Dienstag, 16. Juli 2019

Rocktaschen von 1937!

Rocktaschen, Hosentaschen, Brusttaschen, Nahttaschen, aufgesetzte Taschen, Paspeltaschen, Leistentaschen.. Taschen an Kleidungsstücken sind sehr vielseitig und können ein schönes Detail sein.



"Taschen und Täschchen an Kleidern, Blusen und Jacken haben heutzutage nicht nur praktischen Wert, sondern sollen gleichzeitig Scmuck sein", merkt hier die Deutsche Moden-Zeitung (Heft 19) von 1937 an und schlägt mehrere Variationen von Taschen vor.

Ich habe mich bei einem sommerlichen Leinenrock für die Variante oben rechts entschieden - ein auf der Spitze stehendes Quadrat, das dann auf einer Seite umgeklappt wird. Das Maß - 1 Karo entspricht 1 cm - gab 13 cm Kantenlänge vor. Der Knick sollte demnach bei 7cm liegen, aber für einen etwas komfortableren Tascheneingriff habe ich erst bei 8cm geknickt.

Die Tasche wird doppelt gearbeitet, also zwei Stücke mit 1cm Nahtzugabe rechts auf rechts aufeinander genäht, dann durch eine Wendeöffnung gewendet und gut geplättet. Anschließend wird erst der umgeklappte Teil festgenäht und dann die Tasche an den Rock gesteppt. Auf eine Kontrastnaht habe ich dabei verzichtet.


Ich finde die Taschenvariante sehr hübsch und trotzdessen sie eigentlich sehr einfach anzufertigen ist, wirkt sie raffiniert und passt gut zu dem Leinen. Lediglich die Spitzen ließen sich bei dem eher groben Stoff nicht so ideal ausarbeiten.

Ich kann mir auch vorstellen, dass ich noch weitere der gezeigten Taschen ausprobiere - welche gefällt euch am besten?
[verlinkt beim Creadienstag]

Donnerstag, 11. Juli 2019

Sticken nach altem Abplättmuster

Bekanntermaßen nenne ich einige Handarbeitszeitschriften (u.a. Elsa oder Beyers Handarbeit) mein Eigen und diesen Zeitschriften waren - wenn man sie abonniert hatte - Abplättmuster zum Sticken beigelegt.


So ein Stickmuster wollte ich längst ausprobieren und so suchte ich mir ein Motiv aus und nahm die Hemdbluse her, die beim Waschunfall so versaut und dann eingefärbt wurde. Das Aufbügeln ging problemlos - an einigen Stellen war die Farbschicht schon etwas abgerieben, da ist das Muster dann etwas unterbrochen, aber alles noch machbar. Ich habe das Muster ausgeschnitten und dann halbwegs symmetrisch aufgebracht. Aus welchem Heft das Muster genau ist, kann ich nicht mehr sagen, da ich alle Abplättmuster herausgesammelt hatte und die Reste dieses Musters schon nach dem Aufbügeln entsorgt habe.

 

Das Sticken mache ich mir ganz einfach und nutze nur zusätzlich Knötchenstichen für die Blüten und Margeritenstichen für die Blätter.

Ich habe mich für Weiß, Rot und zwei Grüntöne entschieden, ob das die beste Wahl war wird sich noch zeigen - im Moment erscheint es mir fast etwas zu trachtig, weil die Blümchen so sehr an Edelweiß erinnern. Ich hoffe, dass es am Ende an mir dann nicht mehr so arg trachtig aussieht, sondern so hübsch, dass ich die Bluse weiterhin tragen kann, aber ich glaube, dass ich da auf einem guten Weg bin..
[verlinkt beim Summer Stitchalong]

Dienstag, 9. Juli 2019

Unterrock


Der Unterrock ist ein vielseitiges Wäschestück. Er sorgt dafür, dass die Oberbekleidung ungestört am Körper entlanggleiten kann und nicht beim Gehen nach oben krabbelt. Er kann dem Rock aber auch Stand und Volumen geben oder im Winter die Beine wärmen. Er verhindert, dass Röcke aus Spitze oder anderen zarten Materialien durchscheinen oder schützt die Haut vor unangenehmen Oberstoffen, die pieksen oder kratzen. Oftmals werden aus eben all diesen Gründen Röcke und Kleider gefüttert, aber gerade wenn man nicht jedes Stück unterfüttern möchte (zB weil man den Rock Sommer wie Winter tragen möchte oder weil man sich mal einen Unterrock aus luxuriöser Seide leisten möchte), dann ist ein Unterrock die perfekte Alternative.

Ich möchte euch daher zeigen, wie ihr einfach einen geraden Unterrock nähen könnt, der verhindert, dass euer Rock nach oben rutscht und stattdessen für einen schönen Fall sorgt. Der Unterrock ist vor allem für schmale, gerade und leicht ausgestellte Röcke geeignet.


1. Das Schnittmuster


Die Länge eures Schnittmusters ist die gewünschte Länge des Unterrockes + 5cm Zugaben. Die Länge eures Unterrockes bestimmt ihr selbst - sie sollte sich an eurer normalen Rocklänge oder dem kürzesten Rock, den ihr damit tragen möchtet, orientieren und in aller Regel mindestens eine Handbreit kürzer als der Oberstoff sein, damit das Futter beim Gehen nicht hervorguckt.

Die Breite eures Schnittmusters entspricht eurem Hüftumfang + 6cm Bewegungszugabe + 3cm Nahtzugabe für die eine Naht (Achtung, bitte korrekt ausmessen, wenn ihr einen ausgeprägten Bauch und Po habt, dann schaut am besten einmal hier vorbei).

Diese Maße beziehen sich auf unelastische Webware - wer Strick- oder Wirkware nutzt oder elastische Stoffe, muss bitte entsprechend etwas anpassen (am besten zwischendurch immer mal wieder anprobieren und so dem perfekten Sitz annähern).


Das Schnittmuster passt meist auf die volle Breite einer Stoffbahn und besteht daher aus nur einem Stück. Falls die Stoffbreite zu gering ist, dann solltet ihr den Rock in Vorder- und Hinterteil teilen - denkt dann daran, dass die zweite Naht ebenfalls Nahtzugaben (je 1,5cm) braucht.

Auch wenn es verlockend ist, pauschal die gesamte Stoffbreite als Rock zu verwenden, empfehle ich euch bei der obigen Zugabe zu bleiben. Der Unterrock wäre zwar voluminöser, wenn man den Umfang vergrößert, aber da der ganze Stoff in der Taille gerafft werden muss und puffelt, ist es empfehlenswert für mehr Volumen eher eine Glockenform zu wählen oder in Stufen zu raffen.


2. Stoffwahl & Materialen


Damit der Oberstoff auch ungestört an unserem Unterrock entlanggleiten kann, sollte der Stoff des Unterrockes glatt und nicht zu steif sein. Es bieten sich Satin, Crêpe de Chine, Charmeuse und andere feine Qualitäten an, aber auch normaler Futterstoff kann verwendet werden. Wer es dehnbar möchte, kann Trikot oder feinen Jersey verwenden.
Ich würde euch Seide als Grundfaser empfehlen, aber natürlich sind auch glatte Viskose, Bambus, Modal, Baumwolle und Polyester (achtet darauf, dass er sich nicht zu stark auflädt) geeignet.

Insbesondere Wäsche bietet sich natürlich für Spitze oder Tüll an - achtet darauf, dass diese schön weich sind, damit sie weder an der Strumpfhose hängen bleiben noch den Oberstoff stören. Und denkt daran, dass Spitze, zB am Saum, den Unterrock verlängert, daher solltet ihr ggf. die Länge anpassen.


Außerdem braucht ihr Gummiband - dieses wird am Bund eingezogen, daher ist die Farbe egal. Ich habe bei meinem Unterrock 1cm breites Gummiband gewählt und darauf ist auch die Anleitung ausgelegt. Ihr könnt je nach Stoffart auch schmaleres oder breiteres Gummiband benutzen, müsst dann aber den Tunnel anpassen. Und wer kein Gummiband benutzen möchte, nimmt Wäschegummi oder Dekogummiband und näht dieses ohne Tunnel an.

Die Länge des Gummibandes bestimmt ihr selbst - einfach so stramm, wie es für euch angenehm ist, um die Taille legen, die Strecke abmessen und + 1cm Übertritt hinzufügen. Am besten noch kontrollieren, ob das Gummiband in der gemessenen Länge auch über die Hüfte passt, damit es später keine krachenden Nähte gibt.


3. Das Nähen


Nach dem Zuschneiden wird die offene Naht mit 1,5cm Nahtzugabe geschlossen und versäubert. Dazu bietet es sich an, die Naht als französische Naht zu nähen, dann ist der Stoff gleich versäubert. Wie das geht, könnt ihr hier ganz unten nachlesen.

Wenn euer Unterrock allerdings länger als knielang werden soll, dann solltet ihr die Naht nur bis oberhalb des Knies schließen und den Rest als Schlitz offen lassen, damit ihr genug Bewegungsfreiheit habt.


4. Der Bund


Schlagt den oberen Rand des Rockes 0,6cm breit ein und die eingeschlagene Kante dann nochmal um 1,4cm, sodass sich ein Tunnel bildet. Wenn der Stoff es verträgt, dann ordentlich plätten. Näht nun den Einschlag knappkantig fest, aber lasst eine ca. 3cm lange Öffnung offen und zieht mit Hilfe einer Sicherheitsnadel das Gummiband durch den Tunnel. Schließt das Gummiband zu einem Kreis, indem ihr entweder mit der Nähmaschine oder per Hand beide Enden mit dem 1cm Übertritt zusammennäht - achtet darauf, dass das Gummiband nicht verdreht ist!


Kontrolliert den angenehmen Sitz des Rockes, bevor ihr dann bei gespanntem Gummiband die verbliebene Öffnung vom Tunnel schließt.


5. Der Saum


Der Saum lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise arbeiten. Am schnellsten ist es, den Saum einfach mit der Overlock zu umketteln. Wer etwas mehr Zeit investieren möchte, kann auch den Saum ebenso wie den Bund oben zweifach einschlagen, den Saum mit Schrägband versäubern oder mit Spitze oder Tüll schmücken. Seide sollte am besten per Hand rolliert werden.

Ich habe mich hier für Spitze entschieden, die ich mit farblich passendem Garn per schmalem Zick-Zack-Stich aufgebracht habe. Den Stoff habe ich dann auf ca. 3mm zurückgeschnitten.


Und dann ist der Unterrock auch schon fertig und einsatzbereit.

Diese Anleitung taugt natürlich auch für einen ganz normalen Rock, wenn man entsprechende Stoffe wählt. Viskose oder Baumwolle, aber auch Chambray oder feiner Cord lassen sich so zu einem Rock verarbeiten, allerdings sollte das Gummiband dem Oberstoff angepasst werden, damit dieses ausreichend zusammenrafft!

Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, immer her damit und falls euch der Beitrag gut gefallen hat, dann freue ich mich ebenso über Kommentare oder wenn ihr den Beitrag weiterempfehlt. Oder tragt ihr am Ende gar keine Unterröcke?
[verlinkt beim Creadienstag]

Sonntag, 19. Mai 2019

Fertig: Rita Blouse mit Kirschen!

 

Ich hatte je bereits berichtet, dass ich mir die Rita Blouse von Charm Pattern vor allem gekauft habe, weil ich ein schnelles, einfaches Oberteil haben wollte, dass ich so zwischendurch nähen kann - und der Plan ist aufgegangen.


Aus einem im Ausverkauf für die Hälfte ergatterten Viskoseblusenstoff mit leuchtend roten Kirschen habe ich über ein paar Tage immer mal wieder ein halbes Stündchen hier, ein paar Nähte da gearbeitet und war trotzdem zügig fertig.


Weil der Stoff locker fällt, habe ich mich dieses Mal für die Flügelärmelchenvariante entschieden.


Ansonsten habe ich nur die Anpassungen im Hohlkreuz und oberen Rückenteil übernommen, aber nichts weiter geändert.


Auch diese wird nicht die letzte Rita Blouse gewesen sein - dafür ist sie zu einfach und gefällt mir zu gut.


Der Jeansrock ist ganz in Ordnung zur Bluse, aber ich glaube, ich hätte lieber einen roten Rock dazu - vielleicht ganz sommerlich aus Leinen? Wäre mein erstes Mal mit Leinen - bisher hielt mich das "Edelknitter" immer ab - aber es soll sich ja gut tragen. Habt ihr Leinenkleidung? Ist das doof mit dem Geknitter oder halb so schlimm? Oder lieber eine Mischung zB mit Viskose?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Samstag, 27. April 2019

Fertig: Jeansrock von 1952!

 

Einen einfachen und robusten Rock, den man auch zu flachen Schuhen tragen kann, habe ich mir gewünscht. Und nun ist dieser Rock fertig - und ich bin es auch.


Nahezu harmlos wirkt der Rock auf den Bildern, aber er hat mich sehr geärgert. Der Stoff ist Jeans mit wenig Elasthan und war im Juni 2013 Teil meiner allerersten Stoffbestellung im Internet. Eigentlich wollte ich einen anderen Stoff haben und der Denim war ein Reststück und die Versandkosten sollten sich ja auch lohnen.. ihr kennt das sicherlich. Dann kam der Stoff an und löste nur wenig Begeisterung aus. Steif, aber irgendwie dehnbar, zu wenig für eine Hose und eigentlich gar nicht so recht eine Idee, was daraus werden soll. So schiebe ich seit mehr als fünf Jahren diesen Stoff lustlos hin und her.

Nachdem nun der Wunsch nach einem Jeansrock aufkam, witterte ich die Chance diesen Stoff endlich loszuwerden. Ich besitze nur zwei Jeansstoffe und der andere möchte irgendwann eine Hose werden. Also munter einen einfachen Rock aus Schwabe der neue Schnitt 07/1952 ausgewählt und zugeschnitten.

Der Rock besteht aus 4 Bahnen und ich habe lediglich in der hinteren Mitte Weite wegnehmen müssen sowie ebenfalls hinten für's Hohlkreuz Länge weggenommen - Passform ist ja bei einem einfachen ausgestellten Rock wenig kritisch.

Damit der Bund sich nicht dehnt, habe ich Ripsband aufgenäht und damit die Taschenbeutel sich nicht dehnen habe ich Reste der ebenfalls hier getragenen Bluse verwendet und damit ging das Elend los. Denn der Rock warf an den Taschen ganz komische Falten. Ich dachte erst, dass ich beim Zusammennähen der Taschenteile mit Vorderbahn und Taschenbeutel irgendwo gezogen hätte. Also alles wieder aufgetrennt, gebügelt, sehr gewissenhaft zusammengesteckt und wieder zusammengenäht. Im Ergbenis waren die Falten danach immer noch da, aber weniger und nochmal ordentlich abgebügelt war es dann in Ordnung.

Also habe ich weitergenäht, den Reißer eingesetzt und Ziernähte an allen Nähten angebracht. Dann zog ich den Rock zum Einkaufen an und merkte schnell, dass diese doffen Falten wieder zurückkamen! Etwas ratlos und langsam bockig schmiss ich den Rock erstmal in die Waschmaschine, aber auch danach waren die Falten noch da und ich bin endlich drauf gekommen, dass die nichtdehnbaren Taschenbeutel den Jeansstoff stören und der Grund für die Falten sind. Nochmal auftrennen wollte ich den Rock partout nicht und habe daher ganz pragmatisch die Taschen zugenäht. Und weil nicht nur die Taschenbeutel undehnbar sind, sondern natürlich auch die Ziernähte und ich nicht daran gedacht habe, habe den Rock aushängen zu lassen (ist ja nicht so, dass Tily das beim Onlinenähkränzchen noch gesagt hatte..), staucht nun der Stoff auch leicht zwischen den Nähten..


Mir egal, ich habe die Schnauze voll von dem Stoff und werde keine weitere Minute mehr in den Rock investieren! Man könnte auf die Idee kommen, dass ich einfach nicht vernünftig nachgedacht habe, aber ich bin eher der Meinung, dass ich und der Stoff schlichtweg nicht zusammenpassen. So!


Aber nichtsdestotrotz trage ich den Rock nun doch gern. Die Taschen sind nur noch Zier und der Stoff bleibt wohl einen Tick zu steif, aber der Rock passt und lässt sich zu fast allem kombinieren, er ist robust und anspruchslos. Der Reißer ist mir gut gelungen und ich mag die Ziernähte.


Den Rock werde ich bestimmt nochmal aus einem durchgehend undehnbaren Stoff und vielleicht auch mit der hübschen Bogenkante bzw. dem Oberteil nähen, aber den Rest vom Jeansstoff habe ich bereits entsorgt und bin ein wenig froh, dass ich ihn nun endlich los bin - mehr Platz für neue, wirklich schöne Stoffe, nicht wahr?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Sonntag, 14. April 2019

Ein Sommerjäckchen Knit Along!

Wie das manchmal mit Plänen so ist, so werden diese auch wieder geändert. Ich strickte letzte Woche die Maschenproben für mein Sommerjäckchen. Ein zartes Flieder sollte es nun werden. Die Farbe passt (wie auch Gabi schon feststellte) hervorragend zu meinem Kleiderschrank und ist neben Dunkelbraun und Kirschrot die einzige Farbe, die ich aus sommerlicher Baumwolle im Vorrat habe.


Die Maschenprobe verriet aber, dass die Baumwolle für das ursprünglich gewählte Modell nicht wirklich geeignet ist. Die Baumwolle wird die schmale Form vermutlich nicht so gut halten können. Die Farbe und das Garn gefielen mir jedoch so gut, dass ich dabei blieb, nach einer Alternative Ausschau gehalten habe und fündig wurde.


Aus der Elsa 04/1954 stammt dieses Modell - eine kleine schlichte Strickjacke, quergestrickt und mit nachträglich eingenähten Abnähern. Ich wollte aber einfarbig bleiben und habe mich somit dafür entschieden, die Streifen mit Hilfe der Strickmaschine durch verschiedene Maschenweiten zu erzeugen. So wechsle ich 3 Reihen auf Maschenweite 5,3 mit einer Reihe auf Maschenweite 8 ab. Dadurch entsteht ein plastisches Streifenmuster und nun muss ich mir noch überlegen, ob mir die Seite mit den rechten Maschen oder die mit den linken Maschen am besten gefällt. Ich werde das Rückenteil mal stricken und dann spannen und danach entscheiden, welche Seite es schlussendlich wird. Im Moment tendiere ich zu den linken Maschen - was sagt ihr?