Samstag, 10. November 2018

Anleitung: Kappnaht


Die Kappnaht ist eine besondere Naht, die sehr robust ist und sich zudem selbst versäubern kann. Wir kennen diese Naht vor allem von Jeans, Arbeitskleidung und anderen belastbaren Teilen (zB Polster, Zelte oder Taschen). Normalerweise werden unsere Stoffe an der Verbindungsnaht nur durch zwei Fäden zusammengehalten, aber bei besonders belasteten Teilen ist es empfehlenswert die Belastung, also den Zug auf die Naht, zu verringern - das reduziert das Risiko, dass die Naht reißt, und stabilisiert diese. Durch die Kappnaht verteilt sich dann die Belastung auf mehrere Stofflagen anstatt auf nur zwei Fäden.

Es gibt unterschiedliche Varianten eine Kappnaht zu nähen und man liest auch verschiedene Beschreibungen dazu. Ich habe folglich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder darauf die einzig korrekten Varianten vorzustellen. Ich unterteile hier die Kappnähte in drei Arten, nämlich die einfache, als offene oder als geschlossene, und die doppelte Kappnaht.

Grundsätzliches zur Kappnaht:


  • Die Kappnaht ist nicht für dehnbare Stoffe geeignet - die Nähten würde platzen oder den Stoff in seiner Dehnbarkeit einschränken.
  • Wieviel Nahtzugabe ihr braucht und wie breit eure Kappnaht wird, entscheidet ihr nach Geschmack und danach wie dick der Stoff ist. Sehr dicke Stoffe brauchen mehr Länge, um sich anständig einfalten zu lassen. Ich empfehle ein Probestück, um zu testen welche Nahtzugabe und -breite euch gefällt und händelbar ist. In jedem Falle solltet ihr mindestens eine Nahtzugabe von 1,5cm haben, sonst wird es fast unmöglich sauber zu arbeiten.
  • Beim Nähen der Kappnaht solltet ihr darauf achten, alle Stofflagen zu erwischen und auf jeden Fall auf der Nahtzugabe zu bleiben - eine Naht auf dem einlagigen Stoff sieht nicht nur doof aus, sondern schwächt die Naht dort sehr.
  • Die Kappnaht punktet auch mit ihrer Erscheinung, daher solltet ihr unbedingt darauf achten, dass eure Nähte parallel liegen - lieber langsam, aber sorgsam nähen!
  • Überlegt euch vorher in welche Richtung eure Kappnaht 'zeigen' soll. Bei normalen Nähten legt man die Kappnaht zumeist so, dass sie hinter der Verbindungsnaht liegt. Bei einer Schulter- oder Seitennaht liegt die Kappnaht also in der Regel auf dem Rückenteil. Bei einer Passe, bei der die Kappnaht auch zur Zier und zum Absetzen dienen soll, liegt die Kappnaht auf der Passe.
  • Am einfachsten lässt sich die Kappnaht auf geraden Nähten nutzen, aber auch in Kurven (zB Ärmel) ist es möglich. Weil die zusätzliche Naht den Stoff etwas steifer macht, würde ich bei dem Ärmel die Kappnaht auf das Oberteil und nicht in den Ärmel setzen
  • Übrigens: Bei sehr dicken Stoffen kann man die Nahtzugaben platthämmern.

1. Offene einfache Kappnaht


Diese Naht eignet sich vor allem bei nichtfransenden Stoffen, wie z.B. Leder, Kunstleder, Walk, oder sehr dicken Stoffen, die dann aber nach dem Zusammensteppen versäubert werden sollten.


Es werden einfach beide Stoffe rechts auf rechts gesteppt und anschließend beide Nahtzugaben gemeinsam auf eine Seite gelegt und festgesteppt.

2. Geschlossene einfache Kappnaht


Der große Vorteil der Kappnaht ist ja eigentlich, dass damit gleichzeitig die Stoffkanten versäubert werden können.


Dazu werden wieder beide Stoffe rechts auf rechts gesteppt. Anschließend kürzt ihr die Nahtzugabe auf der Seite, wo die Kappnaht später liegen soll, um ein bisschen mehr als die Hälfte. Man könnte natürlich auch gleich eine kürzere und längere Nahtzugabe zusammennähen, aber das ist mir zu aufwendig.


Dann wird die normale Nahtzugabe so eingeschlagen, dass sie die gekürzet Nahtzugabe umfasst.

Ich mache es so, dass ich erst die Nahtzugaben auseinander und dann beide in Richtung der ungekürzten Nahtzugabe bügele. Dann klappe ich die normale Zugabe hälftig um und plätte sie - dabei kann man sich gut an der Naht orientieren. So wird es aus meiner Sicht schön gleichmäßig und es garantiert, dass auch beide Nahtzugaben schön ineinander liegen.


Anschließend schlage ich beide Nahtzugaben gemeinsam auf die andere Seite um und plätte wieder - gut gebügelt ist halb genäht! Dann brauche ich nur noch absteppen und fertig.


Auf der Rückseite sieht man die beiden Nähte (rechts) und wie schön die Kanten versäubert sind. Auf der Vorderseite (links) sieht man nur die Kappnaht.

Will man nun beide Nähte auf der rechten Stoffseite haben, zB um das typische Aussehen einer Jeans zu erreichen, kann man einfach im ersten Schritt links auf links aufeinander steppen und dann sind beide sichtbaren Nähte auf der rechten Seite.

Oft wird aber stattdessen neben die Kappnaht einfach noch eine weitere Naht gesetzt, sodass man die 'Jeansnaht' hat und noch etwas mehr Stabilität der Naht.

3. Doppelte Kappnaht



Wenn ihr mal eine Naht braucht, die so richtig robust ist, dann würde ich euch die doppelte Kappnaht empfehlen. Dabei wird die Verbindungsnaht von Kappnähten eingeschlossen und stellt somit keine Schwachstelle dar.


Es werden beide Stofflagen links auf rechts mit etwas Überstand auf beiden Seiten aufeinander gesteppt. Achtung: Ihr braucht das dreifache von dem Überstand als Nahtzugabe. Also wenn ihr 1cm Überstand näht, dann braucht ihr 3cm Nahtzugabe, bei 0,5cm dann 1,5cm Nahtzugabe usw.


Dann werden beide Stofflagen an der jeweiligen Kante umgeschlagen, sodass alle Kanten schön eingeschlagen sind, und anschließend ordentlich geplättet.


Dann noch knappkantig absteppen und schon ist es fertig.


Von beiden Seiten sind die Kappnähte sichtbar.

Den genauen Unterschied zu der einfachen Kappnaht erkennt man nicht auf den ersten Blick, denn die Stofflagen scheinen identisch - der entscheidende Unterschied ist aber die Lage der Verbindungsnaht - hier mit weißen Pfeilen markiert. Bei der einfachen Kappnaht ist die Verbindungsnaht immernoch unter Belastung, wohingegen sie bei der doppelten Kappnaht von den Kappnähten umschlossen ist und daher noch weniger Gefahr besteht, dass die Naht reißt.


Exkurs: Französische Naht


Eine andere Naht, die sich ebenfalls selbst versäubert, möchte ich euch noch zeigen: Die französische Naht, Doppelnaht oder auch Rechts-Links-Naht. Diese Naht ist besonders für sehr feine und durchscheinende Stoffe geeignet, also für Chiffon, Seide oder leichte Viskose.


Die französische Naht ist denkbar einfach - der Begriff "Rechts-Links-Naht" hat die Erläuterung quasi schon im Namen. Man näht zuerst knappkantig beide Stofflagen links auf links (falls der Stoff sehr flutschig ist, kann man auch mehr Nahtzugabe geben und nach dem Nähen kürzen). Dann wendet man beide Stofflagen, sodass man rechts auf rechts aufeinandersteppen kann. Achtet darauf, dass die zweite Naht auf jeden Fall die Kante einschließt, sonst schaut diese auf der rechten Stoffseite heraus.


Für eine besonders flache französische Naht, kann man diese anschließend noch in eine Richtung bügeln und absteppen, wenn man sich nicht an der zusätzlichen Naht stört.

Schlusswort


Die Kappnaht ist eine tolle Sache bei belasteten Nähten, aber auch bei Sportbekleidung oder bei Wäsche. Auch ganz normale Oberbekleidung zB aus Baumwolle profitiert von der hübschen Versäuberung und den sportlichen Nähten. Das Anfertigen ist eher eine Fleißarbeit, aber lohnt sich - ich hoffe, ich konnte euch die Kappnaht ein wenig näher bringen und vielleicht probiert ihr sie einfach mal aus.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die klasse Anleitungen, muss ich mir unbedingt merken.

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  2. Dankeschön! Mal wieder sehr anschaulich erklärt. Liebe Grüße Manuela

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  3. Die Kappnaht liebe ich! Meine Nähmaschine hat dafür einen extra-Fuß, der bei mittelschwerden und leichten Stoffen mit etwas Griff ganz gut funktioniert und mein Lieblingszubehör ist.
    Die doppelte kannte ich gar nicht.
    Danke für die gute Beschreibung.

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  4. Deine Anleitungen sind immer sehr genau und gut nachvollziehbar. Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße Doris

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  5. danke für die tolle Erklärung. Weniger wegen der Stabilität, aber mich hat es immer gestört, dass meine selbstgenähten sachen von innen so bäh aussehen...

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  6. Danke für diese großartige Anleitung! Französische Naht habe ich schon öfter verwendet (bei Einkaufstaschen aus altem Regenschirm), aber bei Kleidung noch nicht, und die doppelte Kappnaht kannte ich gar nicht. So toll und anschaulich erklärt, vielen Dank! Liebe Grüße, Gabi

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