Sonntag, 20. Oktober 2019

Fertig: Pullover nach einem Schnitt von 1940!


Ich nähe in letzter Zeit vor allem bereits angepasste Schnittmuster - für auswendige Anpassungen habe ich einfach keine Zeit. Glücklicherweise wirken die gleichen Schnittmuster aus unterschiedlichen Stoffen immer nochmal anders.


Und auch diesen Pullover habe ich schon mehrmals genäht (1,2,3). Ursprünglich ist es ein Kleid von 1940 aus der Modenschau 322. Als Kleid konnte sich der Schnitt nicht so richtig durchsetzen, aber als Oberteil trage ich ihn sehr gern.


Ich hatte eine FBA gemacht und die Abnäher strahlenförmig auslaufen lassen. Diese Abnäher sind auch der einzige Schmuck des Oberteils. Der Stoff, der fast wie gerippt wirkt, ist Wirkware - allerdings ist er aus Plastik. Normalerweise kaufe und trage ich keinen Plastik (von Sportkleidung mal abgesehen) und vernähe ihn auch nicht gern. Aber in diesem Falle konnte ich der Farbe einfach nicht widerstehen und so nahm ich einen Meter mit.


Und daraus ging sich gerade so der Pullover aus, den ich an nur zwei Abenden anfertigte. Da das Schnittmuster bekannt ist, ging das Nähen einfach von der Hand und auch der Stoff ließ sich anstandslos verarbeiten - abgesehen davon, dass er sich weigerte Markierungen per Kreide anzunehmen. Aber da ich immernoch skeptisch mit dem Material bin, habe ich auch nicht allzuviel Mühe investiert. Weder habe ich versäubert noch besonders sorgfältig gebügelt oder gesteckt. Es ist ein bisschen zusammengeklöppelt und eher ein Versuch - ich fürchte noch, dass mich der Stoff letztlich nicht überzeugen wird.


Aber ich will nicht voreingenommen sein und mich überraschen lassen. In jedem Falle ist die Farbe ganz toll und fehlt schon länger in meiner Garderobe - zumal ich schon das passende Hütchen dazu besitze. Das entstand durch eine gekaufte Basis und den Resten eines alten Hutes, nämlich als Rand und Filzblüten.

Den smaragdgrünen Rock habe ich inzwischen schon so oft gezeigt - er ist eines der liebsten Teile im Schrank und trotzdessen er wohl schon an die hundert Male gewaschen wurde, sieht er aus wie neu. Eventuell muss ich den Handsaum irgendwann mal nachnähen, denn ich bin immer mal wieder irgendwo hängen geblieben und an ein, zwei Stellen ist die Naht geplatzt.


Nun gilt es abzuwarten, ob sich der Plastepulli bewährt. Hübsch finde ich ihn allemal und der Rest muss sich halt zeigen. Wie steht ihr so zu Plastikstoffen/-kleidung?


Montag, 16. September 2019

Das ist doch ein alter Hut!


Hüte waren in den 40er und 50er Jahren nicht wegzudenken und wer ein Faible für diese Zeit hat, wird kaum darum herumkommen, sich gut zu behüten. So geht es mir auch und daher kaufte ich vor einer Weile diesen hübschen Hut für ein paar Groschen bei einem bekannten Onlineauktionshaus.

Alte Hüte zu kaufen ist immer ein wenig riskant. Zum Einen stellt sich natürlich die Frage danach, ob er passt und gefällt, aber zum Anderen auch in welchem Zustand er ist - und damit ist nicht nur Schmutz oder Mottenfraß gemeint, sondern auch wieviel von der ursprünglichen Form noch übrig ist. Leider werden viele Hüte falsch gelagert und bekommen dadurch Beulen oder verformen sich. Filzhüte lassen sich zwar auch zuhause mit Dampf aus dem Bügeleisen wieder ein wenig in Form zu bringen, aber das gestaltet sich ziemlich schwierig, wenn man gar nicht genau weiß, wie die Ursprungsform denn nun eigentlich war.


Der Hut aus grauem Filz hat eine Tulpenform, die sowohl durch eine Naht als auch eine Falte in eine rundere Form am Hinterkopf gebracht wird. Zwei zusätzliche "Blütenstiele", wovon einer ebenfalls verdrahtet ist, und ein kleines Blättchen unterstützen die florale Form. Zusätzlich hat der Hut im Rand Draht eingearbeitet, damit er formbar ist, und zur Fixierung ein Hutgummi.

Ich befreite den Hut zunächst mit einer weichen Bürste vom Staub. Danach beulte ich ihn mit viel Dampf (Achtung: Verbrennungsgefahr) aus und formte ihn so, dass er zu meiner Kopfform passt. Anschließend reinigte ich das Hutband und gönnte dem Hütchen ein wenig Imprägnierspray, damit Regen und Schmutz ihm weniger anhaben können.


Letztlich bleibt es sprichwörtlich ein alter Hut, aber ich denke er wird mir noch einige Male Freude machen und das ist doch sein Sinn und Zweck!



Mittwoch, 4. September 2019

Fertig: Burda Jacke 104 aus 08/2012

Die vermutlich unförmigste Jacke, die ich jemals genäht habe: Meine Kastenjacke #104 aus der Burda 08/2012.


Im Heft präsentiert sich die Jacke mit Nietengedöns am Ärmel, was für mein Empfinden etwas zu dominant ist, weil es wenig Raum für andere Interpretationen lässt. Aber da ich ohnehin fast ausschließlich auf die technische Zeichnung schaue, hat mir die Jacke trotzdem gefallen. Der Schalkragen, die lose Form, die Ärmellänge haben mich angesprochen und an die gerade Jacken der 50er Jahre erinnert.
Den letzten Ausschlag gab schließlich, dass die Jacke mit relativ wenig Stoff auskommt, denn ein boucléartiger, eher fester Strickstoff aus Wolle und Viskose wollte gern eine Herbstjacke werden und der war aber leider nur ein Reststück und knapp bemessen.


Wie (fast) immer nähte ich ein Probemodell zum Überprüfen der Passform, aber auch um die "Drachenkeilärmel" zu testen - ehrlich gesagt hatte ich den Begriff vorher noch nie gehört, aber Burda nutzt ihn öfters. Es handelt sich um überschnittene Ärmel, die durch die Seitenteile ähnlich einem Zwickel zusätzliche Form bekommen - spannend und sieht man nicht so oft. Also habe ich aus einer Viskosewebware mit etwas Elasthan, die sich trotz der unterschiedlichen Zusammensetzung dem Boucléstrick sehr ähnlich verhält, ein Probeteil genäht.


Da der Schnitt bei Burda nur bis Kleidergröße 44 geht, habe ich den Schnitt zwei Nummern auf Kleidergröße 48 hochgradiert. Das Probeteil saß auf den ersten Versuch relativ gut - nun muss man zugeben, dass überschnittene Ärmel und die lose Form natürlich viel verzeihen und so musste ich nur in der vorderen Mitte etwas Länge für die Brust zugeben. Und so wurde das Probeteil kurzerhand um Belege ergänzt und ist nun das Futter der Jacke. Für die Ärmel habe ich allerdings normalen Futtertaft verwendet, damit ich nicht ständig an der Kleidung hängen bleibe und weil der Probestoff ohnehin dafür nicht mehr gereicht hätte.


Der Schnitt ist der Bildernähkurs der Ausgabe und entsprechend etwas ausführlicher erklärt und bebildert. Allerdings muss man trotzdem zugeben, dass Burda sich bei den Formulierungen manchmal etwas sperrig anstellt. Kurz gesagt wird das Seitenteil zunächst am Vorderteil angebracht und danach das Ärmelteil und dann genau andersrum, also mit dem Ärmelteil beginnend, beides am Rückenteil angenäht, bevor dann die Achselnaht geschlossen wird. Wenn nun die Achselnaht, also diese zwischen Seitenteil und Ärmel geschlossen wird, würde ich empfehlen dies in zwei Schritten jeweils von der Mitte aus zu nähen. Der Ärmel ist etwas zu schmal, um die Naht gerade zu legen und in einem Rutsch zu schließen. Das Wichtigste dabei ist - wie bei allen Arten von Zwickel - sehr genau zu nähen.


Da der Oberstoff nicht mehr reichte, habe ich für die Belege einen Reststoff vom Frühlingskostüm, von dem auch der Rock ist, verwendet und einen Aufhänger hinzugefügt. An der Ausschnittkante habe ich die Nahtzugabe am Beleg angesteppt, damit es sich nicht aufplustert und schönen Stand erhält. Bei der Schulternaht habe ich ein Nahtband mitlaufen lassen, damit der Stoff sich dort nicht ausdehnt.


Die Jacke bleibt verschlusslos, aber lässt genug Platz, um sich auch ein bisschen einzumummeln. Ich arbeite im Büro und habe das Glück nicht auf öffentliche Verkehrsmittel und zugige Bahnsteige eingewiesen zu sein, sodass ich eher eine Jacke brauche, mit der ich in der Mittagspause mal schnell in den Stoffladen huschen kann, ohne draussen zu erfrieren oder drinnen den plötzlichen Hitzetod zu sterben. Beides scheint mit der Jacke gut verhindert werden zu können!


Das Futter oder besser gesagt die Belege an der vorderen Mitte sind wohl einen Hauch kürzer als der festgelegte Saum und stört ein wenig den Fall - das ist mir allerdings erst auf den Fotos aufgefallen. Eventuell werde ich den Saum nochmal einen Zentimeter weiter umschlagen müssen - was meint ihr?


Die Bluse zur Jacke ist nach dem üblichen Hemdblusenschnitt von 1940. Viel zusagen gibt es dazu nicht, ich habe die Bluse schon diverse Male genäht und werde sie vermutlich nun auch nochmal in vanillegelb nähen, weil das so gut zur Jacke passen würde.


Insgesamt ließ sich die Jacke gut nähen und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis! Sie ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe und auch wenn ich Kleidung sonst sehr figurnaher trage, mag ich das Tragegefühl. Ein nach unten hin schmaler werdender Rock würde dem Gesamtbild noch ganz gut tun, aber die Jacke wird mich trotzdem schon jetzt durch den Alltag begleiten!


[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Dienstag, 6. August 2019

Besticktes Lavendelsäckchen!

Neulich haben wir unseren Lavendel von den trockenen Blüten befreit und was tut man mit den herrlich duftenden Blüten? Man macht natürlich Lavendelsäckchen daraus!

Ein einfaches Rechteck, genäht, gefüllt, gefaltet und per Hand mit ein paar Perlen bestickt. Ein kurzes Stück Samtband, damit man das Säckchen an Kleiderbügeln oder der Kleiderstange aufhängen kann. Schon wanderte das Säckchen zur Bettwäsche, denn der große Vorteil von Lavendel ist, neben der beruhigenden Wirkung, dass er die Motten fernhält - somit also auch für das häusliche Stofflager unbedingt zu empfehlen!

Man kann das Säckchen auch nur mit einer Schleife befestigen, dann lässt sich der Lavendel leichter tauschen, wenn er seinen Duft verloren hat.


..und weil die so schnell und einfach gemacht sind, sind Lavendelsäckchen ein tolles Mitbringsel und zudem auch eine gute Verwertungsmöglichkeit für Stoffreste. Wenn man nicht gerade den Lavendel schon auf den Stoff aufgedruckt hat, sollte man die Füllung kurz dazu schreiben, aufsticken oder einfach einen Lavendelblütenhalm befestigen.

Man kann die Säckchen aber auch mit Zedernholz oder anderen aromatischen Kräutern wie Rosmarin, Minze, Oregano, Thymian, Zitronenmelisse oder Ähnliches füllen. Auch Duftöle wie Orange oder Tanne können genutzt werden.

Schnell und einfach genäht, frischer und natürlicher Duft für den Kleiderschrank und das Stofflager - ist doch eine dufte Sache, oder?
[verlinkt beim Summer Stitchalong & Creadienstag]

Dienstag, 23. Juli 2019

Fertig: Leinenrock!


Hier nun also der Leinenrock, dem ich die hübschen Taschen von 1937 verpasst habe. Ich bin letztlich sehr zufrieden mit dem Rock, obwohl die Entstehung eine ziemliche Katastrophe war, denn ursprünglich sollte es ein Hosenrock werden.


Nach dieser Anleitung wollte ich aus dem bereits mehrfach genähten, kniebedeckenden Bahnenrock aus einem Heft von 1956 einen Hosenrock konstruieren. Dazu werden nach Maß der Sitzhöhe innen Hosenbeine angeschnitten und den Rockteilen jeweils eine Falte verpasst, damit das rockige Aussehen erhalten bleibt.

Meine gemessene Sitzhöhe waren 30cm - da ich Bauch und Po habe, also etwas mehr Länge brauche und mit dem Hosenrock vor allem bequem Fahrrad fahren wollte, habe ich großzügig auf 35cm verlängert und auf Nahtzugabe verzichtet, sodass mein Schritt dann also bei 36,5cm hing.. und das war dann schon der Anfang vom Ende. Denn der Schritt war nun plötzlich mitten auf den Oberschenkeln und scheuerte unangenehm. Gleichzeitig fehlte der Schrittnaht der Halt und sie hing unten heraus und verwirrte sich beim Laufen zwischen den Beinen. Zu viel Stoff, zu viel Gewicht, zu wenig Halt - eine schlechte Kombination..


Nach ein paar Tagen Schmollen habe ich die angeschnittenen Hosenbeine entfernt und die Falten als normale Naht zugenäht. Die Hosensäume habe ich wieder aufgemacht und mit dem Rockabrunder einen neuen Saum festgelegt. Da der Rockschnitt nach ein paar Kilos weniger etwas zu weit ist, musste ich 5cm wegnehmen und habe das aus pragmatischen Gründen (ich wollte nicht nochmal den Reißer heraustrennen und auch den Bund nicht mehr als nötig lösen) nur in der vorderen Mitte getan - daher liegt die Seitennaht nun etwas nach vorn versetzt. Dadurch fällt der Rock ein wenig anders und der Po sieht von der Seite größer aus, aber beides stört mich nicht weiter.


Und weil Taschen praktisch und diese auch noch so besonders hübsch sind, habe ich noch Rocktaschen aufgenäht - es handelt sich um ein doppeltgenähtes Quadrat, das auf der Spitze steht und bei dem eine Ecke umgefaltet wird. Die Kantenlängen betragen jeweils 13cm. Nach Anleitung soll die Ecke nach 7cm umgelegt werden, aber damit man bequemer hineingreifen kann, habe ich erst nach 8cm geknickt.


Insgesamt war der Rock mit all den Umwegen eine Menge Arbeit, aber auch sehr lehrreich - ich werde es mit dem Hosenrock nochmal versuchen, aber
  • einen weicheren Stoff verwenden,
  • mich an die Sitzhöhe halten (im Zweifel lieber nachträglich etwas weiter ausschneiden),
  • die Falten von 10cm auf 6cm verringern und
  • den Rock insgesamt kürzer nähen, damit ich am Saum nicht soviel Stoff zu bändigen habe.

Ich bleibe also dran und werde berichten!


Die Bluse ist übrigens das Probemodell der Rita Blouse. Weil ich aufgrund der unterschiedlichen Körbchengrößen im Schnittmuster optimistisch war, das Probemodell tragen zu können, hatte ich halbwegs guten Stoff verwendet und dieser passt nun ideal zum Farbton des Leinenrockes.


Trotz all der Scherereien bin ich nun sehr glücklich mit dem Ensemble und für die kommenden hitzigen Tage gut gerüstet!
[verlinkt beim Creadienstag]

Dienstag, 16. Juli 2019

Rocktaschen von 1937!

Rocktaschen, Hosentaschen, Brusttaschen, Nahttaschen, aufgesetzte Taschen, Paspeltaschen, Leistentaschen.. Taschen an Kleidungsstücken sind sehr vielseitig und können ein schönes Detail sein.



"Taschen und Täschchen an Kleidern, Blusen und Jacken haben heutzutage nicht nur praktischen Wert, sondern sollen gleichzeitig Scmuck sein", merkt hier die Deutsche Moden-Zeitung (Heft 19) von 1937 an und schlägt mehrere Variationen von Taschen vor.

Ich habe mich bei einem sommerlichen Leinenrock für die Variante oben rechts entschieden - ein auf der Spitze stehendes Quadrat, das dann auf einer Seite umgeklappt wird. Das Maß - 1 Karo entspricht 1 cm - gab 13 cm Kantenlänge vor. Der Knick sollte demnach bei 7cm liegen, aber für einen etwas komfortableren Tascheneingriff habe ich erst bei 8cm geknickt.

Die Tasche wird doppelt gearbeitet, also zwei Stücke mit 1cm Nahtzugabe rechts auf rechts aufeinander genäht, dann durch eine Wendeöffnung gewendet und gut geplättet. Anschließend wird erst der umgeklappte Teil festgenäht und dann die Tasche an den Rock gesteppt. Auf eine Kontrastnaht habe ich dabei verzichtet.


Ich finde die Taschenvariante sehr hübsch und trotzdessen sie eigentlich sehr einfach anzufertigen ist, wirkt sie raffiniert und passt gut zu dem Leinen. Lediglich die Spitzen ließen sich bei dem eher groben Stoff nicht so ideal ausarbeiten.

Ich kann mir auch vorstellen, dass ich noch weitere der gezeigten Taschen ausprobiere - welche gefällt euch am besten?
[verlinkt beim Creadienstag]