auf das große Stück gesetzt. Zur Verbindung haben wir 8mm starke Holzdübel sowie wasserfesten Holzleim verwendet.


Schließlich haben wir noch die Spitze zum Ausbügeln von Ecken gesägt und abgeschliffen.

Eigentlich wird auch das Ende der Rundung noch angespitzt, aber ich wollte es erstmal so austesten - wir können ja jederzeit noch Änderungen vornehmen. Außerdem ist durch das relativ dicke Holz bei uns das kleine Einzelteil etwas zu hoch gekommen, sodass der Bügelamboss ganz leicht geneigt ist, was ich aber eigentlich gar nicht verkehrt finde.


Einen ersten Test hat der Bügelamboss schon hinter sich und gut gemeistert - ich bin sicher, dass er mir in Zukunft gute Dienste leisten wird. Falls ihr also noch nicht wusstet, was ihr euch zu Weihnachten wünschen oder einer/einem Schneider/in schenken sollt, dann wäre das vielleicht das Richtige.

Was sind eure besten Werkzeuge zum Nähen und/oder Bügeln?
[verlinkt beim Creadienstag]

Dienstag, 29. Oktober 2019

Sunburst Mirror - ein selbstgemachter Spiegel


Heute mal nicht genäht, sondern gebastelt!

Schon länger wollte ich gern einen Sunburst Mirror haben, also einen Spiegel statt einer Uhr, der an das Design von George Nelson erinnert. Aber solche Stücke sind entweder sehr teuer oder sehr billig (und sehen dann meist auch so aus). Also kam ich auf den Gedanken, den Spiegel einfach selbst zu machen.

Grundlage war ein alter Kosmetikspiegel und dazu ein paar Schaschlikspieße, die der Gatte und ich auf unterschiedliche Längen abgesägt und die Kanten abgeschliffen haben. Versetzt angeordnet und mit der Heißklebepistole befestigt, ergibt sich das hübsche Sonnenscheindesign.


Zum Schluss haben wir alles mit goldener Farbe angesprüht und noch eine Aufhängung angebracht und fertig ist das sehr kostengünstige Designerstück! Und ich finde, dass es ordentlich was hermacht!

Sonntag, 20. Oktober 2019

Fertig: Pullover nach einem Schnitt von 1940!


Ich nähe in letzter Zeit vor allem bereits angepasste Schnittmuster - für auswendige Anpassungen habe ich einfach keine Zeit. Glücklicherweise wirken die gleichen Schnittmuster aus unterschiedlichen Stoffen immer nochmal anders.


Und auch diesen Pullover habe ich schon mehrmals genäht (1,2,3). Ursprünglich ist es ein Kleid von 1940 aus der Modenschau 322. Als Kleid konnte sich der Schnitt nicht so richtig durchsetzen, aber als Oberteil trage ich ihn sehr gern.


Ich hatte eine FBA gemacht und die Abnäher strahlenförmig auslaufen lassen. Diese Abnäher sind auch der einzige Schmuck des Oberteils. Der Stoff, der fast wie gerippt wirkt, ist Wirkware - allerdings ist er aus Plastik. Normalerweise kaufe und trage ich keinen Plastik (von Sportkleidung mal abgesehen) und vernähe ihn auch nicht gern. Aber in diesem Falle konnte ich der Farbe einfach nicht widerstehen und so nahm ich einen Meter mit.


Und daraus ging sich gerade so der Pullover aus, den ich an nur zwei Abenden anfertigte. Da das Schnittmuster bekannt ist, ging das Nähen einfach von der Hand und auch der Stoff ließ sich anstandslos verarbeiten - abgesehen davon, dass er sich weigerte Markierungen per Kreide anzunehmen. Aber da ich immernoch skeptisch mit dem Material bin, habe ich auch nicht allzuviel Mühe investiert. Weder habe ich versäubert noch besonders sorgfältig gebügelt oder gesteckt. Es ist ein bisschen zusammengeklöppelt und eher ein Versuch - ich fürchte noch, dass mich der Stoff letztlich nicht überzeugen wird.


Aber ich will nicht voreingenommen sein und mich überraschen lassen. In jedem Falle ist die Farbe ganz toll und fehlt schon länger in meiner Garderobe - zumal ich schon das passende Hütchen dazu besitze. Das entstand durch eine gekaufte Basis und den Resten eines alten Hutes, nämlich als Rand und Filzblüten.

Den smaragdgrünen Rock habe ich inzwischen schon so oft gezeigt - er ist eines der liebsten Teile im Schrank und trotzdessen er wohl schon an die hundert Male gewaschen wurde, sieht er aus wie neu. Eventuell muss ich den Handsaum irgendwann mal nachnähen, denn ich bin immer mal wieder irgendwo hängen geblieben und an ein, zwei Stellen ist die Naht geplatzt.


Nun gilt es abzuwarten, ob sich der Plastepulli bewährt. Hübsch finde ich ihn allemal und der Rest muss sich halt zeigen. Wie steht ihr so zu Plastikstoffen/-kleidung?

[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Montag, 16. September 2019

Das ist doch ein alter Hut!


Hüte waren in den 40er und 50er Jahren nicht wegzudenken und wer ein Faible für diese Zeit hat, wird kaum darum herumkommen, sich gut zu behüten. So geht es mir auch und daher kaufte ich vor einer Weile diesen hübschen Hut für ein paar Groschen bei einem bekannten Onlineauktionshaus.

Alte Hüte zu kaufen ist immer ein wenig riskant. Zum Einen stellt sich natürlich die Frage danach, ob er passt und gefällt, aber zum Anderen auch in welchem Zustand er ist - und damit ist nicht nur Schmutz oder Mottenfraß gemeint, sondern auch wieviel von der ursprünglichen Form noch übrig ist. Leider werden viele Hüte falsch gelagert und bekommen dadurch Beulen oder verformen sich. Filzhüte lassen sich zwar auch zuhause mit Dampf aus dem Bügeleisen wieder ein wenig in Form zu bringen, aber das gestaltet sich ziemlich schwierig, wenn man gar nicht genau weiß, wie die Ursprungsform denn nun eigentlich war.


Der Hut aus grauem Filz hat eine Tulpenform, die sowohl durch eine Naht als auch eine Falte in eine rundere Form am Hinterkopf gebracht wird. Zwei zusätzliche "Blütenstiele", wovon einer ebenfalls verdrahtet ist, und ein kleines Blättchen unterstützen die florale Form. Zusätzlich hat der Hut im Rand Draht eingearbeitet, damit er formbar ist, und zur Fixierung ein Hutgummi.

Ich befreite den Hut zunächst mit einer weichen Bürste vom Staub. Danach beulte ich ihn mit viel Dampf (Achtung: Verbrennungsgefahr) aus und formte ihn so, dass er zu meiner Kopfform passt. Anschließend reinigte ich das Hutband und gönnte dem Hütchen ein wenig Imprägnierspray, damit Regen und Schmutz ihm weniger anhaben können.


Letztlich bleibt es sprichwörtlich ein alter Hut, aber ich denke er wird mir noch einige Male Freude machen und das ist doch sein Sinn und Zweck!



Mittwoch, 4. September 2019

Fertig: Burda Jacke 104 aus 08/2012

Die vermutlich unförmigste Jacke, die ich jemals genäht habe: Meine Kastenjacke #104 aus der Burda 08/2012.


Im Heft präsentiert sich die Jacke mit Nietengedöns am Ärmel, was für mein Empfinden etwas zu dominant ist, weil es wenig Raum für andere Interpretationen lässt. Aber da ich ohnehin fast ausschließlich auf die technische Zeichnung schaue, hat mir die Jacke trotzdem gefallen. Der Schalkragen, die lose Form, die Ärmellänge haben mich angesprochen und an die gerade Jacken der 50er Jahre erinnert.
Den letzten Ausschlag gab schließlich, dass die Jacke mit relativ wenig Stoff auskommt, denn ein boucléartiger, eher fester Strickstoff aus Wolle und Viskose wollte gern eine Herbstjacke werden und der war aber leider nur ein Reststück und knapp bemessen.


Wie (fast) immer nähte ich ein Probemodell zum Überprüfen der Passform, aber auch um die "Drachenkeilärmel" zu testen - ehrlich gesagt hatte ich den Begriff vorher noch nie gehört, aber Burda nutzt ihn öfters. Es handelt sich um überschnittene Ärmel, die durch die Seitenteile ähnlich einem Zwickel zusätzliche Form bekommen - spannend und sieht man nicht so oft. Also habe ich aus einer Viskosewebware mit etwas Elasthan, die sich trotz der unterschiedlichen Zusammensetzung dem Boucléstrick sehr ähnlich verhält, ein Probeteil genäht.


Da der Schnitt bei Burda nur bis Kleidergröße 44 geht, habe ich den Schnitt zwei Nummern auf Kleidergröße 48 hochgradiert. Das Probeteil saß auf den ersten Versuch relativ gut - nun muss man zugeben, dass überschnittene Ärmel und die lose Form natürlich viel verzeihen und so musste ich nur in der vorderen Mitte etwas Länge für die Brust zugeben. Und so wurde das Probeteil kurzerhand um Belege ergänzt und ist nun das Futter der Jacke. Für die Ärmel habe ich allerdings normalen Futtertaft verwendet, damit ich nicht ständig an der Kleidung hängen bleibe und weil der Probestoff ohnehin dafür nicht mehr gereicht hätte.


Der Schnitt ist der Bildernähkurs der Ausgabe und entsprechend etwas ausführlicher erklärt und bebildert. Allerdings muss man trotzdem zugeben, dass Burda sich bei den Formulierungen manchmal etwas sperrig anstellt. Kurz gesagt wird das Seitenteil zunächst am Vorderteil angebracht und danach das Ärmelteil und dann genau andersrum, also mit dem Ärmelteil beginnend, beides am Rückenteil angenäht, bevor dann die Achselnaht geschlossen wird. Wenn nun die Achselnaht, also diese zwischen Seitenteil und Ärmel geschlossen wird, würde ich empfehlen dies in zwei Schritten jeweils von der Mitte aus zu nähen. Der Ärmel ist etwas zu schmal, um die Naht gerade zu legen und in einem Rutsch zu schließen. Das Wichtigste dabei ist - wie bei allen Arten von Zwickel - sehr genau zu nähen.


Da der Oberstoff nicht mehr reichte, habe ich für die Belege einen Reststoff vom Frühlingskostüm, von dem auch der Rock ist, verwendet und einen Aufhänger hinzugefügt. An der Ausschnittkante habe ich die Nahtzugabe am Beleg angesteppt, damit es sich nicht aufplustert und schönen Stand erhält. Bei der Schulternaht habe ich ein Nahtband mitlaufen lassen, damit der Stoff sich dort nicht ausdehnt.


Die Jacke bleibt verschlusslos, aber lässt genug Platz, um sich auch ein bisschen einzumummeln. Ich arbeite im Büro und habe das Glück nicht auf öffentliche Verkehrsmittel und zugige Bahnsteige eingewiesen zu sein, sodass ich eher eine Jacke brauche, mit der ich in der Mittagspause mal schnell in den Stoffladen huschen kann, ohne draussen zu erfrieren oder drinnen den plötzlichen Hitzetod zu sterben. Beides scheint mit der Jacke gut verhindert werden zu können!


Das Futter oder besser gesagt die Belege an der vorderen Mitte sind wohl einen Hauch kürzer als der festgelegte Saum und stört ein wenig den Fall - das ist mir allerdings erst auf den Fotos aufgefallen. Eventuell werde ich den Saum nochmal einen Zentimeter weiter umschlagen müssen - was meint ihr?


Die Bluse zur Jacke ist nach dem üblichen Hemdblusenschnitt von 1940. Viel zusagen gibt es dazu nicht, ich habe die Bluse schon diverse Male genäht und werde sie vermutlich nun auch nochmal in vanillegelb nähen, weil das so gut zur Jacke passen würde.


Insgesamt ließ sich die Jacke gut nähen und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis! Sie ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe und auch wenn ich Kleidung sonst sehr figurnaher trage, mag ich das Tragegefühl. Ein nach unten hin schmaler werdender Rock würde dem Gesamtbild noch ganz gut tun, aber die Jacke wird mich trotzdem schon jetzt durch den Alltag begleiten!


[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Dienstag, 6. August 2019

Besticktes Lavendelsäckchen!

Neulich haben wir unseren Lavendel von den trockenen Blüten befreit und was tut man mit den herrlich duftenden Blüten? Man macht natürlich Lavendelsäckchen daraus!

Ein einfaches Rechteck, genäht, gefüllt, gefaltet und per Hand mit ein paar Perlen bestickt. Ein kurzes Stück Samtband, damit man das Säckchen an Kleiderbügeln oder der Kleiderstange aufhängen kann. Schon wanderte das Säckchen zur Bettwäsche, denn der große Vorteil von Lavendel ist, neben der beruhigenden Wirkung, dass er die Motten fernhält - somit also auch für das häusliche Stofflager unbedingt zu empfehlen!

Man kann das Säckchen auch nur mit einer Schleife befestigen, dann lässt sich der Lavendel leichter tauschen, wenn er seinen Duft verloren hat.


..und weil die so schnell und einfach gemacht sind, sind Lavendelsäckchen ein tolles Mitbringsel und zudem auch eine gute Verwertungsmöglichkeit für Stoffreste. Wenn man nicht gerade den Lavendel schon auf den Stoff aufgedruckt hat, sollte man die Füllung kurz dazu schreiben, aufsticken oder einfach einen Lavendelblütenhalm befestigen.

Man kann die Säckchen aber auch mit Zedernholz oder anderen aromatischen Kräutern wie Rosmarin, Minze, Oregano, Thymian, Zitronenmelisse oder Ähnliches füllen. Auch Duftöle wie Orange oder Tanne können genutzt werden.

Schnell und einfach genäht, frischer und natürlicher Duft für den Kleiderschrank und das Stofflager - ist doch eine dufte Sache, oder?
[verlinkt beim Summer Stitchalong & Creadienstag]