Sonntag, 9. Dezember 2018

Weihnachtskleid 2018 - Zwischenstand!

Ich bin zugegebenermaßen nicht besonders weit gekommen - zum Glück ist dieses Jahr wöchentliches Treffen, sonst hätte ich vermutlich gar nichts fertig gebracht. So ein bisschen Zeitdruck ist da doch hilfreich. Aber am Freitag habe ich meine letzte Vorlesung in diesem Jahre und ich bin optimistisch dann ordentlich aufholen zu können.

Hier der Blick auf meinen Nähtisch im Moment:

Das Oberteil ist zugeschnitten, Abnäher und Falten genäht und ausgebügelt. Ich habe noch zwei Knöpfe von der Strickjacke übrig, die ich in dem Kleid verarbeiten möchte und plane zudem einen stoffbezogenen Gürtel mit passender Schnalle. Die Knöpfe sind übrigens aus dem Trödeladen. Trödelläden und auch den Flohmarkt kann ich für Knöpfe nur empfehlen. Für 5 Knöpfe habe ich 0,35 Euro bezahlt. Im normalen Einzelhandel ist es schon schwer zu diesem Preis auch nur einen Knopf zu bekommen. Knöpfe sind wirklich teilweise unverschämt teuer!

Der Viskosestoff hat 10% Polyamid dabei und lässt sich so mäßig verarbeiten. Die Plastikfäden sind etwas widerspenstig und lassen sich ungern durchrollschneidern. Dafür verspreche ich mir von dem kleinen Plastikanteil etwas weniger Knitter und werde mir folglich neue Klingen für meinen Rollschneider besorgen.

Einen frohen zweiten Advent euch allen!

Sonntag, 2. Dezember 2018

Weihnachtskleid 2018!

Ich bin zu spät dran, ich habe eigentlich auch gar keine Zeit und mein Novemberkleid ist auch immernoch nicht fertig. Aber es ist das Weihnachtskleid - das Weihnachtskleid. Es hilft einfach nichts, ich will unbedingt mitmachen.


Eigentlich wollte ich eine Hose nähen, aber meine Zeit erlaubt es nicht und daher greife ich zurück auf Altbekanntes und nähe nochmal Butterick 5281.


Es ist ein süßes Kleid, das ich im Frühling bereits nähte und es ist angepasst, die FBA ist gemacht und es kann daher (hoffentlich) nicht viel schief gehen.

 

Der Stoff ist eine schlabberige blaue Viskose, die an sich nur wenig aufregend ist, aber den entscheidenden Vorteil hat, dass sie zu meiner sehr geliebten gestreiften Strickjacke passt. Der Strickjacke fehlen seit Jahren passende Kombinationspartner und so wird sie viel zu selten getragen.

https://1.bp.blogspot.com/-ARaXLn4SRPA/VztLfIM-iKI/AAAAAAAAIXU/nOplE2MGzxMoBXbesOXU1kYI1gVs2CWvQCLcB/s1600/Strickjacke%2B1956.png 

Diese Lücke wird das Weihnachtskleid hoffentlich füllen. Und dank der bereits erledigten Vorarbeit, besteht die Chance, dass ich es trotz Arbeit, Studium und Weihnachtsvorbereitungen noch irgendwie genäht bekomme. Ich bin gespannt und werde versuchen heute zwischen Controlling und Verwatungsrecht noch die ersten Teile zuzuschneiden!

Samstag, 10. November 2018

Anleitung: Kappnaht


Die Kappnaht ist eine besondere Naht, die sehr robust ist und sich zudem selbst versäubern kann. Wir kennen diese Naht vor allem von Jeans, Arbeitskleidung und anderen belastbaren Teilen (zB Polster, Zelte oder Taschen). Normalerweise werden unsere Stoffe an der Verbindungsnaht nur durch zwei Fäden zusammengehalten, aber bei besonders belasteten Teilen ist es empfehlenswert die Belastung, also den Zug auf die Naht, zu verringern - das reduziert das Risiko, dass die Naht reißt, und stabilisiert diese. Durch die Kappnaht verteilt sich dann die Belastung auf mehrere Stofflagen anstatt auf nur zwei Fäden.

Es gibt unterschiedliche Varianten eine Kappnaht zu nähen und man liest auch verschiedene Beschreibungen dazu. Ich habe folglich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder darauf die einzig korrekten Varianten vorzustellen. Ich unterteile hier die Kappnähte in drei Arten, nämlich die einfache, als offene oder als geschlossene, und die doppelte Kappnaht.

Grundsätzliches zur Kappnaht:


  • Die Kappnaht ist nicht für dehnbare Stoffe geeignet - die Nähten würde platzen oder den Stoff in seiner Dehnbarkeit einschränken.
  • Wieviel Nahtzugabe ihr braucht und wie breit eure Kappnaht wird, entscheidet ihr nach Geschmack und danach wie dick der Stoff ist. Sehr dicke Stoffe brauchen mehr Länge, um sich anständig einfalten zu lassen. Ich empfehle ein Probestück, um zu testen welche Nahtzugabe und -breite euch gefällt und händelbar ist. In jedem Falle solltet ihr mindestens eine Nahtzugabe von 1,5cm haben, sonst wird es fast unmöglich sauber zu arbeiten.
  • Beim Nähen der Kappnaht solltet ihr darauf achten, alle Stofflagen zu erwischen und auf jeden Fall auf der Nahtzugabe zu bleiben - eine Naht auf dem einlagigen Stoff sieht nicht nur doof aus, sondern schwächt die Naht dort sehr.
  • Die Kappnaht punktet auch mit ihrer Erscheinung, daher solltet ihr unbedingt darauf achten, dass eure Nähte parallel liegen - lieber langsam, aber sorgsam nähen!
  • Überlegt euch vorher in welche Richtung eure Kappnaht 'zeigen' soll. Bei normalen Nähten legt man die Kappnaht zumeist so, dass sie hinter der Verbindungsnaht liegt. Bei einer Schulter- oder Seitennaht liegt die Kappnaht also in der Regel auf dem Rückenteil. Bei einer Passe, bei der die Kappnaht auch zur Zier und zum Absetzen dienen soll, liegt die Kappnaht auf der Passe.
  • Am einfachsten lässt sich die Kappnaht auf geraden Nähten nutzen, aber auch in Kurven (zB Ärmel) ist es möglich. Weil die zusätzliche Naht den Stoff etwas steifer macht, würde ich bei dem Ärmel die Kappnaht auf das Oberteil und nicht in den Ärmel setzen
  • Übrigens: Bei sehr dicken Stoffen kann man die Nahtzugaben platthämmern.

1. Offene einfache Kappnaht


Diese Naht eignet sich vor allem bei nichtfransenden Stoffen, wie z.B. Leder, Kunstleder, Walk, oder sehr dicken Stoffen, die dann aber nach dem Zusammensteppen versäubert werden sollten.


Es werden einfach beide Stoffe rechts auf rechts gesteppt und anschließend beide Nahtzugaben gemeinsam auf eine Seite gelegt und festgesteppt.

2. Geschlossene einfache Kappnaht


Der große Vorteil der Kappnaht ist ja eigentlich, dass damit gleichzeitig die Stoffkanten versäubert werden können.


Dazu werden wieder beide Stoffe rechts auf rechts gesteppt. Anschließend kürzt ihr die Nahtzugabe auf der Seite, wo die Kappnaht später liegen soll, um ein bisschen mehr als die Hälfte. Man könnte natürlich auch gleich eine kürzere und längere Nahtzugabe zusammennähen, aber das ist mir zu aufwendig.


Dann wird die normale Nahtzugabe so eingeschlagen, dass sie die gekürzet Nahtzugabe umfasst.

Ich mache es so, dass ich erst die Nahtzugaben auseinander und dann beide in Richtung der ungekürzten Nahtzugabe bügele. Dann klappe ich die normale Zugabe hälftig um und plätte sie - dabei kann man sich gut an der Naht orientieren. So wird es aus meiner Sicht schön gleichmäßig und es garantiert, dass auch beide Nahtzugaben schön ineinander liegen.


Anschließend schlage ich beide Nahtzugaben gemeinsam auf die andere Seite um und plätte wieder - gut gebügelt ist halb genäht! Dann brauche ich nur noch absteppen und fertig.


Auf der Rückseite sieht man die beiden Nähte (rechts) und wie schön die Kanten versäubert sind. Auf der Vorderseite (links) sieht man nur die Kappnaht.

Will man nun beide Nähte auf der rechten Stoffseite haben, zB um das typische Aussehen einer Jeans zu erreichen, kann man einfach im ersten Schritt links auf links aufeinander steppen und dann sind beide sichtbaren Nähte auf der rechten Seite.

Oft wird aber stattdessen neben die Kappnaht einfach noch eine weitere Naht gesetzt, sodass man die 'Jeansnaht' hat und noch etwas mehr Stabilität der Naht.

3. Doppelte Kappnaht



Wenn ihr mal eine Naht braucht, die so richtig robust ist, dann würde ich euch die doppelte Kappnaht empfehlen. Dabei wird die Verbindungsnaht von Kappnähten eingeschlossen und stellt somit keine Schwachstelle dar.


Es werden beide Stofflagen links auf rechts mit etwas Überstand auf beiden Seiten aufeinander gesteppt. Achtung: Ihr braucht das dreifache von dem Überstand als Nahtzugabe. Also wenn ihr 1cm Überstand näht, dann braucht ihr 3cm Nahtzugabe, bei 0,5cm dann 1,5cm Nahtzugabe usw.


Dann werden beide Stofflagen an der jeweiligen Kante umgeschlagen, sodass alle Kanten schön eingeschlagen sind, und anschließend ordentlich geplättet.


Dann noch knappkantig absteppen und schon ist es fertig.


Von beiden Seiten sind die Kappnähte sichtbar.

Den genauen Unterschied zu der einfachen Kappnaht erkennt man nicht auf den ersten Blick, denn die Stofflagen scheinen identisch - der entscheidende Unterschied ist aber die Lage der Verbindungsnaht - hier mit weißen Pfeilen markiert. Bei der einfachen Kappnaht ist die Verbindungsnaht immernoch unter Belastung, wohingegen sie bei der doppelten Kappnaht von den Kappnähten umschlossen ist und daher noch weniger Gefahr besteht, dass die Naht reißt.


Exkurs: Französische Naht


Eine andere Naht, die sich ebenfalls selbst versäubert, möchte ich euch noch zeigen: Die französische Naht, Doppelnaht oder auch Rechts-Links-Naht. Diese Naht ist besonders für sehr feine und durchscheinende Stoffe geeignet, also für Chiffon, Seide oder leichte Viskose.


Die französische Naht ist denkbar einfach - der Begriff "Rechts-Links-Naht" hat die Erläuterung quasi schon im Namen. Man näht zuerst knappkantig beide Stofflagen links auf links (falls der Stoff sehr flutschig ist, kann man auch mehr Nahtzugabe geben und nach dem Nähen kürzen). Dann wendet man beide Stofflagen, sodass man rechts auf rechts aufeinandersteppen kann. Achtet darauf, dass die zweite Naht auf jeden Fall die Kante einschließt, sonst schaut diese auf der rechten Stoffseite heraus.


Für eine besonders flache französische Naht, kann man diese anschließend noch in eine Richtung bügeln und absteppen, wenn man sich nicht an der zusätzlichen Naht stört.

Schlusswort


Die Kappnaht ist eine tolle Sache bei belasteten Nähten, aber auch bei Sportbekleidung oder bei Wäsche. Auch ganz normale Oberbekleidung zB aus Baumwolle profitiert von der hübschen Versäuberung und den sportlichen Nähten. Das Anfertigen ist eher eine Fleißarbeit, aber lohnt sich - ich hoffe, ich konnte euch die Kappnaht ein wenig näher bringen und vielleicht probiert ihr sie einfach mal aus.

Montag, 5. November 2018

November-Wetter Sew-Along

Auf großer Fahrt, auf hoher See,
träumen Matrosen von der Elbchaussee,
vom Jungfernstieg, vom alten Land,
von Hamburg an der Waterant.
Und läuft ihr Schiff in Hamburg ein,
grüßt sie der Michel wie zum Stelldichein.
Dann nichts wie landfein sich gemacht
für St. Pauli bei Nacht!

Und auch ich bin noch dabei mich, wie die "Drei Matrosen auf der Reeperbahn" (Friedel Hinsch und die Cyprys von 1955), landfein zu machen. Oder besser gesagt bin ich eigentlich dabei mein Kleid landfein zu machen.


Das Kleid lässt sich beim trüben Grau nur widerwillig knipsen und gibt seine echte Farbe nicht gern preis, aber man erahnt die Form so langsam. Etwas verwundert bin ich über das Rockteil, das eher ausgestellt anstatt wie auf dem ursprünglichen Bild schmal wirkt, aber ich lasse das mal auf mich zukommen.

Aber die beiden Leistentaschen sind ganz gut gelungen.


Ein erstes Überwerfen ist vielversprechend und so habe ich gestern auch das Futter angeschnitten und zusammengenäht. Oberstoff und Futter wollen aber noch verheiratet werden. Zudem muss ich noch Knopflöcher und Knöpfe nähen, den Ärmelverschluss machen, den Ärmel einnähen, Säumen, Schulterpolster einziehen und andere Kleinigkeiten.

Wenigsten die Knöpfe habe ich schonmal bezogen.


Ich muss mich beeilen, denn die Zeit verrinnt mir in den Fingern. Von dem Tempo das andere vorlegen kann ich nur träumen. Aber ich werde im Zweifel lieber sorgfältig als übereilt arbeiten - wir alle wissen, dass Eile kein guter Ratgeber beim Nähen ist. Es bleibt also abzuwarten, ob ich rechtzeitig fertig werde.

Montag, 22. Oktober 2018

November-Wetter Sew-Along

"Solange noch die Elbe, die Alster und die Bill'
durch unser Hamburg fließen steht Hamburgs Herz nicht still,
solang der alte Michel am Hafen Wache hält,
bleibt uns're alte Hansestadt das große Tor zur Welt."


Freddy Quinn sang gleich mehrmals über die Hansestadt an der Waterkant - hier ein Auszug aus "Mein Hamburg" von 1963 aus dem Film "Heimweh nach St. Pauli". Die Elbe ist natürlich der größte der Flüße und weil wir hier Tideelbe haben, also Ebbe und Flut, riecht die Elbe nach Salz und Meer - wer braucht da noch eine Küste?

Den Termin in der letzten Woche habe ich verpasst, aber ich habe mich inzwischen für ein Kleid für den November-Wetter Sew-Along entschieden und habe auch schon ein Probeoberteil genäht. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal eine Lanze für die Probemodelle brechen. Das mag für viele lästig sein, aber nichts hilft besser um die Größe auszuprobieren, um Passformprobleme zu entdecken (und zu beheben), um auch schwierige oder kniffelige Stellen zu testen und um einfach mit Sicherheit und Vertrauen an das Nähstück zu gehen. Ich nähe seit 6 Jahren und ich würde behaupten, dass ich eine von den fortgeschrittenen Hobbynäherinnen bin, aber ich mache trotzdem nahezu immer Probeteile - gerade wenn man Schnitte mehrmals nähen möchte und keine Figur nach Standardmaß hat, lohnt der Aufwand total!
Nach einer FBA, Anpassungen in der Rückenlänge, an der Schulter und den Abnähern war ich dann also so zufrieden, dass ich meinen Stoff angeschnitten habe.


Der Stoff ist ein Wollstoff mit einer Mischung aus schwarzen, dunkelblauen, hellblauen und grauen Fäden, sodass der Stoff in sich selbst gemustert ist. Von Weitem wirkt der Stoff dunkelblau und er reicht zufällig ganz genau für das Kleid. Der Zuschnitt und die Abnäher sind bereits erledigt und als nächstes stehen die Leistentaschen im Rockteil an. Das letzte Mal Leistentaschen ist fast ein Jahr her, daher werde ich das ganz langsam und konzentriert angehen.

Etwas unentschlossen bin ich noch bei der Frage, ob ich das Kleid füttere oder ein Unterkleid trage - ich werde das entscheiden, sobald das Kleid grob zusammengenäht ist und übergeworfen werden kann. Vermutlich wird es auf ein Futter hinauslaufen, aber ich will mich noch nicht festlegen.

Schöne Grüße von der Waterkant!

Freitag, 19. Oktober 2018

Fertig: Oberteil nach einem Schnitt von 1940!

Nur noch schnell die Haare richten und dann..


..zeige ich euch meinen neuen Pullover.


Den Pullover habe ich schon bereits zweimal genäht (1,2) und ursprünglich handelt es sich um ein Kleid von 1940 aus der Modenschau 322. Als Kleid konnte sich der Schnitt nicht so richtig durchsetzen, aber als Oberteil trage ich ihn sehr gern.


Dem Schnitt hatte ich eine FBA verpasst und damit einhergehend strahlenförmige Abnäher aus dem Armloch. Das schmückt den sonst sehr schlichten Pullover ein wenig ohne aufdringlich zu wirken.


Der Stoff ist übrigens ein Sweat von Alles-für-Selbermacher - oder um genauer zu sein ein "Glamoursweat". Ich finde diese Bezeichnung ja etwas albern, aber immerhin sind silberne Lurexfäden im rosa Stoff eingewebt. Auf der Innenseite ist der Stoff hell und kuschelig. Eigentlich wollte ich den Stoff gar nicht mitnehmen - zu rosa, zu modern, zu glitzerig. Ich ließ ihn also im Regal zurück, aber plötzlich lag er dann einfach so am Zuschneidetisch, also griff ich doch zu.

Der Sweat ist nur wenig dehnbar, sodass er sich gut für das Oberteil eignet und zwar ohne Verschluss auskommt, aber trotzdem die Form hält. Am Kragen wird mit Beleg gearbeitet, ansonsten ist die versäuberte Kante nur umgenäht.


Zum Oberteil trage ich den Wollrock vom Weihnachtsnähen im letzten Jahr, der genau die richtige Bundhöhe für den Pullover hat, und das selbstgemachte Hütchen aus Sinamay. Ich bin überraschend zufrieden mit dem Rosa an mir, damit wie gut es mit Zartbitterschokoladenbraun harmoniert und sich alles zusammenfügt.


Ich bin als sehr glücklich mit dem neuen Pullover und bestens ausgerüstet für Herbst und Winter. Immerhin er glitzert in der Sonne - was kann man noch mehr wollen?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]