Dienstag, 10. Februar 2026

Fertig & Tutorial: Boxer Matthew aus der La Maison Victor 02/2019


Bei mir gibt es heute eine Herrenboxershorts aus der La Maison Victor.

Die La Maison Victor war eine belgische Nähzeitschrift, die regelmäßig moderne, gut illustrierte Schnittmuster für Bekleidung und Accessoires veröffentlichte. Die Zeitschrift wurde seit 2021 nicht mehr in deutscher Sprache angeboten und im Jahr 2023 vollständig eingestellt. Allerdings kann man eine sehr große Auswahl der Schnittmuster gratis bei Femmes d' Aujourd'hui herunterladen. Entweder ihr registriert euch auf der Seite oder - so aus dem Nähkästchen geplaudert - wenn man schnell genug auf der neuöffnenden Seite scrollt, kann man die PDF auch so schnell erwischen. Fast alle Schnittmuster sind sowohl in A4 als auch in A0 verfügbar. Die Anleitung ist meistens gesondert und leider nur in französisch, aber gut bebildert; wer ein bisschen Erfahrung beim Nähen hat oder die Texte durch einen vernünftigen Übersetzer laufen lässt, dürfte damit auch ohne Sprachkenntnisse gut auskommen. Von Pullovern, Blusen, Hosen und Kleidern über Badeanzug und Herrenmodelle bis hin zu Kinderkleidung ist alles dabei.

Ich habe mir die Boxer Matthew [und alle anderen Schnitte für Damen und Männer] heruntergeladen und direkt genäht. Die Boxer Matthew ist ein klassisches Unterwäsche-Schnittmuster – es hat geschwungene Seitennähte und ein etwas längeres Bein. Gedacht ist das Schnittmuster für dehnbaren Stoff wie Jersey mit oder ohne Elasthan oder Lycra und kommt mit sehr wenig Stoff, nämlich unter einem halben Meter, aus. Es ist also ideal für die Resteverwertung - hat man nicht genug von einem Stoff, dann lassen sich verschiedene Reststoffe kombinieren.

Allerdings sind einige Schritte beim Nähen trotz bebilderter Anleitung nicht ganz leicht nachzuvollziehen, daher möchte ich euch beim Nähen der etwas schwierigeren Stelle mitnehmen.

1. Schnittmuster, Zuschnitt und erste Nähte


Zunächst einmal steht die Größensuche an - eine Größentabelle ist bei den herunterladbaren Schnittmustern leider nicht dabei, aber ihr findet hier eine und solltet sie euch am besten mit den Schnittmustern abspeichern. Bei meinem Mann habe ich genau nach Tabelle genäht und die angegebene Größe kommt perfekt hin und sitzt einwandfrei.

Ihr braucht lediglich
  • 35-45cm dehnbaren Stoff,
  • weiches Gummiband
  • Schere, Nadel und Faden
Zugeschnitten werden zweimal das Vorderteil (A), viermal die Zwickelhälften (B) und einmal das hintere Hosenteil im Stoffbruch (C); eine Nahtzugabe von 1cm ist direkt auf dem Schnittmuster mitgezeichnet. Übernehmt unbedingt die Passzeichen, denn sie erleichtern das Zusammenstecken später erheblich; wobei ich die Passzeichen an den Beinsäumen nicht übertragen habe, sondern dort einfach am Schluss 2cm umgeschlagen habe. An den kleinen Zahlen könnte ihr sehen, welche Punkte aufeinandertreffen.
Je zwei Zwickelhälften werden direkt an der vorderen Mitte (v.M.) zusammengenäht - durch die Rundung entsteht genug Platz für alles, was da so reingehört beim Manne. Ich habe direkt mit der Overlock zusammengenäht und die Mittelnähte danach so gebügelt, dass die Nahtzugaben in die gleiche Richtung zeigen; vernäht zeigen die Nahtzugaben dann in unterschiedliche Richtungen, sodass nicht zu viele Stofflagen aufeinanderliegen.

2. Annähen der Zwickel


Nun wird eines der beiden Vorderteil zwischen den beiden Zwickelteilen eingefasst. Dazu wird das vordere Zwickelteil rechts auf rechts und das hintere Zwickelteil rechts auf links auf die Rundung des Vorderteils gesteckt; dabei die Passzeichen (1) beachten.


Zusammengenäht sollte das dann so aussehen - jedes Zwickelteil ist von rechts zu sehen und die Naht zum Vorderteil ist zwischen beiden Teilen eingefasst.


Nun kommt die etwas friemelige Stelle, denn nun wird das andere Vorderteil auf die gleiche Weise zwischen die beiden Zwickelteile gefasst. Dazu fangt ihr unten im Schritt an und legt wieder die Kanten so zusammen, dass das vordere Zwickelteil rechts auf rechts und das hintere Zwickelteil rechts auf links an der Rundung des anderen Vorderteil liegt. Damit das gut gelingt müssen die beiden Vorderteile zwischen den Zwickelteilen eingerollt werde - manche kennen das bestimmt als Burrito-Methode von Schulterpassen oder Futtereinsätzen.


Wichtig ist, dass beiden Zwickelkanten richtig zueinander liegen, die Passzeichen (1) sich treffen und das Vorderteil faltenfrei liegt. Und so sollte das dann gesteckt aussehen - oben schauen die Beine der beiden Vorderteile heraus, damit der Burrito nicht dicker wird als notwendig.


Nach dem Nähen werden dann die Beine aus dem Zwickel gezogen und damit habt ihr die schwierigste Stelle schon geschafft.


3. Das übrige Nähen


Der Rest der Hose ist unkompliziert und schnell erklärt: es werden die Schrittnaht zwischen Vorder- und Hinterteil genäht (2) und die geschwungenen Seitennähte (3). Ich habe die Nahtzugaben an diesen Nähten noch nach hinten gebügelt und festgesteppt - zum einen betont das die ungewöhnliche Linienführung und zum anderen entlastet es Stoff und Naht. Anschließend werden die Säume versäubert, umgeschlagen und mit einem dehnbaren Stich festgesteppt. Zuletzt wird noch ein Gummiband in gewünschter Länge zusammengenäht und gedehnt am oberen Rand festgesteppt.


4. Fazit


Ich bin insgesamt sehr angetan von der Boxershorts - sie sieht gut aus und gefällt meinem Mann von der Passform sehr. Zudem ist sie leicht zu nähen und bietet sich wirklich gut für Resteverwertung und ein schnelles Nähprojekt an. Dass es das Schnittmuster außerdem kostenlos erhältlich und in vielen Größen gibt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt.


Ich kann das Schnittmuster also uneingeschränkt weiterempfehlen. Habt ihr das Schnittmuster vielleicht auch schon genäht oder werdet es nun tun? Findet ihr die kleine Bilderanleitung dabei hilfreich oder fehlt euch etwas? Lasst es mich gern wissen!

Mittwoch, 4. Februar 2026

Fertig: Kleid nach Praktische Mode 02/1957


Wie vermutlich die meisten Selbermacherinnen habe ich eine Kiste mit unfertigen Objekten, gern als UFOs bezeichnet. Dort verschwinden angefangene Stücke, die noch während des Erstellens doch nicht passen, nicht gefallen oder aus anderen Gründen gerade nicht beendet werden können. Eines dieser unfertigen Objekte war ein Kleid aus der Praktischen Mode 02/1957.


Der Schnitt ist ein schmales Kleid mit Prinzessnähte, die in den Taschen auf Hüfthöhe enden. Die Taschenränder sowie der Ausschnitt sind mit Steppnähten verziert und der Kragen wird angekräuselt.


Das Kleid war zunächst zu eng und wurde daher auf später verschoben. Inzwischen passte es zumindest von der Weite her, allerdings musste ich diverse Anpassungen beim Verlauf der Nähte vornehmen, damit das Kleid zu meiner Figur passt. Dadurch verzieht sich zum Beispiel der Kragen nun ein wenig.

Schon zuvor hatte ich eine Anpassung für die große Brust gemacht. Ich hätte auch die Abnäher nochmals anpassen wollen, aber sie ließen sich nicht mehr rückstandslos auftrennen, also müssen sie jetzt so bleiben.


Leider war nicht nur die Größe und Passform etwas schwierig, sondern auch der Stoff ist nicht ideal. Soweit ich mich erinnere handelte es sich um einen Rest Baumwollstoff, der die gleiche Farbe wie ein Reststück Stretchsamt hatte und ich fand die Kombination von beiden Stoff äußerst attraktiv. Der Baumwollstoff ist allerdings empfindlich und außerdem knitteranfällig. Hingegen war der Stretchsamt überraschend einfach zu verarbeiten und ließ sich sogar vorsichtig bügeln.


Hinten wird das Rockteil in Falten gelegt, damit ausreichend Bewegungsfreiheit gegeben ist. Den Reißer in der Seite hatte ich ursprünglich nicht gebraucht, aber durch die inzwischen vorgenommenen Anpassungen auf die Figur wäre er schon sinnvoll gewesen; allerdings ist es mir die Mühe, nachträglich noch einen Reißer einzusetzen, nicht wert und so muss ich mich ein wenig hineinwinden.


Obwohl eigentlich nicht vorgesehen, war mir außerdem noch ein Gürtel sehr wichtig, damit die Taille optisch betont wird. Hier hat der Stretchsamt gerade so noch gereicht. Eine goldene Gürtelschnalle vom Flohmarkt hat damit auch endlich ihre Bestimmung gefunden; sie wird mit Haken geschlossen und ist daher perfekt für den dehnbaren Samt.


Das Fazit ist nach alledem durchwachsen. Einmal mehr stelle ich fest, dass Etuikleider mir einfach nicht so gut stehen und zudem ist Passform trotz der vielen Änderungen nicht optimal. Gleichzeitig bin ich immernoch sehr verliebt in die Kombination der zwei Stoffarten in gleicher Farbe und in die Gürtelschnalle. Außerdem bin ich ganz zufrieden, dass das Kleid nun doch fertiggestellt ist und getragen werden kann, wobei sich der Stoff noch bewähren muss. Im schlimmsten Falle ist wenigstens die Restekiste etwas leerer.. Habt ihr auch eine Restekiste? Wie findet ihr das Kleid?

[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Dienstag, 30. Dezember 2025

Fertig: Kleid aus der Elsa 12/1950!


Ich habe mal wieder ein Kleid zum wiederholten Male genäht, nämlich ein Modell aus Elsa Handarbeit und Wäsche 12/1950. Es war der erste Kleiderschnitt, den ich vor ungefähr 13 Jahren allein genäht habe, allerdings hatte sich das Kleid leider gar nicht bewährt; es passte nicht richtig, der Stoff war kratzig und die Farbe stand mir nicht. Aber ich hatte den Schnitt bereits vor fünf Jahren angepasst und mit dem richtigen Stoff ist eines meiner Lieblingskleider daraus entstanden.


Und weil ich den Schnitt so mag und noch einen weichen grauen Wollstoff (100% Schurwolle) im Vorrat hatte, habe ich das Kleid kurzerhand nochmal genäht. Den Stoff habe ich bei karstadt erstanden, ich hatte 2,5m und habe 24,97 Euro dafür gezahlt. Außerdem brauchte ich neben dem Garn einen Reißer, Schulterpolster, Haken und Öse für den vorderen Verschluss und etwas Kontraststoff sowie Einlage für die vordere Mitte. Und weil ich ein Hamster bin, hatte ich alles Notwendige zuhause. Insgesamt dürfte das Kleid also sehr großzügig gerechnet nicht mehr als 35 Euro gekostet haben.


Das Schnittmuster hält spannende Details bereit. Das Oberteil wird in der vorderen Mitte vollständig belegt und dann so umgeklappt, dass der Kragen doppelt gelegt ist und der Beleg keck herausblitzt. Außerdem sind Abnäher aus den Schultern sowie der Taille vorgesehen. Die Ärmel kriegen eine Manschette, die - ebenso wie die vordere Mitte - bestickt wird.



Ich habe meine Stickerei sehr unauffällig gehalten und ein dickeres schwarzes Garn genommen, das auf dem grauen Stoff nur wenig kontrastiert. Ich wollte ein zurückhaltendes Kleid, das ich gut bei offiziellen, insbesondere beruflichen Anlässen tragen kann, ohne mich modisch in den Vordergrund zu drängen.


Das Rockteil wird vorn in Falten gelegt, aber ist hinten sehr schlicht gehalten. Der Reißer wird in der linken Seite eingefügt. Auf einen Gürtel aus dem gleichen Stoff habe ich verzichtet, weil mir das doch zu eintönig gewesen wäre.


Erwartungsgemäß bin ich sehr zufrieden mit dem Kleid. Der weiche Stoff fällt etwas anders als die erste Version und neigt mehr zur Faltenbildung, aber dafür ist das Kleid auch anschmiegsamer und sehr angenehm zu tragen. Das kombinierfreude Grau kann außerdem je nach Laune mit jedweder Farbe an Schmuck, Jacken oder anderem Beiwerk kombiniert werden. Ich kann mir auch gut vorstellen, das Kleid nochmal mit einem anderen Rockteil zu nähen. Bis dahin reihe ich mich aber mit etwas Verspätung beim MeMadeMittwoch ein und schaue, was die anderen Damen sich zu Weihnachten - oder wie in meinem Falle zu Silvester - genäht haben.

Mittwoch, 6. August 2025

Fertig: Kostüm nach Schwabe der neue Schnitt 10/1956!


Passend zum Blazer, den ich bereits zeigte, habe ich nun aus den Resten noch einen geraden Rock genäht.


Auch dazu habe ich den Schnitt aus Schwabe Der neue Schnitt 10/1956 verwendet. Der Rock ist gerade geschnitten, hat einen seitlichen Reißer und einen einfachen geraden Bund.


Weil der Wollstoff etwas dünn ist, habe ich den Rock am Umschlag unten mit Vlieseline verstärkt. Dadurch gewinnt der Saum etwas Gewicht und hat lange einen scharfen Umbruch. Den Saum habe ich dann mit Blindstich befestigt.


Anders als im Schnittmuster vorgesehen habe ich keine Kellerfalten in der hinteren Mitte gemacht, weil ich nicht genug Stoff dafür übrig hatte. Stattdessen habe ich eine Dior-Falte gemacht.

Die Dior-Falte ist genau genommen ein Schlitz im Oberrock, aber auf dem Futterrock wird ein Stück vom Oberstoff angenäht und wenn der Schlitz sich beim Gehen öffnet, sieht man auf den Oberstoff und so entsteht der Eindruck, dass es sich um eine Falte handelt. Der Vorteil der Diorfalte liegt in der Bewegungsfreiheit und dem vergleichsweise geringem Stoffverbrauch.


Damit es aber wirklich den Eindruck einer Falte hat, müssen der Oberrock (links) und der Oberstoff auf dem Futterrock (rechts) an der hinteren Mitte gleich lang sein; während der Futterrock ja normalerweise mindestens zwei Zentimeter kürzer ist als der Oberrock. Um dies zu erreichen wird der Oberstoff auf dem Futterrock rund gearbeitet, also an seinen Kanten trifft er auf den Futtersaum und im Bereich der hinteren Mitte ist er dann so lang wie der Oberrock.

Wichtig ist, dass der Futterrock an den Seiten Schlitze erhält, damit er ebenfalls ausreichend Bewegungsfreiheit bietet und nicht ausreißt. Außerdem sollte der Schlitz im Oberrock gesichert werden.


Das Stück Oberstoff habe ich einfach großzügig bemessen, abgekettelt und dann auf den fertigen Futterrock gesteppt. Zur Dior-Falte hat schon Julia von Sewing Galaxy einen ausführlichen Beitrag mit allen Kniffen erstellt, den ich sehr empfehlen kann.


Ich bin sehr froh, dass es sich mit dem Rock - Dank der Dior-Falte - noch ausging. Der Rock ist mit allen einfarbigen Oberteilen in meinem Schrank gut zu kombinieren. Mit gemusterten Oberteilen wird mir der gestipselte Wollstoff des Rockes etwas zu wild.


Mit dem Ensemble aus Blazer und Rock bin ich erwartungsgemäß sehr glücklich und werde es bestimmt im Herbst oft und gern anziehen.

Sonntag, 20. Juli 2025

Hemdblusenkleid Sew Along - Finale

Heute ist Finale beim gemeinsamen Nähen eines Hemdblusenkleides von Manuela von Twill & Heftstich und Tina von Sie näht schon wieder... - vielen Dank an dieser Stelle für die Organisation!


Ich habe leider den letzten Zwischentermin vergessen, aber das mag auch daran liegen, dass das Kleid bereits kurz nach dem zweiten Zwischentermin fertig war - es ging mir einfach sehr gut und schnell von der Hand.


Ich habe als Grundlage den bereits mehrfach genähten Schnitt für meine Hemdblusen genommen. Dann habe ich an einer fertigen Bluse gemessen, wie viel Abstand zwischen Saum und Taille liegt und habe diesen Wert rundherum weggenommen. Normalerweise würde man sinnvollerweise von oben nach unten messen, aber weil ich eine Anpassung für die große Brust gemacht habe, wäre das Messen von oben viel komplizierter, weil zulaufend zur vorderen Mitte habe ich mehr Länge als an den Seiten oder am Rücken. Den Wert vom Saum aus zu messen, hat wunderbar geklappt und dort habe ich einfach den Rock vom Butterick 6380 angesetzt. In der vorderen Mitte habe ich für die Knopfleiste dem Rock einige Zentimeter zugegeben und diese ebenso wie an der Bluse mit einem Beleg verstürzt. Weiter unten, wo die Knopfleiste endet, habe ich dann beide Rocklagen mit der Maschine so aufeinandergesteppt, wie die Knopfleiste es vorgegeben hat.


Wo Oberteil und Rock nicht zufällig genau aufeinanderpassten, habe ich das Rockteil etwas eingehalten - das war gar kein Problem und fällt unter dem Gürtel eh nicht auf.

Ansonsten habe ich Kragen, Beleg, die selbstgemachten Manschetten und die Klappen an den Taschen, die ich einem anderen Kleid aus einem alten Heft entliehen habe, in einem dunkelblauen Kontraststoff gearbeitet - das Dunkelblau findet sich auch in dem kleinen Blümchenmuster des Baumwollstoffes wieder.


Gerade die Taschen sind sehr praktisch, denn sie sind richtig groß und dazu auch noch sehr hübsch.

Nach Miriams Hinweis habe ich auch alle Kanten nochmal abgesteppt - vielen Dank dafür! Nun liegen die Kanten immer schön ordentlich und nichts blitzt hervor. Ich musste zwar ständig die Garnfarbe wechseln, aber das war es auf jeden Fall wert.


Alles in allem überzeugt mich das Kleid aber an mir leider nicht. Es liegt ja nun seit drei Wochen fertig hier, aber angezogen habe ich es bislang nicht. Dabei passt und sitzt es eigentlich ziemlich gut, dennoch passt es irgendwie nicht zu mir. Ich kann gar nicht recht sagen, was das Problem ist und bin noch sehr unsicher, was ich nun damit mache. Vielleicht muss ich ihm einfach eine Chance geben oder einsehen, dass es ein Fehlschlag war.. ich weiß es noch nicht..


Dennoch bin ich zufrieden, dass ich meinen Plan aus der Hemdbluse ein Kleid zu machen nun endlich verwirklicht habe und er ja eigentlich auch gut geklappt hat. Vielleicht versuche ich es doch nochmal mit einem anderen Stoff..

Hier findet ihr alle anderen Hemdblusenkleider von den hoffentlich erfolgreicheren Mitnäherinnen.

Mittwoch, 2. Juli 2025

Fertig: Blazer nach Schwabe der neue Schnitt 10/1956!


Heute zeige ich meinen Blazer, den ich unter fachkundiger Anleitung genäht habe und der daher die richtigen Einlagen und Polster bekommen hat, an den richtigen Stellen gebügelt wurde und bei dem ich viel per Hand genäht habe.


Den verwendeten Schnitt aus Schwabe Der neue Schnitt 10/1956 habe ich schon abgewandelt genäht, aber bislang noch nicht in seiner Ursprungsform, obwohl mir gerade die rasanten Taschen sehr gut gefallen. Weil ich den Schnitt schon genäht hatte, war er bereits angepasst.


Ich will den Blazer als Übergangsjacke nutzen. Den Wollstoff habe ich bei bei Stoffe Gädtke in Hamburg gekauft. Er ist in beige und braun gehalten und hat bunte Stipsel, sodass er quasi zu allem passt. Das Futter habe ich unaufgeregt farblich passend gewählt.


Weil der Wollstoff etwas dünn für eine Jacke war, habe ich den Stoff zunächst komplett mit Einlage verstärkt, damit er guten Stand hat und lange hält. Dann habe ich wie üblich erstmal die Teilungsnähte am Oberteil genäht und dann ging es an die Verarbeitung der Schulterpartie und Ärmel. Hier habe ich einiges an Einlagen und Polster verwendet:


Der Rosshaarplack wird im Oberteil zwischen Schulter und Brust eingenäht und sorgt dafür, dass der Stoff gleichmäßig fällt; insbesondere beim Schlüsselbein könnte er sonst etwas einsacken. Weil ich eine große Größe nähe, habe ich aber einen eigenen Plack angefertigt und nicht den gezeigten verwendet. Der Plack wird an der Schulter nur durch ein aufbügelbares Band befestigt, aber nicht in der Schulternaht gefasst, ansonsten würde das steife Rosshaar vermeiden, dass die Schulternaht sich schön legt. In der Ärmelnaht kann das Plack mitgefasst werden, weil dort die Nahtzugabe ohnehin in den Ärmel zeigt und das Plack Sprungkraft gibt.

Den zweiteiligen Ärmel habe ich zusammengefügt und dabei gemäß Schnittmuster den Oberärmel etwas eingehalten. Die Wattierung habe ich auf der Nahtzugabe der Armkugel genäht. Sie sorgt dafür, dass die Rundung an der Schulter weich fällt. Anschließend habe ich mit zwei Einhaltereihen, also Nähte mit hoher Stichlänge sowohl auf der Naht wie auch daneben auf der Nahtzugabe, die Armkugel über einen Bügelbock eingehalten und mit viel Dampf in Form gebügelt. Weil ich zuhause keinen passenden Bügelbock hatte, habe ich dort mit dem Ärmelbügelbrett und einem Handtuch improvisiert. Wenn der Ärmel nicht mehr vom Finger rutscht, ist er gut eingehalten.


Neben der Wattierung fanden auch die Ärmelfische Platz im Ärmel, nämlich der Ärmelfisch aus leichtem Rosshaar vorn für Sprungkraft und der aus Wattierung hinten für ein leichtes Polster. Ich habe - hier nicht auf dem Foto - außerdem noch einen Ärmelfisch in der oberen Kugel (engl. sleeve head) eingefügt, damit der Ärmel ab dem Schulterpunkt nicht runtersackt. Dazu kommen dann noch die Schulterpolster.


Rosshaar habe ich auch beim unteren Saum verwendet und dort einen bereits gebügelten Schrägsteifen aus Rosshaar angenäht. Dabei trifft die Bügelkante genau die Saumkante, so ist die Saumkante schön scharf und knittert nicht. Außerdem wird der Saum und das Futter dann nicht direkt im Oberstoff festgenäht, sondern nur auf dem Rosshaarstreifen.


Das Futter habe ich dann zunächst nur im Oberteil eingenäht und dann ganz am Ende die Futterärmel per Hand am Armloch eingenäht.


Insgesamt habe ich sehr viel gelernt bei dem Blazer und meine Fähigkeiten verbessert, zum Beispiel zum ersten Mal Knopflöcher per Hand genäht. Meine wichtigsten Erkenntnisse sind übrigens 
  • Nahtzugaben an Armloch und Ärmeln geringer wählen (hier: 1cm), damit diese besser einzuhalten sind
  • Einlagen und Polster machen einen gehörigen Unterschied und jedes hat seine eigene Aufgabe
  • Bügeln formt den Stoff neben den Nähten und der Schnittführung und dazu sind Hilfsmittel wie Bügelböcke (oder eben Handtücher) notwendig
  • Ein Blazer braucht viel Zeit, Geduld und Handarbeit!



Ich bin sehr zufrieden mit dem Blazer und der Passform. Der Blazer war eindeutig bislang mein aufwendigstes Stück. Nicht alles hat auf Anhieb geklappt und ein oder zwei Kleinigkeiten sind sicherlich noch verbesserungsfähig - zum Beispiel würde ich nächstes Mal den Unterkragen etwas kleiner schneiden, die Schulter noch etwas verschmälern und auch der Sitz der hinteren Armkugel ist für meinen Geschmack noch zu unruhig. Das sind aber wirklich Kleinigkeiten, die außer mir wohl eh niemandem auffallen und vermutlich mir auch nicht mehr nach ein paar Mal tragen.


Seit ich den Blazer fertig habe, ist es leider zu warm dafür, aber ich freue mich schon auf den Herbst, wenn ich ihn oft tragen kann. Aus dem Stoffrest möchte ich außerdem wieder noch einen Rock nähen, sodass ich es als Kostüm tragen kann.


Ein paar weitere Details habe ich übrigens bei Instagram zusammengetragen [unter anderem auch ein Video vom Innenleben, wenn euch das näher interessiert] und wenn ihr Nachfragen habt, lasst es mich gern wissen!