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Dienstag, 10. Februar 2026

Fertig & Tutorial: Boxer Matthew aus der La Maison Victor 02/2019


Bei mir gibt es heute eine Herrenboxershorts aus der La Maison Victor.

Die La Maison Victor war eine belgische Nähzeitschrift, die regelmäßig moderne, gut illustrierte Schnittmuster für Bekleidung und Accessoires veröffentlichte. Die Zeitschrift wurde seit 2021 nicht mehr in deutscher Sprache angeboten und im Jahr 2023 vollständig eingestellt. Allerdings kann man eine sehr große Auswahl der Schnittmuster gratis bei Femmes d' Aujourd'hui herunterladen. Entweder ihr registriert euch auf der Seite oder - so aus dem Nähkästchen geplaudert - wenn man schnell genug auf der neuöffnenden Seite scrollt, kann man die PDF auch so schnell erwischen. Fast alle Schnittmuster sind sowohl in A4 als auch in A0 verfügbar. Die Anleitung ist meistens gesondert und leider nur in französisch, aber gut bebildert; wer ein bisschen Erfahrung beim Nähen hat oder die Texte durch einen vernünftigen Übersetzer laufen lässt, dürfte damit auch ohne Sprachkenntnisse gut auskommen. Von Pullovern, Blusen, Hosen und Kleidern über Badeanzug und Herrenmodelle bis hin zu Kinderkleidung ist alles dabei.

Ich habe mir die Boxer Matthew [und alle anderen Schnitte für Damen und Männer] heruntergeladen und direkt genäht. Die Boxer Matthew ist ein klassisches Unterwäsche-Schnittmuster – es hat geschwungene Seitennähte und ein etwas längeres Bein. Gedacht ist das Schnittmuster für dehnbaren Stoff wie Jersey mit oder ohne Elasthan oder Lycra und kommt mit sehr wenig Stoff, nämlich unter einem halben Meter, aus. Es ist also ideal für die Resteverwertung - hat man nicht genug von einem Stoff, dann lassen sich verschiedene Reststoffe kombinieren.

Allerdings sind einige Schritte beim Nähen trotz bebilderter Anleitung nicht ganz leicht nachzuvollziehen, daher möchte ich euch beim Nähen der etwas schwierigeren Stelle mitnehmen.

1. Schnittmuster, Zuschnitt und erste Nähte


Zunächst einmal steht die Größensuche an - eine Größentabelle ist bei den herunterladbaren Schnittmustern leider nicht dabei, aber ihr findet hier eine und solltet sie euch am besten mit den Schnittmustern abspeichern. Bei meinem Mann habe ich genau nach Tabelle genäht und die angegebene Größe kommt perfekt hin und sitzt einwandfrei.

Ihr braucht lediglich
  • 35-45cm dehnbaren Stoff,
  • weiches Gummiband
  • Schere, Nadel und Faden
Zugeschnitten werden zweimal das Vorderteil (A), viermal die Zwickelhälften (B) und einmal das hintere Hosenteil im Stoffbruch (C); eine Nahtzugabe von 1cm ist direkt auf dem Schnittmuster mitgezeichnet. Übernehmt unbedingt die Passzeichen, denn sie erleichtern das Zusammenstecken später erheblich; wobei ich die Passzeichen an den Beinsäumen nicht übertragen habe, sondern dort einfach am Schluss 2cm umgeschlagen habe. An den kleinen Zahlen könnte ihr sehen, welche Punkte aufeinandertreffen.
Je zwei Zwickelhälften werden direkt an der vorderen Mitte (v.M.) zusammengenäht - durch die Rundung entsteht genug Platz für alles, was da so reingehört beim Manne. Ich habe direkt mit der Overlock zusammengenäht und die Mittelnähte danach so gebügelt, dass die Nahtzugaben in die gleiche Richtung zeigen; vernäht zeigen die Nahtzugaben dann in unterschiedliche Richtungen, sodass nicht zu viele Stofflagen aufeinanderliegen.

2. Annähen der Zwickel


Nun wird eines der beiden Vorderteil zwischen den beiden Zwickelteilen eingefasst. Dazu wird das vordere Zwickelteil rechts auf rechts und das hintere Zwickelteil rechts auf links auf die Rundung des Vorderteils gesteckt; dabei die Passzeichen (1) beachten.


Zusammengenäht sollte das dann so aussehen - jedes Zwickelteil ist von rechts zu sehen und die Naht zum Vorderteil ist zwischen beiden Teilen eingefasst.


Nun kommt die etwas friemelige Stelle, denn nun wird das andere Vorderteil auf die gleiche Weise zwischen die beiden Zwickelteile gefasst. Dazu fangt ihr unten im Schritt an und legt wieder die Kanten so zusammen, dass das vordere Zwickelteil rechts auf rechts und das hintere Zwickelteil rechts auf links an der Rundung des anderen Vorderteil liegt. Damit das gut gelingt müssen die beiden Vorderteile zwischen den Zwickelteilen eingerollt werde - manche kennen das bestimmt als Burrito-Methode von Schulterpassen oder Futtereinsätzen.


Wichtig ist, dass beiden Zwickelkanten richtig zueinander liegen, die Passzeichen (1) sich treffen und das Vorderteil faltenfrei liegt. Und so sollte das dann gesteckt aussehen - oben schauen die Beine der beiden Vorderteile heraus, damit der Burrito nicht dicker wird als notwendig.


Nach dem Nähen werden dann die Beine aus dem Zwickel gezogen und damit habt ihr die schwierigste Stelle schon geschafft.


3. Das übrige Nähen


Der Rest der Hose ist unkompliziert und schnell erklärt: es werden die Schrittnaht zwischen Vorder- und Hinterteil genäht (2) und die geschwungenen Seitennähte (3). Ich habe die Nahtzugaben an diesen Nähten noch nach hinten gebügelt und festgesteppt - zum einen betont das die ungewöhnliche Linienführung und zum anderen entlastet es Stoff und Naht. Anschließend werden die Säume versäubert, umgeschlagen und mit einem dehnbaren Stich festgesteppt. Zuletzt wird noch ein Gummiband in gewünschter Länge zusammengenäht und gedehnt am oberen Rand festgesteppt.


4. Fazit


Ich bin insgesamt sehr angetan von der Boxershorts - sie sieht gut aus und gefällt meinem Mann von der Passform sehr. Zudem ist sie leicht zu nähen und bietet sich wirklich gut für Resteverwertung und ein schnelles Nähprojekt an. Dass es das Schnittmuster außerdem kostenlos erhältlich und in vielen Größen gibt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt.


Ich kann das Schnittmuster also uneingeschränkt weiterempfehlen. Habt ihr das Schnittmuster vielleicht auch schon genäht oder werdet es nun tun? Findet ihr die kleine Bilderanleitung dabei hilfreich oder fehlt euch etwas? Lasst es mich gern wissen!

Sonntag, 21. März 2021

Anleitung: Ecken zwischen zwei Stoffen nähen!


Neulich hatte ich meinen Picknickrock mit besonderer Nahtführung, nämlich mit Ecken zwischen den Rockbahnen, gezeigt. Ecken zwischen zwei Lagen Stoff gibt es manchmal auch in Oberteilen mit Teilungsnaht oder bei Zwickeln (Näheres zu Zwickeln findet ihr hier). Man findet zwar sehr viele Anleitungen im Netz, wie man Briefecken näht, allerdings kaum dazu, wie man zwei Lagen Stoff über Ecken verbindet. Daher möchte ich euch das heute einmal zeigen.

Das Wichtigste beim Nähen von Ecken ist das exakte Arbeiten - markiert euch ganz genau die Eckpunkte und zeichnet die Nahtlinie ein, näht langsam, bügelt fleißig und arbeitet insgesamt sorgfältig.

Bei fransenden Stoff solltet ihr die Eckpunkte (insbesondere die inneren Spitzen!) vorab mit aufbügelbarer Vlieseline verstärken.


Das Nähen von Ecken erfolgt abschnittsweise in einer Richtung. Wir fangen bei (1) an und legen die beiden Stoffe an der Naht rechts auf rechts aufeinander.


Anschließend wird die Naht abgesteppt und ganz genau bis zur Ecke genäht!


Nun wird die innere Ecke (in diesem Falle der blaue Stoff) schräg bis zum Eckpunkt eingeschnitten. Achtet darauf nicht die Naht durchzuschneiden, aber seid mutig beim Anschnitt, denn je genauer ihr zuschneidet, desto genauer wird die Ecke. Achtet aber darauf, dass ihr bei dicken oder fransenden Stoffen lieber ein oder zwei Fäden mehr stehen lasst.

Dann werden die beiden Stoff wieder rechts auf rechts bei (2) aufeinander gelegt und vom ersten Eckpunkt genau bis zum zweiten Eckpunkt genäht.


Ordentliches Bügeln - soweit es der Stoff zulässt - sorgt dafür, dass sich der Stoff schön legt und die Ecken gut herauskommen.


Das Ganze wird dann nochmals wiederholt, aber dieses Mal wird der braune Stoffe an der inneren Ecke eingeschnitten und dann bei (3) wieder die Stoffe rechts auf rechts aufeinanderlegen und absteppen.


Die Herausforderung beim Ecken nähen ist vor allem die Sorgfalt, aber mit ein bisschen Ruhe und Geduld (und vielleicht einem Probestück) lässt sich das gut umsetzen und ich hoffe, die obige Beschreibung hilft euch bei der ersten (und jeder weiteren) Ecke!

Wie immer gilt: wenn ihr Fragen oder Ergänzungen habt oder euch der Beitrag gefallen hat, dann schreibt das gern in die Kommentare.

Samstag, 8. Februar 2020

..und darum sollte man Webware nicht mit der Overlock nähen!

Bei vielen wird die Nähmaschine inzwischen flankiert von einer Overlock - so auch bei mir. Ich nähe ja nun eher selten Wirkware und nutze die Overlock vor allem zum Versäubern von Nahtzugaben bei Webware. Immer wieder fällt mir auf, dass gerade für Anfänger nicht so recht verständlich ist, warum gewebte Stoffe nicht mit der Overlock zusammengenäht werden sollten oder warum diese Nähte nicht halten.


Schuld daran, dass Overlocknähte in Webware nicht halten, ist nicht die Art der Naht oder die Maschine, sondern vielmehr die zu kleine Nahtzugabe. Die Overlock schneidet die Stoffkante gleichmäßig ab und umschlingt sie dann. Die Breite der Overlocknaht und damit die Nahtzugabe liegt dadurch zumeist nur bei 0,3-0,8cm.

(1) Die Nahtzugabe sorgt aber dafür, dass die Naht auch bei Zug und Belastung ausreichend Halt im Stoff hat. Damit die Stoffkanten nicht (zB beim Waschen und beim Tragen) weiter ausfransen, kann man sie mit der Overlock, die lose Fäden an Ort und Stelle hält, hervorragend versäubern - aber auch dabei sollte man darauf achten, dass nicht zu viel Nahtzugabe weggenommen wird!


(2) Ist die Nahtzugabe zu klein, dann haben die Fäden nicht genügend Halt und rutschen einfach aus der Bindung - der Stoff franst quasi aus der Naht heraus. Je nachdem wie lose der Stoff gewebt ist und wie breit die Naht(zugabe) ist, braucht es mehr oder weniger Belastung bis die Fäden nicht mehr ineinander halten können.


Bei Webware sollte die Nahtzugabe daher in der Regel mindestens 1,5cm betragen - teilweise auch mehr zB bei Cord oder Leinen. An sehr beanspruchten Stellen ist eine Kappnaht zu empfehlen, die die Belastung auf mehrere Nähte verteilt.

Doch warum franst nun ausgerechnet die Webware aus?

Webware wird stets durch eine Bindung von Kettfäden und Schussfäden hergestellt. Kettfäden sind stramm in den Webstuhl gespannt und Schussfäden werden dann durch die Kettfäden durchgefädelt (oder namensgebend durchgeschossen). Kettfäden entsprechen dem Fadenlauf und die Schussfäden liegen quer dazu.

Je nachdem in welchen Abständen der Schussfaden die Kettfäden über- und unterläuft entstehen unterschiedliche Bindungen. Hier gezeigt ist die einfachste Bindung, nämlich die Leinwandbindung, bei der abwechselnd der Kettfäden über- und unterlaufen wird. Daneben gibt es noch die Köperbindung (typisch dafür: Denim) und die Atlasbindung (typisch dafür: Satin). Gemeinsam ist allen Webwaren, dass Fäden waagerecht und senkrecht zueinander laufen und daher können die Ränder auch ausfransen und brauchen mehr Nahtzugabe.

Bei Maschenware hingegen werden Fäden nicht verwebt, sondern durch das Verschlingen von Fäden werden Maschen gebildet. Das geschieht bei Strickware nacheinander in einer Reihe und bei maschineller Wirkware durch das gleichzeitige Bilden mehrere Maschen mit einem Faden (Kulierwirkware) oder mehreren Fäden (Kettenwirkware).

Hier wird die Trikotlegung gezeigt. Da dabei Maschen immer mit abwechselnden Fäden gebildet werden, ribbeln diese Stoffe nicht auf und entwickeln auch kaum Laufmaschen - und gerade deshalb hält auch die Overlocknaht trotz kleiner Nahtzugabe in den Maschen- und vor allem Wirkwaren!

..und darum sollte man Webware nicht mit der Overlock nähen, sondern eben nur versäubern. Ich hoffe, der Beitrag konnte ein wenig zum Verständnis beitragen und falls noch Fragen bestehen, sagt gern Bescheid.

Sonntag, 26. Januar 2020

Textiler Schmuck aus Zackenlitze

Textiler Schmuck ist das Thema bei der ersten Stoffspielerei im neuen Jahr. Bei der Stoffspielerei geht es darum, mit Stoff und Garn zu experimentieren. An jedem letzten Sonntag im Monat findet die Stoffspielerei mit neuem Thema bei einer anderen Bloggerin statt und es werden auch ungewöhnliche oder fast vergessene Verarbeitungsmethoden ebenso wie neue Ideen gezeigt und interessante Informationen geteilt. Macht doch auch mit!


Ich habe mich dabei von den 40er Jahren inspirieren lassen, als man auch Blumengestecke aus Filzresten machte oder sich schmückende Kragen häkelte und mir aus einer glitzernden Zackenlitze ein paar Ohrringe gemacht.

Dazu braucht man nur
  • Zackenlitze,
  • ein paar Perlen,
  • Clips (oder Stecker),
  • Schere, Nadel und Faden
Ich habe bei meiner Zackenlitze 25 Zacken abgezählt und dann die Litze links auf rechts leicht überlappend mit langem, doppeltem Faden zum Kreis geschlossen.


Anschließend wird der lange Faden abwechselnd von vorn und hinten durch die 24 verbliebenen Zacken gestochen und am Ende wird die Litze an diesem Faden zusammengeschoben.

 

Nun werden nur noch die Perlen dekorativ angenäht und alles an den Ohrclips befestigt - das kann man entweder ebenfalls mit dem Faden machen oder man klebt sie einfach mit der Heißklebepistole fest. Ich habe mich für die Variante mit Faden entschieden, weil meine Zackenlitze sehr störrisch war und ich sie dadurch noch ein wenig richten konnte.


Und dann sind die Ohrclips auch schon fertig. Sie tragen sich sehr angenehm, weil die Litze schön leicht ist und trotzdem steht sie normalem Schmuck an Glitzer und Schimmer in nichts nach. Ein wenig Zackenlitze habe ich noch übrig, aber für mehr Blüten reicht es leider nicht - mal sehen, was daraus wird.

Habt ihr schonmal Schmuck aus Textilien oder Garn gemacht?


Samstag, 11. Januar 2020

Bügelbrettbezug - einfach selbernähen!


Der Jahreswechsel bietet sich gut an für's Aufräumen, Sortieren und Warten der Nähutensilien. Auf meiner Liste stand auch dem Ärmelbügelbrett endlich einen neuen Bezug zu nähen.

Das Bügelbrett habe ich vor einiger Zeit für einen Euro auf dem Flohmarkt gekauft. Gleich nach dem Kauf habe ich den Bezug gewaschen und da mir das Bügelpolster direkt entgegenrieselte, habe ich es sofort ersetzt (Ersatzpolster sind erhältlich im Fachhandel oder auch in der Aktion bei Discountern).

Inzwischen braucht es aber auch dringend einen neuen Bezug - Spuren von Bügelvlies und Verfärbungen zeugen vom ständigen Gebrauch und das Gummiband, mit dem der Bezug über dem Brett gehalten wird, ist porös und bereits an diversen Stelen gerissen.

Weil ich ein Gummiband auch nicht so praktisch finde, wollte ich lieber einen Bezug mit Band zum Festzurren und so habe ich dann auch meinen neuen Bezug gearbeitet.

1. Schnittmuster und Stoffwahl



Das Schnittmuster gibt das Bügelbrett selbst vor. Legt das (unbezogene) Bügelbrett einfach mit der oberen Seite auf ein Stück Schnittmusterpapier und übertragt die Konturen. Danach werden mindestens 6cm für Ärmelbretter und 8-10cm für große Bügelbretter rundherum hinzugefügt.

Wer einen alten Bezug hat, der bereits einen Tunnelzug hat, kann natürlich auch diesen einfach auftrennen und als Schnittmuster nehmen.

Dieses Schnittmuster gibt auch den Stoffverbrauch vor. Nehmt am besten kochbare, farbechte, glatte Baumwollwebware (manche nehmen auch Jersey). Auf keinen Fall verwenden solltet ihr Plastikstoffe, sonst verschmilzt der Bezug mit eurem nächsten Bügelstück, oder Stoffe mit Struktur oder Nähten, denn die drücken sich dann in das Bügelstück.


2. Das Nähen


Habt ihr erstmal euer Schnittmuster erstellt, müsst ihr nur noch den Tunnel nähen. Dazu wird die Stoffkante zunächst 1,5cm und danach nochmal 2cm breit umgeschlagen und geplättet. Das Umschlagen in kleinen Kurven ist immer ein wenig friemelig, aber es muss auf der Unterseite auch nicht ganz akkurat sein - wichtig ist, dass der Tunnel überall geschlossen ist. Anschließend wird mit 1,5 Abstand zur Kante abgesteppt, wobei am Ende des Bügelbrettes 3-5cm offen bleiben.

Dann wird nur noch eine Kordel durch den Tunnel geführt und festgezurrt, sodass der Bezug sich fest und glatt um das Bügelbrett legt.


Und damit ist der neue Bügelbrettbezug auch schon fertig, hübsch anzuschauen und einsatzbereit. Und wer dann noch Stoff übrig hat, kann sich passend dazu noch ein Bügelei nähen.


Dienstag, 9. Juli 2019

Unterrock


Der Unterrock ist ein vielseitiges Wäschestück. Er sorgt dafür, dass die Oberbekleidung ungestört am Körper entlanggleiten kann und nicht beim Gehen nach oben krabbelt. Er kann dem Rock aber auch Stand und Volumen geben oder im Winter die Beine wärmen. Er verhindert, dass Röcke aus Spitze oder anderen zarten Materialien durchscheinen oder schützt die Haut vor unangenehmen Oberstoffen, die pieksen oder kratzen. Oftmals werden aus eben all diesen Gründen Röcke und Kleider gefüttert, aber gerade wenn man nicht jedes Stück unterfüttern möchte (zB weil man den Rock Sommer wie Winter tragen möchte oder weil man sich mal einen Unterrock aus luxuriöser Seide leisten möchte), dann ist ein Unterrock die perfekte Alternative.

Ich möchte euch daher zeigen, wie ihr einfach einen geraden Unterrock nähen könnt, der verhindert, dass euer Rock nach oben rutscht und stattdessen für einen schönen Fall sorgt. Der Unterrock ist vor allem für schmale, gerade und leicht ausgestellte Röcke geeignet.


1. Das Schnittmuster


Die Länge eures Schnittmusters ist die gewünschte Länge des Unterrockes + 5cm Zugaben. Die Länge eures Unterrockes bestimmt ihr selbst - sie sollte sich an eurer normalen Rocklänge oder dem kürzesten Rock, den ihr damit tragen möchtet, orientieren und in aller Regel mindestens eine Handbreit kürzer als der Oberstoff sein, damit das Futter beim Gehen nicht hervorguckt.

Die Breite eures Schnittmusters entspricht eurem Hüftumfang + 6cm Bewegungszugabe + 3cm Nahtzugabe für die eine Naht (Achtung, bitte korrekt ausmessen, wenn ihr einen ausgeprägten Bauch und Po habt, dann schaut am besten einmal hier vorbei).

Diese Maße beziehen sich auf unelastische Webware - wer Strick- oder Wirkware nutzt oder elastische Stoffe, muss bitte entsprechend etwas anpassen (am besten zwischendurch immer mal wieder anprobieren und so dem perfekten Sitz annähern).


Das Schnittmuster passt meist auf die volle Breite einer Stoffbahn und besteht daher aus nur einem Stück. Falls die Stoffbreite zu gering ist, dann solltet ihr den Rock in Vorder- und Hinterteil teilen - denkt dann daran, dass die zweite Naht ebenfalls Nahtzugaben (je 1,5cm) braucht.

Auch wenn es verlockend ist, pauschal die gesamte Stoffbreite als Rock zu verwenden, empfehle ich euch bei der obigen Zugabe zu bleiben. Der Unterrock wäre zwar voluminöser, wenn man den Umfang vergrößert, aber da der ganze Stoff in der Taille gerafft werden muss und puffelt, ist es empfehlenswert für mehr Volumen eher eine Glockenform zu wählen oder in Stufen zu raffen.


2. Stoffwahl & Materialen


Damit der Oberstoff auch ungestört an unserem Unterrock entlanggleiten kann, sollte der Stoff des Unterrockes glatt und nicht zu steif sein. Es bieten sich Satin, Crêpe de Chine, Charmeuse und andere feine Qualitäten an, aber auch normaler Futterstoff kann verwendet werden. Wer es dehnbar möchte, kann Trikot oder feinen Jersey verwenden.
Ich würde euch Seide als Grundfaser empfehlen, aber natürlich sind auch glatte Viskose, Bambus, Modal, Baumwolle und Polyester (achtet darauf, dass er sich nicht zu stark auflädt) geeignet.

Insbesondere Wäsche bietet sich natürlich für Spitze oder Tüll an - achtet darauf, dass diese schön weich sind, damit sie weder an der Strumpfhose hängen bleiben noch den Oberstoff stören. Und denkt daran, dass Spitze, zB am Saum, den Unterrock verlängert, daher solltet ihr ggf. die Länge anpassen.


Außerdem braucht ihr Gummiband - dieses wird am Bund eingezogen, daher ist die Farbe egal. Ich habe bei meinem Unterrock 1cm breites Gummiband gewählt und darauf ist auch die Anleitung ausgelegt. Ihr könnt je nach Stoffart auch schmaleres oder breiteres Gummiband benutzen, müsst dann aber den Tunnel anpassen. Und wer kein Gummiband benutzen möchte, nimmt Wäschegummi oder Dekogummiband und näht dieses ohne Tunnel an.

Die Länge des Gummibandes bestimmt ihr selbst - einfach so stramm, wie es für euch angenehm ist, um die Taille legen, die Strecke abmessen und + 1cm Übertritt hinzufügen. Am besten noch kontrollieren, ob das Gummiband in der gemessenen Länge auch über die Hüfte passt, damit es später keine krachenden Nähte gibt.


3. Das Nähen


Nach dem Zuschneiden wird die offene Naht mit 1,5cm Nahtzugabe geschlossen und versäubert. Dazu bietet es sich an, die Naht als französische Naht zu nähen, dann ist der Stoff gleich versäubert. Wie das geht, könnt ihr hier ganz unten nachlesen.

Wenn euer Unterrock allerdings länger als knielang werden soll, dann solltet ihr die Naht nur bis oberhalb des Knies schließen und den Rest als Schlitz offen lassen, damit ihr genug Bewegungsfreiheit habt.


4. Der Bund


Schlagt den oberen Rand des Rockes 0,6cm breit ein und die eingeschlagene Kante dann nochmal um 1,4cm, sodass sich ein Tunnel bildet. Wenn der Stoff es verträgt, dann ordentlich plätten. Näht nun den Einschlag knappkantig fest, aber lasst eine ca. 3cm lange Öffnung offen und zieht mit Hilfe einer Sicherheitsnadel das Gummiband durch den Tunnel. Schließt das Gummiband zu einem Kreis, indem ihr entweder mit der Nähmaschine oder per Hand beide Enden mit dem 1cm Übertritt zusammennäht - achtet darauf, dass das Gummiband nicht verdreht ist!


Kontrolliert den angenehmen Sitz des Rockes, bevor ihr dann bei gespanntem Gummiband die verbliebene Öffnung vom Tunnel schließt.


5. Der Saum


Der Saum lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise arbeiten. Am schnellsten ist es, den Saum einfach mit der Overlock zu umketteln. Wer etwas mehr Zeit investieren möchte, kann auch den Saum ebenso wie den Bund oben zweifach einschlagen, den Saum mit Schrägband versäubern oder mit Spitze oder Tüll schmücken. Seide sollte am besten per Hand rolliert werden.

Ich habe mich hier für Spitze entschieden, die ich mit farblich passendem Garn per schmalem Zick-Zack-Stich aufgebracht habe. Den Stoff habe ich dann auf ca. 3mm zurückgeschnitten.


Und dann ist der Unterrock auch schon fertig und einsatzbereit.

Diese Anleitung taugt natürlich auch für einen ganz normalen Rock, wenn man entsprechende Stoffe wählt. Viskose oder Baumwolle, aber auch Chambray oder feiner Cord lassen sich so zu einem Rock verarbeiten, allerdings sollte das Gummiband dem Oberstoff angepasst werden, damit dieses ausreichend zusammenrafft!

Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, immer her damit und falls euch der Beitrag gut gefallen hat, dann freue ich mich ebenso über Kommentare oder wenn ihr den Beitrag weiterempfehlt. Oder tragt ihr am Ende gar keine Unterröcke?
[verlinkt beim Creadienstag]

Samstag, 10. November 2018

Anleitung: Kappnaht


Die Kappnaht ist eine besondere Naht, die sehr robust ist und sich zudem selbst versäubern kann. Wir kennen diese Naht vor allem von Jeans, Arbeitskleidung und anderen belastbaren Teilen (zB Polster, Zelte oder Taschen). Normalerweise werden unsere Stoffe an der Verbindungsnaht nur durch zwei Fäden zusammengehalten, aber bei besonders belasteten Teilen ist es empfehlenswert die Belastung, also den Zug auf die Naht, zu verringern - das reduziert das Risiko, dass die Naht reißt, und stabilisiert diese. Durch die Kappnaht verteilt sich dann die Belastung auf mehrere Stofflagen anstatt auf nur zwei Fäden.

Es gibt unterschiedliche Varianten eine Kappnaht zu nähen und man liest auch verschiedene Beschreibungen dazu. Ich habe folglich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder darauf die einzig korrekten Varianten vorzustellen. Ich unterteile hier die Kappnähte in drei Arten, nämlich die einfache, als offene oder als geschlossene, und die doppelte Kappnaht.

Grundsätzliches zur Kappnaht:


  • Die Kappnaht ist nicht für dehnbare Stoffe geeignet - die Nähten würde platzen oder den Stoff in seiner Dehnbarkeit einschränken.
  • Wieviel Nahtzugabe ihr braucht und wie breit eure Kappnaht wird, entscheidet ihr nach Geschmack und danach wie dick der Stoff ist. Sehr dicke Stoffe brauchen mehr Länge, um sich anständig einfalten zu lassen. Ich empfehle ein Probestück, um zu testen welche Nahtzugabe und -breite euch gefällt und händelbar ist. In jedem Falle solltet ihr mindestens eine Nahtzugabe von 1,5cm haben, sonst wird es fast unmöglich sauber zu arbeiten.
  • Beim Nähen der Kappnaht solltet ihr darauf achten, alle Stofflagen zu erwischen und auf jeden Fall auf der Nahtzugabe zu bleiben - eine Naht auf dem einlagigen Stoff sieht nicht nur doof aus, sondern schwächt die Naht dort sehr.
  • Die Kappnaht punktet auch mit ihrer Erscheinung, daher solltet ihr unbedingt darauf achten, dass eure Nähte parallel liegen - lieber langsam, aber sorgsam nähen!
  • Überlegt euch vorher in welche Richtung eure Kappnaht 'zeigen' soll. Bei normalen Nähten legt man die Kappnaht zumeist so, dass sie hinter der Verbindungsnaht liegt. Bei einer Schulter- oder Seitennaht liegt die Kappnaht also in der Regel auf dem Rückenteil. Bei einer Passe, bei der die Kappnaht auch zur Zier und zum Absetzen dienen soll, liegt die Kappnaht auf der Passe.
  • Am einfachsten lässt sich die Kappnaht auf geraden Nähten nutzen, aber auch in Kurven (zB Ärmel) ist es möglich. Weil die zusätzliche Naht den Stoff etwas steifer macht, würde ich bei dem Ärmel die Kappnaht auf das Oberteil und nicht in den Ärmel setzen
  • Übrigens: Bei sehr dicken Stoffen kann man die Nahtzugaben platthämmern.

1. Offene einfache Kappnaht


Diese Naht eignet sich vor allem bei nichtfransenden Stoffen, wie z.B. Leder, Kunstleder, Walk, oder sehr dicken Stoffen, die dann aber nach dem Zusammensteppen versäubert werden sollten.


Es werden einfach beide Stoffe rechts auf rechts gesteppt und anschließend beide Nahtzugaben gemeinsam auf eine Seite gelegt und festgesteppt.

2. Geschlossene einfache Kappnaht


Der große Vorteil der Kappnaht ist ja eigentlich, dass damit gleichzeitig die Stoffkanten versäubert werden können.


Dazu werden wieder beide Stoffe rechts auf rechts gesteppt. Anschließend kürzt ihr die Nahtzugabe auf der Seite, wo die Kappnaht später liegen soll, um ein bisschen mehr als die Hälfte. Man könnte natürlich auch gleich eine kürzere und längere Nahtzugabe zusammennähen, aber das ist mir zu aufwendig.


Dann wird die normale Nahtzugabe so eingeschlagen, dass sie die gekürzet Nahtzugabe umfasst.

Ich mache es so, dass ich erst die Nahtzugaben auseinander und dann beide in Richtung der ungekürzten Nahtzugabe bügele. Dann klappe ich die normale Zugabe hälftig um und plätte sie - dabei kann man sich gut an der Naht orientieren. So wird es aus meiner Sicht schön gleichmäßig und es garantiert, dass auch beide Nahtzugaben schön ineinander liegen.


Anschließend schlage ich beide Nahtzugaben gemeinsam auf die andere Seite um und plätte wieder - gut gebügelt ist halb genäht! Dann brauche ich nur noch absteppen und fertig.


Auf der Rückseite sieht man die beiden Nähte (rechts) und wie schön die Kanten versäubert sind. Auf der Vorderseite (links) sieht man nur die Kappnaht.

Will man nun beide Nähte auf der rechten Stoffseite haben, zB um das typische Aussehen einer Jeans zu erreichen, kann man einfach im ersten Schritt links auf links aufeinander steppen und dann sind beide sichtbaren Nähte auf der rechten Seite.

Oft wird aber stattdessen neben die Kappnaht einfach noch eine weitere Naht gesetzt, sodass man die 'Jeansnaht' hat und noch etwas mehr Stabilität der Naht.

3. Doppelte Kappnaht



Wenn ihr mal eine Naht braucht, die so richtig robust ist, dann würde ich euch die doppelte Kappnaht empfehlen. Dabei wird die Verbindungsnaht von Kappnähten eingeschlossen und stellt somit keine Schwachstelle dar.


Es werden beide Stofflagen links auf rechts mit etwas Überstand auf beiden Seiten aufeinander gesteppt. Achtung: Ihr braucht das dreifache von dem Überstand als Nahtzugabe. Also wenn ihr 1cm Überstand näht, dann braucht ihr 3cm Nahtzugabe, bei 0,5cm dann 1,5cm Nahtzugabe usw.


Dann werden beide Stofflagen an der jeweiligen Kante umgeschlagen, sodass alle Kanten schön eingeschlagen sind, und anschließend ordentlich geplättet.


Dann noch knappkantig absteppen und schon ist es fertig.


Von beiden Seiten sind die Kappnähte sichtbar.

Den genauen Unterschied zu der einfachen Kappnaht erkennt man nicht auf den ersten Blick, denn die Stofflagen scheinen identisch - der entscheidende Unterschied ist aber die Lage der Verbindungsnaht - hier mit weißen Pfeilen markiert. Bei der einfachen Kappnaht ist die Verbindungsnaht immernoch unter Belastung, wohingegen sie bei der doppelten Kappnaht von den Kappnähten umschlossen ist und daher noch weniger Gefahr besteht, dass die Naht reißt.


Exkurs: Französische Naht


Eine andere Naht, die sich ebenfalls selbst versäubert, möchte ich euch noch zeigen: Die französische Naht, Doppelnaht oder auch Rechts-Links-Naht. Diese Naht ist besonders für sehr feine und durchscheinende Stoffe geeignet, also für Chiffon, Seide oder leichte Viskose.


Die französische Naht ist denkbar einfach - der Begriff "Rechts-Links-Naht" hat die Erläuterung quasi schon im Namen. Man näht zuerst knappkantig beide Stofflagen links auf links (falls der Stoff sehr flutschig ist, kann man auch mehr Nahtzugabe geben und nach dem Nähen kürzen). Dann wendet man beide Stofflagen, sodass man rechts auf rechts aufeinandersteppen kann. Achtet darauf, dass die zweite Naht auf jeden Fall die Kante einschließt, sonst schaut diese auf der rechten Stoffseite heraus.


Für eine besonders flache französische Naht, kann man diese anschließend noch in eine Richtung bügeln und absteppen, wenn man sich nicht an der zusätzlichen Naht stört.

Schlusswort


Die Kappnaht ist eine tolle Sache bei belasteten Nähten, aber auch bei Sportbekleidung oder bei Wäsche. Auch ganz normale Oberbekleidung zB aus Baumwolle profitiert von der hübschen Versäuberung und den sportlichen Nähten. Das Anfertigen ist eher eine Fleißarbeit, aber lohnt sich - ich hoffe, ich konnte euch die Kappnaht ein wenig näher bringen und vielleicht probiert ihr sie einfach mal aus.