Montag, 22. Oktober 2018

November-Wetter Sew-Along

"Solange noch die Elbe, die Alster und die Bill'
durch unser Hamburg fließen steht Hamburgs Herz nicht still,
solang der alte Michel am Hafen Wache hält,
bleibt uns're alte Hansestadt das große Tor zur Welt."


Freddy Quinn sang gleich mehrmals über die Hansestadt an der Waterkant - hier ein Auszug aus "Mein Hamburg" von 1963 aus dem Film "Heimweh nach St. Pauli". Die Elbe ist natürlich der größte der Flüße und weil wir hier Tideelbe haben, also Ebbe und Flut, riecht die Elbe nach Salz und Meer - wer braucht da noch eine Küste?

Den Termin in der letzten Woche habe ich verpasst, aber ich habe mich inzwischen für ein Kleid für den November-Wetter Sew-Along entschieden und habe auch schon ein Probeoberteil genäht. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal eine Lanze für die Probemodelle brechen. Das mag für viele lästig sein, aber nichts hilft besser um die Größe auszuprobieren, um Passformprobleme zu entdecken (und zu beheben), um auch schwierige oder kniffelige Stellen zu testen und um einfach mit Sicherheit und Vertrauen an das Nähstück zu gehen. Ich nähe seit 6 Jahren und ich würde behaupten, dass ich eine von den fortgeschrittenen Hobbynäherinnen bin, aber ich mache trotzdem nahezu immer Probeteile - gerade wenn man Schnitte mehrmals nähen möchte und keine Figur nach Standardmaß hat, lohnt der Aufwand total!
Nach einer FBA, Anpassungen in der Rückenlänge, an der Schulter und den Abnähern war ich dann also so zufrieden, dass ich meinen Stoff angeschnitten habe.


Der Stoff ist ein Wollstoff mit einer Mischung aus schwarzen, dunkelblauen, hellblauen und grauen Fäden, sodass der Stoff in sich selbst gemustert ist. Von Weitem wirkt der Stoff dunkelblau und er reicht zufällig ganz genau für das Kleid. Der Zuschnitt und die Abnäher sind bereits erledigt und als nächstes stehen die Leistentaschen im Rockteil an. Das letzte Mal Leistentaschen ist fast ein Jahr her, daher werde ich das ganz langsam und konzentriert angehen.

Etwas unentschlossen bin ich noch bei der Frage, ob ich das Kleid füttere oder ein Unterkleid trage - ich werde das entscheiden, sobald das Kleid grob zusammengenäht ist und übergeworfen werden kann. Vermutlich wird es auf ein Futter hinauslaufen, aber ich will mich noch nicht festlegen.

Schöne Grüße von der Waterkant!

Freitag, 19. Oktober 2018

Fertig: Oberteil nach einem Schnitt von 1940!

Nur noch schnell die Haare richten und dann..


..zeige ich euch meinen neuen Pullover.


Den Pullover habe ich schon bereits zweimal genäht (1,2) und ursprünglich handelt es sich um ein Kleid von 1940 aus der Modenschau 322. Als Kleid konnte sich der Schnitt nicht so richtig durchsetzen, aber als Oberteil trage ich ihn sehr gern.


Dem Schnitt hatte ich eine FBA verpasst und damit einhergehend strahlenförmige Abnäher aus dem Armloch. Das schmückt den sonst sehr schlichten Pullover ein wenig ohne aufdringlich zu wirken.


Der Stoff ist übrigens ein Sweat von Alles-für-Selbermacher - oder um genauer zu sein ein "Glamoursweat". Ich finde diese Bezeichnung ja etwas albern, aber immerhin sind silberne Lurexfäden im rosa Stoff eingewebt. Auf der Innenseite ist der Stoff hell und kuschelig. Eigentlich wollte ich den Stoff gar nicht mitnehmen - zu rosa, zu modern, zu glitzerig. Ich ließ ihn also im Regal zurück, aber plötzlich lag er dann einfach so am Zuschneidetisch, also griff ich doch zu.

Der Sweat ist nur wenig dehnbar, sodass er sich gut für das Oberteil eignet und zwar ohne Verschluss auskommt, aber trotzdem die Form hält. Am Kragen wird mit Beleg gearbeitet, ansonsten ist die versäuberte Kante nur umgenäht.


Zum Oberteil trage ich den Wollrock vom Weihnachtsnähen im letzten Jahr, der genau die richtige Bundhöhe für den Pullover hat, und das selbstgemachte Hütchen aus Sinamay. Ich bin überraschend zufrieden mit dem Rosa an mir, damit wie gut es mit Zartbitterschokoladenbraun harmoniert und sich alles zusammenfügt.


Ich bin als sehr glücklich mit dem neuen Pullover und bestens ausgerüstet für Herbst und Winter. Immerhin er glitzert in der Sonne - was kann man noch mehr wollen?

Dienstag, 16. Oktober 2018

Fertig: Ein Halbhut aus Sinamay!


Die Idee Hüte und Kopfbedeckungen selbst zu machen, lässt mich nicht los. Wie nun schon mehrmals erwähnt, passen mir gekaufte Hüte aufgrund meines großen Kopfes fast nie und somit ist kaufen eher etwas gefährlich. Daher versuche ich immer mal wieder Hüte selbst zu machen. Das Schwierigste ist dabei vor allem die Grundlage, die Basis des Hutes.

Dieses Mal habe ich eine Basis aus Sinamay gemacht. Sinamay ist ein Gewebe aus Sisal, einer Pflanzenfaser, und sehr steif. Legt man Sisal aber ins Wasser, dann wird es weicher und lässt sich formen. Trocknet es wieder behält es die gegebene Form. Daher habe ich zur Formgebung einen Styroporkopf genutzt, der zufällig mein Kopfmaß hat. Drei Lagen Sinamay habe ich gemeinsam gewässert und dann am Kopf glatt gezogen.


Damit die Lagen am Ende auch ein stabiles Gebilde ergeben, habe ich die Lagen in unterschiedlicher Ausrichtung (quasi Fadenlauf) aufgelegt. Nach dem Trocknen habe ich die gewünschte Hütchenform ausgeschnitten und mit einem langen Stich mit der Nähmaschine zusammengesteppt.

Nachdem die Form also so vorbereitet war, habe ich den Rand mit einem Satinschrägband eingefasst und mit Perlgarn Blüten und Perlen sowie am Schluss einen braunen Hüttüll aufgenäht.


Festgesteckt habe ich das Hütchen hilfsweise mit ein paar Haarnadeln, die unter den Blüten verschwinden. Ich werde auch noch einen Haarkamm anbringen, aber es war gerade keiner greifbar.


Das Ergebnis ist ein Halbhütchen mit hübschem Blumenbouquet, das auch meinem großen Kopf passt und sich sehr bequem tragen lässt.


Insgesamt ist Sinamay ein sehr spannendes Material, wenn auch ungewohnt. Ein bisschen Sinamay habe ich noch und werde mich mal noch an einem etwas größerem Hütchen versuchen. Dann werde ich es vermutlich mit Stoff beziehen - eine schöne Variante um Stoff von selbstgenähten Stücken nochmal einzuarbeiten. Ich werde berichten, wie das geklappt hat!
[Verlinkt beim Creadienstag]

Montag, 8. Oktober 2018

November-Wetter Sew-Along

"In Hamburg sind die Nächte lang
Und nicht allein zum Schlafen gemacht
In Hamburg sind die Mädchen schön
Und erst so richtig munter bei Nacht"

So sang es Fred Bertelmann im Jahr 1956 und das ist auch über 60 Jahre später immernoch so. Im November sind die Nächte in Hamburg sogar noch länger und auch kälter als für gewöhnlich. Und im November ist auch ein Bloggertreffen hier. Ich muss gestehen, dass ich etwas nervös bin - ich habe zwar schon ein paar andere Blogger oder Internetbekanntschaften persönlich getroffen, aber nicht so viele auf einmal. Ich habe schon überlegt, ob ich Namen auswendig lerne, weil ich damit so meine Schwierigkeiten habe und bei 50 Damen..

..reden wir vielleicht lieber über etwas anderes. Denn zur Einstimmung auf die langen Novembernächte gibt es glücklicherweise ein gemeinsames Nähen. Aber was braucht man denn für Schietwetter im Novembergrau und was kann man schnell genug nähen (insbesondere wenn man ohnehin wenig Nähzeit hat)? Vielleicht ein Hosenrock? Oder eine Bluse mit Kapuze? Oder eine Jacke? Vielleicht doch lieber ein Wollkleid?

Zur Entscheidungsfindung habe ich meine Novemberhefte durchforstet. Vielleicht dieses schmale Jackenkleid aus der Elsa 11/1950?


Oder das Kleid unten rechts mit dem aufregenden Kelchkragen aus Schwabe Der neue Schnitt von 11/1951?


Oder aus Prakitkus Modenblatt von 11/1949 das Kleid links mit dem großen Kragen und der hübschen Rückansicht?


Ich weiß noch nicht, welches Kleid es am Ende wird. Die Stofffrage treibt mich auch noch um - nicht zu dünn, wir haben schließlich November, aber auch nicht zu dick, damit ich drinnen nicht den Hitzetod sterbe.. ich weiß noch nicht. Vielleicht schwenke ich doch nochmal zum Hosenrock mit einer bunt gemusterten Bluse um?

Ich lasse mir mit der Entscheidung mal noch Zeit bis zum Termin in der nächsten Woche und wälze bis dahin mal meine Stoff- und Schnittmusterberge!

Dienstag, 2. Oktober 2018

Fertig: Herrenhemd nach Simplicity 4760!

Als Frau eines Anglers hat man es nicht immer leicht. Ich weiß viel mehr über das Angeln als mir lieb ist und führe merkwürdige Gespräche über Popper, Wobbler und tieflaufende Spinner. Ich stehe auch in aller Hergottsfrühe auf, weil die Rapfen bei Sonnenaufgang am besten beißen..

..aber man hat es auch sehr gut als Frau eines Anglers, denn man bekommt die leckersten und frischesten Fische, man hat einen Mann, der Verständnis für das eigene Hobby hat und sich auch sehr gut allein beschäftigen kann, während man näht.

Und wenn der Mann dann noch genug Humor hat, um sich mit neuem Hemd und pinken Flamingos ablichten zu lassen.. was kann man denn noch mehr wollen?


Der Stoff erinnert an die Novelty Prints der 40er/50er Jahre und ist eines Anglers würdig - ein blaugründiger Flanell mit Angelködern, Fischen und "The one that got away" (auf deutsch: "Derjenige, der entkam" - gemeint ist sinngemäß das Anglerlatein, nach dem derjenige, der entkam, natürlich der Größte war).

Der Stoff ist aus den USA eingeflogen worden und damit ich keinen Zoll bezahlen muss, habe ich mich auf drei Yards beschränkt.


Leider ist das Muster nicht ganz symmetrisch. Manchmal sind zB ein Fisch und eine Pose kleiner als an anderer Stelle, sodass die vordere Mitte nicht ganz aufeinander passt (also manche Teile ja und andere plötzlich nicht mehr) - an den Hemdtaschen habe ich es doch noch rausgequetscht bekommen.


Das Schnittmuster ist wieder Simplicity 4760 (bzw. Simplicity 7160) mit langen Ärmeln, Knopfschlaufe und komplett mit Kappnähten genäht.


Testweise wurde das Hemd bereits beim herbstlichen Grillen getragen und für gut befunden - man beachte das zufriedene Grinsen des Grillmeisters.


Zwischendurch konnte man sich aufgrund des Flanells den Eindrucks eines Pyjamas nicht erwehren, aber ich finde im Endeffekt ist es ein schönes, winterliches Hemd geworden, dass beim Angeln bei kühlen Temperaturen sicherlich gute Dienste leisten wird.
[verlintkt beim Creadienstag]

Samstag, 29. September 2018

Fertig: Bluse von 1940!

Ich glaube diese Bluse war mein bislang schlimmstes Nähprojekt - würde ich den Stoff nicht so wahnsinnig schön finden, dann hätte ich längst die Flinte ins Korn geschmissen und die vermaledeite Bluse gleich hinterher!


Die Bluse ist eine Abwandlung von der schon so oft genähten Hemdbluse von 1940.


Ich hatte diese wunderschöne, fließende Viskose, die ich unbedingt mit Kräusel statt Abnähern verarbeiten und mit weiten Ärmeln tragen wollte. So habe ich vorn und hinten Passen abgetrennt, Weite zugegeben und den Stoff angekräuselt. Der Effekt wurde besonders hinten genauso wie ich mir das wünschte und die Ärmel mag ich auch sehr, aber da endete auch schon das gute Glingen.


Irgendwie stelle ich es mir manchmal einfach zu leicht vor oder denke wohl nicht genug nach: Schnitt ist angepasst und sitzt, also dachte ich mir, dass es da wohl kein Problem geben kann und habe mutig mein Schnittmuster ist der Taille gekürzt - mehr Länge für die große Brust? Pustekuchen, ein schön waagerechter Schnitt ist es geworden.

Dann habe ich meinen Bund angenäht und das (erste) Schößchen angekräuselt. Angezogen sah das furchtbar aus - als sei der Stoff ab dem Bund explodiert. Zudem waren es einfach viel zu viele Kräusel. Also das Schößchen abgetrennt und ein ausgestelltes Schößchen angenäht. Unnötig zu erwähnen, dass so zarte Viskose nicht besser wird, wenn man an ihr herumtrennt. Das ausgestellte (zweite) Schößchen erwies sich als zu nichtssagend und zudem am Po zu eng. Ernüchtert habe ich stattdessen nun den Bund abgetrennt, der mir zu schmal vorkam, und ihn durch einen breiteren Bund ersetzt. Der war dann widerrum zu breit, also habe ich ihn wieder abgetrennt und einen mittelbreiten Bund angesetzt - kann sich jemand mein Frustlevel vorstellen?

Dann war ich drauf und dran es mit den Schößchen einfach zu lassen, aber wenn ich nicht bauchfrei durch den Herbst gehen wollen würde, dann war das auch keine Lösung - zumal mir jetzt auffiel, dass ich vergessen habe Länge vorn zuzugeben und der Bund daher vorn hochzieht. Hatte ich euch schon von der Flinte und dem Korn erzählt..? Auf dem Bild von der Seite sieht man das Hochziehen:


Aber es half alles nichts, also habe ich mein drittes Schößchen angenäht - dieses Mal kreisrund wie ein Tellerrock. Ich habe mich gezwungen ganz brav den langen Saum doppelt umgeschlagen anzunähen und weiterhin wenigstens halbwegs sorgfältig zu arbeiten, obwohl ich eigentlich nur noch irgendwie fertig werden wollte.

Ich bin immernoch nicht sicher, ob es nun ein Happy End ist oder nicht. Ich ärgere mich maßlos, dass ich so dusselig war, nicht an die vordere Länge zu denken und mit den Kräuseln vorn unter der Brust bin ich auch nicht wirklich glücklich, aber die Rückansicht finde ich so schön!

Sicher bin ich aber immerhin wenigstens mit dem Wollrock vom letzten Jahr - der trägt sich wunderbar zu den kalten Temperaturen und gefällt mir immer besser.


Was nun aus der Bluse wird, weiß ich noch nicht - ich werde sie vermutlich erstmal ein paar Tage mit Nichtbeachtung strafen und dann nochmal mit etwas Abstand zur Arbeit anziehen und schauen, wie sie sich macht. Immerhin habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich mir vorab auch bei angepassten Schnittmustern mehr Zeit nehmen und das Projekt durchdenken sollte und dass Kräusel an mir nur in Maßen schön sind.

Wie findet ihr denn die Bluse? Ist sie tragbar oder lieber als Fehltritt abhaken?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]