Mittwoch, 26. April 2017

Fertig: Hosenrock!

Obwohl ich schon mehrmals einen Anlauf gestartet hatte, habe ich bislang noch keine vorzeigbare Hose genäht - irgendwie war die Hose mir zu komplex. Welche Anpassungen ich da brauche? Keine Ahnung und ehrlich gesagt auch kein echter Ansatzpunkt für Änderungen. Das sollte sich nun aber endlich ändern - auch gestärkt durch immer mehr Wissen zu Schnitten und Passform habe ich mich also wieder an eine Hose gemacht.. genauer gesagt an einen Hosenrock. Röcke habe ich schon ein paar genäht, also ist quasi die Hälfte schon geschafft.. oder so ähnlich..

Hosenrock mit hohem Bund Burda #120 05/2014, Simplicity 7708/1093
Ich habe einen Schnitt von Burda (Modell 120 aus 05/2014) verwendet, den ich im Heft - um es mal sehr nett zu sagen - merkwürdig fand. Was sollen diese riesigen Falten? Und wieso bindet man sich eine Kordel um die Hüfte? Aber die Schnittführung war wie gewünscht: einfach und auf Taille geschnitten. Gewünscht war eine einfache ausgestellte Shorts wie sie auch in den 40er Jahren gern getragen wurden. Die Silhouette war klar und so wurden die Details vernachlässigt - um genau zu sein vernachlässigte ich den Verschluss, die Abnäher, die Taschen und die Falten. 

Ich vergrößerte zunächst den Schnitt auf eine Größe 46, dann nähte ich ein Probemodell und es saß wirklich furchtbar. Also änderte ich vorn und hinten die Leibhöhe und rationalisierte die vorderen Falten weg. Ich passte für das Hohlkreuz die hintere Mitte an und bei der Gelegenheit schloss ich die hinteren Abnäher, indem ich die Weite nach unten hin zugab. Das Gleiche machte ich mit den vorderen Abnäher, die entstanden waren nachdem ich die Falten geschlossen hatte. Die Seitennähte habe ich etwas angeglichen, da diese durch das Schließen der Abnäher sehr steil geworden waren und den Bund habe ich etwas verschmälert.

Den Verschluss legte ich in die hintere Mitte und nutzte einen Nahtreißer, damit das nicht so auffällt. Leider konnte ich es nicht mehr fotografieren, weil nach den ersten paar Bildern das Telefon läutete und ich los musste, aber das reiche ich nach.

Hosenrock mit hohem Bund Burda #120 05/2014, Simplicity 7708/1093

Da der Abnäher am Po etwas breiter war, ist nun das hintere Hosenteil etwas weiter und bei der nächsten Hose werde ich das vordere Hosenteil etwas mehr ausklappen, damit es ebenfalls weiter fällt. Ansonsten werde ich dem vorderen Hosenteil vielleicht doch noch ein paar Falten (aber viel schmaler als von Burda vorgesehen!) spendieren, damit es am Bauch etwas weniger eng wirkt.
Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis bin!

Auch wegen des dankbaren Stoffes ist der Hosenrock sehr gut gelungen - ein Reststück von karstadt für ein paar Groschen aus Viskose und Plastik. Fast erinnert der Stoff ein wenig an Arbeitskleidung, aber ist doch um einiges weicher.

Das Oberteil nach Simplicity 7708/1093 habe ich schon vor einiger Zeit genäht und obwohl es von der Passform wirklich sehr einfach ist und der Stoff mir auch immernoch zu grell ist, trage ich es oft und gern - es ist so bequem und luftig leicht. Ich überlege sogar nochmal eins zu nähen..

Hosenrock mit hohem Bund Burda #120 05/2014, Simplicity 7708/1093

Auch der Hosenrock soll nur der Erste einer Reihe sein - mindestens ein knieumspielendes Exemplar für den Alltag und ein weiteres kurzes mit passender Bluse, damit ich im Sommer auch schick zur Eisdiele radeln kann, sind geplant. Ich werde also die oben genannten Kleinigkeiten noch ändern und dann kann es losgehen - oder meint ihr nicht? Wie findet ihr mein Modell? Habt ihr Verbesserungsvorschläge oder Tipps zu Hosen?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Donnerstag, 13. April 2017

Anleitung: Knotenohrringe!

Knoten aus Glasperlen auf Ohrclips selbst machen

Nachdem ich ja selbst keine Anleitung für Knotenohrringe gefunden habe, habe ich es einfach selbst versucht und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Daher möchte ich Dir kurz zeigen wie ich es gemacht habe.

Du brauchst dafür:
  • verschiedenfarbige Perlen (grundsätzlich nach Geschmack, aber sie sollten nicht zu groß sein - ich habe Rocailles in 3mm verwendet),
  • biegsamer Schmuckdraht (hier 0,3mm Durchmesser)
  • Ohrclips
  • transparenter Nylonfaden
  • Kneifzange
  • Nadel
  • Schere 

Im Gegensatz zum Armband oder zur Halskette, die sich geschmeidig legen sollen, brauchen die Knoten etwas Stand und Festigkeit, daher wird hier Draht statt Faden verwendet.

Zunächst werden zwei gleichlange Stücke des Schmuckdrahtes zugeschnitten, in der Mitte geknickt und verzwirbelt, sodass vier gleiche Stränge entstehen. Auf die werden die Perlen aufgefädelt. Meine Stränge waren 12cm lang und wurden zu 8cm mit Perlen bestückt, aber das kommt ein bisschen darauf an wie groß die Perlen sind und wie groß der Knoten werden soll. Ich würde Dir empfehlen lieber ein paar Perlen zuviel aufzufädeln.

Anleitung: Knotenohrringe, wie man sie in den 50er Jahren trug

Die vier Stränge werden möglichst glatt nebeneinander gelegt und dann wie ein Strang behandelt. Falls ihr verschiedenfarbige Stränge habt, achtet auch darauf, dass die einzelnen Stränge jeweils an ihrem Platz bleiben, dann sieht es am Ende schöner aus.

Und dann wird auch schon geknotet, also zunächst eine Schlaufe bilden..

Anleitung: Knotenohrringe, wie man sie in den 50er Jahren trug

..und die offenen Enden durchziehen.

Anleitung: Knotenohrringe, wie man sie in den 50er Jahren trug

Nun werden die Enden auf der Unterseite zusammengeführt..

Anleitung: Knotenohrringe, wie man sie in den 50er Jahren trug

..und die einzelnen Perlenstränge gleichmäßig festgezogen, zurechtgerückt und sortiert. Falls Deine Stränge zu lang geraten sind, kannst Du einfach die überschüssigen Perlen an den offenen Enden wegnehmen.

Anleitung: Knotenohrringe, wie man sie in den 50er Jahren trug

Der Knoten kann an den Ohrclip geklebt oder mit einem transparenten Faden festgenäht werden - je nachdem welche Methode sich für Deinen Ohrring besser eignet.

Die Auswahl des richigen Materials war eigentlich das Schwierigste und die fummelige Arbeit mit den Perlen etwas gewöhnungsbedürftig, aber es lohnt sich und Passendes zu bestehenden Schmuckstücken ist schnell gemacht. Ansonsten sind die Ohrringe aber gar nicht schwer, also warum nicht mal versuchen?

Dienstag, 11. April 2017

Anleitung: Geflochtene Halskette!

Schmuck der 40er und 50er Jahre mit Glasperlen

Ich möchte euch heute zeigen, wie ich mir aus Glasperlen eine perfekt zur Bluse passende Halskette mache - das Armband dazu hatte ich hier schon gezeigt.

Du brauchst dafür:
    • verschiedenfarbige Perlen (grundsätzlich nach Geschmack, aber sie sollten nicht zu groß sein - ich habe Rocailles in 2mm verwendet),
    • Schmuckdraht (hier 0,8mm Durchmesser)
    • Karabiner (oder anderen Verschluss)
    • Sprengringe (oder Kette)
    • Perlenkappen
    • transparenter Nylonfaden
    • Kneif- und Rundzange
    • Perlnadel
    • Schere

    Zunächst werden 4 Stränge benötigt - diese sollten jeweils doppelt zu lang sein wie die gewünschte Kettenlänge. Durch das Flechten geht zwar ein wenig Strecke verloren, aber die wird durch die Verschlüsse nachgeholt.

    Es werden also mit Hilde der Perlennadel die Perlen auf den Nylonfaden gefädelt und im Anschluss werden die Fadenenden mehrfach verknotet. Die Enden solltest Du nicht so kurz schneiden wie ich und lieber nochmal durch die Perlenfädeln, damit sie darunter verschwinden.

    Knipse zwei ca. 3cm langes Stück Schmuckdraht ab und forme mit der Rundzange eine kleine Schlaufe am Anfang jeden Stückes. In eine Schlaufe werden die Anfänge der Stränge gelegt.

    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette oder Armband | Beswingtes Allerlei

    Dann kann es auch schon an das Flechten gehen. Ich wollte keine platte Kette und habe daher rundgeflochten. Und das funktioniert so: 
    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette

    (5) entspricht von der Lage der Stränge (1) und dann geht es wieder von vorn los.

    Am Ende der Verflechtung werden die Stränge in die Schlaufe des zweiten Schmuckdrahtstückes gelegt.

    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette oder Armband | Beswingtes Allerlei

    Schiebe nun die Perlenkappe auf den Draht auf..

    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette oder Armband | Beswingtes Allerlei

    ..und forme dicht daran eine weitere Schlaufe, sodass die Perlenkappe fixiert wird.

    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette oder Armband | Beswingtes Allerlei

    Mit Sprengringen und einem etwas größeren Ring (geformt aus dem Schmuckdraht) wird eine kleine Verlängerungskette gefertigt..

    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette oder Armband | Beswingtes Allerlei

    ..und auf der anderen Seite der Karabiner befestigt.

    Schmuck selbst machen: Geflochtene Halskette oder Armband | Beswingtes Allerlei

    Und dann ist die Kette auch schon fertig. Sicherlich kann man manches eleganter lösen, aber als Spielerei und um passende Schmucksets anzufertigen, finde ich es eine schöne Variante und ein bisschen stolz, dass ich es ganz gut hinbekommen habe, bin ich auch.

    Die Anleitung zu den Knotenohrringe folgt dann in Kürze.
    [verlinkt beim Creadienstag]

    Donnerstag, 6. April 2017

    Selbstgemachter Schmuck - passend zum Frühlingsensemble!

    Das Armband hatte ich neulich schon gezeigt und nun sind auch noch zwei von den typischen Knotenohrringen dazu gekommen.

    Während ich die Glasperlen beim Armband auf durchsichtigem Nylonfaden gefädelt habe, musste ich bei den Ohrringen Draht benutzen, damit ich die Perlenstränge auch gut und haltbar ineinander verschlingen konnte. Ein paar Knotenohrringe aus den 50er Jahren vom Flohmarkt dienten als Grundlage und ich bin sehr angetan von meinem Set - eine Halskette wird auch noch folgen!

    Wie findet ihr's? Besteht irgendein Interesse an einer Anleitung für Armband oder Ohrringe?


    [verlinkt beim Rums]

    Montag, 3. April 2017

    Von Fall zu Fall (oder wie der Fadenlauf unsere Kleidung beeinflusst)

    Der Fall von Kleidung bestimmt Bequemlichkeit, Aussehen und Verhalten von Kleidungsstücken ganz enorm. Neben dem Gewicht, der Gewebe- und Stoffart hat auch der Fadenlauf großen Einfluss auf den Fall von Kleidung und das soll hier kurz thematisiert werden.

    1. Was ist der Fadenlauf?
    2. Wie wirkt sich der Fadenlauf auf den Fall aus?
    3. Welche Auswirkungen hat ein falscher Fadenlauf?
    4. Kann man einfach quer zum Fadenlauf zuschneiden?
    5. Der Schrägschnitt und die französische Designerin
    6. Beispiele zum Fadenlauf
    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hat



    1. Was ist der Fadenlauf?


    Für einen guten Fall von Kleidung müssen wir auf die Balance der Kleidungsstücke und auf den Fadenlauf achten. Wer mit dem Nähen beginnt wird feststellen, dass der Fadenlauf meistens der vorderen und hinteren Mitte entspricht (wenn man mal Kleidungsstücken absieht die aus gestalterischen Gründe im diagonalen Fadenlauf geschnitten werden). Das ist wichtig, damit Kleidungsstücke gerade am Körper herunterfallen und sich nicht verziehen oder verdrehen.

    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hat
    Der Fadenlauf liegt stets parallel zur Webkante/Längskante (1).

    Diagonal zum Fadenlauf (2), im sog. Schrägschnitt, lässt sich der Stoff am meisten dehnen.

    Im rechten Winkel, also quer zum Fadenlauf befindet sich die Stoffbreite (3).

    Der Kettfaden ist gleichbedeutend mit dem Fadenlauf. Er läuft parallel zur Längs-/Webkante und wird sehr straff im Webstuhl eingespannt. Wegen dieser Spannung sind die meisten Stoffe nicht in der Länge dehnbar. Der Schussfaden hingegen läuft rechtwinklig zur Webkante. Er wird durch die Kettfäden geschossen und trotz einer gewissen Spannung sind die Fäden nicht ganz gestrafft, sodass meist noch eine gewisse Nachdehnung erreicht werden kann (außer bei Plastikfäden). Die Art wie Kett- und Schussfaden miteinander verkreuzt werden nennt man Bindung. Die drei gängigsten Bindungen sind die Leinenbindung, Köperbindung und Atlasbindung.

    Sich an der Webkante zu orientieren ist die einfachste Variante den Fadenlauf zu finden - wie ihr den Fadenlauf zB bei Maschenware oder bei Reststücken oder Ähnliches findet, ist nicht Teil dieses Beitrages, aber hier findet ihr zB eine hilfreiche Übersicht.



    2. Wie wirkt sich der Fadenlauf auf den Fall aus?


    Wie alles andere auch ist Stoff der Schwerkraft ausgesetzt und sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes, daher fällt Stoff (wenn möglich) fadengerade nach unten. Dort wo der Stoff nicht im Fadenlauf zugeschnitten ist, wirft er Falten um gerade fallen zu können.

    Besonders klar wird das am Verhalten eines glockigen Bahnenrock, denn dort kann man sehr schön durch die Wahl des Fadenlaufes bestimmen, wie der Rock fallen soll. Legt man den Fadenlauf in den Bruch so fällt er in der vorderen Mitte gerade und die Seitennähte fallen in Falten (1).

    Liegt der Fadenlauf in der Mitte des Rockteiles so verteilen sich die Falten auf beiden Seiten der Mitte gleichmäßig und ergeben ein weicheres Faltenbild (2).

    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hat

    Das Verlegen des Fadenlaufes in die Seitennaht lässt den Rock insgesamt schmaler fallen. Er wirft dann Falten in der vorderen und hinteren Mitte (3).

    Grundsätzlich sollte man immer beachten, dass aufgrund der Symmetrie im gleichen bzw. gegengleichen Fadenlauf zugeschnitten wird. Es würde schon sehr merkwürdig aussehen, falls sich das linke Rockteil an der Seitennaht in Falten wirft und beim rechten Rockteil in der Mitte.

    Der Fall ist wie bereits erwähnt neben dem Fadenlauf natürlich auch noch von der Gewebe- und Stoffart abhängig. So wird sich ein fester Baumwollstoff weniger in Falten werfen als ein fließender Viskosejersey.



    3. Welche Auswirkungen hat ein falscher Fadenlauf?


    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hat ..oder warum die Seitennaht plötzlich mittig vom Hosenbein liegt.

    Was bei einem Glockenrock einfach nur eine Frage des gewünschten Falles und des eigenen Geschmackes ist, kann aber bei zB einer Bluse merkwürdig aussehen oder bei einem Hosenbein fatale Auswirkungen haben.

    Bei dieser Hose zB wurde das linke Bein im Fadenlauf zugeschnitten, aber beim rechten Bein reichte die Länge nicht mehr, daher wurde es etwas schräg zum Fadenlauf geschnitten. Das macht ja nichts weiter.. oder doch?

    Tatsächlich versucht das rechte Bein sich in den Fadenlauf zu legen - es kann nicht anders, denn der Stoff will gerade fallen. Oben am Bund ist der Stoff durch die Nähte in die Schräglage gezwungen, aber je weiter nach unten und je freier das Bein fällt, desto mehr fallen die Kettfäden in die senkrechte Lage und das gesamte Bein dreht sich. Das sind dann diese Hosen bei denen nach einigen Schritten die Seitennaht plötzlich auf der Mitte liegt.



    4. Kann man einfach quer zum Fadenlauf zuschneiden?


    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hat Stoffe quer zum Fadenlauf zuschneiden - besonders bei Musterstoffen ist das immer wieder ein Thema, weil man zB die Streifen lieber längs als quer hätte. Und weil dann der Faden wieder gerade fallen würde, dürfte das ja kein Problem sein, aber unter Umständen könnte es doch eines werden.

    Wie oben beschrieben sind die Schussfäden nicht so straff wie die Kettfäden, sodass Stoff üblicherweise in der Breite dehnbar(er) ist als in der Länge (das gilt auch für undehnbare Stoffe wie Webware). Durch Drehen des Stoffes ändert sich die Dehnung. Das Kleidungsstück würde sich dann in der Länge dehnen und somit würde sich zB ein Rock vermutlich aushängen und beim Tragen länger werden.

    Wenn man das allerdings bedenkt ist das Drehen im rechten Winkel problemlos möglich. Manchmal ist dieser Effekt auch gewünscht, so wird zB ein Bund oder eine Schulterpasse oftmals im rechten Winkel zugeschnitten, weil man eben genau keine Dehnung in die Breite haben möchte.



    5. Der Schrägschnitt und die französische Designerin


    Die Dehnung in der Diagonalen widerrum kann man auch ausnutzen. In der Diagonalen sind die verwebten Fäden aufgrund der kleinen Zwischenräume in der Webung besonders dehnbar. Schneidet man nun genau im 45°-Winkel zu, so erreicht man auch ein gewisses Gleichgewicht zwischen den Fäden. Der Schrägschnitt erlaubt, dass ein Schnitt zwar eng an der Hüfte aber glockig am Saum sein kann. Diesen Effekt nutzt man insbesondere beim Schrägband, dass zB zur Verarbeitung von Säumen genutzt wird.

    Madeleine Vionnet, eine französische Modeschöpferin, perfektionierte in den 30er Jahren eine ganz eigene Mode, die durch den Schrägschnitt besonders dynamisch, bewegt und körpernah wurde. Sie erfand den Schrägschnitt nicht, aber prägte den Begriff wie keine andere und legte den Grundstein seiner Verwendung in der Haute Couture. Anders als die damaligen Modeschöpfer drappierte sie die Kleider von Beginn an auf Holzpuppen und erreichte durch Ausprobieren von verschiedenen Fadenläufen den perfekten Fall von aufwendigen Kleidern und hochwertigen Stoffen. Obwohl sie besonders breite Stoffbahnen von zwei Metern anfertigen ließ, waren einige Nähte notwendig, die sie ebenfalls dekorativ nutzte.
    Hier findet man sehr viel zum Bestaunen und kriegt einen Eindruck davon, warum manche Kleider der Madeleine Vionnet mit einer Anleitung zum Anziehen versehen waren, damit die Kundin die komplizierten Knoten schafft. Und wer noch mehr wissen will, dem sei dieser fabelhafte Beitrag dazu ans Herz gelegt.



    6. Beispiele zum Fadenlauf


    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hatBesonders einfach lässt sich der Fadenlauf an Stoffen mit Streifenmuster feststellen, hier rechts zB eine Jacke aus einem längsgestreiften Stoff.

    Die Schulterpassee quer zum Fadenlauf ist sinnvoll, da die Weite hier gehalten werden und nicht ausleiern soll. Dass der Stoff sich in der Länge ausdehnt ist wegen der kurzen Strecke zu vernachlässigen.

    Ärmel und Jackenteil fallen gerade mit Fadenlauf - hinten ist die Jacke leicht ausgestellt (Fadenlauf offensichtlich in der hinteren Mitte, denn sonst würde die Jacke schmaler an der Seite fallen).

    Die diagonal zum Fadenlauf geschnittenen Taschen und Klappen haben hier einen dekorativen Hintergrund und werden von den Nähten drumherum in Form gehalten.

    Und hier noch die Schnittmusterübersicht meines Weihnachtskleides letztes Jahr:

    Der Fadenlauf und was er mit dem Fall von Kleidung zutun hat

    Der Bruch steht dem Fadenlauf gleich (soweit kein Fadenlauf extra eingezeichnet ist) und ist wie so oft zumeist in der vorderen und hinteren Mitte (Teil 52, 54, 56). Jedoch im vorderen Rockteil (Teil 55) sieht man, dass der Fadenlauf mit der Seitennaht läuft - der Rock fällt also sehr schmal. Beim Oberteil vorn (Teil 51) wird das Hauptaugenmerk auf die Schulterpartie gesetzt - es liegt im Fadenlauf, während die gerafften Partien sowieso gekräuselt in Falten liegen und es daher dort nicht so sehr darauf ankommt wo der Fadenlauf ist.

    Der Fadenlauf verrät uns also schon vor dem Zuschnitt viel über das fertige Kleid und lässt Gestaltungsspielraum, zB könnte ich im hinteren Rockteil den Fadenlauf auch in die Seite verlegen und hätte dadurch eine noch schmalere Silhouette.


    Schlusswort..


    Damit sind wir schon am Ende angekommen. Ich hoffe der Sinn und Zweck vom Fadenlauf im Zusammenhang mit dem Fall von Kleidung ist verständlich geworden und vielleicht hat sich dadurch ja auch die ein oder andere Frage geklärt. Falls Ihr Anmerkungen oder Fragen habt, dann schreibt mir gern einen Kommentar.

    Samstag, 1. April 2017

    Selbstgemachter Schmuck - passend zum Frühlingsensemble!

    Ihr erinnert euch sicherlich an das Frühlingsensemble aus bunter Bluse und grünem Rock und es soll ja aus dem Rockstoff noch eine Jacke folgen. Die wollte ich ursprünglich besticken, aber alle Probestickereien haben mir nicht gefallen - zu plump, zu edel, zu bunt, zu eintönig, zu blumig. Es wollte mir nicht so recht gefallen.

    Statt nun noch ewig herumzuprobieren habe ich entschieden, dass ich lieber seperaten Schmuck dazu machen möchte - passend und alltagstauglich. Nach einiger Inspirationssuche (insbesondere durch Stücke von Miriam Haskel, die auch viel mit Glasperlen arbeitete) entschied ich mich für ein geflochtenes Armband und legte los, da mir gerade wegen langen Tagen auf der Arbeit die Zeit zum Nähen fehlt.


    Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und froh, dass ich es so gemacht habe - nun versuche ich mich noch an einem Paar Ohrringe. Wie findet ihr mein Armband? 

    Und für Birgit nochmal ein Bild vom Verschluss - ich kenne leider die Fachbegriffe für das Zeug nicht (habe mich im Bastelladen einfach ausgetobt), aber ich hoffe es ist trotzdem nachvollziehbar.