Dienstag, 31. Juli 2018

Fertig: Hemdbluse von 1940!

Diesen Titel gab es nun schon fünfmal auf diesem Blog (1, 2, 3, 4, 5) - die Hemdbluse ist einfach ein Hit.


Die Hemdbluse aus der Praktischen Damen- und Kindermode von 12/1940 passt zu meinem Kleiderschrank und zu mir und ist inzwischen so vertraut, dass sie schnell und problemlos genäht werden kann. Und so nähte ich sie innerhalb einer Woche und dabei ging die meiste Zeit noch für Details, wie zB die Ärmelgestaltung drauf.


Die Ärmelaufschläge sind übrigens ganz einfach: ich habe die Länge des Ärmelsaumes abgemessen, dann halbiert (eine Seite im Bruch und die andere Seite entspricht der Seitennaht und braucht Nahtzugabe) und dann aufgezeichnet wie gefällig. Dann habe ich den Aufschlag so angenäht, dass die Nahtzugabe im Aufschlag liegt und habe die Aufschläge mit Handstichen unsichtbar festgenäht.


Der hübsche Stoff mit kleinen Liebesbriefen ist übrigens ein Baumwollstoff von Tante Ema. Er ist wohl eigentlich ein Weihnachtsstoff und war daher mitten im Juli bei alfatex reduziert für 8 Euro der Meter zu haben. Ich habe 1,5m gekauft. Das ist aber in erster Linie kein Stoffkauf - ich war zum Studium in Kassel und habe ihn dort vielmehr als Souvenir gekauft. Und Souvenirs sind eine so wichtige Tradition..

Der Kombinationsstoff, aus dem Ärmelaufschläge, Beleg, Oberkragen und die stoffbezogenen Knöpfe sind, war dieser Rock, der sich aber nicht bewähren konnte und nun eine bessere Bestimmung gefunden hat.


Und weil ich es einfach schick finde, habe ich mich wieder bemüht das Muster möglichst durchlaufend in der vorderen Mitte zu gestalten.

Der Rock ist der Weihnachtsrock vom letzten Jahr - er trägt sich wunderbar, aber ist durch die Wolle sehr, sehr warm. Er ist auch etwas zerknittert, da er ganz frisch aus der Winterkiste kam, denn auch die Bluse ist eher für den Herbst und Winter gedacht.



Ich hätte gern noch mehr Bilder gezeigt, aber bei 31°C und einem wolligen Rock hätte ich dann wohl einen Hitzekollaps erlitten. Also habe ich lieber den Rock zusammen mit der Bluse in die Winterkiste gepackt und bin dann schnell in den kühleren Garten gegangen.

In jedem Fall bin ich sehr zufrieden mit der Bluse und freue mich nun schon ein klitzekleines Bisschen auf den Herbst, damit ich sie auch tragen kann. Und als nächstes liegt ein Strickstoff auf dem Tisch - auch nicht gerade das, was man bei der Hitze als Erstes im Sinn hat, aber der Herbst wird kommen.. früher oder später (hoffentlich später)..

Montag, 2. Juli 2018

Fertig: Anthrazitgrauer Bahnenrock von 1956!


Es gibt Schnittmuster, die haben sich bewährt, die passen zu mir und zu meinem Kleiderschrank, und entsprechend nähe ich sie gern und oft. Ein solches Schnittmuster ist der Bahnenrock von 1956, wie man hier und hier sieht. Er ist schnell genäht und lässt sich gut kombinieren - und was ist kombinierfreudiger als freundliches Anthrazitgrau?

Woher der Stoff ist kann ich nicht mehr sagen. Es müsste ein Mischgewebe sein und Wolle ist dem Geruch beim Bügeln nach mit drin.

Der Rock hat einen verstärkten Formbeleg und wird mit einem Reißer in der Seite geschlossen. Der Saum ist von Hand genäht, aber noch nicht ausgebügelt.
Er ist ungefüttert, weil ich den Rock in allen Jahreszeiten tragen möchte und dann jeweils danach den Unterrock wählen kann - wenn man es ganz genau nimmt, dann ist der Rock eigentlich schon ein erster Herbstgruß.


Der Hemdblusenschnitt aus der Praktischen Damen- und Kindermode von 12/1940 ist ebenfalls so ein beliebtes Schnittmuster. Den Anfang machte vor ziemlich genau zwei Jahren diese grüne Hemdbluse, danach folgten noch ein, zwei, drei, vier andere.

Lediglich der grüne Baumwollstoff ist etwas störrisch und die Bluse ist dank FBA so gut ausgeformt, dass das Bügeln der Rundungen sich als eher schwierig erweist - ich brauche wohl ein Bügelei in Form meiner Brust.. mhm.. hätte auch nicht gedacht, dass ich mal so einen Satz schreiben würde..



Insgesamt also ein sehr einfaches, unaufgeregtes, alltagstaugliches Ensemble, das für's Büro gerade richtig ist.

Und ich mache dann schon mal weiter mit der Planung der Herbstgarderobe - Wollstoffe sind zwar nicht unbedingt das, was man bei 26°C im Schatten als Erstes im Kopf hat, aber man will ja auch für's kommende Schietwetter vorbereitet sein.

Seid ihr noch an der Hochsommermode und seht ihr auch schon den Herbst kommen?
[ verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Freitag, 29. Juni 2018

Wie wähle ich die richtige Größe im Schnittmuster?


Die Größenwahl stellt gerade beim Nähen immer wieder ein Ärgernis dar. Schließlich investiert man viel Zeit und Mühe in ein Kleidungsstück und kann dies nicht - wie bei Kleidung aus dem Laden - zurückhängen und einfach eine andere Größe probieren. Daher hier mal ein paar Aspekte, die ihr bei der Wahl der richtigen Größe beachten solltet:

  1. Das Märchen von der Kaufgröße
  2. Das entscheidende Maß
    1. Körpermaß
    2. Körpermaßtabelle
    3. Fertigmaßtabelle
  3. Zugabe! Zugabe!
    1. Nahtzugabe
    2. Bequemlichkeitszugabe und Bewegungszugabe
    3. Designzugabe
  4. Stoff und Dehnbarkeit
  5. Kann ich ein Schnittmuster für Jersey auch aus Webware nähen?
  6. ..und welche ist nun die richtige Größe?


1. Das Märchen von der Kaufgröße


Es war einmal eine Prinzessin in einem fernen Königreich, die einfach zum Kleiderschrank oder an ihr Nähkästchen gehen konnte, ihre eine Kleidergröße auswählte und alles passte ihr perfekt. Immer.
Hachja.. In Wahrheit haben wohl alle Frauen mindestens drei Kleidergrößen im Schrank. Während die Jeans bei der einen Marke in einer Größe passt, bekommt man sie bei einer anderen Marke in der gleichen Größe gar nicht über den Po. Und ein aufwendig genähtes Kleid entpuppt sich als Sack, obwohl man die korrekte Größe gewählt hat. Es ist ein Ärgernis, aber woran liegt das?

Konfektionsware ist noch gar nicht so alt - von kleineren Vorläufern abgesehen entwickelte sie sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich eine Möglichkeit für die weniger gut Betuchten, die sich die teure Maßanfertigung nicht leisten konnten, entwickelte sich die Konfektionskleidung spätestens mit dem Aufkommen der Warenhäuser in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem echten Verkaufsschlager. Mode war plötzlich erschwinglich und sofort verfügbar. Oft wurde zumindest damals die gekaufte Konfektionsware durch den hauseigenen Schneider noch final angepasst. Die genauen Maße legte jeder Konfektionär selbst fest. Ein einheitliches System gab es nicht - und gibt es bis heute nicht. Zwar gibt es seit den 1960er Jahren Reihenmessungen in der Bevölkerung, allerdings gibt es auch mehr als 50 Jahre später keine Norm. Jeder Hersteller entscheidet weiterhin selbst über seine Größen und welche Maße er mit welcher Größe 'übersetzt' - zB Damen mit einer Brustweite von 100cm tragen bei H&M eine 44 und bei C&A eine 42, aber müssen eine 46 bei Butterick nähen.
Sich auf die "Kaufgröße" zu verlassen, bedeutet es dem Zufall zu überlassen, ob ein Kleidungsstück am Ende passt oder nicht.


2. Das entscheidende Maß


Besser, als sich einer willkürlichen Einteilung zu unterwerfen, ist es einfach mit den Maßen zu arbeiten - ein Zentimeter ist für uns alle gleich lang.

a) Körpermaß


Unser Körper ist in diesem Fall das Maß aller Dinge. Der muss reinpassen und am besten auch gut verpackt sein. Also solltet ihr selbstverständlich damit starten eure Körpermaße zu bestimmen. Eine Übersicht über das Maßnehmen findet ihr hier aus dem Jahr 1955.

Gemessen werden sollte übrigens immer von einer anderen Person über der Kleidung. Stellt euch dabei entspannt, aber gerade hin und tragt normale Wäsche, also zB nicht Formwäsche, wenn ihr sonst keine anhabt o. Ä. Dann kommen die unverfälschten und ehrlichen Daten dabei raus.

Grundsätzlich wählt man ein Schnittmuster nach dem größten Maß, denn es muss ja alles reinpassen und nachträglich verkleinern ist möglich, aber vergrößern nicht. Wichtig an dieser Stelle ist aber nicht nur das Maß als blanke Zahlen, sondern auch bestimmte Abweichungen und Änderungen mit einzubeziehen. Habt ihr zB viel Brust solltet ihr die Oberbrustweite messen, falls ihr einen sehr langen Oberkörper habt, dann müsste ihr das Oberteil ohnehin verlängern und braucht nicht so sehr auf die Rückenlänge achten und breite Hüften kann man bei einem weiten Rockteil ohnehin vernachlässigen.

b) Körpermaßtabelle


Die Körpermaßtabelle beschreibt die Körpermaße, für die die jeweilige Größe gemacht ist. Aus ihr kann man also entnehmen welches Körpermaß der Hersteller für die jeweilige Größe im Sinn hatte. Nicht ersichtlich daraus ist welche Zugaben im Schnittmuster noch enthalten sind.

c) Fertigmaßtabelle


Die Fertigmaßtabelle beinhaltet das Maß des fertigen Kleidungsstückes. Zur Bestimmung der Größe ist sie besser geeignet (zB bei Simplicity, Vogue, McCalls und Butterick verstecken sich teilweise die Fertigmaße zumindest von Brust, Taille und Hüfte direkt auf dem Schnittmusterbogen!).

Beispiel: Ein Mieder wird sehr körpernah getragen. Das Körpermaß der Taille sei 80cm und auch das fertige Mieder ist in der Taille 80cm weit. Ein lockeres Shirt hat immernoch ein Körpermaß von 80cm, aber das fertige Kleidungsstück ist 100cm, denn es soll ja locker sitzen. Wenn ich es so locker nicht mag, dann nähe ich eine Größe kleiner - das kann ich aber nur anhand des Fertigmaßes sehen, denn das Körpermaß ist für beide Modelle weiterhin 80cm.


..Dein Schnittmuster hat aber keine Fertigmaßtabelle? Leider haben viele Schnittmuster keine Fertigmaßtabelle (Burda ist so ein Beispiel), dann hilft auch nur nachmessen (Achtung: Schnittmuster von ausländischen Herstellern haben in der Regel die Nahtzugabe bereits enthalten, dann muss diese beim Messen natürlich abgezogen werden!).


3. Zugabe! Zugabe!


Nun haben wir schon über Zugaben gesprochen, aber welche Zugaben gibt es denn?

a) Nahtzugabe


Beginnen wir mit der klassischen Nahtzugabe. Die Nahtzugabe brauchen wir, damit unser Stoff genug Halt an der Naht hat. Eine fehlende oder zu kleine Nahtzugabe sorgt dafür, dass die Naht zusammen mit ein paar Fäden einfach aus dem Gewebe gezogen wird (kann man gut beobachten, wenn Webware mit der Overlock genäht wird). Wir können auf der Nahtzugabe auch Dinge verstecken, zB wenn Falten nur in der Nahtzugabe abgenäht werden und so dem Stoff schon eine Richtung vorgeben. Außerdem erlaubt die Nahtzugabe kleinere Korrekturen, falls wir versehentlich doch zu klein genäht haben.

Wie schon erwähnt wird die Nahtzugabe in deutschen Schnittmuster in der Regel erst zugegeben und ist daher für die Größenbestimmung unerheblich, bei ausländischen Herstellern ist die Nahtzugaben meist bereits im Schnitt vorhanden. Ob die Nahtzugabe schon vorhanden ist oder nicht und wie groß sie ist, kann man den Hinweisen oder Erläuterungen zum jeweiligen Schnittmuster entnehmen.

b) Bequemlichkeitszugabe & Bewegungszugabe


Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich in einem zu engen Kleidungsstück nicht bewegen oder nicht mal atmen kann? Der Stoff lässt es nicht zu - und aus genau diesem Grund brauchen wir Zugaben zu unseren Körpermaßen für Bewegung und Bequemlichkeit (im englischen meistens mit "ease" bezeichnet). Erst diese Zugaben erlauben es, dass wir uns frei bewegen können, also zB uns hinzusetzen, drehen oder bücken können. Je enger (bis einschnürend) ein Kleidungsstück sein soll oder je dehnbarer der empfohlene Stoff ist, desto kleiner wird diese Zugabe. Entsprechend sind im Umkehrschluss zB für (auch körpernahe) Jacken und Mäntel die Zugaben größer, da man darunter in der Regel ja noch andere Bekleidung trägt.

Für einen Bleistiftrock liegt die Zugabe beispielsweise in der Taille bei 2cm und in der Hüfte bei 2-4cm. Eine körpernahe Bluse braucht 5-7cm Zugabe an der Brust, aber ein Dirndl nur 3-5cm. Jacken und Mäntel brauchen mindestens 7-10cm Zugaben. Diese Angaben variieren ebenfalls je Hersteller, Modegeschmack und Modell, daher soll dies hier nur als eine kleine Richtungsweisung und keine Regel verstanden werden.

c) Designzugabe


Letztlich gibt es Zugaben, die ausschließlich dem Design zugerechnet werden, also je nachdem wie locker oder wie körpernah ein Kleidungsstück sitzen soll und auch wie der Modegeschmack der Zeit sich gestaltet. Beispiele dafür sind zB Schlaghosen oder Oversize. Diese Zugaben haben weder für die Anfertigung noch den Tragekomfort Bedeutung, sondern dienen ausschließlich dem Design.


4. Stoff und Dehnbarkeit


Entscheidend, besonders für die Bequemlichkeitszugabe, ist auch die Dehnbarkeit oder Elastizität des Stoffes, also die Fähigkeit des Stoffes sich bei Krafteinwirkung zu ändern (also länger zu werden) und nach Wegfall des Zuges in seine Ursprungsform zurückzukehren.

Dehnbarkeit wird dabei in der Regel als Eigenschaft der Maschenware (hier zu unterscheiden Wirk- und Strickware) beschrieben. Das sind zB Bündchen, Jersey, Strickstoffe. Sie dehnen sich dadurch, dass die einzelnen Fäden miteinander verschlungen sind und durch Zug spannen sich diese Fäden und geben so mehr Länge frei.

Nicht dehnbar, sondern vielmehr elastisch können auch gewebte Stoffe sein, wenn sie einen elastischen Stoffanteil (zB Elastan) haben. Dieser sorgt dann für die Elastizität. Der Einfachheit halber bleibe ich aber begrifflich bei "dehnbar".

Je dehnbarer der Stoff ist, desto mehr kann der Stoff in der Bewegung benötigtes Spiel zulassen. So wird zB ein Badeanzug mit einer "negative ease", also einer negativen Bequemlichkeitszugabe genäht, denn Lycra ist sehr dehnbar und ein Badeanzug muss straff sitzen, damit er keine Falten schlägt. Auch Bündchen oder körpernahe Strickwaren sind so ein Bespiel, denn diese werden in der Regel ebenfalls kleiner zugeschnitten als eigentlich notwendig und müssen das auch, denn nur dann liegen sie eng an.


5. Kann ich ein Schnittmuster für Jersey auch aus Webware nähen?


An sich kann man das natürlich machen - es ist aber nicht zu empfehlen. Die Zugaben an Schnittmustern für Wirkware ist einfach eine andere, zB kann man den Ärmel enger machen, denn die notwendige Weite wird (auch) aus der Dehnbarkeit erreicht. Näht man dieses nun aus Webware, dann würd man vermutlich eine Größe größer wählen müssen, aber auch dort ist der Ärmel auf Dehnbarkeit angelegt. Und daneben hat der Stoff halt auch andere Eigenschaften zB was den Stand oder das Gewicht betrifft, so wird ein andersrum aus Jersey genähtes Kleid, das eigentlich für Webware gedacht ist, plötzlich schwer herunterhängen anstatt blusig herumzuflattern.

Ich würde euch immer empfehlen einen zum Schnittmuster passenden Stoff zu wählen und andersherum. Je dehnbarer der geforderte Stoff ist, desto mehr ist davon abzuraten einen undehnbaren Stoff zu verwenden - oder würdet ihr einen Badeanzug aus Webware nähen..?


6. ..und welche ist nun die richtige Größe?


Die richtige Größe ist eine Mischung aus all diesen Dingen, also zusammengefasst: Ihr messt euch aus und rechnet die Zugaben für Bequemlichkeit, Stoffeigenschaften und gewünschter Körpernähe ab oder zu und vergleicht das Ergebnis dann mit den Maßen des fertigen Kleidungsstückes.
Das klingt alles viel komplizierter als es tatsächlich ist. Das Ausmessen macht ihr ja nicht bei jedem Schnitt auf's Neue und für die gewünschte Körpernähe hat man auch schnell ein Gefühl. Lediglich die Stoffeigenschaften sind nicht so leicht zu beurteilen, aber wenn man sich nach der Stoffempfehlung richtet und vielleicht auch den Stoff mal probehalber an sich ranhält, lässt auch dies sich in der Regel gut lösen.

Falls ihr bereits ein Kleidungsstück besitzt, das so sitzt, wie ihr es gern habt, dann könnte ihr auch dieses messen und als Grundlage zur Größenbestimmung verwenden - falls der Stoff die gleichen oder zumindest ähnliche Eigenschaften hat.

Schlusswort


Nun sind wir am Ende dieses Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare. Der Beitrag hat Dir gefallen? Dann teile ihn doch - ich würde mich freuen!

Dienstag, 5. Juni 2018

Fertig: Ein zweites Höschen - Wäsche aus Elsa 09/1950!


Auch Nähen ist manchmal schlicht Ausprobieren, Herantasten und Optimieren. Schon letzte Woche gab es Wäsche und heute also die nächste Version - wieder der gleiche Schnitt aus der Elsa 09/1950 und normaler Futterstoff von Venezia, aber dieses Mal als Zierde eine Zackenlitze.

Nachdem das erste Höschen sich beim Stadtbummel hin und wieder hochgeschoben hat, habe ich also ein wenig Länge zugegeben und das Höschen direkt testweise zur Arbeit angezogen - und nach einem Tag im Büro sieht es dann so aus:


Die Länge ist sehr angenehm und schiebt sich auch nicht mehr hoch - lediglich die Stoffwahl muss noch ein wenig verbessert werden. So leicht und rutschig der Futterstoff auch ist, aber es ist eben kein echter Wäschestoff und daher nicht so fließend und atmungsaktiv. Also werde ich mich, nun da ich die richtige Länge gefunden habe, intensiv auf Stoffsuche begeben - Seidencharmeuse, vielleicht auch (für die leichtere Stoffpflege) ein Mischgewebe.


Von der Frage der Stoffwahl abgesehen, bin ich sehr zufrieden - es trägt sich luftig, die Röcke fließen schön drüber und es schont die Schenkel bei heißen Temperaturen. Und der Rest wird sich auch noch finden - wäre doch gelacht!

Mittwoch, 30. Mai 2018

Fertig: Ein Höschen - Wäsche aus Elsa 09/1950!


Ich habe mir etwas für drunter genäht - ich wollte schon länger gern einen Unterrock in Form einer Hose nähen. Für einen besseren Falldes Oberstoffes, für entspannteres Radfahren und ohne schubbernde Oberschenkel bei heißen Temperaturen. Schon vor einigen Jahren hatte ich mal einen passenden Schnitt dazu ausgewählt. Aus Elsa 09/1950 eine Wäschegarnitur aus Höschen und Hemdchen gefiel und sah nicht sehr schwer aus..


..und ich scheiterte kläglich. Wie immer gab es keinerlei Anleitung, ich hatte einen viel zu flutschigen Polyesterstoff genommen und scheiterte schon daran einen Gummi oben halbwegs passend anzunähen und auch das Versäubern und Säumen überforderte mich völlig. Ich erinnere mich an ein ungesäubertes Ungetüm mit drangedroschenem, viel zu breitem Gummiband.

Zum Glück habe ich seitdem einiges an Wissen dazu gewonnen und so ging es diesmal sehr leicht von der Hand. Es fing an bei der Stoffwahl (Venezia Futterstoff) und ging weiter mit französischen Nähten und einem zweifach umgeschlagenem Saum.


Dazu kam dann ein Tunnel mit einem viel schmaleren, zarteren Gummi und für ein bisschen Deko noch ein Bügelbildchen und nach zwei Vormittagen war ich auch schon fertig - obwohl ich gestehen muss, dass Bügeln bei der Hitze nicht gerade ein Vergnügen ist, aber gut gebügelt.. na, ihr wisst schon.


Ich freue mich ganz diebisch über das entspannte Nähen und das schöne Ergebnis - es ist genauso geworden, wie ich das gern haben wollte. Beim nächsten Mal würde ich es vielleicht noch etwas länger machen und einen anderen Stoff wählen. Wäscheseide wird empfohlen - hat jemand eine Idee, wo man solche Qualität bekommt bzw. unter welchem Begriff das heutzutage läuft?

Sonntag, 27. Mai 2018

Fertig: Butterick 5281!


Seit zwei Wochen haben der liebe Gatte und ich Urlaub und seit zwei Wochen ist in Hamburg der Hochsommer ausgebrochen - es ist wahnsinnig schön, aber ab und an konnte ich mich doch vom strahlenden Sonnenschein lösen und ein bisschen nähen. Und so präsentiere ich heute mein neuestes Kleid!


Butterick 5281, ein Schnitt aus der Retrolinie, liegt schon seit Jahren hier. Ich habe ihn irgendwann schonmal geprobt und er saß obenrum fürchterlich. Ich wusste damals nicht so recht wie ich das beheben könnte und so vergrub ich den Schnitt unter vielen Heften. Neulich wollte ich es aber doch nochmal versuchen und legte los. Wenigstens musste ich nicht nochmal abzeichnen.

Ich habe eine FBA gemacht - ein bisschen abenteuerlich bei dem asymmetrischen Vorderteil. 3cm habe ich an jeder Seite Weite zugegeben. Links habe ich die meiste Mehrweite in die Falten geschoben und nur einen kleinen waagerechten Abnäher (für die Symmetrie) übrig gelassen und rechts habe ich alles in einen waagerechten Abnäher geschoben. Ich habe 1,5cm Länge vorn zugegeben und dann mutig den Stoff angeschnitten.


Der Stoff ist aus zweiter Hand - ich glaube eine Viskose und richtig schön schlabberig. Er ist perfekt für den Schnitt, wenn man auch die Details aufgrund des Musters nicht mehr so gut erkennen kann.

Das Muster ist ein wenig.. eigen. Ich fand es fast ein bisschen zu 80er Jahre, aber mit dem Schnitt und den Details mag ich es nun schlussendlich sehr. Selbst der Gatte, der das Muster wirklich scheußlich fand, ließ sich vom Ergebnis überzeugen.


Ich habe das Kleid spiegelverkehrt genäht, denn an der einen Seite soll man den Stoff in der Seitennaht kräuseln und dann dort auch den Reißer einsetzen und das hat mit nicht gefallen. Damit es aber nicht so aussieht als wäre ich zu dusselig den Reißer auf der richtigen Seite einzusetzen, habe ich direkt das ganze Kleid gespiegelt.


Es ist eigentlich vorgesehen das Kleid komplett zu füttern, aber das wollte ich mir sparen - zum Einen hätte ich dann noch eine FBA für das Futterteil machen müssen und zum Anderen soll es ja ein hochsommerliches Kleid sein und entsprechend dünn und flatterig. Also habe ich ein Futter gearbeitet, dass eher an Belege erinnert und nur im Bereich der Ärmel und des Ausschnittes sowie der Schultern liegt.


Die Knöpfe sind nur Zierde, aber darunter verstecken sich Druckknöpfe - ich habe keine Ahnung wozu das gut sein soll, aber da es nicht viel Aufwand war, habe ich es halt mitgemacht. Schulterpolster hat das Kleid wie es sich in den 40er Jahren so gehörte natürlich auch.


Hinten habe ich meine 2cm für das Hohlkreuz weggenommen und ansonsten eigentlich nichts weiter geändert. Es dürfte einen oder vielleicht zwei cm mehr Umfang an der Hüfte haben, aber davon abgesehen sitzt es wirklich gut.

Bei Butterick (und auch Simplicity) sollte man stets nicht nach der Körpermaßtabelle gehen, sondern nach den Maßen, die sich auf dem Schnittmusterbogen verbergen. Dort sind an Brust, Taille und Hüfte die Maße des fertigen Kleidungsstückes angegeben, die eine manchmal aberwitzig große Bequemlichkeitszugabe offenbaren. Ich habe schließlich eine Größe kleiner genäht als ich es laut Körpermaßtabelle gebraucht hätte.


Ich bin sehr zufrieden mit dem Kleid und finde es ganz wunderbar und toll zu tragen. Dann will ich mal schnell wieder auf die Terrasse verschwinden, um möglichst viele Sonnenstrahlen noch einzufangen - obwohl auch schon wieder das nächste Stück auf dem Nähtisch liegt..

Wie findet ihr das Kleid? Und das Muster?
[verlinkt beim Memademittwoch]