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Samstag, 6. März 2021

..und darum sollte man die Kleidergröße nicht anhand einer großen Brust wählen!

Keiner ist unnütz, er kann immernoch als schlechtes Beipsiel dienen!

Normalerweise soll man ja die Brustweite für die Bestimmung der Kleidergröße verwenden. Das funktioniert allerdings nicht bei einem großen Körbchen, denn Schnittmuster (ebenso wie ein großer Teil der normalen Stangenware) sind zumeist auf ein B- oder höchstens C-Körbchen ausgelegt. Wer ein größeres Körbchen hat, muss daher größere Kleidergrößen wählen, damit die Brust reinpasst. Was das mit der Passform macht, möchte ich euch anhand dieses Probeteils einmal zeigen:


(1) Zwischen den Kleidergrößen wird in der Regel überall Weite und Länge weggenommen oder zugegeben. Wird also wegen der großen Brust eine große Kleidergröße gewählt, so ist unter anderem die Schulterlänge zu lang und das Armloch liegt zu weit über die Schulter - nicht selten sind dadurch auch die Ärmel zu lang oder ohnehin zu weit.

(2) Was für die Schulterlänge gilt, gilt ebenso für die gesamte Weite oberhalb der Brust. Zwischen der Brust und der Schulter ist alles zu weit, was sich besonders an den Längsfalten ungefähr in der Mitte der Schulter abzeichnet sowie am Ausschnitt, der zu groß wirkt oder sogar absteht. Im Übrigen ist gleichzeitig auch das Rückenteil zu weit.

(3) Die Brust braucht immer mehr Länge für die Rundung als die flachere Körperseite - je größer die Brust, desto mehr Länge wird benötigt. Diese Länge ist aber in Schnittmustern nicht vorgesehen. In der Folge zieht die Seitennaht nach unten, während über die Brust Länge fehlt und es entstehen Zugfalten aus der Seitennaht zur Brust. Noch deutlicher sind diese Falten von der Seite:


(4) Auf Höhe der Brust, wo der Stoff nicht lose fallen kann, faltet er sich ein. Es entsteht eine Beugefalte aus dem Armloch oder der Seitennaht, welche einem Abnäher ähnelt.

(5) Auf diesem Foto nicht zu sehen ist die Seitennaht. Sie sollte eigentlich lotrecht am Körper entlang fallen, aber wenn es an Platz für die große Brust fehlt, dann entsteht auf Höhe der Brust eine Beule in der Seitennaht. Der Grund dafür liegt darin, dass bei einer größeren Kleidergröße die Weite gleichmäßig auf Vorder- und Rückenteil verteilt wird, aber wenn die Weite eigentlich nur vorn benötigt wird, dann verzieht sich entsprechend die Seitennaht nach vorn.

(6) Durch die fehlende Länge in der vorderen Mitte hebt sich das Rockteil des Kleides oder der Saum des Tops und bildet statt einem waagerechten Abschluss eine leichte Kurve - das Kleidungsstück verliert zudem seine Balance. Das wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass auch die Taille zu weit ist, denn wie oberhalb ist auch unterhalb der großen Brust in der Regel zu viel Weite.

..und darum sollte man die Kleidergröße nicht anhand einer großen Brust wählen! Je nachdem wie groß die Brust ist, wie dehnbar der Stoff und wie körpernah der Schnitt ist, sind diese Aspekte unterschiedlich ausgeprägt, sodass nicht immer jeder Mangel so offensichtlich herauskommt wie in diesem Beispiel; wobei auch dieses Kleid übrigens schon Abnäher in Taille und an der Brust vorgesehen hat.

Wie lassen sich nun all diese Probleme lösen? Es braucht eine kleinere, nämlich der Trägerin ohne Beachtung der großen Brust angepassten, Größe - dann stimmen die Schulterlänge, die Weite ober- und unterhalb der Brust sowie die Weite im Rückenteil. Und für die große Brust muss genau dort Weite und Länge eingefügt werden, wo sie gebraucht werden, nämlich an der Brust! Wie das funktioniert und weitere Informationen findet ihr in diesem Beitrag zur Anpassung für die große Brust/Full Bust Adjustment (FBA).

Ich hoffe, dass die Bilder nachvollziehbar sind und gezeigt haben, welche Passformprobleme sich bei einer großen Brust ergeben. Und ich werde mal lieber ein Kleid in ein oder sogar zwei Nummern kleiner raussuchen..

Donnerstag, 20. September 2018

kleine Schulterkunde - allerlei Wissenswertes zu Schultern

.. sind der Teil des Kleidungsstückes oberhalb des Brustansatzes über die Schulterlinie bis zu den Schulterblättern. Die Schultern beeinflussen nicht nur generell den Sitz der Kleidung, sondern insbesondere auch den Gesamteindruck. Nicht umsonst sind breite Schultern ein Zeichen von Stärke und Selbstbewusstsein. Und so sollte man die Passform nicht auf die sprichwörtlich leichte Schulter nehmen. Dieser Beitrag soll gängige Anpassungsbedürfnisse an Schultern und Halsausschnitt vorstellen und als Ergänzung zu den Beiträgen über Ärmel sowie Rundrücken dienen.


  1. Die Schulter
  2. Schulterlänge / Schulterbreite
  3. Breiter Rücken / breite Schulterblätter
  4. Schulterformen
    1. gerade Schulter
    2. abfallende Schulter
    3. ausgeprägte Schulterknochen
    4. vorgezogene Schulter
  5. Die schöne Schulterlinie
    1. Schulterpolster
    2. Ärmelfische
  6. Zu tiefer Halsausschnitt
  7. Zu weiter Halsausschnitt



1. Die Schulter


Die Schulter wird oft eher stiefmütterlich behandelt, dabei hat sie großen Anteil daran, ob ein Kleidungsstück gut sitzt oder nicht. Deshalb mal ein paar allgemeine Ausführungen, denn wann sitzt die Schulter denn richtig?

Die Schulter im Kleidungsstück sollte eurer natürlichen Schulter folgen und weder über die Schulter deutlich hinausragen noch zu eng sitzen. Ärmel und Oberteil sollten daher auf dem Schulterpunkt aufeinandertreffen - natürlich nur sofern es sich nicht um absichtlich überschnittene oder lose Schultern handelt. Dieser Punkt wird anatomisch durch das Acromion bestimmt. Das Acromion ist ein Knochenfortsatz, der oben am Schulterblatt liegt. Das Acromion ist der höchste Punkt der Schulter, daher wird es auch „Schulterhöhe” genannt. Wir können die Schulterhöhe als kleinen Höcker oben an unserer Schulter ertasten.

Weil unsere Körperhaltung leicht nach vorn geneigt ist, wird die Schulternaht in der Schnittmusterkonstruktion in der Regel nicht genau in die Mitte von Vorder- und Rückenteil gelegt, sondern um ungefähr 1cm nach vorn verschoben - das ist für das Auge gefälliger.

Zudem braucht die Schulter hinten bei den runden Schulterblättern etwas mehr Platz als vorn, sodass es sich empfiehlt, die hintere Schulternaht ein wenig länger zu machen und dann eingehalten anzunähen oder durch Dressieren (also Formbügeln) dort etwas Mehrweite zuzugeben.

Ob die Schulter letztlich gut sitzt erkennt man daran, dass sie auf den Schulterpunkt trifft, faltenfrei und bequem ist. Das Oberteil sollte natürlich insgesamt gut fallen - so sollte zB eine Bluse auch bei geöffneter Knopfleiste lotrecht fallen und nicht vorn am Saum stark überlappen oder zur Seite weggezogen werden.


2. Schulterlänge / Schulterbreite


Grundsätzlich handelt es sich bei der Schulterbreite, gemessen von Schulterpunkt zu Schulterpunkt, um ein vertikales Maß, dass also von der Weite beeinflusst wird. Hier geht es aber eher um die Länge der einzelnen Schulter bzw. Schulternaht, daher spreche ich zumeist von der Schulterlänge. Die Schulterlänge ist wohl das häufigste Problem an den Schultern. Wie bereits oben beschrieben, sollte die Ärmelnaht auf dem Schulterpunkt sitzen (links). Ist die Schulterlänge zu lang, überragt die Ärmelnaht den Schulterpunkt und der Ärmel sowie oft auch das Oberteil sitzt zu lose und bildet Falten (mittig). Bei einer zu kurzen Schulternaht bilden sich Zugfalten am Ärmel und oft auch am Oberteil (rechts).

Hinweis: Zunächst stellt sich die Frage, ob ihr tatsächlich die richtige Größe gewählt habt. Das klingt banal, aber in ca. 90% der Fälle, die man mit einer zu weit außen liegenden Ärmelnaht sieht, wurde schlichtweg das Oberteil zu groß gewählt. Gerade Mädchen mit großer Brust wählen eine zu große Größe, weil sie nach der Brustweite gehen. Wenn ihr mehr als ein C-Körbchen habt und das Oberteil insgesamt zu groß geraten ist, dann schaut euch lieber die Full Bust Adjustment an - oft erübrigt sich dann die Schulteranpassung.



Die Schulterlänge lässt sich glücklicherweise recht einfach einpassen. Zunächst messt ihr den Abstand zwischen der Ärmelnaht und eurem tatsächlichen Schulterpunkt. Dieses Maß braucht ihr für die Anpassung.

Nun schneidet die Schulter, sowohl am Vorder- als auch am Rückenteil, ein. Zum einen wird die Schulter circa von der Hälfte der Schulternaht bis zu einem Drittel des Armloches eingeschnitten - nicht durchgeschnitten!
Und zum anderen wird im rechten Winkel dazu bis zur Spitze der Schulternaht eingeschnitten - nicht durchgeschnitten!


Bei breiten Schultern wird mehr Länge benötigt. Für mehr Länge wird nun einfach die Schulterlinie um das benötigte Maß weiter nach aussen geschoben - wer ganz sicher sein möchte, kann vorher die Schulterlinie abzeichnen und daran verschieben, aber in der Regel reicht da Augenmaß. Durch die Einschnitte schieben sich die Teile von selbst zusammen und ermöglichen so die Mehrweite.

Da sowohl Vorder- als auch Rückenteil geändert werden, passen beide Schulternähte natürlich weiterhin aufeinander.

Für schmale Schultern wird Länge nach dem selben Prinzip weggenommen, also die Schulterlinie um das benötigte Maß zusammengeschoben und so verkürzt. Der Einschnitt zur Spitze spreizt sich auseinander und lässt somit die Änderung zu.

Auch hier passen Vorder- und Rückenteil nach der Änderung an den Schulternähten weiterhin aufeinander.

Grundsätzlich bleibt durch die Verbindung der Teile am Armloch die Länge des Armloches unverändert und der Ärmel passt weiterhin. Falls ihr jedoch mehr als 2cm zugeben oder wegnehmen müsst (oder nach der Änderung feststellt, dass der Ärmel nicht mehr gut sitzt), dann solltet ihr die Armkugel ebenfalls anpassen. Bei einer breiten Schulter wird Höhe an der Armkugel weggenommen und für die schmale Schulter zugegeben.


3. Breiter Rücken / breite Schulterblätter


Falls nicht (nur) eure Schulterlinie zu breit ist, sondern der obere Rücken, zB weil ihr ausgeprägte Schulterblätter habt, dann muss natürlich dort gezielt angepasst werden. Ähnlich wie bei einer großen Brust, bei der nur das Vorderteil angepasst wird, wird bei einem breiten Rücken nur das Rückenteil angepasst - ihr solltet auch hier nochmal die Größe überprüfen.

Wo der Rücken zu breit ist und den Stoff spannt entstehen Zugfalten, die quer über den Rücken verlaufen und bis in die Ärmel ausstrahlen. Bei ausgeprägten Schulterpolster sieht man manchmal auch dort direkt den Stoff spannen.

Um zu ermitteln wie viel Mehrweite ihr braucht, messt ihr die Rückenbreite an euch und am Schnittmuster und gebt entsprechend zu. Und falls ihr ein Probeteil habt, dann könnt ihr den Rücken einfach zweimal ungefähr bei der Hälfte der Schulternähte einschneiden und messen wie viel der Stoff aufspringt.

Der Bereich, der am meisten spannt, wird ausgeschnitten (bitte schneidet nicht im unteren Drittel des Armloches ein, das wird sonst etwas holprig) und um die benötigte Weite nach außen geschoben. Das Armloch wird anschließend angeglichen und ist in der Regel kaum länger als zuvor, sodass der Ärmel noch hineinpasst.

Eine andere Variante ist es, das Armloch bis zur Schulterlinie durchzuschneiden und komplett aufzuschieben - das bietet sich vor allem bei überschnittenen oder Kimonoärmeln an. Damit es dadurch nicht an den Schultern zu weit wird, wird ein kleiner Abnäher gesetzt oder wahlweise auch die Schulternaht des Rückenteils eingehalten angenäht (mittig). Will man keinen Abnäher dann kann man das ausgeschnittene Teil auch drehen (rechts).


Ist euer gesamter oberer Rücken, also einschließlich der Schultern, breiter als vorgesehen, wird der Abnäher weggelassen und das Vorderteil ebenfalls angepasst.

Andersrum erfolgt die Anpassung zB bei einem sehr schmalen Rücken, gegebenenfalls einschließlich der Schultern, natürlich nach dem gleichen Prinzip.


4. Schulterformen


Die Form der Schulter lässt sich insgesamt in vier Typen unterteilen.

Von links nach rechts sieht man hier:
  • Die normale Schulterform, wie sie typischerweise ausgeprägt ist und auch in den meisten Schnittmustern konstruiert wird.
  • Die gerade Schulter, die auch als hohe oder sportliche Schulter bezeichnet wird. Diese hat eine weniger ausgeprägte Neigung in der Schulterlinie.
  • Die gegenteilige Ausprägung ist die abfallende Schulter, die auch Hängeschulter genannt wird.
  • Letztlich geben ausgeprägte Schulterknochen den Schultern eine geschwungene Form.



a) gerade Schulter


Bei einer geraden Schulter fehlt es vom Halspunkt bis zum Schulterpunkt zunehmend an ausreichend Platz, daher bilden sich Zugfalten, die nach außen hin deutlicher werden.

Ist das Oberteil sehr lose geschnitten, dann zieht die hohe Schulter den Stoff auch etwas nach oben und spannt ihn, so entstehen Querfalten direkt unter dem Halsausschnitt - übrigens auch hinten oft zu beobachten.

Behoben wird dieses Passformproblem durch ein Erhöhen der Schulterlinie vom Halsansatz bis zum Schulterpunkt. Für das genaue Maß am besten die Naht auftrennen, ein Stück Stoff unterlegen und daran dann so feststecken (lassen), dass die Falten verschwinden. Ansonsten einfach ein oder zwei Zentimeter zugeben und sich dann langsam annähern. Ist das richtige Maß gefunden, wird anschließend das gesamte Armloch verlegt, also komplett nach oben verschoben, so passt der Ärmel weiterhin hinein.


b) abfallende Schulter


Abfallende Schultern sorgen dafür, dass zum Schulterpunkt hin Stoff vorhanden ist, der nicht ausgefüllt werden kann und daher faltig herunterhängt. Man kann dies auch an Falten am Armloch, wenn der Ärmel noch nicht eingesetzt ist, und knapp oberhalb der Brust, wo der Stoff sich nahezu quer faltet, erkennen. Daher sind im Übrigen Anproben zwischendurch sehr zu empfehlen!

Die Anpassung erfolgt indem man Stoff wegnimmt und so die Schulterlinie etwas schräger stellt - man 'hebt die Schulter'. Das Maß lässt sich recht gut ermitteln, wenn jemand euch mit Stecknadeln die neue Schulterschräge absteckt.
Damit der Ärmel weiterhin ins Armloch passt, wird das Armloch ebenfalls nach unten versetzt.

Übrigens ist dies genau der Effekt, der sich einstellt, wenn ihr Schulterpolster heraustrennt oder weglasst. Im Gegenzug kann man hervorragend mit Schulterpolster testen, ob diese Anpassung wegen abfallender Schultern nötig ist. Falls ihr gerade keine Schulterpolster im Haus habt, könnt ihr ein Sockenknäuel zurechtknautschen und benutzen - für eine kurze Überprüfung reicht das auch.


c) ausgeprägte Schulterknochen


Die ausgeprägten Schulterknochen sorgen für ein etwas anderes Faltenbild als die geraden Schultern. Die Falten liegen etwas höher und sind lokaler, denn es fehlt nur um die Schulterrundung herum die Länge. Der Stoff versucht auch hier diese Länge aus der Weite zu holen, sodass sich Zugfalten bilden (insbesondere hinten) oder der Halsausschnitt absteht.

Da nicht die gesamte Schulterschräge mehr Höhe braucht wird hier wieder eingeschnitten. Rund 2-3cm unterhalb des Schulterpunktes wird das Armloch bis ungefähr zur Hälfte der Schulterlänge eingeschnitten - nicht durchgeschnitten!

Anschließend wird der eingeschnittene Keil etwas angehoben und das Armloch angepasst. Damit auch der Ärmel weiterhin ins Armloch passt, wird der Ärmel ebenfalls eingeschnitten und aufgedreht.

Manchmal genügt die Anpassung vorn, wenn nur dort die Schulterrundung entsprechend ausgeprägt ist. In diesem Falle wird natürlich nur das Vorderteil angepasst und anschließend schneidet man den Ärmel dann nicht durch, sodass die hintere Armkugel gleichlang bleibt, und sperrt nur vorn den Ärmel auf.


d) vorgezogene Schulter


Die vorgezogene Schulter wird zukünftig wohl öfters vorkommen, denn sie entsteht häufig durch viel Computerarbeit. Es handelt sich um ein umfängliches Problem, denn durch die Neigung der äußeren Schulter nach vorn spannt es hinten am Rücken und das hintere Armloch ist zu kurz, gleichzeitig entsteht vorn zu viel Weite und das vordere Armloch ist zu lang.

Entsprechend müssen sowohl das Oberteil als auch der Ärmel angepasst werden. Die nach vorn geneigte Schulter lässt sich bedauerlicherweise kaum bemessen, sondern man muss sich bei den Änderungen herantasten.

Sowohl am vorderen als auch am hinteren Oberteil wird ca. auf halber Länge von Schulter und Armloch eingeschnitten. Vorn wird Länge und Weite reduziert und hinten gleichermaßen zugegeben. Gleichzeitig wird die Armkugel nach vorn verschoben, sodass der Schulterpunkt ungefähr um das Maß der Längenanpassung im Oberteil verschoben wird.
Achtung: Durch diese Änderung wird die Schulterlinie vorn schmaler und hinten breiter, daher muss das Rückenteil beim Zusammennähen etwas eingehalten werden (ggf. mit Hilfsnaht).


5. Die schöne Schulterlinie


Für eine schöne Schulterlinie gibt es natürlich auch Hilfsmittel. Das sind zB die bekannten und gefürchteten Schulterpolster oder auch die etwas weniger bekannten Ärmelfische.


a) Schulterpolster


In den 40er und 50er Jahren wurden oft und gern Schulterpolster in Kleidern, Blusen und Pullovern verwendet - die sorgten neben der schmalen Taille auch für die gewünschte Sanduhrensilhouette.

Allerdings waren das natürlich keine von diesen schrecklichen, übertriebenen Schulterpolstern, wie wir sie aus den 80er Jahren kennen, sondern zurückhaltender. Doch trotz dieser Zurückhaltung sitzt so manches Oberteilen eben nur mit Schulterpolstern so richtig gut. Somit kommt man auf Dauer nicht um Schulterpolster herum, wenn man nach den alten Schnitten näht, daher möchte ich euch eine Anleitung aus der Elsa zeigen wie man die selbst machen und dann auch die Höhe bestimmen kann:

 

Es gibt natürlich auch fertige Schulterpolster für jeden Anlass zu kaufen: Halbmondpolster für Kleider und Blusen, Raglanpolster, Mantelpolster, Blazerpolster und herausnehmbare Polster. Welches Polster sich am besten eignet kommt auf das gewünschte Kleidungsstück an.

Eingenäht werden Schulterpolster mit Handstichen am Ende (für Anproben aber bitte unter die Schulter schieben). Dabei sollte das Polster ca. 1cm über den Schulterpunkt hinausragen, damit die Schulter nicht zu abrupt endet.

Besonders unauffällig sind Schulterpolster übrigens dann, wenn man sie von unten noch mit dem Oberstoff bezieht:


Tipp: Wenn eure Schulterausprägungen asymmetrisch sind, also zB eine Schulter von der Form her normal ist und die andere abfallend, dann macht ein Schulterpolster auf einer Seite mehr Sinn als die Anpassung an die Abweichung. Das bringt die Silhouette wieder in Symmetrie und ist daher für das Auge gefälliger.


b) Ärmelfische


Ärmelfische sind eine Versteifung in der Armkugel. Ärmelfische sollen verhindern, dass der Ärmel ab Schulterpolster nach unten in sich zusammenfällt, oder sollen zB Puffärmeln mehr Halt geben.


Unschwer zu erkennen sind links keinerlei Hilfsmittel eingenäht und auf der rechten Seite des Bildes sind sowohl ein kleines Schulterpolster als auch ein Ärmelfisch eingenäht. Die Schulter ist unaufdringlich gerade geformt und die Armkugel fällt rund und weich.

Für die Ärmelfische habe ich einfach aus Vlieseline M12 zwei Streifen 30cm x 7cm geschnitten. Dann die Streifen der Länge nach gefaltet, so dass eine Seite rund 3-4mm breiter ist und die andere leicht überlappt, dadurch entsteht keine Kante im Stoff.

Anschließend werden die zusammengeklappten Streifen so an die Nahtzugabe der Ärmeleinsatznaht genäht, dass der breitere Streifen oben in den Ärmel zeigt. Der Fisch sollte leicht nach hinten versetzt sein, also liegt die Mitte des Ärmelfisches ca. 1-2cm hinter der Schulternaht. Zuletzt werden die Enden oval zugeschnitten, damit der Übergang weich ist und sich keine unschönen Kanten bilden.


So sehen Schulterpolster und Ärmelfisch auf links gedreht aus - die Nahtzugabe der Ärmeleinsatznaht liegt zwischen Polster und Fisch und kann sich daher nicht rausdrücken. Klappt man den Fisch nach innen ist die breitere Seite oben. Das Polster ist hier übrigens nicht bezogen worden, weil die Jacke noch gefüttert wurde.

Ärmelfische kann man auch gut bei Blusen verwenden, damit der leichte Blusenstoff Unterstützung im Puffärmel erhält und nicht zusammenfällt. Da benutzt man dann zB einen Ärmelfisch aus dem Oberstoff und versteift ihn ein wenig. Je nach gewünschter Silhouette, Stoff und Ärmelform braucht es mehr oder weniger Stand durch den Ärmelfisch und daher variiert auch der zu verwendende Stoff.


6. Zu tiefer Halsausschnitt


Ist der Halsausschnitt hinten zu tief, dann fehlt ihm der Halt, er rutscht nach unten und zieht die Schulternaht mit sich, sodass der vordere Halsausschnitt unbequem am Hals hochrutscht. Ein zu tiefer Halsausschnitt bringt folglich das ganze Kleidungsstück aus der Balance.

Achtung: Das gleiche Faltenbild ergibt sich, wenn das Oberteil an der Brust zu eng ist und sich daher der Stoff hochschiebt. Durch das Hochschieben vorn, wird die Seitennaht ebenfalls mit angehoben und zieht das Rückenteil mit sich, sodass auch hier das Oberteil die Balance verliert, daher bitte vorab prüfen, ob es an der Brust lose genug ist.

Korrigiert wird der zu tiefe Halsausschnitt einfach indem er angehoben wird (links). Falls ihr euer Stück nachträglich korrigieren müsst, dann wird das gesamte Rückenteil angehoben bis der Halsausschnitt korrekt sitzt und anschließend die Schulterlinie und das Armloch neu zugeschnitten. Dadurch wird die Rückenlänge verkürzt, sodass an der Taille Länge zugegeben werden muss (zB durch ein Taillenband) (rechts).




7. Zu weiter Halsausschnitt


Wenn ein Halsausschnitt zu weit ist, dann wirft er Falten und steht nicht selten unschön ab. Das kann sowohl den gesamten Ausschnitt oder aber nur den vorderen oder hinteren Ausschnitt betreffen.

Hinweis: Auch hier bitte auf die richtige Größenwahl achten! Wenn nicht nur der Halsausschnitt, sondern auch die Schulter zu weit ist, spricht dies auch wieder eher für eine grundsätzlich zu groß gewählte Größe.

Bevor ihr Änderungen vornehmt, schaut bitte einmal, dass ihr beim Nähen nicht am Stoff gezogen habt - das betrifft besonders die dehnbaren Stoffe, aber auch feste Stoffe werden störrisch, wenn man sie zu gespannt abgesteppt hat.

Am einfachsten lässt sich die Weite durch Abnäher oder Falten wegnehmen. Charmant an Abnähern ist insbesondere, dass sie noch nachträglich eingefügt werden können. Wer keine Abnäher mag, fügt eine Teilungsnaht ein und nimmt daran Stoff weg. Ansonsten kann man auch ein Gummiband einziehen, dass den Stoff an den Hals ranholt oder wenn es sich um dehnbaren Stoff handelt und zum Stil passt könnte auch ein Bündchen helfen.




8. Schlusswort


Damit sind wir am Ende dieses Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare.

Der Beitrag hat Dir gefallen? Dann teile ihn doch - ich würde mich freuen!

Montag, 9. April 2018

Anpassung für die große Brust / Full Bust Adjustment (FBA)!


FBA steht für Full Bust Adjustment, also auf deutsch eine Anpassung für eine große Brust. Da die meisten Schnittmuster auf eine Körbchengröße B ausgelegt sind, haben Frauen mit mehr Brust zu wenig Platz - diesen Platz schafft die FBA an der richtigen Stelle.

  1. Woran erkenne ich, ob ich eine FBA brauche?
  2. Was nutzt eine FBA?
  3. Die richtige Größe wählen
  4. Den Brustpunkt bestimmen
  5. FBA bei einem normalen Oberteil
  6. FBA bei vorhandenen Abnähern
  7. FBA bei angeschnittenen Ärmeln
  8. FBA bei angeschnittenen Ärmeln - andere Variante
  9. FBA bei Teilungsnähten
  10. Kann ich nicht einfach eine Nummer größer nähen?
  11. Wenn es nur Länge braucht..
  12. Fake-FBA oder auch Dehnung statt Abnäher
  13. Ich will aber keine Abnäher


1. Woran erkenne ich, ob ich eine FBA brauche?


Üblicherweise brauchen Frauen mit Körbchengröße C oder mehr eine FBA. Ob ihr grundsätzlich eine FBA braucht, seht ihr am besten direkt am Kleidungsstück - entweder am Probeteil oder auch an Kaufklamotten. Wenn zB Blusen stets überall passen, aber die Knopfleiste über der Brust aufspringt oder auch wenn es um die Brust zwar herum passt, aber die Schulter zu weit ist und es an der Taille schlabbert. Am Schnittmuster kann man es auch schon erahnen, wenn die Maße von der Taille viel zu groß ausfallen.

Es gibt auch ein sehr typisches Faltenbild bei fehlender Anpassung. Der Stoff spannt oft zwischen den Brustspitzen, es bilden sich Falten aus der Achsel und aus der Seitennaht, die auf die Brustspitze zeigen - hier seht ihr das am echten Modell.



2. Was nutzt eine FBA?


Nun habt ihr also festgestellt, dass ihr nicht genug Platz an der Brust habt, aber was genau kann die FBA da für euch tun? Es handelt sich bei der FBA um eine kombinierte Weiten- und Längenanpassung.


Eine große Brust braucht nämlich mehr Weite, also Umfang, und zwar nicht im gesamten Oberteil, sondern zwischen der Seitennaht und den beiden Brustspitzen.
Gleichzeitig braucht eine große Brust mehr Länge, denn der Stoff hat einen längeren Weg über die große Brust. Dieser Weg ist am längsten an der Brustspitze und normalerweise auch in der vorderen Mitte, also zwischen den Brustspitzen (außer es handelt sich um eine ausgeformte Brustpartie).



3. Die richtige Größe auswählen


Besonders wichtig an der FBA ist, dass wir eine kleinere Größe wählen müssen als unseren tatsächlichen Brustumfang. Wir müssen also herausfinden, welche Größe wir nähen müssten, wenn wir ein B-Körbchen hätten. Es gibt theoretisch verschiedene Varianten eine solche Berechnung anzustellen.

Ich persönlich finde Messen am besten und behelfe mir daher mit der Oberbrustweite. Das ist ein wenig missverständlich, denn Oberweite und Oberbrustweite klingen sehr ähnlich - im Englischen spricht man von Full Bust (volle Brust) oder High Bust (Oberbrust), das finde ich etwas spezifizierter, aber es meint genau das Gleiche.

Hinweis: Lasst euch am besten von einer anderen Person vermessen. Steht gerade und entspannt, nicht steif, atmet normal und tragt im besten Falle immer die Wäsche (insbesondere den BH), die ihr auch unter dem fertigen Stück tragen möchtet.

Zunächst messen wir immer das normale Oberweitemaß. Dieses bestimmt man, indem man einfach waagerecht an der stärksten Stelle den Umfang misst.

Auch für die Oberbrustweite wird das Maßband hinten unverändert angesetzt. Anstatt nun aber das Maß an der vollen Brust zu messen, führt man das Maßband unter der Achsel hindurch nach vorn. Bitte nicht vorn bis unter das Kinn ziehen, sondern ab der Achsel wieder waagerecht führen. Das Maßband läuft dann nicht mehr waagerecht, sondern teilweise schräg. Das so ermittelte Maß entspricht ungefähr dem eines B-Körbchens. Diese Methode ist natürlich nicht hundertprozentig exakt oder mathematisch, aber für mich die beste Variante.
Auf den Bildern kann man das Prinzip sehen: Brustweite & Oberbrustweite.


Nachdem wir nun sowohl die Brustweite als auch die Oberbrustweite bestimmt haben, können wir die richtige Größe entsprechend dem Oberbrustmaß wählen. Ihr tut also bei der Auswahl der Größe im Schnittmuster so als wäre eure Oberbrustweite die ganz normale Brustweite/Oberweite.

Zudem rechnet ihr einmal die Brustweite minus die Oberbrustweite und erhaltet so, das notwendige Maß für eure Weitenanpassung.

Beispiel: Mein Oberbrustmaß ist 112cm, mein Brustmaß 120 cm. Ich wähle also Schnittmuster für ein Brustmaß 112cm aus und gebe bei meiner FBA (120cm - 112cm = ) 8cm, also 4cm je Seite, dazu. Dadurch habe ich dann die benötigten 120cm Umfang im fertigen Kleidungsstück.



4. Den Brustpunkt bestimmen


Nun habe ich schon mehrfach die Brustspitzen erwähnt - in der Konstruktion und FBA werden diese als Brustpunkt bezeichnet. Der Brustpunkt ist der höchste Punkt der Brust, üblicherweise ist das die Brustwarze. Dieser Punkt ist in der Konstruktion entscheidend, denn er ist der höchste Punkte unseres Oberteiles und daher unser Dreh- und Angelpunkt für die FBA. Falten und auch Abnäher zeigen fast immer direkt zum Brustpunkt hin.

Auf dem Bildchen links seht ihr den mit einem x markierten Brustpunkt, darum die Brust und ein paar typische Falten bei fehlendem Platz.

Aber wie bestimmt man den Brustpunkt?

Der Brustpunkt lässt sich messen. Dazu wird die Brusttiefe sowie der Abstand des Brustpunkt von der vorderen Mitte bestimmt.

Die Brusttiefe wird vom seitlichen Halsansatz, also dort wo Schulter und Hals aufeinandertreffen, bis zur Brustspitze gemessen.
Der Brustspitzenabstand wird im rechten Winkel zur vorderen Mitte bestimmt. Will man es ganz genau machen, misst man jede Körperseite einzeln, andernfalls misst man einfach waagerecht den Abstand zwischen den Brustspitzen und teilt ihn durch zwei.

Das Maß ist gut zu verwenden, wenn zB auf einem Schnittmuster der Brustpunkt bereits vermerkt ist und man ihn für sich selbst überprüfen möchte. Bei den meisten Damen mit großer Brust liegt der Brustpunkt weiter unten als vorgesehen - Schwerkraft sei Dank. Auch je nach Brustform kann die Brusttiefe und der Brustspitzenabstand variieren.

Einfacher ist es aus meiner Sicht, wenn man das jeweilige Schnittmusterteil einfach an sich hält und diesen Punkt markiert. Dazu also die Schulternaht des Papierschnittes einfach mit Stecknadeln an der Kleidung befestigen (Brusttiefe) und die vordere Mitte ausloten (Brustspitzenabstand). Mit einem Stift den höchsten Punkt der Brust markieren. Achtung: Bitte bedenkt, dass diese Variante verfälscht wird, wenn Kräusel oder Falten zwischen der Brust und der Schulter bzw. vorderen Mitte liegen.



5. FBA bei einem normalen Oberteil


Wir haben nun also alle wichtigen Daten, um mit der FBA beginnen zu können: Wir haben die Kleidergröße, die benötigte Weite und die Lage des Brustpunktes, also schaffen wir uns Platz!

Wir starten mit der einfachsten Variante, nämlich mit der FBA bei einem ganz normalen Oberteil, also taillenlang, ohne vorhandene Abnäher, Falten oder Kräusel.

a. Weite zugeben


Zuerst widmen wir uns der Weite, also der Breite unseres Schnittmusters. Dazu zeichnen wir parallel zur vorderen Mitte, also genau senkrecht, eine Linie von der Taille zum Brustpunkt. Von da aus verlängern wir die Linie gerade zu dem Punkt, der das untere Drittel des Armlochs beschreibt. Diese Linie schneiden wir bis kurz vor das Armloch - am Armloch schneiden wir nicht durch! Es verbleibt eine kleine Verbindung, die dafür sorgt, dass das Armloch sich in der Länge nicht ändert. Der Ärmel bleibt also von der FBA nahezu unberührt.

Außerdem zeichnen wir eine Linie von der Seitennaht ungefähr waagerecht zum Brustpunkt. Diese Linie schneiden wir von aussen nach innen, aber auch hier bleibt kurz vor dem Brustpunkt eine Verbindung bestehen.

Nun wird das untere rechte Teil nach unten rechts gezogen, sodass die senkrechte Linie einen parallelen Spalt bildet. Dieser Spalt sorgt für die zusätzliche Breite. Also ziehen wir den Spalt so weit auseinander bis er genauso breit ist wie das fehlende Maß (bei mir die oben genannten 4cm).

Dabei klappt ganz von selbst der waagerechte Schnitt mit auf. Daraus wird nachher ein Abnäher und wenn wir diesen Abnäher später wieder abnähen, dann ist die Länge der Seitennaht unverändert. Das ist wichtig, denn wir wollen an den Seitennähten nichts verändern, damit unser Vorderteil weiterhin ohne Probleme zum Rückenteil passt.

b. Länge zugeben


Ein großer Busen braucht aber ja nicht nur Breite, sondern auch Länge, also schneiden wir waagerecht links neben dem Spalt das Schnittmuster durch und ziehen das Stück so nach unten, dass es wieder auf einer Höhe mit dem auseinandergezogenen Teil des Schnittmusters ist.

Wenn ihr keinen gerade Saum habt, denn macht am besten vorab eine Markierung, damit ihr die richtige Länge findet.

Die vordere Mitte wird also komplett verlängert - das ist unsere einzige 'Naht', die von der FBA betroffen ist und nicht durch einen Abnäher wieder verkürzt wird.

Das Schnittmuster ist nun in den Umrissen fertig angepasst und ihr könnt die Freiräume mit Papier unterkleben.

c. Abnäher setzen


Die Abnäher sorgen dafür, dass die Seiten- und Taillennaht unverändert passen, sodass die benötigte Weite wirklich nur an der Brust sitzt. Also zeichnen wir in die entstandenen Freiräume nun die Abnäher. An den Kanten sind die Abnäher genauso breit wie der Freiraum und laufen dann spitz zu. Sie sollten stets rund 2-3cm vor dem Brustpunkt enden.

Und weil Abnäher meist direkt zum Brustpunkt zeigen, zeichnen wir den Brustpunkt nochmal neu ein und verschieben die Abnäher so, dass sie auf den Brustpunkt zeigen. Wie Abnäher verschiebt, verlegt oder gestaltet und noch ganz viele anderen Informationen zu Abnähern findet ihr hier in der Abnäherkunde ausführlich.


d. Fertiges Schnittmuster


Unser Schnittmuster ist also fertig. Verändert haben wir die Länge der vorderen Mitte, die Breite auf Brusthöhe sowie das Einfügen von zwei Abnäher. Die Abnäher steppen wir natürlich am Vorderteil als erstes und dann wirst Du schon sehen, wie die Abnäher Deine Brust nachformen.

Es bleiben alle Nähte, die auf andere Teile des Schnittmusters treffen, unverändert. Das Armloch blieb durch die Verbindung unverändert und wurde lediglich etwas schräger gestellt. Das Rückenteil passt weiterhin an Schulter- und Seitennähten genau so zusammen wie das Rockteil an der Taillennaht.





6. FBA bei vorhandenen Abnähern


Ab und an steht man vor dem Problem, dass bereits Abnäher im Schnitt vorhanden sind, denn gerade wenn es ein körpernahes Teil ist, dann braucht auch ein kleines Körbchen die formenden Abnäher - hat man ein größeres Körbchen braucht man trotzdem mehr Platz und muss eine FBA machen. Nun kann man den vorhandenen Abnäher nicht einfach ignorieren, denn der nimmt ja auch schon Weite bzw. Länge an den Seiten weg. Also hat man verschiedene Möglichkeiten wie man mit dem Abnäher umgeht.

Man kann den Abnäher während der FBA unbeachtet lassen. Also ihr macht die FBA als wäre gar kein Abnäher da. Am Ende verlegt ihr den neu entstandenen Abnäher zB in die Schulter. Der alte Abnäher wird dann beim Nähen ganz normal geschlossen, sonst wäre zuviel Stoff vorhanden.

Oder wir erweitern die vorhandenen Abnäher.

Im besten Falle zeigt der vorhandene Abnäher auf den eigenen Brustpunkt, dann schneidet man ihn einfach mittig durch und erweitert diesen im Zuge der FBA und hat halt größere Abnäher. Ist einer der Abnäher zu groß, kann man ihn nach der FBA verlegen oder teilen.

Ich hatte allerdings schon erwähnt, dass bei den meisten Damen mit einem großen Körbchen auch der Brustpunkt etwas weiter unten liegt. Dann würde ich euch empfehlen den Abnäher vorab zu verlegen, das geht recht schnell und erleichtert die FBA - dazu verlegt ihr den Abnäher einfach entlang der Kante, sodass er korrekt liegt (hier die näheren Informationen).

Es kommt aber auch vor, dass ein Schnittmuster einen Brustpunkt vorgegeben hat und der Abnäher trotzdem nicht auf diesen zeigt, sondern daran vorbei. Das kann Sinn machen, wenn andere Elemente wie Falten nicht durch Abnäher gestört werden sollen, mehrere zB Taillenabnäher vorgesehen sind oder der Abnäher aus gestalterischen Gründen so geführt wird. In diesem Fall gehen wir nur ein wenig anders vor.

Im Prinzip funktioniert ein Abnäher auch, wenn er zwar sinngemäß richtig eingefügt wurde, aber dann an der Abnäherspitze gedreht wird. Dann zeigt der Abnäher zwar nicht mehr genau auf den Brustpunkt, aber die Weite und Länge stimmen und davon gehen wir hier aus.

Wieder schneiden wir den Abnäher in der Mitte bis zur Abnäherspitze auf, aber dann führen wir diese Linie nicht weiter, sondern biegen ab zum Brustpunkt. Denn am Brustpunkt brauchen wir den Platz.

Anschließend geht es wie gewohnt weiter:

a. Weite aufdrehen und Länge kommt automatisch dazu,

b. die Länge wird in der vorderen Mitte ebenfalls zugegeben und

c. durch Abnäher die Freiräume zu den Kanten hin wieder zumachen, damit alle Kanten und Nähte weiterhin aufeiander passen.

Bitte bedenkt, dass ein Abnäher, der vorgegebenermaßen nicht auf den Brustpunkt zeigt, auch nach der FBA nicht auf den Brustpunkt zeigen sollte.

Und auch nach unserer FBA schaut der seitliche Abnäher weiterhin am vorgegebenen Brustpunkt vorbei. Sollte der vorgegebene Brustpunkt nicht eurem echten entsprechend, dann messt am besten wieviel Abweichungen ihr habt und versetzt dann den Abnäher entsprechend.

Ob ein Abnäher gewünscht am Brustpunkt vorbei läuft oder es sich um eine Abweichung aufgrund des eigenen Brustpunktes handelt ist nicht leicht zu erkennen. Mit ein bisschen Erfahrung erkennt man es dann aber doch und ansonsten helfen Probeteile.



7. FBA bei angeschnittenen Ärmeln


Eine Anpassung bei angeschnittenen Ärmeln führt immer mal wieder zu Kopfzerbrechen, denn das Armloch fehlt und so kann man nur schwer den Schnitt setzen. Aber mit einer kleinen Änderung geht es doch wie gewohnt und ganz normal.

Schneidet einfach vorab den angeschnittenen Ärmel weg, also senkrecht (zumeist im Fadenlauf) den Ärmel ungefähr am Ansatz. Man könnte auch ein anderes Armloch als Schablone verwenden und damit den angeschnittenen Ärmel hilfsweise wegnehmen - das wäre eventuell ein wenig genauer, aber aus meiner Sicht nicht notwendig.

Nun macht ihr die FBA wie gewohnt, aber statt einem Drittel des Armloches wählt ihr ca. die Hälfte der abgeschnittenen Ärmelbreite.

Legt man ein Oberteil mit normalem Armloch darüber, dann sieht man gut, dass es ziemlich genau passt.

Der Rest läuft dann wie schon gewohnt: Weite zugeben, Länge zugeben, Abnäher einzeichnen und ganz am Schluss den vorher abgeschnittenen Ärmel wieder anfügen. Grobe Kanten oder Ecken etwas abrunden und dann kann man im Vergleich gut sehen, dass wir wieder erfolgreich Länge und Weite eingefügt haben.





8. FBA bei angeschnittenen Ärmeln - Andere Variante


Und in diesem Zuge möchte ich euch auch eine andere Variante einer FBA zeigen.

Diese Variante würde sich zB bei Fledermausärmeln anbieten oder wenn vielleicht ohnehin schon ein Abnäher aus dem Kragen kommt. Auch hier wird Weite und Länge zugegeben. Anschließend der Taillenabnäher zugedreht und so hat man nur einen großen Abnäher aus dem Kragen kommend. Dieser Abnäher könnte dann indurch Falten oder Kräusel ersetzt werden.

An sich kann man also verschiedene Varianten wählen, aber ich würde euch empfehlen es lieber auf dem 'klassischen' Weg zu machen und dann die Abnäher zu verlegen, denn dabei öffnet sich zB die Länge von selbst und so muss man weniger Maße beachten.



9. FBA bei Teilungsnähten


Teilungsnähte (auch Wiener Nähte oder Prinzessnähte) sind Nähte, die für eine figurnahe Anpassung von Oberteilen sorgen. Sie beginnen in der Schulter-, Ärmel oder Seitennaht und sollten knapp neben dem Brustpunkt, also den höchsten Punkt der Brust, entlang laufen.

In diesem Fall machen wir die Anpassung aus der Schulter kommend. Auch hier haben wir also wieder das Problem, dass aufgrund eines zu großen Busen Zugfalten entstehen und mehr Platz geschaffen werden muss. Teilungsnähte haben den großen Vorteil, dass alle Abnäher in ihnen verschwinden, sodass man sich über die Abnäherposition oder Ähnliches keine Gedanken machen braucht. Teilungsnähte erleichtern daher auch die Anpassung für den großen Busen.

Betrachtet man die Schnittteile des Vorderteiles, dann erkennt man gut die vorgeformten "Abnäher". Man kann schon erahnen, dass sich nach dem Abnähen eine Rundung in der Naht ergeben wird und der Brustpunkt durch die breiteste Stelle bereits vorgegeben ist. Der Platz für den großen Busen wird von der Seitennaht kommend benötigt, daher wird die FBA vor allem im Seitenteil gemacht. Das mittlere Vorderteil bleibt abgesehen von einer Längenänderung am Ende unverändert. Falls Du schon ein normale FBA gemacht hast, dann wird Dir vieles recht bekannt vorkommen, denn beide Varianten unterscheiden sich vorerst kaum.

a. Weite zugeben


Zunächst widmen wir uns der Breite unseres Seitenteils. Dazu zeichnen wir eine Linie von der Taille zum Brustpunkt. Normalerweise orientiert man sich dabei an der vorderen Mitte, aber das funktioniert hier nicht, also schneiden wir eine gerade Linie dicht an der Kante entlang.

Vom Brustpunkt aus zeichnen wir eine Linie zu dem Punkt, der das untere Drittel des Armlochs anzeigt. Diese Linie schneiden wir bis kurz vor das Armloch - am Armloch schneiden wir nicht durch! Es verbleibt eine kleine Verbindung, die dafür sorgt, dass das Armloch sich in der Länge nicht ändert. Der Ärmel bleibt also von der FBA ziemlich unberührt.

Außerdem zeichnen wir eine Linie von der Seitennaht ungefähr waagerecht zum Brustpunkt. Diese Linie schneiden wir von aussen nach innen, aber auch hier bleibt kurz vor dem Brustpunkt eine Verbindung bestehen. Falls waagerecht nicht geht weil zB das Armloch dort liegt, verlegt ihr den Schnitt einfach ein wenig nach unten.

Nun wird das untere rechte Teil nach unten gezogen, sodass die von der Taille kommende Linie einen paralellen Spalt bildet. Dieser Spalt sorgt für die zusätzliche Breite. Also ziehen wir den Spalt so weit auseinander bis wir das fehlende Maß (bei mir zB 4cm, weil ich insgesamt 8cm Mehrweite brauche) erreichen.

Der waagerechte Schnitt klappt sich automatisch auf und schafft einen Abnäher. Dieser wird gleich wieder geschlossen.

b. Abnäher schließen


Bis hierhin unterscheidet sich die FBA mit einer Teilungsnaht nur sehr gering von einer normalen, aber nun ändern wir das. Grundsätzlich würden wir die entstandenen Abnäher schließen, aber hier sind - wie oben beschrieben - die Abnäher in der Naht enthalten. Weitere Abnäher wollen wir verhindern (außer sie sind als Stilelement gedacht) und so verlegen wir diese nun auch in die Teilungsnaht.

Zunächst verlängern wir die Kante, die am vorderen Mittelteil liegt, sodass sie genauso lang wie der Rest ist. Dafür schneiden wir sie einfach waagerecht ab und verlegen sie sinngemäß nach unten.

Außerdem unterlegen wir zunächst die entstanden Mehrweite von der Ärmelnaht aus mit Papier, damit diese unverändert bleibt. Dann schneiden wir gerade durch die beiden Brustpunkte und schneiden wieder nicht durch, sodass eine Verbindung bestehen bleibt (links).


Anschließend schließen wir den Abnäher einfach (mitte). Es entsteht ganz von selbst am Einschnitt mehr Platz. Das ist aber kein Abnäher, sondern einfach mehr Platz. Die eigentliche Veränderung ist der Winkel von Schulterpartie und zur Taille hin, denn dadurch werden die Abnäher, die sich in der Naht verstecken, natürlich größer! Dann kippen wir noch den verlängerten Teil wieder an die Taille heran (rechts).

c. Länge zugeben


Am Seitenteil haben wir mehr Länge geschaffen. Diese Änderungen müssen wir auch auf das vordere Mittelteil übertragen. Also schneiden wir auch hier jeweils senkrecht auf gleicher Höhe wie beim Seitenteil durch und verlängern sinngemäß, sodass die Teilungsnähte gleichlang sind und aufeinanderpassen.

Insgesamt haben wir tatsächlich nur die vordere Mitte verlängert - an der Länge der Seitennaht hat sich nichts geändert und diese passt ohne weitere Änderungen an das Rückenteil.

d. Fertiges Schnittmuster


Unser Schnittmuster ist also fertig. Im Vergleich einmal das Schnittmuster vorher und nachher.

Man sieht sehr deutlich, dass wir einige Zentimeter um die Brust herum dazugewonnen haben. Die Länge aller anderen Nähte außer der Teilungsnaht vorn ist gleich geblieben. Lediglich die Neigung von Schulterpartie und Ärmelnaht haben sich geändert - der Fadenlauf bleibt übrigens auch gleich.

Teilungsnähte machen übrigens besonders bei dicken Stoffen (z. B. Filz oder Wolle) Sinn, weil man die gut ausbügeln kann und eben nur die Nahtzugabe bändigen braucht und nicht den gesamten Abnäherinhalt.



10. Kann ich nicht einfach eine Nummer größer nähen?


Immer wieder liest man, dass Kleidungsstücke entweder sowieso nach der Brustweite ausgewählt werden oder mit Absicht ein oder zwei Größen größer gewählt werden, damit die Brust reinpasst. Geht das so einfach? Leider nein.

Mal ein Beispiel: Stellt euch vor ihr geht in einen Wäscheladen und möchtet einen BH kaufen. Sagen wir mal euer Unterbrustumfang ist 90cm und ihr greift zu einem B-Körbchen, also 90B. Unterhalb der Brust passt der BH, aber das Körbchen ist viel zu klein - ihr habt eigentlich ein E-Körbchen. Logischerweise würde man nun ein 90E wählen, oder? Stattdessen wählt ihr aber 100B und man kann sich vermutlich denken was passiert: Die Brust passt nun zwar rein, aber wird gar nicht vom ganzen Körbchen gehalten und der Unterbrustumfang ist viel zu groß.

Und genau das ist, was passiert, wenn ihr statt einer FBA, nämlich dem Vergrößern des 'Körbchens', ein oder zwei Größen größer wählt. Alles wird zu groß und die Brust passt trotzdem nicht ideal rein, denn es bleibt ein B-Körbchen.

Dazu kommt die ungleichmäßige Verteilung, denn das Schnittmuster wird gleichmäßig gradiert. Beispielsweise hat die größere Größe 5cm mehr Brustumfang. Diese 5cm werden aber nicht vorn zugegeben, sondern jeweils zur Hälfte vorn und hinten. Dadurch verzieht sich die Seitennaht, nämlich um genau diese 2,5cm oder eben soviel wie der Stoff schafft.Zudem wäre eben alles andere zu weit. Und letztlich fehlt es auch noch an der Länge, denn diese wird bei der Gradierung auch nicht extra in der vorderen Mitte zugegeben.

Eine größere Größe ist somit nicht geeignet ein größeres Körbchen vernünftig auszugleichen!

Eine echte Alternative kann also nur eine angemessene Anpassung direkt an der Brust sein. Dann passt alles andere weiterhin ideal und es wird an der richtigen Stelle Platz geschaffen, der die eigene Brust nicht nur bequem unterbringt, sondern auch ins rechte Licht rückt. Versucht es und ihr werdet sehen, dass eine große Brust ideal verpackt viel besser ist.

Eine FBA lohnt sich - versprochen!



11. Wenn es nur Länge braucht..


Nun sagen wir mal ihr wollt etwas nähen, das wirklich weit ist, also zB Oversize oder eine flatterige Tunika. Der Schnitt ist nicht zu eng an der Brust und hat vielleicht sogar angeschnittene Ärmel oder ist ärmellos, sodass auch die weite Schulter nicht auffällt. Dann könnte man auf Abnäher verzichten..

..wenn da nicht die Länge wäre. Auch bei weitgeschnittenen Teilen fehlt der Weg des Stoffes über die große Brust. Und es wird sich in der vorderen Mitte der Saum eures Kleidungsstückes heben und auf Höhe der Brust werden aus der Seitennaht Falten kommen. Ihr könnt aber in einem solchen Fall nur die Länge zugeben.

Das kann man sich sehr einfach machen, nämlich einen waagerechten Schnitt durch das Vorderteil am Brustpunkt und dann einfach die benötigte Länge verlängern. Wieviel ihr zugeben müsst, könnt ihr entweder bei eurer FBA nachschauen oder falls ihr noch keine gemacht habt, dann könnt ihr am Schnittmuster messen. Einfach dort die vordere Taillenhöhe, also vom Halsansatz bis zur Taille über den Brustpunkt hinweg messen und von eurem tatsächlichen Maß abziehen. Die Differenz ist die fehlende Länge.


Die Differenz durch einen Abnäher an der Seitennaht wieder wegnehmen, damit alles zusammenpasst und die Länge wirklich nur da ist, wo sie ja benötigt wird und fertig.
Übrigens wäre es völlig effektlos, wenn ihr den Abnäher nicht setzt. Dann habt ihr nur euer Vorderteil verlängert, aber die Falten werden immernoch da sein.

Wer nun keinen seitlichen Brustabnäher möchte, der kann statt durchzuschneiden auch einen Schnitt auf Höhe des Brustpunktes bis knapp vor die Seitennaht machen und durch einen Einschnitt aus der Taille ergänzen. Anschließend so auseinanderdrehen, dass in der vorderen Mitte die Kanten paralell bleiben, ansonsten habt ihr einen Zipfel in der vorderen Mitte. Statt eines seitlichen Abnähers öffnet sich einer aus der Taille. Noch die vorderen Kanten aneinanderangleichen und fertig.


Und wer den Abnäher auch nicht haben mag, der lässt ihn einfach offen, dann bekommt die Tunika eine leicht ausgestellte Form, aber hat nun die benötigt Länge.

Hinweis: Auf diese Weise wird übrigens auch Länge in einem Rock hinzugefügt, wenn man einen runden Po hat. Dann geht der Taillenabnäher natürlich nach oben zum Bund.


12. Fake-FBA oder auch Dehnung statt Abnäher


Eine weitere Möglichkeit den Abnäher zu vermeiden ist die sog. Fake-FBA. Die funktioniert allerdings nur bei dehnbaren Stoffen. Dabei werden vor allem die Falten, die aufgrund der fehlenden Länge entstehen, ausgemerzt. Denn auch wenn die dehnbaren Stoffe in der Weite einiges ausgleichen können, sind sie ja meistens nicht in der Länge so sehr dehnbar.

Statt einen Abnäher zu nähen wird hierbei der Stoff an der Seitennaht beim Annähen gedehnt, sodass er sich getragen dort zusammenzieht, also glatt liegt, aber Länge an der Brust freigibt.

Dazu wird ein Punkt (idealerweise knapp über der Taille) gewählt und am Vorderteil und am Rückenteil markiert (hier in grau). Dann wird dieser Punkt im Vorderteil um die benötigte Länge nach oben versetzt (hier in rosa). Am Saum wird dann die zusätzliche Länge weggeschnitten. Beim Annähen wird nun der Stoff so gedehnt, dass beide Markierungen im Vorder- und Rückenteil aufeinandertreffen.

Im Prinzip ist es nichts anderes als einen Abnäher durch Dehnung zu erzwingen - das sollte man aber auch nur machen, wenn relativ wenig Länge gebraucht wird, denn ansonsten zieht es auch das Rückenteil zusammen.



13. Ich will aber keine Abnäher


Nun gibt es Kleidungsstücke, da passen Abnäher nicht so recht ins Bild - Hoodies zB. Daher sorgen die Abnäher da immer für Missmut, aber macht euch klar, dass ein Hoodie eine weite und lose Sportbekleidung ist. Will man daraus ein körpernahes Kleidungsstück machen, dann muss man auch in Kauf nehmen, dass der Hoodie dann angepasst werden muss.
Wer A sagt, muss auch B(rustabnäher) sagen!
Wer nun aber partout keinen Abnäher möchte, der hat verschiedene Möglichkeiten. Ein paar davon findet ihr bei der Abnäherkunde.

Man kann die vorab in der FBA entstandenen Abnäher auch wieder zudrehen und nur die Länge und Weite mitnehmen - das entspricht dann auch einer Zugabe an den Kanten. Dazu dreht man zunächst den seitlichen Brustabnäher wieder zu - das Seitenteil steht um einiges nach außen ab. An dieser Stelle könnte man übrigens jetzt auch einen entprechend breiten Taillenabnäher setzen und hätte nur diesen oder man könnte das Seitenteil wegnehmen und eine Teilungsnaht machen - dazu dann aber bitte noch alle Ecken in Kurven ausarbeiten (links).



Aber wir wollen ja ein Schnittteil ohne Abnäher oder Teilungsnähte, also drehen wir auch den Taillenabnäher wieder zu. Gegebenenfalls müsstet ihr die kleine Verbindung, die wir beim Schneiden belassen haben noch durchschneiden.

Der Punkt, an dem eigentlich der seitliche Abnäher auf die Seitennaht getroffen hätte, ist fest und ihr dreht das untere Seitenteil an die Senkrechte unter dem Brustpunkt heran. Ich würde euch raten es nicht weiter als paralell zu Senkrechten zurückzudrehen, aber dann bliebe das Oberteil zumindest unterhalb der Brust weiter als bisher. Wir wollen ja aber auch die körpernahe Form, also drehen wir das untere Seitenteil bis ganz ran (mitte).

Den Saum unten legen wir anhand der entstandenen Eckpunkte fest und haben dann dieses Ergebnis (rechts). Sieht komisch aus, oder? Aber es ist sowohl die Weite da als auch die Länge - allerdings nicht an den Stelle, wo sie direkt benötigt wird (denn das geht nur mit Abnähern), sondern an sen Seitennähten.

Das könnte man nun auch so nähen, aber bitte bedenkt, dass der Faden- und Musterlauf nicht mehr passt. Denn der Saum, der so gerundet aussieht, sitzt an euch gerade! Und dazu kommt, dass diese Variante mit Zug arbeitet. Ab dem Brustpunkt also wird dann der Stoff um die Breite des Abnähers zur Seite gezogen. Das klappt je nach Stoffart (und Abnäherinhalt) mal besser und mal schlechter, aber grundsätzlich sitzt es immer am besten, wenn der Stoff natürlich und zugfrei fallen kann.


Schlusswort


Nun sind wir am Ende dieses doch recht langen Beitrages angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare.

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