Montag, 2. Juli 2018

Fertig: Anthrazitgrauer Bahnenrock von 1956!


Es gibt Schnittmuster, die haben sich bewährt, die passen zu mir und zu meinem Kleiderschrank, und entsprechend nähe ich sie gern und oft. Ein solches Schnittmuster ist der Bahnenrock von 1956, wie man hier und hier sieht. Er ist schnell genäht und lässt sich gut kombinieren - und was ist kombinierfreudiger als freundliches Anthrazitgrau?

Woher der Stoff ist kann ich nicht mehr sagen. Es müsste ein Mischgewebe sein und Wolle ist dem Geruch beim Bügeln nach mit drin.

Der Rock hat einen verstärkten Formbeleg und wird mit einem Reißer in der Seite geschlossen. Der Saum ist von Hand genäht, aber noch nicht ausgebügelt.
Er ist ungefüttert, weil ich den Rock in allen Jahreszeiten tragen möchte und dann jeweils danach den Unterrock wählen kann - wenn man es ganz genau nimmt, dann ist der Rock eigentlich schon ein erster Herbstgruß.


Der Hemdblusenschnitt aus der Praktischen Damen- und Kindermode von 12/1940 ist ebenfalls so ein beliebtes Schnittmuster. Den Anfang machte vor ziemlich genau zwei Jahren diese grüne Hemdbluse, danach folgten noch ein, zwei, drei, vier andere.

Lediglich der grüne Baumwollstoff ist etwas störrisch und die Bluse ist dank FBA so gut ausgeformt, dass das Bügeln der Rundungen sich als eher schwierig erweist - ich brauche wohl ein Bügelei in Form meiner Brust.. mhm.. hätte auch nicht gedacht, dass ich mal so einen Satz schreiben würde..



Insgesamt also ein sehr einfaches, unaufgeregtes, alltagstaugliches Ensemble, das für's Büro gerade richtig ist.

Und ich mache dann schon mal weiter mit der Planung der Herbstgarderobe - Wollstoffe sind zwar nicht unbedingt das, was man bei 26°C im Schatten als Erstes im Kopf hat, aber man will ja auch für's kommende Schietwetter vorbereitet sein.

Seid ihr noch an der Hochsommermode und seht ihr auch schon den Herbst kommen?
[ verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Freitag, 29. Juni 2018

Wie wähle ich die richtige Größe im Schnittmuster?


Die Größenwahl stellt gerade beim Nähen immer wieder ein Ärgernis dar. Schließlich investiert man viel Zeit und Mühe in ein Kleidungsstück und kann dies nicht - wie bei Kleidung aus dem Laden - zurückhängen und einfach eine andere Größe probieren. Daher hier mal ein paar Aspekte, die ihr bei der Wahl der richtigen Größe beachten solltet:

  1. Das Märchen von der Kaufgröße
  2. Das entscheidende Maß
    1. Körpermaß
    2. Körpermaßtabelle
    3. Fertigmaßtabelle
  3. Zugabe! Zugabe!
    1. Nahtzugabe
    2. Bequemlichkeitszugabe und Bewegungszugabe
    3. Designzugabe
  4. Stoff und Dehnbarkeit
  5. Kann ich ein Schnittmuster für Jersey auch aus Webware nähen?
  6. ..und welche ist nun die richtige Größe?


1. Das Märchen von der Kaufgröße


Es war einmal eine Prinzessin in einem fernen Königreich, die einfach zum Kleiderschrank oder an ihr Nähkästchen gehen konnte, ihre eine Kleidergröße auswählte und alles passte ihr perfekt. Immer.
Hachja.. In Wahrheit haben wohl alle Frauen mindestens drei Kleidergrößen im Schrank. Während die Jeans bei der einen Marke in einer Größe passt, bekommt man sie bei einer anderen Marke in der gleichen Größe gar nicht über den Po. Und ein aufwendig genähtes Kleid entpuppt sich als Sack, obwohl man die korrekte Größe gewählt hat. Es ist ein Ärgernis, aber woran liegt das?

Konfektionsware ist noch gar nicht so alt - von kleineren Vorläufern abgesehen entwickelte sie sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich eine Möglichkeit für die weniger gut Betuchten, die sich die teure Maßanfertigung nicht leisten konnten, entwickelte sich die Konfektionskleidung spätestens mit dem Aufkommen der Warenhäuser in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem echten Verkaufsschlager. Mode war plötzlich erschwinglich und sofort verfügbar. Oft wurde zumindest damals die gekaufte Konfektionsware durch den hauseigenen Schneider noch final angepasst. Die genauen Maße legte jeder Konfektionär selbst fest. Ein einheitliches System gab es nicht - und gibt es bis heute nicht. Zwar gibt es seit den 1960er Jahren Reihenmessungen in der Bevölkerung, allerdings gibt es auch mehr als 50 Jahre später keine Norm. Jeder Hersteller entscheidet weiterhin selbst über seine Größen und welche Maße er mit welcher Größe 'übersetzt' - zB Damen mit einer Brustweite von 100cm tragen bei H&M eine 44 und bei C&A eine 42, aber müssen eine 46 bei Butterick nähen.
Sich auf die "Kaufgröße" zu verlassen, bedeutet es dem Zufall zu überlassen, ob ein Kleidungsstück am Ende passt oder nicht.


2. Das entscheidende Maß


Besser, als sich einer willkürlichen Einteilung zu unterwerfen, ist es einfach mit den Maßen zu arbeiten - ein Zentimeter ist für uns alle gleich lang.

a) Körpermaß


Unser Körper ist in diesem Fall das Maß aller Dinge. Der muss reinpassen und am besten auch gut verpackt sein. Also solltet ihr selbstverständlich damit starten eure Körpermaße zu bestimmen. Eine Übersicht über das Maßnehmen findet ihr hier aus dem Jahr 1955.

Gemessen werden sollte übrigens immer von einer anderen Person über der Kleidung. Stellt euch dabei entspannt, aber gerade hin und tragt normale Wäsche, also zB nicht Formwäsche, wenn ihr sonst keine anhabt o. Ä. Dann kommen die unverfälschten und ehrlichen Daten dabei raus.

Grundsätzlich wählt man ein Schnittmuster nach dem größten Maß, denn es muss ja alles reinpassen und nachträglich verkleinern ist möglich, aber vergrößern nicht. Wichtig an dieser Stelle ist aber nicht nur das Maß als blanke Zahlen, sondern auch bestimmte Abweichungen und Änderungen mit einzubeziehen. Habt ihr zB viel Brust solltet ihr die Oberbrustweite messen, falls ihr einen sehr langen Oberkörper habt, dann müsste ihr das Oberteil ohnehin verlängern und braucht nicht so sehr auf die Rückenlänge achten und breite Hüften kann man bei einem weiten Rockteil ohnehin vernachlässigen.

b) Körpermaßtabelle


Die Körpermaßtabelle beschreibt die Körpermaße, für die die jeweilige Größe gemacht ist. Aus ihr kann man also entnehmen welches Körpermaß der Hersteller für die jeweilige Größe im Sinn hatte. Nicht ersichtlich daraus ist welche Zugaben im Schnittmuster noch enthalten sind.

c) Fertigmaßtabelle


Die Fertigmaßtabelle beinhaltet das Maß des fertigen Kleidungsstückes. Zur Bestimmung der Größe ist sie besser geeignet (zB bei Simplicity, Vogue, McCalls und Butterick verstecken sich teilweise die Fertigmaße zumindest von Brust, Taille und Hüfte direkt auf dem Schnittmusterbogen!).

Beispiel: Ein Mieder wird sehr körpernah getragen. Das Körpermaß der Taille sei 80cm und auch das fertige Mieder ist in der Taille 80cm weit. Ein lockeres Shirt hat immernoch ein Körpermaß von 80cm, aber das fertige Kleidungsstück ist 100cm, denn es soll ja locker sitzen. Wenn ich es so locker nicht mag, dann nähe ich eine Größe kleiner - das kann ich aber nur anhand des Fertigmaßes sehen, denn das Körpermaß ist für beide Modelle weiterhin 80cm.


..Dein Schnittmuster hat aber keine Fertigmaßtabelle? Leider haben viele Schnittmuster keine Fertigmaßtabelle (Burda ist so ein Beispiel), dann hilft auch nur nachmessen (Achtung: Schnittmuster von ausländischen Herstellern haben in der Regel die Nahtzugabe bereits enthalten, dann muss diese beim Messen natürlich abgezogen werden!).


3. Zugabe! Zugabe!


Nun haben wir schon über Zugaben gesprochen, aber welche Zugaben gibt es denn?

a) Nahtzugabe


Beginnen wir mit der klassischen Nahtzugabe. Die Nahtzugabe brauchen wir, damit unser Stoff genug Halt an der Naht hat. Eine fehlende oder zu kleine Nahtzugabe sorgt dafür, dass die Naht zusammen mit ein paar Fäden einfach aus dem Gewebe gezogen wird (kann man gut beobachten, wenn Webware mit der Overlock genäht wird). Wir können auf der Nahtzugabe auch Dinge verstecken, zB wenn Falten nur in der Nahtzugabe abgenäht werden und so dem Stoff schon eine Richtung vorgeben. Außerdem erlaubt die Nahtzugabe kleinere Korrekturen, falls wir versehentlich doch zu klein genäht haben.

Wie schon erwähnt wird die Nahtzugabe in deutschen Schnittmuster in der Regel erst zugegeben und ist daher für die Größenbestimmung unerheblich, bei ausländischen Herstellern ist die Nahtzugaben meist bereits im Schnitt vorhanden. Ob die Nahtzugabe schon vorhanden ist oder nicht und wie groß sie ist, kann man den Hinweisen oder Erläuterungen zum jeweiligen Schnittmuster entnehmen.

b) Bequemlichkeitszugabe & Bewegungszugabe


Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich in einem zu engen Kleidungsstück nicht bewegen oder nicht mal atmen kann? Der Stoff lässt es nicht zu - und aus genau diesem Grund brauchen wir Zugaben zu unseren Körpermaßen für Bewegung und Bequemlichkeit (im englischen meistens mit "ease" bezeichnet). Erst diese Zugaben erlauben es, dass wir uns frei bewegen können, also zB uns hinzusetzen, drehen oder bücken können. Je enger (bis einschnürend) ein Kleidungsstück sein soll oder je dehnbarer der empfohlene Stoff ist, desto kleiner wird diese Zugabe. Entsprechend sind im Umkehrschluss zB für (auch körpernahe) Jacken und Mäntel die Zugaben größer, da man darunter in der Regel ja noch andere Bekleidung trägt.

Für einen Bleistiftrock liegt die Zugabe beispielsweise in der Taille bei 2cm und in der Hüfte bei 2-4cm. Eine körpernahe Bluse braucht 5-7cm Zugabe an der Brust, aber ein Dirndl nur 3-5cm. Jacken und Mäntel brauchen mindestens 7-10cm Zugaben. Diese Angaben variieren ebenfalls je Hersteller, Modegeschmack und Modell, daher soll dies hier nur als eine kleine Richtungsweisung und keine Regel verstanden werden.

c) Designzugabe


Letztlich gibt es Zugaben, die ausschließlich dem Design zugerechnet werden, also je nachdem wie locker oder wie körpernah ein Kleidungsstück sitzen soll und auch wie der Modegeschmack der Zeit sich gestaltet. Beispiele dafür sind zB Schlaghosen oder Oversize. Diese Zugaben haben weder für die Anfertigung noch den Tragekomfort Bedeutung, sondern dienen ausschließlich dem Design.


4. Stoff und Dehnbarkeit


Entscheidend, besonders für die Bequemlichkeitszugabe, ist auch die Dehnbarkeit oder Elastizität des Stoffes, also die Fähigkeit des Stoffes sich bei Krafteinwirkung zu ändern (also länger zu werden) und nach Wegfall des Zuges in seine Ursprungsform zurückzukehren.

Dehnbarkeit wird dabei in der Regel als Eigenschaft der Maschenware (hier zu unterscheiden Wirk- und Strickware) beschrieben. Das sind zB Bündchen, Jersey, Strickstoffe. Sie dehnen sich dadurch, dass die einzelnen Fäden miteinander verschlungen sind und durch Zug spannen sich diese Fäden und geben so mehr Länge frei.

Nicht dehnbar, sondern vielmehr elastisch können auch gewebte Stoffe sein, wenn sie einen elastischen Stoffanteil (zB Elastan) haben. Dieser sorgt dann für die Elastizität. Der Einfachheit halber bleibe ich aber begrifflich bei "dehnbar".

Je dehnbarer der Stoff ist, desto mehr kann der Stoff in der Bewegung benötigtes Spiel zulassen. So wird zB ein Badeanzug mit einer "negative ease", also einer negativen Bequemlichkeitszugabe genäht, denn Lycra ist sehr dehnbar und ein Badeanzug muss straff sitzen, damit er keine Falten schlägt. Auch Bündchen oder körpernahe Strickwaren sind so ein Bespiel, denn diese werden in der Regel ebenfalls kleiner zugeschnitten als eigentlich notwendig und müssen das auch, denn nur dann liegen sie eng an.


5. Kann ich ein Schnittmuster für Jersey auch aus Webware nähen?


An sich kann man das natürlich machen - es ist aber nicht zu empfehlen. Die Zugaben an Schnittmustern für Wirkware ist einfach eine andere, zB kann man den Ärmel enger machen, denn die notwendige Weite wird (auch) aus der Dehnbarkeit erreicht. Näht man dieses nun aus Webware, dann würd man vermutlich eine Größe größer wählen müssen, aber auch dort ist der Ärmel auf Dehnbarkeit angelegt. Und daneben hat der Stoff halt auch andere Eigenschaften zB was den Stand oder das Gewicht betrifft, so wird ein andersrum aus Jersey genähtes Kleid, das eigentlich für Webware gedacht ist, plötzlich schwer herunterhängen anstatt blusig herumzuflattern.

Ich würde euch immer empfehlen einen zum Schnittmuster passenden Stoff zu wählen und andersherum. Je dehnbarer der geforderte Stoff ist, desto mehr ist davon abzuraten einen undehnbaren Stoff zu verwenden - oder würdet ihr einen Badeanzug aus Webware nähen..?


6. ..und welche ist nun die richtige Größe?


Die richtige Größe ist eine Mischung aus all diesen Dingen, also zusammengefasst: Ihr messt euch aus und rechnet die Zugaben für Bequemlichkeit, Stoffeigenschaften und gewünschter Körpernähe ab oder zu und vergleicht das Ergebnis dann mit den Maßen des fertigen Kleidungsstückes.
Das klingt alles viel komplizierter als es tatsächlich ist. Das Ausmessen macht ihr ja nicht bei jedem Schnitt auf's Neue und für die gewünschte Körpernähe hat man auch schnell ein Gefühl. Lediglich die Stoffeigenschaften sind nicht so leicht zu beurteilen, aber wenn man sich nach der Stoffempfehlung richtet und vielleicht auch den Stoff mal probehalber an sich ranhält, lässt auch dies sich in der Regel gut lösen.

Falls ihr bereits ein Kleidungsstück besitzt, das so sitzt, wie ihr es gern habt, dann könnte ihr auch dieses messen und als Grundlage zur Größenbestimmung verwenden - falls der Stoff die gleichen oder zumindest ähnliche Eigenschaften hat.

Schlusswort


Nun sind wir am Ende dieses Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare. Der Beitrag hat Dir gefallen? Dann teile ihn doch - ich würde mich freuen!

Dienstag, 5. Juni 2018

Fertig: Ein zweites Höschen - Wäsche aus Elsa 09/1950!


Auch Nähen ist manchmal schlicht Ausprobieren, Herantasten und Optimieren. Schon letzte Woche gab es Wäsche und heute also die nächste Version - wieder der gleiche Schnitt aus der Elsa 09/1950 und normaler Futterstoff von Venezia, aber dieses Mal als Zierde eine Zackenlitze.

Nachdem das erste Höschen sich beim Stadtbummel hin und wieder hochgeschoben hat, habe ich also ein wenig Länge zugegeben und das Höschen direkt testweise zur Arbeit angezogen - und nach einem Tag im Büro sieht es dann so aus:


Die Länge ist sehr angenehm und schiebt sich auch nicht mehr hoch - lediglich die Stoffwahl muss noch ein wenig verbessert werden. So leicht und rutschig der Futterstoff auch ist, aber es ist eben kein echter Wäschestoff und daher nicht so fließend und atmungsaktiv. Also werde ich mich, nun da ich die richtige Länge gefunden habe, intensiv auf Stoffsuche begeben - Seidencharmeuse, vielleicht auch (für die leichtere Stoffpflege) ein Mischgewebe.


Von der Frage der Stoffwahl abgesehen, bin ich sehr zufrieden - es trägt sich luftig, die Röcke fließen schön drüber und es schont die Schenkel bei heißen Temperaturen. Und der Rest wird sich auch noch finden - wäre doch gelacht!

Mittwoch, 30. Mai 2018

Fertig: Ein Höschen - Wäsche aus Elsa 09/1950!


Ich habe mir etwas für drunter genäht - ich wollte schon länger gern einen Unterrock in Form einer Hose nähen. Für einen besseren Falldes Oberstoffes, für entspannteres Radfahren und ohne schubbernde Oberschenkel bei heißen Temperaturen. Schon vor einigen Jahren hatte ich mal einen passenden Schnitt dazu ausgewählt. Aus Elsa 09/1950 eine Wäschegarnitur aus Höschen und Hemdchen gefiel und sah nicht sehr schwer aus..


..und ich scheiterte kläglich. Wie immer gab es keinerlei Anleitung, ich hatte einen viel zu flutschigen Polyesterstoff genommen und scheiterte schon daran einen Gummi oben halbwegs passend anzunähen und auch das Versäubern und Säumen überforderte mich völlig. Ich erinnere mich an ein ungesäubertes Ungetüm mit drangedroschenem, viel zu breitem Gummiband.

Zum Glück habe ich seitdem einiges an Wissen dazu gewonnen und so ging es diesmal sehr leicht von der Hand. Es fing an bei der Stoffwahl (Venezia Futterstoff) und ging weiter mit französischen Nähten und einem zweifach umgeschlagenem Saum.


Dazu kam dann ein Tunnel mit einem viel schmaleren, zarteren Gummi und für ein bisschen Deko noch ein Bügelbildchen und nach zwei Vormittagen war ich auch schon fertig - obwohl ich gestehen muss, dass Bügeln bei der Hitze nicht gerade ein Vergnügen ist, aber gut gebügelt.. na, ihr wisst schon.


Ich freue mich ganz diebisch über das entspannte Nähen und das schöne Ergebnis - es ist genauso geworden, wie ich das gern haben wollte. Beim nächsten Mal würde ich es vielleicht noch etwas länger machen und einen anderen Stoff wählen. Wäscheseide wird empfohlen - hat jemand eine Idee, wo man solche Qualität bekommt bzw. unter welchem Begriff das heutzutage läuft?

Sonntag, 27. Mai 2018

Fertig: Butterick 5281!


Seit zwei Wochen haben der liebe Gatte und ich Urlaub und seit zwei Wochen ist in Hamburg der Hochsommer ausgebrochen - es ist wahnsinnig schön, aber ab und an konnte ich mich doch vom strahlenden Sonnenschein lösen und ein bisschen nähen. Und so präsentiere ich heute mein neuestes Kleid!


Butterick 5281, ein Schnitt aus der Retrolinie, liegt schon seit Jahren hier. Ich habe ihn irgendwann schonmal geprobt und er saß obenrum fürchterlich. Ich wusste damals nicht so recht wie ich das beheben könnte und so vergrub ich den Schnitt unter vielen Heften. Neulich wollte ich es aber doch nochmal versuchen und legte los. Wenigstens musste ich nicht nochmal abzeichnen.

Ich habe eine FBA gemacht - ein bisschen abenteuerlich bei dem asymmetrischen Vorderteil. 3cm habe ich an jeder Seite Weite zugegeben. Links habe ich die meiste Mehrweite in die Falten geschoben und nur einen kleinen waagerechten Abnäher (für die Symmetrie) übrig gelassen und rechts habe ich alles in einen waagerechten Abnäher geschoben. Ich habe 1,5cm Länge vorn zugegeben und dann mutig den Stoff angeschnitten.


Der Stoff ist aus zweiter Hand - ich glaube eine Viskose und richtig schön schlabberig. Er ist perfekt für den Schnitt, wenn man auch die Details aufgrund des Musters nicht mehr so gut erkennen kann.

Das Muster ist ein wenig.. eigen. Ich fand es fast ein bisschen zu 80er Jahre, aber mit dem Schnitt und den Details mag ich es nun schlussendlich sehr. Selbst der Gatte, der das Muster wirklich scheußlich fand, ließ sich vom Ergebnis überzeugen.


Ich habe das Kleid spiegelverkehrt genäht, denn an der einen Seite soll man den Stoff in der Seitennaht kräuseln und dann dort auch den Reißer einsetzen und das hat mit nicht gefallen. Damit es aber nicht so aussieht als wäre ich zu dusselig den Reißer auf der richtigen Seite einzusetzen, habe ich direkt das ganze Kleid gespiegelt.


Es ist eigentlich vorgesehen das Kleid komplett zu füttern, aber das wollte ich mir sparen - zum Einen hätte ich dann noch eine FBA für das Futterteil machen müssen und zum Anderen soll es ja ein hochsommerliches Kleid sein und entsprechend dünn und flatterig. Also habe ich ein Futter gearbeitet, dass eher an Belege erinnert und nur im Bereich der Ärmel und des Ausschnittes sowie der Schultern liegt.


Die Knöpfe sind nur Zierde, aber darunter verstecken sich Druckknöpfe - ich habe keine Ahnung wozu das gut sein soll, aber da es nicht viel Aufwand war, habe ich es halt mitgemacht. Schulterpolster hat das Kleid wie es sich in den 40er Jahren so gehörte natürlich auch.


Hinten habe ich meine 2cm für das Hohlkreuz weggenommen und ansonsten eigentlich nichts weiter geändert. Es dürfte einen oder vielleicht zwei cm mehr Umfang an der Hüfte haben, aber davon abgesehen sitzt es wirklich gut.

Bei Butterick (und auch Simplicity) sollte man stets nicht nach der Körpermaßtabelle gehen, sondern nach den Maßen, die sich auf dem Schnittmusterbogen verbergen. Dort sind an Brust, Taille und Hüfte die Maße des fertigen Kleidungsstückes angegeben, die eine manchmal aberwitzig große Bequemlichkeitszugabe offenbaren. Ich habe schließlich eine Größe kleiner genäht als ich es laut Körpermaßtabelle gebraucht hätte.


Ich bin sehr zufrieden mit dem Kleid und finde es ganz wunderbar und toll zu tragen. Dann will ich mal schnell wieder auf die Terrasse verschwinden, um möglichst viele Sonnenstrahlen noch einzufangen - obwohl auch schon wieder das nächste Stück auf dem Nähtisch liegt..

Wie findet ihr das Kleid? Und das Muster?
[verlinkt beim Memademittwoch]

Samstag, 12. Mai 2018

So gelingt der Herzausschnitt ♥

Ich habe das Etuikleid genutzt und mal den Entstehungsprozess des Herzausschnittes dokumentiert.


Auf den Ausschnitt an Kleid oder Bluse sollte man für ein adrettes Aussehen besonderen Wert legen. Der Ausschnitt ist nah am Gesicht und somit sehr präsent für das Gegenüber. Zugfalten oder fehlende Symmetrie stören das Bild und ein abstehender Ausschnitt gewährt vielleicht auch zu tiefe Einblicke. Daher möchte ich euch ein paar Tipps für einen schönen Herzausschnitt an die Hand geben - natürlich gilt es so oder so ähnlich auch für andere Ausschnittformen (zB eckiger Ausschnitt, V-Ausschnitt).

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Ausschnitte zu versäubern - Formbelege und Schrägband, Futter und Einfassungen. Ich arbeite am liebsten mit Formbelege, daher verwende ich diesen auch hier.


1. Sorgfältig arbeiten


Das klingt banal, aber man sollte sorgsam und aufmerksam zu Werke gehen, damit am Ende auch beide Seiten symmetrisch sind. Daher die Nahtzugabe am besten schon miteinzeichnen und auch nur füßchenbreit, damit ihr später beim Nähen mehr Kontrolle habt.


Markiert auch die Spitze gesondert, damit ihr wisst, wo die Nadel drehen muss. Und bügelt den Stoff vorab, um kleine Fältchen oder Knitter zu vermeiden. Vor dem Zuschnitt am besten auch die vordere Mitte genau ausbügeln.
Gut gebügelt ist halb genäht!


2. Beleg und Verstärken


Bei dem Beleg ist die Ausschnittkante identisch mit dem fertigen Modell (also sind beispielsweise Abnäher im Ausschnitt, dann werden diese im Beleg zugedreht) und mindestens 5cm breit. Der Beleg wird in der Regel erst mit dem Oberteil verstürzt, wenn die Schulternähte geschlossen sind. Entsprechend werden auch am Beleg die Schulternähte vorab geschlossen.

Belege liegen zudem besser, wenn sie etwas steifer sind als der Oberstoff, daher empfiehlt es sich alle Belegteile zu verstärken oder einen festeren Stoff zu wählen (natürlich sollte er farblich dazu passen und achtet darauf, dass er nicht durchscheint).
Tipp: Wer unbedingt vermeiden möchte, dass der Beleg eventuell an der Kante zu sehen ist (zB weil er einen anderen Stoff wählte), dem empfehle ich eine Paspel zwischenzusetzen, dann ist der Beleg auf jeden Fall nicht zu sehen.


Wie man den Beleg mit der Verstärkung gleich versäubern kann, hatte ich hier schon gezeigt.

Zusätzlich solltet ihr die Spitze am Oberteil verstärken, denn diese wird auch eingeschnitten und franst dann nicht so schnell aus.



3. Genau absteppen


Beleg und Oberteil rechts auf rechts legen und mit ausreichend Nadeln zusammenstecken. Anschließend langsam und konzentriert absteppen. An der Spitze des Ausschnittes die Nadel im Stoff drehen.
Tipp: Wenn euer Stoff es zulässt, dann könnt ihr vorsteppen. Einfach am Beleg an der vorderen Mitte falten und die Nahtlinie einmal ohne Faden entlangnähen - die Löcher der Nadel sind dann auf beiden Seiten exakt gleich und garantieren einen symmetrischen Ausschnitt.

Und wer die Löcher nicht suchen möchte, der kann durchheften, also per Hand vornähen und lange Fäden stehen lassen, dann die Stofflagen auseinanderziehen und innen abschneiden - die Heftfäden markieren dann die spätere Nahtlinie.


4. Mutig einschneiden


Meistens, wenn ein Herzausschnitt Falten zieht, dann wurde nicht mutig genug eingschnitten.

Die Nahtzugaben werden zurückgeschnitten - bei steifen oder störrischen Stoffen am besten die Nahtzugaben unterschiedlich zurückschneiden, dann drücken sie sich nicht so durch.

In den Kurven werden zusätzlich kleine Dreiecke aus der Nahtzugabe bis kurz vor die Naht (ca. 1-2mm) geschnitten - so kann der Stoff sich schön in die Kurve legen. Achtet unbedingt darauf nicht den Faden durchzuschneiden und auch nicht zu nah an die Naht heran. Man kann die Nahtzugabe später (bei allen Faserarten natürlichen Ursprungs) noch ein bisschen dressieren, also durch Ausbügeln dehnen, sodass die benötigte Mehrweite für eine schöne Kurve vorhanden ist

An der vorderen Spitze ebenfalls ein Dreieck ausschneiden und zusätzlich einen kleinen Schnitt bis auf 1mm ran setzen.


Vor dem Wenden die Nahtzugaben über einem Bügelei oder auf einem Ärmelbrett ordentlich auseinander bügeln. Anschließend wenden und gut ausbügeln - dabei am besten eine kleine Schere daneben legen, falls noch mehr Einschnitte nötig sind.


5. Untersteppen


Nach dem Bügeln nochmal umklappen und die beiden Nahtzugaben innen dicht neben der Naht am Beleg feststeppen, dann rutscht der Beleg nicht so leicht heraus.


Anschließend wieder wenden und dann legt sich der Ausschnitt schon nahezu von selbst in die Rundung. Mit ein paar Handstichen kann der Beleg unauffällig befestigt werden.

Und dann ist der Ausschnitt auch schon fertig. Er ist schön verstürzt, symmetrisch und faltenfrei. Was will man noch mehr?


Habt ihr noch Tricks und Kniffe für einen schönen Ausschnitt? Fragen oder Anmerkungen? Immer her damit!