Sonntag, 27. Mai 2018

Fertig: Butterick 5281!


Seit zwei Wochen haben der liebe Gatte und ich Urlaub und seit zwei Wochen ist in Hamburg der Hochsommer ausgebrochen - es ist wahnsinnig schön, aber ab und an konnte ich mich doch vom strahlenden Sonnenschein lösen und ein bisschen nähen. Und so präsentiere ich heute mein neuestes Kleid!


Butterick 5281, ein Schnitt aus der Retrolinie, liegt schon seit Jahren hier. Ich habe ihn irgendwann schonmal geprobt und er saß obenrum fürchterlich. Ich wusste damals nicht so recht wie ich das beheben könnte und so vergrub ich den Schnitt unter vielen Heften. Neulich wollte ich es aber doch nochmal versuchen und legte los. Wenigstens musste ich nicht nochmal abzeichnen.

Ich habe eine FBA gemacht - ein bisschen abenteuerlich bei dem asymmetrischen Vorderteil. 3cm habe ich an jeder Seite Weite zugegeben. Links habe ich die meiste Mehrweite in die Falten geschoben und nur einen kleinen waagerechten Abnäher (für die Symmetrie) übrig gelassen und rechts habe ich alles in einen waagerechten Abnäher geschoben. Ich habe 1,5cm Länge vorn zugegeben und dann mutig den Stoff angeschnitten.


Der Stoff ist aus zweiter Hand - ich glaube eine Viskose und richtig schön schlabberig. Er ist perfekt für den Schnitt, wenn man auch die Details aufgrund des Musters nicht mehr so gut erkennen kann.

Das Muster ist ein wenig.. eigen. Ich fand es fast ein bisschen zu 80er Jahre, aber mit dem Schnitt und den Details mag ich es nun schlussendlich sehr. Selbst der Gatte, der das Muster wirklich scheußlich fand, ließ sich vom Ergebnis überzeugen.


Ich habe das Kleid spiegelverkehrt genäht, denn an der einen Seite soll man den Stoff in der Seitennaht kräuseln und dann dort auch den Reißer einsetzen und das hat mit nicht gefallen. Damit es aber nicht so aussieht als wäre ich zu dusselig den Reißer auf der richtigen Seite einzusetzen, habe ich direkt das ganze Kleid gespiegelt.


Es ist eigentlich vorgesehen das Kleid komplett zu füttern, aber das wollte ich mir sparen - zum Einen hätte ich dann noch eine FBA für das Futterteil machen müssen und zum Anderen soll es ja ein hochsommerliches Kleid sein und entsprechend dünn und flatterig. Also habe ich ein Futter gearbeitet, dass eher an Belege erinnert und nur im Bereich der Ärmel und des Ausschnittes sowie der Schultern liegt.


Die Knöpfe sind nur Zierde, aber darunter verstecken sich Druckknöpfe - ich habe keine Ahnung wozu das gut sein soll, aber da es nicht viel Aufwand war, habe ich es halt mitgemacht. Schulterpolster hat das Kleid wie es sich in den 40er Jahren so gehörte natürlich auch.


Hinten habe ich meine 2cm für das Hohlkreuz weggenommen und ansonsten eigentlich nichts weiter geändert. Es dürfte einen oder vielleicht zwei cm mehr Umfang an der Hüfte haben, aber davon abgesehen sitzt es wirklich gut.

Bei Butterick (und auch Simplicity) sollte man stets nicht nach der Körpermaßtabelle gehen, sondern nach den Maßen, die sich auf dem Schnittmusterbogen verbergen. Dort sind an Brust, Taille und Hüfte die Maße des fertigen Kleidungsstückes angegeben, die eine manchmal aberwitzig große Bequemlichkeitszugabe offenbaren. Ich habe schließlich eine Größe kleiner genäht als ich es laut Körpermaßtabelle gebraucht hätte.


Ich bin sehr zufrieden mit dem Kleid und finde es ganz wunderbar und toll zu tragen. Dann will ich mal schnell wieder auf die Terrasse verschwinden, um möglichst viele Sonnenstrahlen noch einzufangen - obwohl auch schon wieder das nächste Stück auf dem Nähtisch liegt..

Wie findet ihr das Kleid? Und das Muster?

Samstag, 12. Mai 2018

So gelingt der Herzausschnitt ♥

Ich habe das Etuikleid genutzt und mal den Entstehungsprozess des Herzausschnittes dokumentiert.


Auf den Ausschnitt an Kleid oder Bluse sollte man für ein adrettes Aussehen besonderen Wert legen. Der Ausschnitt ist nah am Gesicht und somit sehr präsent für das Gegenüber. Zugfalten oder fehlende Symmetrie stören das Bild und ein abstehender Ausschnitt gewährt vielleicht auch zu tiefe Einblicke. Daher möchte ich euch ein paar Tipps für einen schönen Herzausschnitt an die Hand geben - natürlich gilt es so oder so ähnlich auch für andere Ausschnittformen (zB eckiger Ausschnitt, V-Ausschnitt).

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Ausschnitte zu versäubern - Formbelege und Schrägband, Futter und Einfassungen. Ich arbeite am liebsten mit Formbelege, daher verwende ich diesen auch hier.


1. Sorgfältig arbeiten


Das klingt banal, aber man sollte sorgsam und aufmerksam zu Werke gehen, damit am Ende auch beide Seiten symmetrisch sind. Daher die Nahtzugabe am besten schon miteinzeichnen und auch nur füßchenbreit, damit ihr später beim Nähen mehr Kontrolle habt.


Markiert auch die Spitze gesondert, damit ihr wisst, wo die Nadel drehen muss. Und bügelt den Stoff vorab, um kleine Fältchen oder Knitter zu vermeiden. Vor dem Zuschnitt am besten auch die vordere Mitte genau ausbügeln.
Gut gebügelt ist halb genäht!


2. Beleg und Verstärken


Bei dem Beleg ist die Ausschnittkante identisch mit dem fertigen Modell (also sind beispielsweise Abnäher im Ausschnitt, dann werden diese im Beleg zugedreht) und mindestens 5cm breit. Der Beleg wird in der Regel erst mit dem Oberteil verstürzt, wenn die Schulternähte geschlossen sind. Entsprechend werden auch am Beleg die Schulternähte vorab geschlossen.

Belege liegen zudem besser, wenn sie etwas steifer sind als der Oberstoff, daher empfiehlt es sich alle Belegteile zu verstärken oder einen festeren Stoff zu wählen (natürlich sollte er farblich dazu passen und achtet darauf, dass er nicht durchscheint).
Tipp: Wer unbedingt vermeiden möchte, dass der Beleg eventuell an der Kante zu sehen ist (zB weil er einen anderen Stoff wählte), dem empfehle ich eine Paspel zwischenzusetzen, dann ist der Beleg auf jeden Fall nicht zu sehen.


Wie man den Beleg mit der Verstärkung gleich versäubern kann, hatte ich hier schon gezeigt.

Zusätzlich solltet ihr die Spitze am Oberteil verstärken, denn diese wird auch eingeschnitten und franst dann nicht so schnell aus.



3. Genau absteppen


Beleg und Oberteil rechts auf rechts legen und mit ausreichend Nadeln zusammenstecken. Anschließend langsam und konzentriert absteppen. An der Spitze des Ausschnittes die Nadel im Stoff drehen.
Tipp: Wenn euer Stoff es zulässt, dann könnt ihr vorsteppen. Einfach am Beleg an der vorderen Mitte falten und die Nahtlinie einmal ohne Faden entlangnähen - die Löcher der Nadel sind dann auf beiden Seiten exakt gleich und garantieren einen symmetrischen Ausschnitt.

Und wer die Löcher nicht suchen möchte, der kann durchheften, also per Hand vornähen und lange Fäden stehen lassen, dann die Stofflagen auseinanderziehen und innen abschneiden - die Heftfäden markieren dann die spätere Nahtlinie.


4. Mutig einschneiden


Meistens, wenn ein Herzausschnitt Falten zieht, dann wurde nicht mutig genug eingschnitten.

Die Nahtzugaben werden zurückgeschnitten - bei steifen oder störrischen Stoffen am besten die Nahtzugaben unterschiedlich zurückschneiden, dann drücken sie sich nicht so durch.

In den Kurven werden zusätzlich kleine Dreiecke aus der Nahtzugabe bis kurz vor die Naht (ca. 1-2mm) geschnitten - so kann der Stoff sich schön in die Kurve legen. Achtet unbedingt darauf nicht den Faden durchzuschneiden und auch nicht zu nah an die Naht heran. Man kann die Nahtzugabe später (bei allen Faserarten natürlichen Ursprungs) noch ein bisschen dressieren, also durch Ausbügeln dehnen, sodass die benötigte Mehrweite für eine schöne Kurve vorhanden ist

An der vorderen Spitze ebenfalls ein Dreieck ausschneiden und zusätzlich einen kleinen Schnitt bis auf 1mm ran setzen.


Vor dem Wenden die Nahtzugaben über einem Bügelei oder auf einem Ärmelbrett ordentlich auseinander bügeln. Anschließend wenden und gut ausbügeln - dabei am besten eine kleine Schere daneben legen, falls noch mehr Einschnitte nötig sind.


5. Untersteppen


Nach dem Bügeln nochmal umklappen und die beiden Nahtzugaben innen dicht neben der Naht am Beleg feststeppen, dann rutscht der Beleg nicht so leicht heraus.


Anschließend wieder wenden und dann legt sich der Ausschnitt schon nahezu von selbst in die Rundung. Mit ein paar Handstichen kann der Beleg unauffällig befestigt werden.

Und dann ist der Ausschnitt auch schon fertig. Er ist schön verstürzt, symmetrisch und faltenfrei. Was will man noch mehr?


Habt ihr noch Tricks und Kniffe für einen schönen Ausschnitt? Fragen oder Anmerkungen? Immer her damit!

Dienstag, 1. Mai 2018

Fertig: Etuikleid von 1959!


In meinem Schrank gab es bislang kein Etuikleid. Die schmale Silhouette ohne Teilung in der Taille ist für mich eher ungewohnt. Aber es begegnete mir neulich bei karstadt ein Stoff, der sich sofort vor meinem geistigen Auge in ein Etuikleid verwandelte - so eines mit kleinen angeschnittenen Ärmeln und Herzausschnitt.

Der Stoff mit bunten Blumenmuster auf dunkelblauen Grund ist eine leichte Baumwollpopeline und bei 7 Euro der Meter habe ich 3m für 21 Euro mitgenommen und habe nun noch einen halben Meter übrig.


Fündig wurde ich in der Praktischen Mode aus April 1959 - kein Herzausschnitt zwar, aber den kann man ja selbst hinzufügen und der Rest entsprach meinen Vorstellungen.

Das Kleid hat im Vorderteil zwei herkömmliche Abnäher und eine Falte, die wie eine Teilungsnaht verläuft und ab der Taille aufspringt. Das Rückenteil wird an der Gehfalte in den Stoffbruch gelegt und mit einem Abnäher ebenfalls.


Wegen der großen Brust habe ich eine FBA gemacht - dazu habe ich das Oberteil an der Taille abgeschnitten, die Falte aufgeschnitten und bin vorgegangen wie bei einer FBA bei einem Oberteil mit Teilungsnaht.


Allerdings habe ich nicht alle Abnäher zugedreht, sondern den senkrechten Abnäher stehen lassen - ansonsten wäre die Rundung des Seitenteils zu ausgeprägt und ich hätte es nicht mehr so an das Rockteil bekommen. Statt der Falte habe ich dann den Abnäher ab der Taille aufspringen lassen. Das sah einfach besser aus - hier kann man sehen, wo der Abnäher aufspringt:


In der hinteren Mitte hat das Kleid , wie erwähnt, eine angeschnittene Gehfalte. Das Oberteil erhält entsprechend eine Naht. Das ist auch sehr praktisch, denn dadurch kann man den Rücken besser anpassen - für mein Hohlkreuz habe ich ca. 3cm in der hinteren Mitte weggenommen.

Die Gehfalte ist ordentlich geplättet und gibt genug Weite für lange Schritte oder Treppensteigen.


Wie immer hält sich die Anleitung sehr zurück.. okay, das ist schon sehr untertrieben - es gibt schlicht keine Anleitung. Man muss sich also selbst überlegen wie man vorgeht und zB Ärmel und Ausschnitt arbeitet. Ich habe mich für einen Formbeleg entschieden. An sich bietet es sich an diesen für Armloch und Ausschnitt zu verbinden, aber hier habe ich darauf verzichtet, denn ein Teil der Ärmel ist durch die Falte schon versäubert (hier zu sehen oberhalb der Overlocknaht).


 Dies entspricht auch der tatsächlichen Farbe des Stoffes - vor dem großen Fenster ist es etwas hell geraten. Ist es nicht ein zauberhaftes Muster?

Den Herzausschnitt habe ich einfach selbst eingezeichnet, die Schultern etwas gekürzt und entsprechend auch hinten den Ausschnitt vertieft.


Ich bin, als das Kleid fast fertig war, noch losgefahren und habe die restlichen 1,5m des Stoffes aufgekauft - so tollen Stoff kann man immer mal gebrauchen.

Es gibt im Heft auch noch eine lose Jacke dazu - mal sehen, ob ich die auch noch mache. In jedem Fall werde ich aber noch einen Gürtel aus dem Stoff anfertigen. Ein bisschen mehr Taillenbetonung kann es durchaus noch gebrauchen und ich habe noch so eine süße dunkelblaue Gürtelschnalle, also das bietet sich wirklich an.


Und so habe ich nun doch ein Etuikleid im Schrank und bin sehr zufrieden damit. Ich glaube auch im Büro mit einer Strickjacke wird das sehr gut zu tragen sein und dank des eher einfachen Stoffes wirkt es auch nicht so elegant.

Wenn es sich im Alltag bewährt, vielleicht nähe ich dann auch noch eines - die Schnittanpassungen sollen sich ja auch lohnen!


Ich bin gespannt wie ihr das Kleid findet - und Etuikleider im Allgemeinen?
[Verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Mittwoch, 25. April 2018

Anleitung: Einen Beleg versäubern!


Eine ansprechende Innenverarbeitung ist zugegebenermaßen nicht immer oberste Priorität, aber wenn es sich anbietet und noch dazu andere Arbeitsschritte für eine Versäuberung erspart, dann sollte man die Chance nutzen.

Und weil ich sehr viele Belege mache, möchte ich euch heute mal zeigen, welches die für mich beste Art dazu ist, nämlich das Verstürzen mit der Vlieseline.


Belege, zB am Kragen oder Armausschnitt, werden oft verstärkt. Dabei benutzt man heutzutage in der Regel Bügelvlieseline - natürlich nur falls der Stoff es zulässt. Somit bietet sich es sich an, die Versäuberung des Beleges auch gleich mit der Bügelvlieseline zu machen.

1. Zunächst alle Teile zuschneiden und die Nähte schließen - meistens Schulternähte oder wie hier die Seitennähte.

2. Beim Oberstoff die Nahtzugaben auseinanderbügeln und bei der Vlieseline die Nahtzugabe bitte schmal zurückschneiden.


3. Anschließend die beiden Teile rechts auf rechts aufeinanderlegen und an der zu versäubernden Kante füßchenbreit zusammennähen - dabei die Nahtzugaben der Vlieseline in eine Richtung legen.

4. Auch hier die Nahtzugabe schmal zurückschneiden.


5. Schließlich wenden, sodass links auf links liegt und sorgfältig aufbügeln. 


Und damit ist der Beleg auch schon einwandfrei versäubert und verstärkt - was will man denn noch mehr?

Vielleicht macht ihr es ja längst schon so oder es ist euch ganz neu, dann versucht es unbedingt mal - ich wäre gespannt, ob das auch für euch die beste Variante ist?

Montag, 9. April 2018

Anpassung für die große Brust / Full Bust Adjustment (FBA)!


FBA steht für Full Bust Adjustment, also auf deutsch eine Anpassung für eine große Brust. Da die meisten Schnittmuster auf eine Körbchengröße B ausgelegt sind, haben Frauen mit mehr Brust zu wenig Platz - diesen Platz schafft die FBA an der richtigen Stelle.

  1. Woran erkenne ich, ob ich eine FBA brauche?
  2. Was nutzt eine FBA?
  3. Die richtige Größe wählen
  4. Den Brustpunkt bestimmen
  5. FBA bei einem normalen Oberteil
  6. FBA bei vorhandenen Abnähern
  7. FBA bei angeschnittenen Ärmeln
  8. FBA bei angeschnittenen Ärmeln - andere Variante
  9. FBA bei Teilungsnähten
  10. Kann ich nicht einfach eine Nummer größer nähen?
  11. Wenn es nur Länge braucht..
  12. Fake-FBA oder auch Dehnung statt Abnäher
  13. Ich will aber keine Abnäher


1. Woran erkenne ich, ob ich eine FBA brauche?


Üblicherweise brauchen Frauen mit Körbchengröße C oder mehr eine FBA. Ob ihr grundsätzlich eine FBA braucht, seht ihr am besten direkt am Kleidungsstück - entweder am Probeteil oder auch an Kaufklamotten. Wenn zB Blusen stets überall passen, aber die Knopfleiste über der Brust aufspringt oder auch wenn es um die Brust zwar herum passt, aber die Schulter zu weit ist und es an der Taille schlabbert. Am Schnittmuster kann man es auch schon erahnen, wenn die Maße von der Taille viel zu groß ausfallen.

Es gibt auch ein sehr typisches Faltenbild bei fehlender Anpassung. Der Stoff spannt oft zwischen den Brustspitzen, es bilden sich Falten aus der Achsel und aus der Seitennaht, die auf die Brustspitze zeigen - hier seht ihr das am echten Modell.



2. Was nutzt eine FBA?


Nun habt ihr also festgestellt, dass ihr nicht genug Platz an der Brust habt, aber was genau kann die FBA da für euch tun? Es handelt sich bei der FBA um eine kombinierte Weiten- und Längenanpassung.


Eine große Brust braucht nämlich mehr Weite, also Umfang, und zwar nicht im gesamten Oberteil, sondern zwischen der Seitennaht und den beiden Brustspitzen.
Gleichzeitig braucht eine große Brust mehr Länge, denn der Stoff hat einen längeren Weg über die große Brust. Dieser Weg ist am längsten an der Brustspitze und normalerweise auch in der vorderen Mitte, also zwischen den Brustspitzen (außer es handelt sich um eine ausgeformte Brustpartie).



3. Die richtige Größe auswählen


Besonders wichtig an der FBA ist, dass wir eine kleinere Größe wählen müssen als unseren tatsächlichen Brustumfang. Wir müssen also herausfinden, welche Größe wir nähen müssten, wenn wir ein B-Körbchen hätten. Es gibt theoretisch verschiedene Varianten eine solche Berechnung anzustellen.

Ich persönlich finde Messen am besten und behelfe mir daher mit der Oberbrustweite. Das ist ein wenig missverständlich, denn Oberweite und Oberbrustweite klingen sehr ähnlich - im Englischen spricht man von Full Bust (volle Brust) oder High Bust (Oberbrust), das finde ich etwas spezifizierter, aber es meint genau das Gleiche.

Hinweis: Lasst euch am besten von einer anderen Person vermessen. Steht gerade und entspannt, nicht steif, atmet normal und tragt im besten Falle immer die Wäsche (insbesondere den BH), die ihr auch unter dem fertigen Stück tragen möchtet.

Zunächst messen wir immer das normale Oberweitemaß. Dieses bestimmt man, indem man einfach waagerecht an der stärksten Stelle den Umfang misst.

Auch für die Oberbrustweite wird das Maßband hinten unverändert angesetzt. Anstatt nun aber das Maß an der vollen Brust zu messen, führt man das Maßband unter der Achsel hindurch nach vorn. Bitte nicht vorn bis unter das Kinn ziehen, sondern ab der Achsel wieder waagerecht führen. Das Maßband läuft dann nicht mehr waagerecht, sondern teilweise schräg. Das so ermittelte Maß entspricht ungefähr dem eines B-Körbchens. Diese Methode ist natürlich nicht hundertprozentig exakt oder mathematisch, aber für mich die beste Variante.
Auf den Bildern kann man das Prinzip sehen: Brustweite & Oberbrustweite.


Nachdem wir nun sowohl die Brustweite als auch die Oberbrustweite bestimmt haben, können wir die richtige Größe entsprechend dem Oberbrustmaß wählen. Ihr tut also bei der Auswahl der Größe im Schnittmuster so als wäre eure Oberbrustweite die ganz normale Brustweite/Oberweite.

Zudem rechnet ihr einmal die Brustweite minus die Oberbrustweite und erhaltet so, das notwendige Maß für eure Weitenanpassung.

Beispiel: Mein Oberbrustmaß ist 112cm, mein Brustmaß 120 cm. Ich wähle also Schnittmuster für ein Brustmaß 112cm aus und gebe bei meiner FBA (120cm - 112cm = ) 8cm, also 4cm je Seite, dazu. Dadurch habe ich dann die benötigten 120cm Umfang im fertigen Kleidungsstück.



4. Den Brustpunkt bestimmen


Nun habe ich schon mehrfach die Brustspitzen erwähnt - in der Konstruktion und FBA werden diese als Brustpunkt bezeichnet. Der Brustpunkt ist der höchste Punkt der Brust, üblicherweise ist das die Brustwarze. Dieser Punkt ist in der Konstruktion entscheidend, denn er ist der höchste Punkte unseres Oberteiles und daher unser Dreh- und Angelpunkt für die FBA. Falten und auch Abnäher zeigen fast immer direkt zum Brustpunkt hin.

Auf dem Bildchen links seht ihr den mit einem x markierten Brustpunkt, darum die Brust und ein paar typische Falten bei fehlendem Platz.

Aber wie bestimmt man den Brustpunkt?

Der Brustpunkt lässt sich messen. Dazu wird die Brusttiefe sowie der Abstand des Brustpunkt von der vorderen Mitte bestimmt.

Die Brusttiefe wird vom seitlichen Halsansatz, also dort wo Schulter und Hals aufeinandertreffen, bis zur Brustspitze gemessen.
Der Brustspitzenabstand wird im rechten Winkel zur vorderen Mitte bestimmt. Will man es ganz genau machen, misst man jede Körperseite einzeln, andernfalls misst man einfach waagerecht den Abstand zwischen den Brustspitzen und teilt ihn durch zwei.

Das Maß ist gut zu verwenden, wenn zB auf einem Schnittmuster der Brustpunkt bereits vermerkt ist und man ihn für sich selbst überprüfen möchte. Bei den meisten Damen mit großer Brust liegt der Brustpunkt weiter unten als vorgesehen - Schwerkraft sei Dank. Auch je nach Brustform kann die Brusttiefe und der Brustspitzenabstand variieren.

Einfacher ist es aus meiner Sicht, wenn man das jeweilige Schnittmusterteil einfach an sich hält und diesen Punkt markiert. Dazu also die Schulternaht des Papierschnittes einfach mit Stecknadeln an der Kleidung befestigen (Brusttiefe) und die vordere Mitte ausloten (Brustspitzenabstand). Mit einem Stift den höchsten Punkt der Brust markieren. Achtung: Bitte bedenkt, dass diese Variante verfälscht wird, wenn Kräusel oder Falten zwischen der Brust und der Schulter bzw. vorderen Mitte liegen.



5. FBA bei einem normalen Oberteil


Wir haben nun also alle wichtigen Daten, um mit der FBA beginnen zu können: Wir haben die Kleidergröße, die benötigte Weite und die Lage des Brustpunktes, also schaffen wir uns Platz!

Wir starten mit der einfachsten Variante, nämlich mit der FBA bei einem ganz normalen Oberteil, also taillenlang, ohne vorhandene Abnäher, Falten oder Kräusel.

a. Weite zugeben


Zuerst widmen wir uns der Weite, also der Breite unseres Schnittmusters. Dazu zeichnen wir parallel zur vorderen Mitte, also genau senkrecht, eine Linie von der Taille zum Brustpunkt. Von da aus verlängern wir die Linie gerade zu dem Punkt, der das untere Drittel des Armlochs beschreibt. Diese Linie schneiden wir bis kurz vor das Armloch - am Armloch schneiden wir nicht durch! Es verbleibt eine kleine Verbindung, die dafür sorgt, dass das Armloch sich in der Länge nicht ändert. Der Ärmel bleibt also von der FBA nahezu unberührt.

Außerdem zeichnen wir eine Linie von der Seitennaht ungefähr waagerecht zum Brustpunkt. Diese Linie schneiden wir von aussen nach innen, aber auch hier bleibt kurz vor dem Brustpunkt eine Verbindung bestehen.

Nun wird das untere rechte Teil nach unten rechts gezogen, sodass die senkrechte Linie einen parallelen Spalt bildet. Dieser Spalt sorgt für die zusätzliche Breite. Also ziehen wir den Spalt so weit auseinander bis er genauso breit ist wie das fehlende Maß (bei mir die oben genannten 4cm).

Dabei klappt ganz von selbst der waagerechte Schnitt mit auf. Daraus wird nachher ein Abnäher und wenn wir diesen Abnäher später wieder abnähen, dann ist die Länge der Seitennaht unverändert. Das ist wichtig, denn wir wollen an den Seitennähten nichts verändern, damit unser Vorderteil weiterhin ohne Probleme zum Rückenteil passt.

b. Länge zugeben


Ein großer Busen braucht aber ja nicht nur Breite, sondern auch Länge, also schneiden wir waagerecht links neben dem Spalt das Schnittmuster durch und ziehen das Stück so nach unten, dass es wieder auf einer Höhe mit dem auseinandergezogenen Teil des Schnittmusters ist.

Wenn ihr keinen gerade Saum habt, denn macht am besten vorab eine Markierung, damit ihr die richtige Länge findet.

Die vordere Mitte wird also komplett verlängert - das ist unsere einzige 'Naht', die von der FBA betroffen ist und nicht durch einen Abnäher wieder verkürzt wird.

Das Schnittmuster ist nun in den Umrissen fertig angepasst und ihr könnt die Freiräume mit Papier unterkleben.

c. Abnäher setzen


Die Abnäher sorgen dafür, dass die Seiten- und Taillennaht unverändert passen, sodass die benötigte Weite wirklich nur an der Brust sitzt. Also zeichnen wir in die entstandenen Freiräume nun die Abnäher. An den Kanten sind die Abnäher genauso breit wie der Freiraum und laufen dann spitz zu. Sie sollten stets rund 2-3cm vor dem Brustpunkt enden.

Und weil Abnäher meist direkt zum Brustpunkt zeigen, zeichnen wir den Brustpunkt nochmal neu ein und verschieben die Abnäher so, dass sie auf den Brustpunkt zeigen. Wie Abnäher verschiebt, verlegt oder gestaltet und noch ganz viele anderen Informationen zu Abnähern findet ihr hier in der Abnäherkunde ausführlich.


d. Fertiges Schnittmuster


Unser Schnittmuster ist also fertig. Verändert haben wir die Länge der vorderen Mitte, die Breite auf Brusthöhe sowie das Einfügen von zwei Abnäher. Die Abnäher steppen wir natürlich am Vorderteil als erstes und dann wirst Du schon sehen, wie die Abnäher Deine Brust nachformen.

Es bleiben alle Nähte, die auf andere Teile des Schnittmusters treffen, unverändert. Das Armloch blieb durch die Verbindung unverändert und wurde lediglich etwas schräger gestellt. Das Rückenteil passt weiterhin an Schulter- und Seitennähten genau so zusammen wie das Rockteil an der Taillennaht.





6. FBA bei vorhandenen Abnähern


Ab und an steht man vor dem Problem, dass bereits Abnäher im Schnitt vorhanden sind, denn gerade wenn es ein körpernahes Teil ist, dann braucht auch ein kleines Körbchen die formenden Abnäher - hat man ein größeres Körbchen braucht man trotzdem mehr Platz und muss eine FBA machen. Nun kann man den vorhandenen Abnäher nicht einfach ignorieren, denn der nimmt ja auch schon Weite bzw. Länge an den Seiten weg. Also hat man verschiedene Möglichkeiten wie man mit dem Abnäher umgeht.

Man kann den Abnäher während der FBA unbeachtet lassen. Also ihr macht die FBA als wäre gar kein Abnäher da. Am Ende verlegt ihr den neu entstandenen Abnäher zB in die Schulter. Der alte Abnäher wird dann beim Nähen ganz normal geschlossen, sonst wäre zuviel Stoff vorhanden.

Oder wir erweitern die vorhandenen Abnäher.

Im besten Falle zeigt der vorhandene Abnäher auf den eigenen Brustpunkt, dann schneidet man ihn einfach mittig durch und erweitert diesen im Zuge der FBA und hat halt größere Abnäher. Ist einer der Abnäher zu groß, kann man ihn nach der FBA verlegen oder teilen.

Ich hatte allerdings schon erwähnt, dass bei den meisten Damen mit einem großen Körbchen auch der Brustpunkt etwas weiter unten liegt. Dann würde ich euch empfehlen den Abnäher vorab zu verlegen, das geht recht schnell und erleichtert die FBA - dazu verlegt ihr den Abnäher einfach entlang der Kante, sodass er korrekt liegt (hier die näheren Informationen).

Es kommt aber auch vor, dass ein Schnittmuster einen Brustpunkt vorgegeben hat und der Abnäher trotzdem nicht auf diesen zeigt, sondern daran vorbei. Das kann Sinn machen, wenn andere Elemente wie Falten nicht durch Abnäher gestört werden sollen, mehrere zB Taillenabnäher vorgesehen sind oder der Abnäher aus gestalterischen Gründen so geführt wird. In diesem Fall gehen wir nur ein wenig anders vor.

Im Prinzip funktioniert ein Abnäher auch, wenn er zwar sinngemäß richtig eingefügt wurde, aber dann an der Abnäherspitze gedreht wird. Dann zeigt der Abnäher zwar nicht mehr genau auf den Brustpunkt, aber die Weite und Länge stimmen und davon gehen wir hier aus.

Wieder schneiden wir den Abnäher in der Mitte bis zur Abnäherspitze auf, aber dann führen wir diese Linie nicht weiter, sondern biegen ab zum Brustpunkt. Denn am Brustpunkt brauchen wir den Platz.

Anschließend geht es wie gewohnt weiter:

a. Weite aufdrehen und Länge kommt automatisch dazu,

b. die Länge wird in der vorderen Mitte ebenfalls zugegeben und

c. durch Abnäher die Freiräume zu den Kanten hin wieder zumachen, damit alle Kanten und Nähte weiterhin aufeiander passen.

Bitte bedenkt, dass ein Abnäher, der vorgegebenermaßen nicht auf den Brustpunkt zeigt, auch nach der FBA nicht auf den Brustpunkt zeigen sollte.

Und auch nach unserer FBA schaut der seitliche Abnäher weiterhin am vorgegebenen Brustpunkt vorbei. Sollte der vorgegebene Brustpunkt nicht eurem echten entsprechend, dann messt am besten wieviel Abweichungen ihr habt und versetzt dann den Abnäher entsprechend.

Ob ein Abnäher gewünscht am Brustpunkt vorbei läuft oder es sich um eine Abweichung aufgrund des eigenen Brustpunktes handelt ist nicht leicht zu erkennen. Mit ein bisschen Erfahrung erkennt man es dann aber doch und ansonsten helfen Probeteile.



7. FBA bei angeschnittenen Ärmeln


Eine Anpassung bei angeschnittenen Ärmeln führt immer mal wieder zu Kopfzerbrechen, denn das Armloch fehlt und so kann man nur schwer den Schnitt setzen. Aber mit einer kleinen Änderung geht es doch wie gewohnt und ganz normal.

Schneidet einfach vorab den angeschnittenen Ärmel weg, also senkrecht (zumeist im Fadenlauf) den Ärmel ungefähr am Ansatz. Man könnte auch ein anderes Armloch als Schablone verwenden und damit den angeschnittenen Ärmel hilfsweise wegnehmen - das wäre eventuell ein wenig genauer, aber aus meiner Sicht nicht notwendig.

Nun macht ihr die FBA wie gewohnt, aber statt einem Drittel des Armloches wählt ihr ca. die Hälfte der abgeschnittenen Ärmelbreite.

Legt man ein Oberteil mit normalem Armloch darüber, dann sieht man gut, dass es ziemlich genau passt.

Der Rest läuft dann wie schon gewohnt: Weite zugeben, Länge zugeben, Abnäher einzeichnen und ganz am Schluss den vorher abgeschnittenen Ärmel wieder anfügen. Grobe Kanten oder Ecken etwas abrunden und dann kann man im Vergleich gut sehen, dass wir wieder erfolgreich Länge und Weite eingefügt haben.





8. FBA bei angeschnittenen Ärmeln - Andere Variante


Und in diesem Zuge möchte ich euch auch eine andere Variante einer FBA zeigen.

Diese Variante würde sich zB bei Fledermausärmeln anbieten oder wenn vielleicht ohnehin schon ein Abnäher aus dem Kragen kommt. Auch hier wird Weite und Länge zugegeben. Anschließend der Taillenabnäher zugedreht und so hat man nur einen großen Abnäher aus dem Kragen kommend. Dieser Abnäher könnte dann indurch Falten oder Kräusel ersetzt werden.

An sich kann man also verschiedene Varianten wählen, aber ich würde euch empfehlen es lieber auf dem 'klassischen' Weg zu machen und dann die Abnäher zu verlegen, denn dabei öffnet sich zB die Länge von selbst und so muss man weniger Maße beachten.



9. FBA bei Teilungsnähten


Teilungsnähte (auch Wiener Nähte oder Prinzessnähte) sind Nähte, die für eine figurnahe Anpassung von Oberteilen sorgen. Sie beginnen in der Schulter-, Ärmel oder Seitennaht und sollten über den Brustpunkt, also den höchsten Punkt der Brust, hinweg oder dicht daneben entlang laufen.

In diesem Fall machen wir die Anpassung aus der Schulter kommend. Auch hier haben wir also wieder das Problem, dass aufgrund eines zu großen Busen Zugfalten entstehen und mehr Platz geschaffen werden muss. Teilungsnähte haben den großen Vorteil, dass alle Abnäher in ihnen verschwinden, sodass man sich über die Abnäherposition oder Ähnliches keine Gedanken machen braucht. Teilungsnähte erleichtern daher auch die Anpassung für den großen Busen.

Betrachtet man die Schnittteile des Vorderteiles, dann erkennt man gut die vorgeformten "Abnäher". Man kann schon erahnen, dass sich nach dem Abnähen eine Rundung in der Naht ergeben wird und der Brustpunkt durch die breiteste Stelle bereits vorgegeben ist. Der Platz für den großen Busen wird von der Seitennaht kommend benötigt, daher wird die FBA vor allem im Seitenteil gemacht. Das mittlere Vorderteil bleibt abgesehen von einer Längenänderung am Ende unverändert. Falls Du schon ein normale FBA gemacht hast, dann wird Dir vieles recht bekannt vorkommen, denn beide Varianten unterscheiden sich vorerst kaum.

a. Weite zugeben


Zunächst widmen wir uns der Breite unseres Seitenteils. Dazu zeichnen wir eine Linie von der Taille zum Brustpunkt. Normalerweise orientiert man sich dabei an der vorderen Mitte, aber das funktioniert hier nicht, also schneiden wir eine gerade Linie dicht an der Kante entlang.

Vom Brustpunkt aus zeichnen wir eine Linie zu dem Punkt, der das untere Drittel des Armlochs anzeigt. Diese Linie schneiden wir bis kurz vor das Armloch - am Armloch schneiden wir nicht durch! Es verbleibt eine kleine Verbindung, die dafür sorgt, dass das Armloch sich in der Länge nicht ändert. Der Ärmel bleibt also von der FBA ziemlich unberührt.

Außerdem zeichnen wir eine Linie von der Seitennaht ungefähr waagerecht zum Brustpunkt. Diese Linie schneiden wir von aussen nach innen, aber auch hier bleibt kurz vor dem Brustpunkt eine Verbindung bestehen. Falls waagerecht nicht geht weil zB das Armloch dort liegt, verlegt ihr den Schnitt einfach ein wenig nach unten.

Nun wird das untere rechte Teil nach unten gezogen, sodass die von der Taille kommende Linie einen paralellen Spalt bildet. Dieser Spalt sorgt für die zusätzliche Breite. Also ziehen wir den Spalt so weit auseinander bis wir das fehlende Maß (bei mir zB 4cm, weil ich insgesamt 8cm Mehrweite brauche) erreichen.

Der waagerechte Schnitt klappt sich automatisch auf und schafft einen Abnäher. Dieser wird gleich wieder geschlossen.

b. Abnäher schließen


Bis hierhin unterscheidet sich die FBA mit einer Teilungsnaht nur sehr gering von einer normalen, aber nun ändern wir das. Grundsätzlich würden wir die entstandenen Abnäher schließen, aber hier sind - wie oben beschrieben - die Abnäher in der Naht enthalten. Weitere Abnäher wollen wir verhindern (außer sie sind als Stilelement gedacht) und so verlegen wir diese nun auch in die Teilungsnaht.

Zunächst verlängern wir die Kante, die am vorderen Mittelteil liegt, sodass sie genauso lang wie der Rest ist. Dafür schneiden wir sie einfach waagerecht ab und verlegen sie sinngemäß nach unten.

Außerdem unterlegen wir zunächst die entstanden Mehrweite von der Ärmelnaht aus mit Papier, damit diese unverändert bleibt. Dann schneiden wir gerade durch die beiden Brustpunkte und schneiden wieder nicht durch, sodass eine Verbindung bestehen bleibt (links).


Anschließend schließen wir den Abnäher einfach (mitte). Es entsteht ganz von selbst am Einschnitt mehr Platz. Das ist aber kein Abnäher, sondern einfach mehr Platz. Die eigentliche Veränderung ist der Winkel von Schulterpartie und zur Taille hin, denn dadurch werden die Abnäher, die sich in der Naht verstecken, natürlich größer! Dann kippen wir noch den verlängerten Teil wieder an die Taille heran (rechts).

c. Länge zugeben


Am Seitenteil haben wir mehr Länge geschaffen. Diese Änderungen müssen wir auch auf das vordere Mittelteil übertragen. Also schneiden wir auch hier jeweils senkrecht auf gleicher Höhe wie beim Seitenteil durch und verlängern sinngemäß, sodass die Teilungsnähte gleichlang sind und aufeinanderpassen.

Insgesamt haben wir tatsächlich nur die vordere Mitte verlängert - an der Länge der Seitennaht hat sich nichts geändert und diese passt ohne weitere Änderungen an das Rückenteil.

d. Fertiges Schnittmuster


Unser Schnittmuster ist also fertig. Im Vergleich einmal das Schnittmuster vorher und nachher.

Man sieht sehr deutlich, dass wir einige Zentimeter um die Brust herum dazugewonnen haben. Die Länge aller anderen Nähte außer der Teilungsnaht vorn ist gleich geblieben. Lediglich die Neigung von Schulterpartie und Ärmelnaht haben sich geändert - der Fadenlauf bleibt übrigens auch gleich.

Teilungsnähte machen übrigens besonders bei dicken Stoffen (z. B. Filz oder Wolle) Sinn, weil man die gut ausbügeln kann und eben nur die Nahtzugabe bändigen braucht und nicht den gesamten Abnäherinhalt.



10. Kann ich nicht einfach eine Nummer größer nähen?


Immer wieder liest man, dass Kleidungsstücke entweder sowieso nach der Brustweite ausgewählt werden oder mit Absicht ein oder zwei Größen größer gewählt werden, damit die Brust reinpasst. Geht das so einfach? Leider nein.

Mal ein Beispiel: Stellt euch vor ihr geht in einen Wäscheladen und möchtet einen BH kaufen. Sagen wir mal euer Unterbrustumfang ist 90cm und ihr greift zu einem B-Körbchen, also 90B. Unterhalb der Brust passt der BH, aber das Körbchen ist viel zu klein - ihr habt eigentlich ein E-Körbchen. Logischerweise würde man nun ein 90E wählen, oder? Stattdessen wählt ihr aber 100B und man kann sich vermutlich denken was passiert: Die Brust passt nun zwar rein, aber wird gar nicht vom ganzen Körbchen gehalten und der Unterbrustumfang ist viel zu groß.

Und genau das ist, was passiert, wenn ihr statt einer FBA, nämlich dem Vergrößern des 'Körbchens', ein oder zwei Größen größer wählt. Alles wird zu groß und die Brust passt trotzdem nicht ideal rein, denn es bleibt ein B-Körbchen.

Dazu kommt die ungleichmäßige Verteilung, denn das Schnittmuster wird gleichmäßig gradiert. Beispielsweise hat die größere Größe 5cm mehr Brustumfang. Diese 5cm werden aber nicht vorn zugegeben, sondern jeweils zur Hälfte vorn und hinten. Dadurch verzieht sich die Seitennaht, nämlich um genau diese 2,5cm oder eben soviel wie der Stoff schafft.Zudem wäre eben alles andere zu weit. Und letztlich fehlt es auch noch an der Länge, denn diese wird bei der Gradierung auch nicht extra in der vorderen Mitte zugegeben.

Eine größere Größe ist somit nicht geeignet ein größeres Körbchen vernünftig auszugleichen!

Eine echte Alternative kann also nur eine angemessene Anpassung direkt an der Brust sein. Dann passt alles andere weiterhin ideal und es wird an der richtigen Stelle Platz geschaffen, der die eigene Brust nicht nur bequem unterbringt, sondern auch ins rechte Licht rückt. Versucht es und ihr werdet sehen, dass eine große Brust ideal verpackt viel besser ist.

Eine FBA lohnt sich - versprochen!



11. Wenn es nur Länge braucht..


Nun sagen wir mal ihr wollt etwas nähen, das wirklich weit ist, also zB Oversize oder eine flatterige Tunika. Der Schnitt ist nicht zu eng an der Brust und hat vielleicht sogar angeschnittene Ärmel oder ist ärmellos, sodass auch die weite Schulter nicht auffällt. Dann könnte man auf Abnäher verzichten..

..wenn da nicht die Länge wäre. Auch bei weitgeschnittenen Teilen fehlt der Weg des Stoffes über die große Brust. Und es wird sich in der vorderen Mitte der Saum eures Kleidungsstückes heben und auf Höhe der Brust werden aus der Seitennaht Falten kommen. Ihr könnt aber in einem solchen Fall nur die Länge zugeben.

Das kann man sich sehr einfach machen, nämlich einen waagerechten Schnitt durch das Vorderteil am Brustpunkt und dann einfach die benötigte Länge verlängern. Wieviel ihr zugeben müsst, könnt ihr entweder bei eurer FBA nachschauen oder falls ihr noch keine gemacht habt, dann könnt ihr am Schnittmuster messen. Einfach dort die vordere Taillenhöhe, also vom Halsansatz bis zur Taille über den Brustpunkt hinweg messen und von eurem tatsächlichen Maß abziehen. Die Differenz ist die fehlende Länge.


Die Differenz durch einen Abnäher an der Seitennaht wieder wegnehmen, damit alles zusammenpasst und die Länge wirklich nur da ist, wo sie ja benötigt wird und fertig.
Übrigens wäre es völlig effektlos, wenn ihr den Abnäher nicht setzt. Dann habt ihr nur euer Vorderteil verlängert, aber die Falten werden immernoch da sein.

Wer nun keinen seitlichen Brustabnäher möchte, der kann statt durchzuschneiden auch einen Schnitt auf Höhe des Brustpunktes bis knapp vor die Seitennaht machen und durch einen Einschnitt aus der Taille ergänzen. Anschließend so auseinanderdrehen, dass in der vorderen Mitte die Kanten paralell bleiben, ansonsten habt ihr einen Zipfel in der vorderen Mitte. Statt eines seitlichen Abnähers öffnet sich einer aus der Taille. Noch die vorderen Kanten aneinanderangleichen und fertig.


Und wer den Abnäher auch nicht haben mag, der lässt ihn einfach offen, dann bekommt die Tunika eine leicht ausgestellte Form, aber hat nun die benötigt Länge.

Hinweis: Auf diese Weise wird übrigens auch Länge in einem Rock hinzugefügt, wenn man einen runden Po hat. Dann geht der Taillenabnäher natürlich nach oben zum Bund.


12. Fake-FBA oder auch Dehnung statt Abnäher


Eine weitere Möglichkeit den Abnäher zu vermeiden ist die sog. Fake-FBA. Die funktioniert allerdings nur bei dehnbaren Stoffen. Dabei werden vor allem die Falten, die aufgrund der fehlenden Länge entstehen, ausgemerzt. Denn auch wenn die dehnbaren Stoffe in der Weite einiges ausgleichen können, sind sie ja meistens nicht in der Länge so sehr dehnbar.

Statt einen Abnäher zu nähen wird hierbei der Stoff an der Seitennaht beim Annähen gedehnt, sodass er sich getragen dort zusammenzieht, also glatt liegt, aber Länge an der Brust freigibt.

Dazu wird ein Punkt (idealerweise knapp über der Taille) gewählt und am Vorderteil und am Rückenteil markiert (hier in grau). Dann wird dieser Punkt im Vorderteil um die benötigte Länge nach oben versetzt (hier in rosa). Am Saum wird dann die zusätzliche Länge weggeschnitten. Beim Annähen wird nun der Stoff so gedehnt, dass beide Markierungen im Vorder- und Rückenteil aufeinandertreffen.

Im Prinzip ist es nichts anderes als einen Abnäher durch Dehnung zu erzwingen - das sollte man aber auch nur machen, wenn relativ wenig Länge gebraucht wird, denn ansonsten zieht es auch das Rückenteil zusammen.



13. Ich will aber keine Abnäher


Nun gibt es Kleidungsstücke, da passen Abnäher nicht so recht ins Bild - Hoodies zB. Daher sorgen die Abnäher da immer für Missmut, aber macht euch klar, dass ein Hoodie eine weite und lose Sportbekleidung ist. Will man daraus ein körpernahes Kleidungsstück machen, dann muss man auch in Kauf nehmen, dass der Hoodie dann angepasst werden muss.
Wer A sagt, muss auch B(rustabnäher) sagen!
Wer nun aber partout keinen Abnäher möchte, der hat verschiedene Möglichkeiten. Ein paar davon findet ihr bei der Abnäherkunde.

Man kann die vorab in der FBA entstandenen Abnäher auch wieder zudrehen und nur die Länge und Weite mitnehmen - das entspricht dann auch einer Zugabe an den Kanten. Dazu dreht man zunächst den seitlichen Brustabnäher wieder zu - das Seitenteil steht um einiges nach außen ab. An dieser Stelle könnte man übrigens jetzt auch einen entprechend breiten Taillenabnäher setzen und hätte nur diesen oder man könnte das Seitenteil wegnehmen und eine Teilungsnaht machen - dazu dann aber bitte noch alle Ecken in Kurven ausarbeiten (links).



Aber wir wollen ja ein Schnittteil ohne Abnäher oder Teilungsnähte, also drehen wir auch den Taillenabnäher wieder zu. Gegebenenfalls müsstet ihr die kleine Verbindung, die wir beim Schneiden belassen haben noch durchschneiden.

Der Punkt, an dem eigentlich der seitliche Abnäher auf die Seitennaht getroffen hätte, ist fest und ihr dreht das untere Seitenteil an die Senkrechte unter dem Brustpunkt heran. Ich würde euch raten es nicht weiter als paralell zu Senkrechten zurückzudrehen, aber dann bliebe das Oberteil zumindest unterhalb der Brust weiter als bisher. Wir wollen ja aber auch die körpernahe Form, also drehen wir das untere Seitenteil bis ganz ran (mitte).

Den Saum unten legen wir anhand der entstandenen Eckpunkte fest und haben dann dieses Ergebnis (rechts). Sieht komisch aus, oder? Aber es ist sowohl die Weite da als auch die Länge - allerdings nicht an den Stelle, wo sie direkt benötigt wird (denn das geht nur mit Abnähern), sondern an sen Seitennähten.

Das könnte man nun auch so nähen, aber bitte bedenkt, dass der Faden- und Musterlauf nicht mehr passt. Denn der Saum, der so gerundet aussieht, sitzt an euch gerade! Und dazu kommt, dass diese Variante mit Zug arbeitet. Ab dem Brustpunkt also wird dann der Stoff um die Breite des Abnähers zur Seite gezogen. Das klappt je nach Stoffart (und Abnäherinhalt) mal besser und mal schlechter, aber grundsätzlich sitzt es immer am besten, wenn der Stoff natürlich und zugfrei fallen kann.


Schlusswort


Nun sind wir am Ende dieses doch recht langen Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare.

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