Donnerstag, 20. September 2018

Schultern

.. sind der Teil des Kleidungsstückes oberhalb des Brustansatzes über die Schulterlinie bis zu den Schulterblättern. Die Schultern beeinflussen nicht nur generell den Sitz der Kleidung, sondern insbesondere auch den Gesamteindruck. Nicht umsonst sind breite Schultern ein Zeichen von Stärke und Selbstbewusstsein. Und so sollte man die Passform nicht auf die sprichwörtlich leichte Schulter nehmen. Dieser Beitrag soll gängige Anpassungsbedürfnisse an Schultern und Halsausschnitt vorstellen und als Ergänzung zu den Beiträgen über Ärmel sowie Rundrücken dienen.


  1. Die Schulter
  2. Schulterlänge / Schulterbreite
  3. Breiter Rücken / breite Schulterblätter
  4. Schulterformen
    1. gerade Schulter
    2. abfallende Schulter
    3. ausgeprägte Schulterknochen
  5. Die schöne Schulterlinie
    1. Schulterpolster
    2. Ärmelfische
  6. Zu tiefer Halsausschnitt
  7. Zu weiter Halsausschnitt



1. Die Schulter


Die Schulter wird oft eher stiefmütterlich behandelt, dabei hat sie großen Anteil daran, ob ein Kleidungsstück gut sitzt oder nicht. Deshalb mal ein paar allgemeine Ausführungen, denn wann sitzt die Schulter denn richtig?

Die Schulter im Kleidungsstück sollte eurer natürlichen Schulter folgen und weder über die Schulter deutlich hinausragen noch zu eng sitzen. Ärmel und Oberteil sollten daher auf dem Schulterpunkt aufeinandertreffen. Dieser Punkt wird anatomisch durch das Acromion bestimmt. Das Acromion ist ein Knochenfortsatz, der oben am Schulterblatt liegt. Das Acromion ist der höchste Punkt der Schulter, daher wird es auch „Schulterhöhe” genannt. Wir können die Schulterhöhe als kleinen Höcker oben an unserer Schulter ertasten.

Weil unsere Körperhaltung leicht nach vorn geneigt ist, wird die Schulternaht in der Schnittmusterkonstruktion in der Regel nicht genau in die Mitte von Vorder- und Rückenteil gelegt, sondern um ungefähr 1cm nach vorn verschoben - das ist für das Auge gefälliger.

Zudem braucht die Schulter hinten bei den runden Schulterblättern etwas mehr Platz als vorn, sodass es sich empfiehlt, die hintere Schulternaht ein wenig länger zu machen und dann eingehalten anzunähen oder durch Dressieren (also Formbügeln) dort etwas Mehrweite zuzugeben.

Ob die Schulter letztlich gut sitzt erkennt man daran, dass sie auf den Schulterpunkt trifft, faltenfrei und bequem ist. Das Oberteil sollte natürlich insgesamt gut fallen - so sollte zB eine Bluse auch bei geöffneter Knopfleiste lotrecht fallen und nicht vorn am Saum stark überlappen oder zur Seite weggezogen werden.


2. Schulterlänge / Schulterbreite


Grundsätzlich handelt es sich bei der Schulterbreite, gemessen von Schulterpunkt zu Schulterpunkt, um ein vertikales Maß, dass also von der Weite beeinflusst wird. Hier geht es aber eher um die Länge der einzelnen Schulter bzw. Schulternaht, daher spreche ich zumeist von der Schulterlänge. Die Schulterlänge ist wohl das häufigste Problem an den Schultern. Wie bereits oben beschrieben, sollte die Ärmelnaht auf dem Schulterpunkt sitzen (links). Ist die Schulterlänge zu lang, überragt die Ärmelnaht den Schulterpunkt und der Ärmel sowie oft auch das Oberteil sitzt zu lose und bildet Falten (mittig). Bei einer zu kurzen Schulternaht bilden sich Zugfalten am Ärmel und oft auch am Oberteil (rechts).

Hinweis: Zunächst stellt sich die Frage, ob ihr tatsächlich die richtige Größe gewählt habt. Das klingt banal, aber in ca. 90% der Fälle, die man mit einer zu weit außen liegenden Ärmelnaht sieht, wurde schlichtweg das Oberteil zu groß gewählt. Gerade Mädchen mit großer Brust wählen eine zu große Größe, weil sie nach der Brustweite gehen. Wenn ihr mehr als ein C-Körbchen habt und das Oberteil insgesamt zu groß geraten ist, dann schaut euch lieber die Full Bust Adjustment an - oft erübrigt sich dann die Schulteranpassung.



Die Schulterlänge lässt sich glücklicherweise recht einfach einpassen. Zunächst messt ihr den Abstand zwischen der Ärmelnaht und eurem tatsächlichen Schulterpunkt. Dieses Maß braucht ihr für die Anpassung.

Nun schneidet die Schulter, sowohl am Vorder- als auch am Rückenteil, ein. Zum einen wird die Schulter circa von der Hälfte der Schulternaht bis zu einem Drittel des Armloches eingeschnitten - nicht durchgeschnitten!
Und zum anderen wird im rechten Winkel dazu bis zur Spitze der Schulternaht eingeschnitten - nicht durchgeschnitten!


Bei breiten Schultern wird mehr Länge benötigt. Für mehr Länge wird nun einfach die Schulterlinie um das benötigte Maß weiter nach aussen geschoben - wer ganz sicher sein möchte, kann vorher die Schulterlinie abzeichnen und daran verschieben, aber in der Regel reicht da Augenmaß. Durch die Einschnitte schieben sich die Teile von selbst zusammen und ermöglichen so die Mehrweite.

Da sowohl Vorder- als auch Rückenteil geändert werden, passen beide Schulternähte natürlich weiterhin aufeinander.

Für schmale Schultern wird Länge nach dem selben Prinzip weggenommen, also die Schulterlinie um das benötigte Maß zusammengeschoben und so verkürzt. Der Einschnitt zur Spitze spreizt sich auseinander und lässt somit die Änderung zu.

Auch hier passen Vorder- und Rückenteil nach der Änderung an den Schulternähten weiterhin aufeinander.

Grundsätzlich bleibt durch die Verbindung der Teile am Armloch die Länge des Armloches unverändert und der Ärmel passt weiterhin. Falls ihr jedoch mehr als 2cm zugeben oder wegnehmen müsst (oder nach der Änderung feststellt, dass der Ärmel nicht mehr gut sitzt), dann solltet ihr die Armkugel ebenfalls anpassen. Bei einer breiten Schulter wird Höhe an der Armkugel weggenommen und für die schmale Schulter zugegeben.


3. Breiter Rücken / breite Schulterblätter


Falls nicht (nur) eure Schulterlinie zu breit ist, sondern der obere Rücken, zB weil ihr ausgeprägte Schulterblätter habt, dann muss natürlich dort gezielt angepasst werden. Ähnlich wie bei einer großen Brust, bei der nur das Vorderteil angepasst wird, wird bei einem breiten Rücken nur das Rückenteil angepasst - ihr solltet auch hier nochmal die Größe überprüfen.

Wo der Rücken zu breit ist und den Stoff spannt entstehen Zugfalten, die quer über den Rücken verlaufen und bis in die Ärmel ausstrahlen. Bei ausgeprägten Schulterpolster sieht man manchmal auch dort direkt den Stoff spannen.

Um zu ermitteln wie viel Mehrweite ihr braucht, messt ihr die Rückenbreite an euch und am Schnittmuster und gebt entsprechend zu. Und falls ihr ein Probeteil habt, dann könnt ihr den Rücken einfach zweimal ungefähr bei der Hälfte der Schulternähte einschneiden und messen wie viel der Stoff aufspringt.

Der Bereich, der am meisten spannt, wird ausgeschnitten (bitte schneidet nicht im unteren Drittel des Armloches ein, das wird sonst etwas holprig) und um die benötigte Weite nach außen geschoben. Das Armloch wird anschließend angeglichen und ist in der Regel kaum länger als zuvor, sodass der Ärmel noch hineinpasst.

Eine andere Variante ist es, das Armloch bis zur Schulterlinie durchzuschneiden und komplett aufzuschieben - das bietet sich vor allem bei überschnittenen oder Kimonoärmeln an. Damit es dadurch nicht an den Schultern zu weit wird, wird ein kleiner Abnäher gesetzt oder wahlweise auch die Schulternaht des Rückenteils eingehalten angenäht (mittig). Will man keinen Abnäher dann kann man das ausgeschnittene Teil auch drehen (rechts).


Ist euer gesamter oberer Rücken, also einschließlich der Schultern, breiter als vorgesehen, wird der Abnäher weggelassen und das Vorderteil ebenfalls angepasst.

Andersrum erfolgt die Anpassung zB bei einem sehr schmalen Rücken, gegebenenfalls einschließlich der Schultern, natürlich nach dem gleichen Prinzip.


4. Schulterformen


Die Form der Schulter lässt sich insgesamt in vier Typen unterteilen.

Von links nach rechts sieht man hier:
  • Die normale Schulterform, wie sie typischerweise ausgeprägt ist und auch in den meisten Schnittmustern konstruiert wird.
  • Die gerade Schulter, die auch als hohe oder sportliche Schulter bezeichnet wird. Diese hat eine weniger ausgeprägte Neigung in der Schulterlinie.
  • Die gegenteilige Ausprägung ist die abfallende Schulter, die auch Hängeschulter genannt wird.
  • Letztlich geben ausgeprägte Schulterknochen den Schultern eine geschwungene Form.



a) gerade Schulter


Bei einer geraden Schulter fehlt es vom Halspunkt bis zum Schulterpunkt zunehmend an ausreichend Platz, daher bilden sich Zugfalten, die nach außen hin deutlicher werden.

Ist das Oberteil sehr lose geschnitten, dann zieht die hohe Schulter den Stoff auch etwas nach oben und spannt ihn, so entstehen Querfalten direkt unter dem Halsausschnitt - übrigens auch hinten oft zu beobachten.

Behoben wird dieses Passformproblem durch ein Erhöhen der Schulterlinie vom Halsansatz bis zum Schulterpunkt. Für das genaue Maß am besten die Naht auftrennen, ein Stück Stoff unterlegen und daran dann so feststecken (lassen), dass die Falten verschwinden. Ansonsten einfach ein oder zwei Zentimeter zugeben und sich dann langsam annähern. Ist das richtige Maß gefunden, wird anschließend das gesamte Armloch verlegt, also komplett nach oben verschoben, so passt der Ärmel weiterhin hinein.


b) abfallende Schulter


Abfallende Schultern sorgen dafür, dass zum Schulterpunkt hin Stoff vorhanden ist, der nicht ausgefüllt werden kann und daher faltig herunterhängt. Man kann dies auch an Falten am Armloch, wenn der Ärmel noch nicht eingesetzt ist, und knapp oberhalb der Brust, wo der Stoff sich nahezu quer faltet, erkennen. Daher sind im Übrigen Anproben zwischendurch sehr zu empfehlen!

Die Anpassung erfolgt indem man Stoff wegnimmt und so die Schulterlinie etwas schräger stellt - man 'hebt die Schulter'. Das Maß lässt sich recht gut ermitteln, wenn jemand euch mit Stecknadeln die neue Schulterschräge absteckt.
Damit der Ärmel weiterhin ins Armloch passt, wird das Armloch ebenfalls nach unten versetzt.

Übrigens ist dies genau der Effekt, der sich einstellt, wenn ihr Schulterpolster heraustrennt oder weglasst. Im Gegenzug kann man hervorragend mit Schulterpolster testen, ob diese Anpassung wegen abfallender Schultern nötig ist. Falls ihr gerade keine Schulterpolster im Haus habt, könnt ihr ein Sockenknäuel zurechtknautschen und benutzen - für eine kurze Überprüfung reicht das auch.


c) ausgeprägte Schulterknochen


Die ausgeprägten Schulterknochen sorgen für ein etwas anderes Faltenbild als die geraden Schultern. Die Falten liegen etwas höher und sind lokaler, denn es fehlt nur um die Schulterrundung herum die Länge. Der Stoff versucht auch hier diese Länge aus der Weite zu holen, sodass sich Zugfalten bilden (insbesondere hinten) oder der Halsausschnitt absteht.

Da nicht die gesamte Schulterschräge mehr Höhe braucht wird hier wieder eingeschnitten. Rund 2-3cm unterhalb des Schulterpunktes wird das Armloch bis ungefähr zur Hälfte der Schulterlänge eingeschnitten - nicht durchgeschnitten!

Anschließend wird der eingeschnittene Keil etwas angehoben und das Armloch angepasst. Damit auch der Ärmel weiterhin ins Armloch passt, wird der Ärmel ebenfalls eingeschnitten und aufgedreht.

Manchmal genügt die Anpassung vorn, wenn nur dort die Schulterrundung entsprechend ausgeprägt ist. In diesem Falle wird natürlich nur das Vorderteil angepasst und anschließend schneidet man den Ärmel dann nicht durch, sodass die hintere Armkugel gleichlang bleibt, und sperrt nur vorn den Ärmel auf.


5. Die schöne Schulterlinie


Für eine schöne Schulterlinie gibt es natürlich auch Hilfsmittel. Das sind zB die bekannten und gefürchteten Schulterpolster oder auch die etwas weniger bekannten Ärmelfische.


a) Schulterpolster


In den 40er und 50er Jahren wurden oft und gern Schulterpolster in Kleidern, Blusen und Pullovern verwendet - die sorgten neben der schmalen Taille auch für die gewünschte Sanduhrensilhouette.

Allerdings waren das natürlich keine von diesen schrecklichen, übertriebenen Schulterpolstern, wie wir sie aus den 80er Jahren kennen, sondern zurückhaltender. Doch trotz dieser Zurückhaltung sitzt so manches Oberteilen eben nur mit Schulterpolstern so richtig gut. Somit kommt man auf Dauer nicht um Schulterpolster herum, wenn man nach den alten Schnitten näht, daher möchte ich euch eine Anleitung aus der Elsa zeigen wie man die selbst machen und dann auch die Höhe bestimmen kann:

 

Es gibt natürlich auch fertige Schulterpolster für jeden Anlass zu kaufen: Halbmondpolster für Kleider und Blusen, Raglanpolster, Mantelpolster, Blazerpolster und herausnehmbare Polster. Welches Polster sich am besten eignet kommt auf das gewünschte Kleidungsstück an.

Eingenäht werden Schulterpolster mit Handstichen am Ende (für Anproben aber bitte unter die Schulter schieben). Dabei sollte das Polster ca. 1cm über den Schulterpunkt hinausragen, damit die Schulter nicht zu abrupt endet.

Besonders unauffällig sind Schulterpolster übrigens dann, wenn man sie von unten noch mit dem Oberstoff bezieht:


Tipp: Wenn eure Schulterausprägungen asymmetrisch sind, also zB eine Schulter von der Form her normal ist und die andere abfallend, dann macht ein Schulterpolster auf einer Seite mehr Sinn als die Anpassung an die Abweichung. Das bringt die Silhouette wieder in Symmetrie und ist daher für das Auge gefälliger.


b) Ärmelfische


Ärmelfische sind eine Versteifung in der Armkugel. Ärmelfische sollen verhindern, dass der Ärmel ab Schulterpolster nach unten in sich zusammenfällt, oder sollen zB Puffärmeln mehr Halt geben.


Unschwer zu erkennen sind links keinerlei Hilfsmittel eingenäht und auf der rechten Seite des Bildes sind sowohl ein kleines Schulterpolster als auch ein Ärmelfisch eingenäht. Die Schulter ist unaufdringlich gerade geformt und die Armkugel fällt rund und weich.

Für die Ärmelfische habe ich einfach aus Vlieseline M12 zwei Streifen 30cm x 7cm geschnitten. Dann die Streifen der Länge nach gefaltet, so dass eine Seite rund 3-4mm breiter ist und die andere leicht überlappt, dadurch entsteht keine Kante im Stoff.

Anschließend werden die zusammengeklappten Streifen so an die Nahtzugabe der Ärmeleinsatznaht genäht, dass der breitere Streifen oben in den Ärmel zeigt. Der Fisch sollte leicht nach hinten versetzt sein, also liegt die Mitte des Ärmelfisches ca. 1-2cm hinter der Schulternaht. Zuletzt werden die Enden oval zugeschnitten, damit der Übergang weich ist und sich keine unschönen Kanten bilden.


So sehen Schulterpolster und Ärmelfisch auf links gedreht aus - die Nahtzugabe der Ärmeleinsatznaht liegt zwischen Polster und Fisch und kann sich daher nicht rausdrücken. Klappt man den Fisch nach innen ist die breitere Seite oben. Das Polster ist hier übrigens nicht bezogen worden, weil die Jacke noch gefüttert wurde.

Ärmelfische kann man auch gut bei Blusen verwenden, damit der leichte Blusenstoff Unterstützung im Puffärmel erhält und nicht zusammenfällt. Da benutzt man dann zB einen Ärmelfisch aus dem Oberstoff und versteift ihn ein wenig. Je nach gewünschter Silhouette, Stoff und Ärmelform braucht es mehr oder weniger Stand durch den Ärmelfisch und daher variiert auch der zu verwendende Stoff.


6. Zu tiefer Halsausschnitt


Ist der Halsausschnitt hinten zu tief, dann fehlt ihm der Halt, er rutscht nach unten und zieht die Schulternaht mit sich, sodass der vordere Halsausschnitt unbequem am Hals hochrutscht. Ein zu tiefer Halsausschnitt bringt folglich das ganze Kleidungsstück aus der Balance.

Achtung: Das gleiche Faltenbild ergibt sich, wenn das Oberteil an der Brust zu eng ist und sich daher der Stoff hochschiebt. Durch das Hochschieben vorn, wird die Seitennaht ebenfalls mit angehoben und zieht das Rückenteil mit sich, sodass auch hier das Oberteil die Balance verliert, daher bitte vorab prüfen, ob es an der Brust lose genug ist.

Korrigiert wird der zu tiefe Halsausschnitt einfach indem er angehoben wird (links). Falls ihr euer Stück nachträglich korrigieren müsst, dann wird das gesamte Rückenteil angehoben bis der Halsausschnitt korrekt sitzt und anschließend die Schulterlinie und das Armloch neu zugeschnitten. Dadurch wird die Rückenlänge verkürzt, sodass an der Taille Länge zugegeben werden muss (zB durch ein Taillenband) (rechts).




7. Zu weiter Halsausschnitt


Wenn ein Halsausschnitt zu weit ist, dann wirft er Falten und steht nicht selten unschön ab. Das kann sowohl den gesamten Ausschnitt oder aber nur den vorderen oder hinteren Ausschnitt betreffen.

Hinweis: Auch hier bitte auf die richtige Größenwahl achten! Wenn nicht nur der Halsausschnitt, sondern auch die Schulter zu weit ist, spricht dies auch wieder eher für eine grundsätzlich zu groß gewählte Größe.

Bevor ihr Änderungen vornehmt, schaut bitte einmal, dass ihr beim Nähen nicht am Stoff gezogen habt - das betrifft besonders die dehnbaren Stoffe, aber auch feste Stoffe werden störrisch, wenn man sie zu gespannt abgesteppt hat.

Am einfachsten lässt sich die Weite durch Abnäher oder Falten wegnehmen. Charmant an Abnähern ist insbesondere, dass sie noch nachträglich eingefügt werden können. Wer keine Abnäher mag, fügt eine Teilungsnaht ein und nimmt daran Stoff weg. Ansonsten kann man auch ein Gummiband einziehen, dass den Stoff an den Hals ranholt oder wenn es sich um dehnbaren Stoff handelt und zum Stil passt könnte auch ein Bündchen helfen.




8. Schlusswort


Damit sind wir am Ende dieses Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare.

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Dienstag, 31. Juli 2018

Fertig: Hemdbluse von 1940!

Diesen Titel gab es nun schon fünfmal auf diesem Blog (1, 2, 3, 4, 5) - die Hemdbluse ist einfach ein Hit.


Die Hemdbluse aus der Praktischen Damen- und Kindermode von 12/1940 passt zu meinem Kleiderschrank und zu mir und ist inzwischen so vertraut, dass sie schnell und problemlos genäht werden kann. Und so nähte ich sie innerhalb einer Woche und dabei ging die meiste Zeit noch für Details, wie zB die Ärmelgestaltung drauf.


Die Ärmelaufschläge sind übrigens ganz einfach: ich habe die Länge des Ärmelsaumes abgemessen, dann halbiert (eine Seite im Bruch und die andere Seite entspricht der Seitennaht und braucht Nahtzugabe) und dann aufgezeichnet wie gefällig. Dann habe ich den Aufschlag so angenäht, dass die Nahtzugabe im Aufschlag liegt und habe die Aufschläge mit Handstichen unsichtbar festgenäht.


Der hübsche Stoff mit kleinen Liebesbriefen ist übrigens ein Baumwollstoff von Tante Ema. Er ist wohl eigentlich ein Weihnachtsstoff und war daher mitten im Juli bei alfatex reduziert für 8 Euro der Meter zu haben. Ich habe 1,5m gekauft. Das ist aber in erster Linie kein Stoffkauf - ich war zum Studium in Kassel und habe ihn dort vielmehr als Souvenir gekauft. Und Souvenirs sind eine so wichtige Tradition..

Der Kombinationsstoff, aus dem Ärmelaufschläge, Beleg, Oberkragen und die stoffbezogenen Knöpfe sind, war dieser Rock, der sich aber nicht bewähren konnte und nun eine bessere Bestimmung gefunden hat.


Und weil ich es einfach schick finde, habe ich mich wieder bemüht das Muster möglichst durchlaufend in der vorderen Mitte zu gestalten.

Der Rock ist der Weihnachtsrock vom letzten Jahr - er trägt sich wunderbar, aber ist durch die Wolle sehr, sehr warm. Er ist auch etwas zerknittert, da er ganz frisch aus der Winterkiste kam, denn auch die Bluse ist eher für den Herbst und Winter gedacht.



Ich hätte gern noch mehr Bilder gezeigt, aber bei 31°C und einem wolligen Rock hätte ich dann wohl einen Hitzekollaps erlitten. Also habe ich lieber den Rock zusammen mit der Bluse in die Winterkiste gepackt und bin dann schnell in den kühleren Garten gegangen.

In jedem Fall bin ich sehr zufrieden mit der Bluse und freue mich nun schon ein klitzekleines Bisschen auf den Herbst, damit ich sie auch tragen kann. Und als nächstes liegt ein Strickstoff auf dem Tisch - auch nicht gerade das, was man bei der Hitze als Erstes im Sinn hat, aber der Herbst wird kommen.. früher oder später (hoffentlich später)..

Montag, 2. Juli 2018

Fertig: Anthrazitgrauer Bahnenrock von 1956!


Es gibt Schnittmuster, die haben sich bewährt, die passen zu mir und zu meinem Kleiderschrank, und entsprechend nähe ich sie gern und oft. Ein solches Schnittmuster ist der Bahnenrock von 1956, wie man hier und hier sieht. Er ist schnell genäht und lässt sich gut kombinieren - und was ist kombinierfreudiger als freundliches Anthrazitgrau?

Woher der Stoff ist kann ich nicht mehr sagen. Es müsste ein Mischgewebe sein und Wolle ist dem Geruch beim Bügeln nach mit drin.

Der Rock hat einen verstärkten Formbeleg und wird mit einem Reißer in der Seite geschlossen. Der Saum ist von Hand genäht, aber noch nicht ausgebügelt.
Er ist ungefüttert, weil ich den Rock in allen Jahreszeiten tragen möchte und dann jeweils danach den Unterrock wählen kann - wenn man es ganz genau nimmt, dann ist der Rock eigentlich schon ein erster Herbstgruß.


Der Hemdblusenschnitt aus der Praktischen Damen- und Kindermode von 12/1940 ist ebenfalls so ein beliebtes Schnittmuster. Den Anfang machte vor ziemlich genau zwei Jahren diese grüne Hemdbluse, danach folgten noch ein, zwei, drei, vier andere.

Lediglich der grüne Baumwollstoff ist etwas störrisch und die Bluse ist dank FBA so gut ausgeformt, dass das Bügeln der Rundungen sich als eher schwierig erweist - ich brauche wohl ein Bügelei in Form meiner Brust.. mhm.. hätte auch nicht gedacht, dass ich mal so einen Satz schreiben würde..



Insgesamt also ein sehr einfaches, unaufgeregtes, alltagstaugliches Ensemble, das für's Büro gerade richtig ist.

Und ich mache dann schon mal weiter mit der Planung der Herbstgarderobe - Wollstoffe sind zwar nicht unbedingt das, was man bei 26°C im Schatten als Erstes im Kopf hat, aber man will ja auch für's kommende Schietwetter vorbereitet sein.

Seid ihr noch an der Hochsommermode und seht ihr auch schon den Herbst kommen?
[ verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Freitag, 29. Juni 2018

Wie wähle ich die richtige Größe im Schnittmuster?


Die Größenwahl stellt gerade beim Nähen immer wieder ein Ärgernis dar. Schließlich investiert man viel Zeit und Mühe in ein Kleidungsstück und kann dies nicht - wie bei Kleidung aus dem Laden - zurückhängen und einfach eine andere Größe probieren. Daher hier mal ein paar Aspekte, die ihr bei der Wahl der richtigen Größe beachten solltet:

  1. Das Märchen von der Kaufgröße
  2. Das entscheidende Maß
    1. Körpermaß
    2. Körpermaßtabelle
    3. Fertigmaßtabelle
  3. Zugabe! Zugabe!
    1. Nahtzugabe
    2. Bequemlichkeitszugabe und Bewegungszugabe
    3. Designzugabe
  4. Stoff und Dehnbarkeit
  5. Kann ich ein Schnittmuster für Jersey auch aus Webware nähen?
  6. ..und welche ist nun die richtige Größe?


1. Das Märchen von der Kaufgröße


Es war einmal eine Prinzessin in einem fernen Königreich, die einfach zum Kleiderschrank oder an ihr Nähkästchen gehen konnte, ihre eine Kleidergröße auswählte und alles passte ihr perfekt. Immer.
Hachja.. In Wahrheit haben wohl alle Frauen mindestens drei Kleidergrößen im Schrank. Während die Jeans bei der einen Marke in einer Größe passt, bekommt man sie bei einer anderen Marke in der gleichen Größe gar nicht über den Po. Und ein aufwendig genähtes Kleid entpuppt sich als Sack, obwohl man die korrekte Größe gewählt hat. Es ist ein Ärgernis, aber woran liegt das?

Konfektionsware ist noch gar nicht so alt - von kleineren Vorläufern abgesehen entwickelte sie sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich eine Möglichkeit für die weniger gut Betuchten, die sich die teure Maßanfertigung nicht leisten konnten, entwickelte sich die Konfektionskleidung spätestens mit dem Aufkommen der Warenhäuser in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem echten Verkaufsschlager. Mode war plötzlich erschwinglich und sofort verfügbar. Oft wurde zumindest damals die gekaufte Konfektionsware durch den hauseigenen Schneider noch final angepasst. Die genauen Maße legte jeder Konfektionär selbst fest. Ein einheitliches System gab es nicht - und gibt es bis heute nicht. Zwar gibt es seit den 1960er Jahren Reihenmessungen in der Bevölkerung, allerdings gibt es auch mehr als 50 Jahre später keine Norm. Jeder Hersteller entscheidet weiterhin selbst über seine Größen und welche Maße er mit welcher Größe 'übersetzt' - zB Damen mit einer Brustweite von 100cm tragen bei H&M eine 44 und bei C&A eine 42, aber müssen eine 46 bei Butterick nähen.
Sich auf die "Kaufgröße" zu verlassen, bedeutet es dem Zufall zu überlassen, ob ein Kleidungsstück am Ende passt oder nicht.


2. Das entscheidende Maß


Besser, als sich einer willkürlichen Einteilung zu unterwerfen, ist es einfach mit den Maßen zu arbeiten - ein Zentimeter ist für uns alle gleich lang.

a) Körpermaß


Unser Körper ist in diesem Fall das Maß aller Dinge. Der muss reinpassen und am besten auch gut verpackt sein. Also solltet ihr selbstverständlich damit starten eure Körpermaße zu bestimmen. Eine Übersicht über das Maßnehmen findet ihr hier aus dem Jahr 1955.

Gemessen werden sollte übrigens immer von einer anderen Person über der Kleidung. Stellt euch dabei entspannt, aber gerade hin und tragt normale Wäsche, also zB nicht Formwäsche, wenn ihr sonst keine anhabt o. Ä. Dann kommen die unverfälschten und ehrlichen Daten dabei raus.

Grundsätzlich wählt man ein Schnittmuster nach dem größten Maß, denn es muss ja alles reinpassen und nachträglich verkleinern ist möglich, aber vergrößern nicht. Wichtig an dieser Stelle ist aber nicht nur das Maß als blanke Zahlen, sondern auch bestimmte Abweichungen und Änderungen mit einzubeziehen. Habt ihr zB viel Brust solltet ihr die Oberbrustweite messen, falls ihr einen sehr langen Oberkörper habt, dann müsste ihr das Oberteil ohnehin verlängern und braucht nicht so sehr auf die Rückenlänge achten und breite Hüften kann man bei einem weiten Rockteil ohnehin vernachlässigen.

b) Körpermaßtabelle


Die Körpermaßtabelle beschreibt die Körpermaße, für die die jeweilige Größe gemacht ist. Aus ihr kann man also entnehmen welches Körpermaß der Hersteller für die jeweilige Größe im Sinn hatte. Nicht ersichtlich daraus ist welche Zugaben im Schnittmuster noch enthalten sind.

c) Fertigmaßtabelle


Die Fertigmaßtabelle beinhaltet das Maß des fertigen Kleidungsstückes. Zur Bestimmung der Größe ist sie besser geeignet (zB bei Simplicity, Vogue, McCalls und Butterick verstecken sich teilweise die Fertigmaße zumindest von Brust, Taille und Hüfte direkt auf dem Schnittmusterbogen!).

Beispiel: Ein Mieder wird sehr körpernah getragen. Das Körpermaß der Taille sei 80cm und auch das fertige Mieder ist in der Taille 80cm weit. Ein lockeres Shirt hat immernoch ein Körpermaß von 80cm, aber das fertige Kleidungsstück ist 100cm, denn es soll ja locker sitzen. Wenn ich es so locker nicht mag, dann nähe ich eine Größe kleiner - das kann ich aber nur anhand des Fertigmaßes sehen, denn das Körpermaß ist für beide Modelle weiterhin 80cm.


..Dein Schnittmuster hat aber keine Fertigmaßtabelle? Leider haben viele Schnittmuster keine Fertigmaßtabelle (Burda ist so ein Beispiel), dann hilft auch nur nachmessen (Achtung: Schnittmuster von ausländischen Herstellern haben in der Regel die Nahtzugabe bereits enthalten, dann muss diese beim Messen natürlich abgezogen werden!).


3. Zugabe! Zugabe!


Nun haben wir schon über Zugaben gesprochen, aber welche Zugaben gibt es denn?

a) Nahtzugabe


Beginnen wir mit der klassischen Nahtzugabe. Die Nahtzugabe brauchen wir, damit unser Stoff genug Halt an der Naht hat. Eine fehlende oder zu kleine Nahtzugabe sorgt dafür, dass die Naht zusammen mit ein paar Fäden einfach aus dem Gewebe gezogen wird (kann man gut beobachten, wenn Webware mit der Overlock genäht wird). Wir können auf der Nahtzugabe auch Dinge verstecken, zB wenn Falten nur in der Nahtzugabe abgenäht werden und so dem Stoff schon eine Richtung vorgeben. Außerdem erlaubt die Nahtzugabe kleinere Korrekturen, falls wir versehentlich doch zu klein genäht haben.

Wie schon erwähnt wird die Nahtzugabe in deutschen Schnittmuster in der Regel erst zugegeben und ist daher für die Größenbestimmung unerheblich, bei ausländischen Herstellern ist die Nahtzugaben meist bereits im Schnitt vorhanden. Ob die Nahtzugabe schon vorhanden ist oder nicht und wie groß sie ist, kann man den Hinweisen oder Erläuterungen zum jeweiligen Schnittmuster entnehmen.

b) Bequemlichkeitszugabe & Bewegungszugabe


Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich in einem zu engen Kleidungsstück nicht bewegen oder nicht mal atmen kann? Der Stoff lässt es nicht zu - und aus genau diesem Grund brauchen wir Zugaben zu unseren Körpermaßen für Bewegung und Bequemlichkeit (im englischen meistens mit "ease" bezeichnet). Erst diese Zugaben erlauben es, dass wir uns frei bewegen können, also zB uns hinzusetzen, drehen oder bücken können. Je enger (bis einschnürend) ein Kleidungsstück sein soll oder je dehnbarer der empfohlene Stoff ist, desto kleiner wird diese Zugabe. Entsprechend sind im Umkehrschluss zB für (auch körpernahe) Jacken und Mäntel die Zugaben größer, da man darunter in der Regel ja noch andere Bekleidung trägt.

Für einen Bleistiftrock liegt die Zugabe beispielsweise in der Taille bei 2cm und in der Hüfte bei 2-4cm. Eine körpernahe Bluse braucht 5-7cm Zugabe an der Brust, aber ein Dirndl nur 3-5cm. Jacken und Mäntel brauchen mindestens 7-10cm Zugaben. Diese Angaben variieren ebenfalls je Hersteller, Modegeschmack und Modell, daher soll dies hier nur als eine kleine Richtungsweisung und keine Regel verstanden werden.

c) Designzugabe


Letztlich gibt es Zugaben, die ausschließlich dem Design zugerechnet werden, also je nachdem wie locker oder wie körpernah ein Kleidungsstück sitzen soll und auch wie der Modegeschmack der Zeit sich gestaltet. Beispiele dafür sind zB Schlaghosen oder Oversize. Diese Zugaben haben weder für die Anfertigung noch den Tragekomfort Bedeutung, sondern dienen ausschließlich dem Design.


4. Stoff und Dehnbarkeit


Entscheidend, besonders für die Bequemlichkeitszugabe, ist auch die Dehnbarkeit oder Elastizität des Stoffes, also die Fähigkeit des Stoffes sich bei Krafteinwirkung zu ändern (also länger zu werden) und nach Wegfall des Zuges in seine Ursprungsform zurückzukehren.

Dehnbarkeit wird dabei in der Regel als Eigenschaft der Maschenware (hier zu unterscheiden Wirk- und Strickware) beschrieben. Das sind zB Bündchen, Jersey, Strickstoffe. Sie dehnen sich dadurch, dass die einzelnen Fäden miteinander verschlungen sind und durch Zug spannen sich diese Fäden und geben so mehr Länge frei.

Nicht dehnbar, sondern vielmehr elastisch können auch gewebte Stoffe sein, wenn sie einen elastischen Stoffanteil (zB Elastan) haben. Dieser sorgt dann für die Elastizität. Der Einfachheit halber bleibe ich aber begrifflich bei "dehnbar".

Je dehnbarer der Stoff ist, desto mehr kann der Stoff in der Bewegung benötigtes Spiel zulassen. So wird zB ein Badeanzug mit einer "negative ease", also einer negativen Bequemlichkeitszugabe genäht, denn Lycra ist sehr dehnbar und ein Badeanzug muss straff sitzen, damit er keine Falten schlägt. Auch Bündchen oder körpernahe Strickwaren sind so ein Bespiel, denn diese werden in der Regel ebenfalls kleiner zugeschnitten als eigentlich notwendig und müssen das auch, denn nur dann liegen sie eng an.


5. Kann ich ein Schnittmuster für Jersey auch aus Webware nähen?


An sich kann man das natürlich machen - es ist aber nicht zu empfehlen. Die Zugaben an Schnittmustern für Wirkware ist einfach eine andere, zB kann man den Ärmel enger machen, denn die notwendige Weite wird (auch) aus der Dehnbarkeit erreicht. Näht man dieses nun aus Webware, dann würd man vermutlich eine Größe größer wählen müssen, aber auch dort ist der Ärmel auf Dehnbarkeit angelegt. Und daneben hat der Stoff halt auch andere Eigenschaften zB was den Stand oder das Gewicht betrifft, so wird ein andersrum aus Jersey genähtes Kleid, das eigentlich für Webware gedacht ist, plötzlich schwer herunterhängen anstatt blusig herumzuflattern.

Ich würde euch immer empfehlen einen zum Schnittmuster passenden Stoff zu wählen und andersherum. Je dehnbarer der geforderte Stoff ist, desto mehr ist davon abzuraten einen undehnbaren Stoff zu verwenden - oder würdet ihr einen Badeanzug aus Webware nähen..?


6. ..und welche ist nun die richtige Größe?


Die richtige Größe ist eine Mischung aus all diesen Dingen, also zusammengefasst: Ihr messt euch aus und rechnet die Zugaben für Bequemlichkeit, Stoffeigenschaften und gewünschter Körpernähe ab oder zu und vergleicht das Ergebnis dann mit den Maßen des fertigen Kleidungsstückes.
Das klingt alles viel komplizierter als es tatsächlich ist. Das Ausmessen macht ihr ja nicht bei jedem Schnitt auf's Neue und für die gewünschte Körpernähe hat man auch schnell ein Gefühl. Lediglich die Stoffeigenschaften sind nicht so leicht zu beurteilen, aber wenn man sich nach der Stoffempfehlung richtet und vielleicht auch den Stoff mal probehalber an sich ranhält, lässt auch dies sich in der Regel gut lösen.

Falls ihr bereits ein Kleidungsstück besitzt, das so sitzt, wie ihr es gern habt, dann könnte ihr auch dieses messen und als Grundlage zur Größenbestimmung verwenden - falls der Stoff die gleichen oder zumindest ähnliche Eigenschaften hat.

Schlusswort


Nun sind wir am Ende dieses Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare. Der Beitrag hat Dir gefallen? Dann teile ihn doch - ich würde mich freuen!

Dienstag, 5. Juni 2018

Fertig: Ein zweites Höschen - Wäsche aus Elsa 09/1950!


Auch Nähen ist manchmal schlicht Ausprobieren, Herantasten und Optimieren. Schon letzte Woche gab es Wäsche und heute also die nächste Version - wieder der gleiche Schnitt aus der Elsa 09/1950 und normaler Futterstoff von Venezia, aber dieses Mal als Zierde eine Zackenlitze.

Nachdem das erste Höschen sich beim Stadtbummel hin und wieder hochgeschoben hat, habe ich also ein wenig Länge zugegeben und das Höschen direkt testweise zur Arbeit angezogen - und nach einem Tag im Büro sieht es dann so aus:


Die Länge ist sehr angenehm und schiebt sich auch nicht mehr hoch - lediglich die Stoffwahl muss noch ein wenig verbessert werden. So leicht und rutschig der Futterstoff auch ist, aber es ist eben kein echter Wäschestoff und daher nicht so fließend und atmungsaktiv. Also werde ich mich, nun da ich die richtige Länge gefunden habe, intensiv auf Stoffsuche begeben - Seidencharmeuse, vielleicht auch (für die leichtere Stoffpflege) ein Mischgewebe.


Von der Frage der Stoffwahl abgesehen, bin ich sehr zufrieden - es trägt sich luftig, die Röcke fließen schön drüber und es schont die Schenkel bei heißen Temperaturen. Und der Rest wird sich auch noch finden - wäre doch gelacht!

Mittwoch, 30. Mai 2018

Fertig: Ein Höschen - Wäsche aus Elsa 09/1950!


Ich habe mir etwas für drunter genäht - ich wollte schon länger gern einen Unterrock in Form einer Hose nähen. Für einen besseren Falldes Oberstoffes, für entspannteres Radfahren und ohne schubbernde Oberschenkel bei heißen Temperaturen. Schon vor einigen Jahren hatte ich mal einen passenden Schnitt dazu ausgewählt. Aus Elsa 09/1950 eine Wäschegarnitur aus Höschen und Hemdchen gefiel und sah nicht sehr schwer aus..


..und ich scheiterte kläglich. Wie immer gab es keinerlei Anleitung, ich hatte einen viel zu flutschigen Polyesterstoff genommen und scheiterte schon daran einen Gummi oben halbwegs passend anzunähen und auch das Versäubern und Säumen überforderte mich völlig. Ich erinnere mich an ein ungesäubertes Ungetüm mit drangedroschenem, viel zu breitem Gummiband.

Zum Glück habe ich seitdem einiges an Wissen dazu gewonnen und so ging es diesmal sehr leicht von der Hand. Es fing an bei der Stoffwahl (Venezia Futterstoff) und ging weiter mit französischen Nähten und einem zweifach umgeschlagenem Saum.


Dazu kam dann ein Tunnel mit einem viel schmaleren, zarteren Gummi und für ein bisschen Deko noch ein Bügelbildchen und nach zwei Vormittagen war ich auch schon fertig - obwohl ich gestehen muss, dass Bügeln bei der Hitze nicht gerade ein Vergnügen ist, aber gut gebügelt.. na, ihr wisst schon.


Ich freue mich ganz diebisch über das entspannte Nähen und das schöne Ergebnis - es ist genauso geworden, wie ich das gern haben wollte. Beim nächsten Mal würde ich es vielleicht noch etwas länger machen und einen anderen Stoff wählen. Wäscheseide wird empfohlen - hat jemand eine Idee, wo man solche Qualität bekommt bzw. unter welchem Begriff das heutzutage läuft?