Freitag, 11. Juni 2021

Liebling, ich habe den Schrank gebügelt..

..es gibt schon so Sätze, von denen man sich nicht vorstellen kann, dass man sie mal sagt, aber ja, ich habe den Schuhschrank gebügelt!


Wir haben gestern in den Kleinanzeigen einen Schuhschrank erworben. Das hübsche Stück ist gefertigt vermutlich irgendwann in den 50er bis 60er Jahre und steht für sein Alter ganz gut, aber wie bei Gebrauchsgegenständen üblich hat er ein paar Macken und vor allem mehrere sehr unansehnliche Flecken auf dem Deckel. Wir möchten den Schuhschrank gern neu lackieren, aber das schaffen wir aktuell nicht, daher musste eine schnelle Übergangslösung her. Ich habe also gegoogelt und dort wird empfohlen solche hellen Wasserflecken mit einem Fön zu beseitigen und in einem weiteren Beitrag wurde erwähnt, dass man die Flecken auch wegbügeln könne, also habe ich unseren Schuhschrank, den wir gestern schon feucht ausgewischt hatten, gebügelt.


Man muss ein Baumwolltuch zwischen Bügeleisen und lackiertem Holz legen und mit der Hitze gut aufpassen, weil sonst die Lackierung schmilzt und matt wird. Das ist mir leider an einer Stelle auch passiert, aber da wir den Schrank eh neu lackieren wollen, ist das glücklicherweise nicht so schlimm - ich würde empfehlen mit dem Bügeleisen wirklich langsam zu starten und dann die Hitze zu steigern sowie sich genug Zeit zu nehmen. Alles in allem bin ich aber wirklich angetan von dem Ergebnis, denn es war einfach, schnell und die meisten Flecken sind fast vollständig weggegangen! Vielleicht hätte ich die letzten Flecken auch noch weggebügelt bekommen oder mit einem Fön nacharbeiten müssen, aber ich wollte den Lack nicht überstrapazieren.

Gekauft wurde der Schuhschrank übrigens aus gutem Grund - dem gleichen Grund, warum hier aktuell kaum gepostet wird, denn wir haben uns ein neues, altes Haus gekauft! Einen wunderschönen Bungalow aus den 70er Jahren und so ein Hauskauf mit dem ganzen Drumherum frisst unfassbar viel Zeit, sodass es vermutlich auch in den nächsten Wochen eher ruhig sein wird und eventuell noch mehr zum Thema Einrichtung kommt. Ich freue mich, wenn ihr trotzdem weiterhin hier mitlest und früher oder später geht's auch wieder richtig um's Nähen - versprochen! :)

Mittwoch, 7. April 2021

Frühlingsgarderobe!


Heute zeige ich euch zwar mal nichts Neues, aber dafür meine aktuell liebste Kombination im turbulenten Aprilwetter. Immerhin ist es ja nicht ganz unerheblich, wie sich die selbstgenähten Kleidungsstücke auch über die erste Euphorie hinaus und auf Dauer in die Garderobe einfinden.


Die Strickjacke habe ich im Rahmen des Frühlingsknitalongs im Jahr 2014 gestrickt. Sie ist eines meiner liebsten Stücke! Die Farben sind großartig und auch die Wolle (Merino 160 von Austermann) trägt sich wunderbar. Gestrickt habe ich nach dieser Anleitung auf der Strickmaschine.


Das Muster der Jacke entsteht einerseits durch einfachen Farbwechsel und andererseits durch abgehobene Maschen bei den Pünktchen. Es werden sozusagen die Pünktchen weitergestrickt und die Grundfarbe nur abgehoben und nach zwei Reihen wird dann die gesamte Reihe normal weitergestrickt. Dadurch hat man farblich abweichende, plastische Pünktchen!


Das Jäckchen wird mit drei Knöpfen geschlossen, aber kann auch sehr gut offen getragen werden.


Nicht ganz einfach sind gute Kombinationspartner für die Jacke zu finden, ohne dass es zu bunt wird. Selbernähen eröffnet da zum Glück die Möglichkeit, das Passende einfach selbst zu nähen. In diesem Fall ist es eine Hemdbluse nach dem Schnitt von 1940 aus einem taubenblauen Blusenstoff. Ich weiß nicht mehr genau, woher ich den Stoff habe oder wie die Zusammensetzung ist - weil er kaum dehnbar ist, würde ich auf einen ordentlichen Polyesteranteil tippen. Vielleicht mache ich an den Resten nochmal eine Brennprobe.

Der Blusenstoff wirkt leicht meliert, sodass er fast an Jeans und Arbeitskleidung erinnert.


Der Rock ist das Modell 106B aus der Burda 05/2012. Es handelt sich ursprünglich um einen Bahnenrock mit Knopfleiste, aber ich habe in der hinteren Mitte einen Reißer eingesetzt und trage ihn lieber ohne Knopfleiste.


Das Beste am Rock sind neben dem hohen Formbund die Taschen, die in einer Rockbahn integriert sind. Genäht ist der Rock aus einem dunkelblauen festen Wollstoff, sodass er einen guten Stand hat.


Ich bin sehr glücklich mit der Kombination - sie trägt sich gut und passt für mein Empfinden hervorragend zusammen! Außerdem ist es für das Wetter im April genau richtig, auch wenn ich es zur Zeit eher noch mit Winterstiefelchen trage.
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]


Sonntag, 21. März 2021

Anleitung: Ecken zwischen zwei Stoffen nähen!


Neulich hatte ich meinen Picknickrock mit besonderer Nahtführung, nämlich mit Ecken zwischen den Rockbahnen, gezeigt. Ecken zwischen zwei Lagen Stoff gibt es manchmal auch in Oberteilen mit Teilungsnaht oder bei Zwickeln (Näheres zu Zwickeln findet ihr hier). Man findet zwar sehr viele Anleitungen im Netz, wie man Briefecken näht, allerdings kaum dazu, wie man zwei Lagen Stoff über Ecken verbindet. Daher möchte ich euch das heute einmal zeigen.

Das Wichtigste beim Nähen von Ecken ist das exakte Arbeiten - markiert euch ganz genau die Eckpunkte und zeichnet die Nahtlinie ein, näht langsam, bügelt fleißig und arbeitet insgesamt sorgfältig.

Bei fransenden Stoff solltet ihr die Eckpunkte (insbesondere die inneren Spitzen!) vorab mit aufbügelbarer Vlieseline verstärken.


Das Nähen von Ecken erfolgt abschnittsweise in einer Richtung. Wir fangen bei (1) an und legen die beiden Stoffe an der Naht rechts auf rechts aufeinander.


Anschließend wird die Naht abgesteppt und ganz genau bis zur Ecke genäht!


Nun wird die innere Ecke (in diesem Falle der blaue Stoff) schräg bis zum Eckpunkt eingeschnitten. Achtet darauf nicht die Naht durchzuschneiden, aber seid mutig beim Anschnitt, denn je genauer ihr zuschneidet, desto genauer wird die Ecke. Achtet aber darauf, dass ihr bei dicken oder fransenden Stoffen lieber ein oder zwei Fäden mehr stehen lasst.

Dann werden die beiden Stoff wieder rechts auf rechts bei (2) aufeinander gelegt und vom ersten Eckpunkt genau bis zum zweiten Eckpunkt genäht.


Ordentliches Bügeln - soweit es der Stoff zulässt - sorgt dafür, dass sich der Stoff schön legt und die Ecken gut herauskommen.


Das Ganze wird dann nochmals wiederholt, aber dieses Mal wird der braune Stoffe an der inneren Ecke eingeschnitten und dann bei (3) wieder die Stoffe rechts auf rechts aufeinanderlegen und absteppen.


Die Herausforderung beim Ecken nähen ist vor allem die Sorgfalt, aber mit ein bisschen Ruhe und Geduld (und vielleicht einem Probestück) lässt sich das gut umsetzen und ich hoffe, die obige Beschreibung hilft euch bei der ersten (und jeder weiteren) Ecke!

Wie immer gilt: wenn ihr Fragen oder Ergänzungen habt oder euch der Beitrag gefallen hat, dann schreibt das gern in die Kommentare.

Freitag, 12. März 2021

Alter Schmuck in neuem Glanz!


Heute mal ganz unspektakuläre Reparaturarbeiten, aber wenigstens mit ordentlich Glitzer - es geht um alten Schmuck!

Natürlich geht bei Schmuck mal ein Stein verloren oder wird beschädigt. Je nach Möglichkeit werden solche Steine ersetzt oder bleiben einfach verloren. Im Falle dieser Ohrclips von Lisner wurde ein roter Stein hinzugefügt, der aber weder zu den anderen Steinen noch in die Fassung passte - es ist ja auch nicht gerade so, als hätte jeder immer jeden Schmuckstein passend zu Hand. Ich verfüge allerdings ganz zufällig über den ein oder anderen Stein und so kaufte ich die Ohrclips,..


..brach den unpassenden Stein heraus und klebte einen passenden ein. Nun erstrahlen die Ohrringe wieder im neuen Glanz und sind bereit ausgeführt zu werden!

Samstag, 6. März 2021

..und darum sollte man die Kleidergröße nicht anhand einer großen Brust wählen!

Keiner ist unnütz, er kann immernoch als schlechtes Beipsiel dienen!

Normalerweise soll man ja die Brustweite für die Bestimmung der Kleidergröße verwenden. Das funktioniert allerdings nicht bei einem großen Körbchen, denn Schnittmuster (ebenso wie ein großer Teil der normalen Stangenware) sind zumeist auf ein B- oder höchstens C-Körbchen ausgelegt. Wer ein größeres Körbchen hat, muss daher größere Kleidergrößen wählen, damit die Brust reinpasst. Was das mit der Passform macht, möchte ich euch anhand dieses Probeteils einmal zeigen:


(1) Zwischen den Kleidergrößen wird in der Regel überall Weite und Länge weggenommen oder zugegeben. Wird also wegen der großen Brust eine große Kleidergröße gewählt, so ist unter anderem die Schulterlänge zu lang und das Armloch liegt zu weit über die Schulter - nicht selten sind dadurch auch die Ärmel zu lang oder ohnehin zu weit.

(2) Was für die Schulterlänge gilt, gilt ebenso für die gesamte Weite oberhalb der Brust. Zwischen der Brust und der Schulter ist alles zu weit, was sich besonders an den Längsfalten ungefähr in der Mitte der Schulter abzeichnet sowie am Ausschnitt, der zu groß wirkt oder sogar absteht. Im Übrigen ist gleichzeitig auch das Rückenteil zu weit.

(3) Die Brust braucht immer mehr Länge für die Rundung als die flachere Körperseite - je größer die Brust, desto mehr Länge wird benötigt. Diese Länge ist aber in Schnittmustern nicht vorgesehen. In der Folge zieht die Seitennaht nach unten, während über die Brust Länge fehlt und es entstehen Zugfalten aus der Seitennaht zur Brust. Noch deutlicher sind diese Falten von der Seite:


(4) Auf Höhe der Brust, wo der Stoff nicht lose fallen kann, faltet er sich ein. Es entsteht eine Beugefalte aus dem Armloch oder der Seitennaht, welche einem Abnäher ähnelt.

(5) Auf diesem Foto nicht zu sehen ist die Seitennaht. Sie sollte eigentlich lotrecht am Körper entlang fallen, aber wenn es an Platz für die große Brust fehlt, dann entsteht auf Höhe der Brust eine Beule in der Seitennaht. Der Grund dafür liegt darin, dass bei einer größeren Kleidergröße die Weite gleichmäßig auf Vorder- und Rückenteil verteilt wird, aber wenn die Weite eigentlich nur vorn benötigt wird, dann verzieht sich entsprechend die Seitennaht nach vorn.

(6) Durch die fehlende Länge in der vorderen Mitte hebt sich das Rockteil des Kleides oder der Saum des Tops und bildet statt einem waagerechten Abschluss eine leichte Kurve - das Kleidungsstück verliert zudem seine Balance. Das wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass auch die Taille zu weit ist, denn wie oberhalb ist auch unterhalb der großen Brust in der Regel zu viel Weite.

..und darum sollte man die Kleidergröße nicht anhand einer großen Brust wählen! Je nachdem wie groß die Brust ist, wie dehnbar der Stoff und wie körpernah der Schnitt ist, sind diese Aspekte unterschiedlich ausgeprägt, sodass nicht immer jeder Mangel so offensichtlich herauskommt wie in diesem Beispiel; wobei auch dieses Kleid übrigens schon Abnäher in Taille und an der Brust vorgesehen hat.

Wie lassen sich nun all diese Probleme lösen? Es braucht eine kleinere, nämlich der Trägerin ohne Beachtung der großen Brust angepassten, Größe - dann stimmen die Schulterlänge, die Weite ober- und unterhalb der Brust sowie die Weite im Rückenteil. Und für die große Brust muss genau dort Weite und Länge eingefügt werden, wo sie gebraucht werden, nämlich an der Brust! Wie das funktioniert und weitere Informationen findet ihr in diesem Beitrag zur Anpassung für die große Brust/Full Bust Adjustment (FBA).

Ich hoffe, dass die Bilder nachvollziehbar sind und gezeigt haben, welche Passformprobleme sich bei einer großen Brust ergeben. Und ich werde mal lieber ein Kleid in ein oder sogar zwei Nummern kleiner raussuchen..

Mittwoch, 3. März 2021

Fertig: Picknickrock aus den 50er Jahren!

Bei mir ist aktuell schon der Sommer ausgebrochen - oder zumindest nähe ich bereits für ihn.


Ich habe neulich ein paar alte Hefte käuflich erworben und mir direkt ein Kleid aus der Modenschau Nr. 41 ausgesucht. Ein sommerliches Kleid mit Westenteil und hübscher Nahtführung im Rockteil. Da ich sowieso ein Probeteil mache und weite Rockteile in der Passform nicht so anspruchsvoll sind, wollte ich gern einen Stoff verwenden, welchen ich nach der Probe als normalen Rock tragen kann. So fiel mir ein karierter Baumwollstoff (Bauernkaro oder Vichy, was mich persönlich immer an Picknick erinnert) in die Hände und ich nähte in kürzester Zeit den Proberock ich verbrachte die nächsten Stunden damit, Karos hin und her zu schieben - ich hatte das mit dem schnellen Probeteil aus kariertem Stoff irgendwie nicht zu Ende gedacht.

Irgendwann hat dann aber doch alles zusammengepasst und ich bin doch insbesondere mit den Ziernähten sehr zufrieden.


Ich habe dann auch recht zügig das Oberteil dazu genäht und festgestellt, dass das Kleid viel zu groß geraten ist. Nochmaliges Nachmessen an mir und am Schnitt offenbarte, dass ich mich mit meinen Maßen irgendwie vertan hatte und die Modenschau (für die damalige Zeit meiner Erfahrung nach eher unüblich) recht großzügige Bewegungszugaben vorsah. Es waren locker 8cm zuviel Weite. Das Oberteil wurde also wieder abgetrennt und stattdessen widmete ich mich dem Rock. Mit Falten links und rechts von den Ziernähten habe ich im Musterverlauf einiges an Weite weggenommen - unnötig zu erwähnen, dass ich bei lauter Konzentration auf das Muster nun zu viel weggenommen habe und der Rock nur noch ein sehr leichtes Picknick vertragen würde. Vielleicht ein bisschen Wasser und Kekse.. naja, einen Keks..


Nun muss ich zwar bis zum Sommer noch ein wenig Umfang verlieren, damit ich auch gemütlich auf der Picknickdecke Platz nehmen kann, aber davon abgesehen gefällt mir der Rock schon ziemlich gut. Ich finde zwar das karierte Muster gerade vorn am Bauch nicht ganz so schmeichelhaft, aber umso hübscher in den Weiten des Rockes.


Die Bluse ist im Übrigen auch nur im Sommer zu tragen - eine Rita Blouse von Charm Patterns aus leichtem Jersey, welche ich hier schonmal gezeigt hatte.


Auch wenn mein Ensemble noch nicht so ganz zu den hiesigen Temperaturen passt, so wird es mir im Sommer sicherlich gute Dienste leisten und ich habe auch noch genug karierten Stoff für ein passenden Oberteil - vielleicht sogar auch eine Rita Blouse.
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]