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Freitag, 3. April 2015

Eine Woche nach Maß! - Herrenmaße

Letztes Jahr zeigte ich euch unter dem Motto Eine Woche nach Maß! Verschiedenes zum Maßnehmen, zu Größen und Schnittkonstruktion - hier könnt ihr das auch nochmal nachlesen. Dabei ging es ausschließlich um Damenmode, aber die Herren sollen nicht länger unerwähnt bleiben, daher gibt es nun einen kleinen Nachtrag. 

Die Frau des Hauses hat zwar auch für den Gatten gestrickt, Unter- und Hauswäsche genäht, aber die Anzüge wurden von gelernten Schneidern auf Maß angefertigt, sodass Herren in den Handarbeitsheften und insgesamt beim Hausschneidern dieser Zeit meist zu kurz kamen. 

Dennoch habe ich mal eine kleine Übersicht von Maßtabellen zusammengestellt:

Maßtabelle Deutsche Moden-Zeitung aus dem Jahr 1935

  Maßtabelle Schwabe - Der neue Schnitt aus dem Jahr 1950

Maßtabelle Elsa aus dem Jahr 1957

Scheinbar hatten auch die Herren in den frühen 50er Jahren schmalere Taillen, aber bei so wenig Vergleichsmöglichkeiten ist das auch eher eine Spekulation. Meine Herren, ich hoffe, die Maße nutzen euch etwas oder waren zumindest interessant.

Sonntag, 7. September 2014

Eine Woche nach Maß! - 07 - Fazit

Fazit 
So, die Woche ist rum und es ist Zeit für ein persönliches Fazit. Ich für meinen Teil habe mich endlich umfassend vermessen und habe nun einen Zettel mit 34 Maßen, die es mir erleichtern sollen die Passform bereits auf dem Schnittmuster zu korrigieren anstatt mich von einem Probeteil zum nächsten zu arbeiten. 

Außerdem habe ich festgestellt, dass der ständige Ärger mit der Taille wohl weniger ein Wuchsproblem als mehr ein Problem der Verteilung ist. Im Rücken liegt bei mir ein kleiner Knick, der wohl eigentlich die Taille sein will, aber an den Seiten und vorn befindet sich gerade da ein Fettpolster, das die schmalste Stelle 3cm nach oben schiebt. Trage ich aber Kleidungswechsel in dieser schmalsten Stelle, dann sehe ich etwas gedrungen aus, liegen sie aber in der 'normalen' Taille, dann passt es sowohl visuell als auch rechnerisch.

Abschließend wollte ich euch noch ein paar interessante Links zeigen und dann geht es hier ab morgen auch wieder normal weiter.
  • Frau Nähfreundin zeigt gerade einen ebenfalls errechneten Hosengrundschnitt. 
  • Julia erklärt wie es sich mit der Rockbalance verhält. 
  • Immer wieder auf der Suche nach der Taille und den richtigen Maßen ist auch Michou, die immer wieder interessantes dazu zeigt, versucht und berichtet.
  • Zu Konfektionsgrößen in der DDR schrieb Zusza einen informativen Beitrag.
  • Stella erzählt unter schneiderkunst viel Interessantes - der neuste Beitrag handelt zB über Maßnehmen während der Schwangerschaft.

Ich hoffe, eine Woche nach Maß hat euch Freude bereitet und ihr habt das ein oder andere Interessante gelesen. Sind noch Fragen offen geblieben? Irgendwelche Anmerkungen?

Samstag, 6. September 2014

Eine Woche nach Maß! - 06 - Beispiele

So, und wo wir nun wissen wo wir die Maße nehmen, müssen wir nochmal klären, was wie dann damit machen. Hier erstmal eine kleine Übersicht zu Abkürzungen und Punktbezeichnungen.
Als Beispiele möchte ich euch den einfachen geraden Zweibahnenrock sowie gemäß Wunsch Ärmel und Kragen zeigen.
 



Freitag, 5. September 2014

Eine Woche nach Maß! - 05 - Maßnehmen im Jahr 1955

Heute möchte ich euch komplett zeigen wie denn nun Maß genommen wurde, also welche wichtig sind/waren. Eine Auflistung um welche Maße es sich handelt hatte ich euch schon gezeigt, aber nochmal zur Erinnerung:
Proportionsmaße
 Und im Einzelnen sieht das dann so aus (Anmerkungen findet ihr jeweils unter den Bildern):

Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei

Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Bild 5: Die Rückenhöhe ist wie folgt zu messen: Lege, hinter der Person stehend, das Maßband rechts und links am Hals vorbei nach vorn über die Schultern! Unter den Armen hindurchgreifend, erfasse die beiden Enden des Maßbandes, führe die unter den Armen zurück und lege sie genau waagerecht übereinander! Markiere den Punkt in der Mitte des Rückens und am oberen Rand des Maßbandes den Punkt für die Rückenhöhe.

Bild 7: Die ganze Länge ist natürlich je nach Kleid, Mode und Geschmack unterschiedlich.
Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Bild 10: Vom Halswirbel über die Schulter bis zum höchsten Punkt der Büste messen.
Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Bild 11: Hier wird von der Achselhöhle an gemessen - bitte beachten!

Bild 12: Lege genau waagerecht ein Lineal in die Achselhöhle und miß vom Wirbelpunkt über die Schulter vorn abwärts bis zur Waagerechten!
Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Bild 15: Dieses Größenverhältnis ist ganz besonders für Frauen wichtig, die nicht der 'normalen' Körbchengröße B/C entsprechen, sondern aufgrund von sehr wenig oder sehr viel Busen anpassen müssen.
Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei

Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei

Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Bild 23: Beim Handgelenk bitte daran denken, dass ggfs. die Hand noch durch den Ärmel passen muss.

Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Bild 25-27: Berechnung der verschiedenen Rocklängen, damit bei einer schiefen Taille die Balance angepasst werden kann.

Die Fußweite und die Wuchsabweichungen habe ich weggelassen.
 
Aus meiner Sicht fehlen noch ein paar wichtige Maße, nämlich die Länge, zwischen Taille und Hüfte, Taille und Knie sowie Schulter zu Taille (hinten) und falls sehr ausgeprägt auch der Bauch.

Gemessen werde sollte übrigens immer von einer anderen Person über der Kleidung (die sollte natürlich nicht abfälschen). Stellt euch dabei entspannt, aber gerade hin und tragt  normale Wäsche, also zB nicht Formwäsche, wenn ihr sonst keine anhabt o. Ä.

Und? Habt ihr euch schon richtig ausgemessen oder nur nach Oberweite/Taille/Hüfte?

Donnerstag, 4. September 2014

Eine Woche nach Maß! - 04 - Maßtabellen damals und heute

Ich möchte vorab darauf hinweisen, dass einige Abweichungen sicherlich auch dem geschuldeten sind, dass es sich um unterschiedliche Quellen handelt, aber leider habe ich kaum Hefte in meinem Bestand, die länger als ein bis zwei Jahrzehnte laufen.

Maße für Damen
Maßtabelle Deutsche Modenzeitung aus dem Jahr 1935 - noch mit Gürtelweite statt Taillenweite.

Maßtabelle für Frauen
Maßtabelle Praktische Damenmode aus dem Jahr 1940

Maßtabelle Damen
Maßtabelle Elsa aus dem Jahr 1950

 Maßtabelle Beyer Mode aus dem Jahr 1950

Maßtabelle
Maßtabelle Praktische Mode aus dem Jahr 1954

Maßtabelle
Maßtabelle Die Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei aus dem Jahr 1955/1956

Maßtabelle
Maßtabelle Beyer Mode aus dem Jahr 1960

Maßtabelle
Maßtabelle Burda aus dem Jahr 1980

Maßtabelle
Maßtabelle Burda aus dem Jahr 2014

Es gibt viel zu sehen und zu vergleichen - ich fasse mal ein paar Punkte zusammen, die mir persönlich aufgefallen sind:

  • Es fällt auf, dass sich die Zuordnung der Konfektionsgrößen kaum geändert hat - die Größe 38 hatte schon 1950 eine OW von 88cm (bei manchen auch Gr. 40) und die Größe 46 eine OW von 102/104cm. Eine erwartete Änderung zu Gunsten eines dürren Schönheitsideals gibt es also bei den Größen nicht. Und heutige Konfektionsgrößen 32/34/36 gab es damals auch schon, aber die waren dann eher für junge Mädchen.
  • Eine Reihenmessung in den 90er Jahren ergab tatsächliche Werte (Quelle).
    An Größe 38 gemessen sind das bei OW 88cm 72cm Taille und 97cm Hüftumfang. Verglichen mit den heutigen Burdamaßen ergeben sich als +2cm an der Taille und +3cm an der Hüfte.
    Bei Größe 52 wurde tatsächlich bei OW 122cm 107,5cm Taille und 124cm Hüfte gemessen. Verglichen mit den Burdamaßen ergeben sich dann +3cm Taille und -4cm Hüfte.
  • Bei Machwerke gibt es die Burdamaßen von 1966 zu sehen. Da sieht man gut, dass Burda einiges an der Taille zugegeben und auch an der Hüfte weggenommen hat.
  • Gemessen an der durchschnittlichen Frau ergab sich in nur 20 Jahren ein Zuwachs von 5cm (also rund eine Kleidergröße) in die Breite (Quelle). Wir werden also breiter, aber die Größen bleiben seit 80 Jahren gleich. Allerdings schummelt die Modeindustrie hier und da mit 'Schmeichelgrößen', damit wir uns besser fühlen!
  • Dabei ist die Zuordnung von großen Größen heutzutage oftmals streng - Burda (und viele Übergrößengeschäfte) fangen schon bei Größe 44 mit den Plusgrößen an, also einer OW von 100cm. In den 50er Jahren gingen Übergrößen erst bei 108cm, also zwei Größen später los. Allerdings beginnt aber zB XL auch bei Größe 48, da wären also wieder die 110cm.

    In den Jahren vorher waren Übergrößen aufgrund der (Nach-)Kriegsjahren eigentlich kaum ein Thema. Da finden sich in Zeitschriften eher Anzeigen für Mittelchen zur Gewichtszunahme, weil niemand mehr dürr sein wollte. Mitte der 50er kippt das dann und Diätmittelchen werden angepriesen.

    Ansonsten ist es aber eh sehr schwierig eine Definition von großen Größen vorzunehmen - ich hatte mal bei ein bisschen nach der subjektiven Meinung rumgefragt und zwischen Größe 44 und 50 war alles dabei.
  • Spannend ist auch die vordere Rocklänge. Die war 1935 noch 83cm, stieg dann auf 106cm in 1940 um erst auf 74cm in 1954, 70cm in 1960 und 63cm in 1966 zu fallen. Dabei sieht man gut wie sich Mode, aber auch unterschiedliche Messungen auswirken. In den 30er Jahren war die normale Rocklänge bis zu den Waden. In den 40er Jahren waren die Röcke eigentlich kürzer, aber wahrscheinlich wurde da bis zum Boden gemessen. Danach wurde die Rockmode immer kürzer und heutzutage wird die Rocklänge höchstens pro Model angegeben, aber nicht mehr grundsätzlich.
  • Besonders spannend fand ich auch, dass sich nach der Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem die angenommene Körpergröße mit den Größen ändert - das hatte ich bislang noch nie gesehen.
  • Übrigens waren Konfektionsgrößen ursprünglich nicht als genau passend gedacht - nur als einheitlich. Da in den 50er Jahren eine persönliche Anpassung durch den Ladenbesitzer noch üblich war, war der Anspruch an die genaue Passform geringer.
Insgesamt ist die erwartete Verbreitung der Maße schon eingetreten, allerdings hätte ich persönlich sie deutlicher erwartet. Weniger Kurven bei den Damen stimmt zwar, aber vergleicht man die Werte von 1935 mit den tatsächlich in den 90er Jahren gemessenen, dann handelt es sich durchschnittlich um Abweichung von rund 3cm. Wichtiger ist natürlich, dass die Taille eher breiter, die Hüfte scheinbar schmaler wird. Das sorgt schon für ein anderes Bild in den Figurformen, aber grundsätzlich sollten also Originalschnitte der alten Zeit mit relativ geringen Änderungen durchschnittlich immer noch zu uns passen!

Was ist euch so aufgefallen? Ist euch was ins Auge gesprungen?

Mittwoch, 3. September 2014

Eine Woche nach Maß! - 03 - Maße und deren Nutzen

Nachdem gestern schon über Proportionen berichtet wurde, kommen wir heute langsam zum Thema Maße. Dabei werden verschiedene Maße unterschieden. 

Offensichtlich sind da natürlich die Körpermaße, denn nicht umsonst wird jemandem etwas auf den Leib geschneidert - oder? So ganz stimmt das auch nicht, denn unsere Körper sind nicht perfekt und brauchen das auch nicht sein. Aber Kleidung sollte kleine Fehler nicht auch noch betonen, daher ist auch die zweite Maßeinheit wichtig: Proportionsmaße.

Proportionsmaße sind errechnete Zahlen zB aus Körpergröße und Oberweite und sie sind neben dem künstlerischen Ideal auch der Mode ihrer Zeit unterworfen. Sie sollen wie der Name vermuten lässt dafür sorgen, dass man wohl proportioniert aussieht und dienen auch als Überprüfungswerte für die gemessenen Werte oder zur Ermittlung von Fehlhaltungen.

Des Weiteren kennen wir die konstrukiven Maße, die dann Zugaben für Körperausdehnung, Bewegung und Bequemlichkeit oder auch die modische Form enthalten. Solche braucht es zum Beispiel auch bei Schulterpolstern und je nach Eigenschaften des Materials mehr oder weniger.

Daneben gibt es Tabellenmaße, die nach Serienmessungen als Durchschnittsmaße festgelegt und dann zur Schnittkonstruktion in der Produktion genutzt werden. Üblicherweise sind das also die Maße nach denen wir uns dann bei Schnittmustern oder Kleidung einsortieren müssen.

Das sind also die Art der Maße, aber wo misst man überhaupt und welche Maße sind wichtig zum Schneidern? Dazu wird unterschieden in Haupt- und Hilfsmaße - die nachfolgende Abbildung zeigt die Unterteilung laut Buch.

Wie man sieht sind Hilfsmaße nicht zwangsläufig weniger wichtig als die Hauptmaße - sie gehen nur mehr ins Detail. Wichtig sind dabei zB die kleine Brustbreite (15.) für Frauen mit viel Busen oder auch die verschiedenen Rocklängen (25.-27.) für die Balance der Röcke. Dazu aber dann an Tag 05 mehr.

Und neben der gemessenen Maßen seht ihr auch die Zusammenfassung der Proportionsmaße. Die sind hilfreich und sollten mit beachtet werden, aber natürlich muss ein Kleidungsstück in erster Linie passen, also wenn die Körperform zu sehr abweicht, dann sollte diese natürlich entscheidend sein. Denn "erst durch geschickte Kombination von Körpermaß und Proportion erreichen wir das erstrebte Ziel."

Dienstag, 2. September 2014

Eine Woche nach Maß! - 02 - Proportionen

Heute geht es um Proportionen, also die Längeneinteilung unseres Körpers, die wir allgemein als stimmig empfinden. Unser Empfinden von Schönheit ist laut einiger Experten berechenbar, unser Gefühl von Ästethik beruht danach auf schnöder Mathematik. So seien Symmetrie und bestimmte Längenverhältnisse in unseren Augen schön.

Und was in der Senkrechten von Symmetrie bestimmt ist, das ist sind in der Waagerechten die Proportionen, also das Verhältnis unterschiedlicher Längen unseres Körpers zueinander. Der Maßstab dabei ist die Kopflänge. Eingeteilt wird durchschnittlich in sieben bis acht Kopflängen, wobei letztere die perfekte Einteilung ist, wie sie auch in der Kunst genutzt wird.
Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
Ob bewusst oder unbewusst nehmen wir Abweichungen von dieser Norm wahr - das kann als interessant, als merkwürdig oder auch als häßlich empfunden werden.
Nun soll es aber nicht nur um den Körperbau an sich gehen, sondern um Kleidung und diese soll dem Körper und dem Empfinden schmeicheln. Und genau dazu sollten auch die Proportionen beachtet und unterstützt werden. Denn werden diese Linien durch Übergänge zwischen Kleidungsstücken, Farbwechsel oder Akzente gestärkt, so macht man es dem Auge leichter den Proportionen zu folgen. Man wird also als ästhetischer wahrgenommmen. Somit sind zB der Wechsel von Ober- und Unterteil in der Taille oder an der Hüfte am günstigsten. Auch die Ärmellänge kann das Auge führen - Ärmel, die in Ellenbogennähe enden, betonen zB die Taille.

Nun sind wir aber nicht alle genau 8 Kopflängen groß, aber dennoch bleibt das Maß die Kopflänge, sodass zB Frauen mit einer Länge von 7 Kopflängen besser in Röcken aussehen, die knapp über dem Knie enden, oder Hüfthosen gut tragen können.

Abweichungen oder Verzerrungen der eigenen Linien müssen nicht schlecht sein. Sie können aufregend oder exentrisch sein, aber man sollte dann ganz besonders darauf achten, nicht zu übertreiben und plötzlich unproportioniert zu wirken.

Achtet ihr auf solche Proportionen? Habt ihr zB mal verschiedene Rocklängen getestet? Oder interessiert euch das alles gar nicht?

Zuschneidekunst nach dem Einheitssystem - Damenschneiderei
[verlinkt beim creadienstag]