Dienstag, 3. März 2015

Anleitung: Muster für die Strickmaschine

Heute möchte ich Dir zeigen, wie Du ein normales Strickmuster für die Strickmaschine übersetzt. Als Beispiel zeige ich Dir gleich mal wie das Hebemaschenmuster meines Frühlingspullovers funktioniert.

1. Das Grundmuster


Zunächst sollte man sich anschauen, welches das Grundmuster des Strickstückes ist. Die Strickmaschine kann üblicherweise nur linke oder rechte Maschen stricken - je nachdem wie man das fertige Strickstück dreht. Du musst Dir also vorher anschauen, ob Dein Projekt linksflächig gearbeitet wird, dann schaust Du beim Arbeiten auf die Vorderseite, oder ob es rechtsflächig gearbeitet wird, dann schaust Du auf die Rückseite.

Mein Pullover wird linksflächig gestrickt, sodass ich auf die Vorderseite schaue.

Alle Abweichungen vom Grundmuster müssen von Hand gemacht werden - dazu zählen zB rechte Maschen, Zu- und Abnahmen, Umschläge usw. Du musst also entscheiden an welchen Stellen Du etwas tun musst.

2. Die Abweichungen 

Abweichungen sind alle Punkte, an denen nicht in Deinem Grundmuster gestrickt wird. Dabei musst Du bedenken, dass eine normale Strickarbeit aus Hin- und Rückreihen besteht und das Strickstück gewendet wird.

In meinem Fall sind die Hinreihen links und die Rückreihen rechts zu stricken - so entsteht dann normalerweise insgesamt ein linksflächiges Strickstück. Da ich aber mein Strickstück nicht wende, sind alle Rückreihen automatisch auch links. Ich brauche mir also nur anschauen, was davon abweicht.

Ich habe in meinem Strickstück sowohl 4 Umschläge in der 3.-6. Reihe als auch eine rechte Masche in der 7. Reihe. Die Umschläge sollen auf der Rückseite liegen und die rechte Masche muss ich ebenfalls per Hand arbeiten, da sie in einer sonst linken Reihe liegt.

Neben den Musterreihen werden in meinem Pullover natürlich auch noch Zu- und Abnahmen gemacht. Das sind ebenfalls Abweichungen, die natürlich von Hand gearbeitet werden müssen, aber hier konzentrieren wir uns mal auf das Muster und nur zweitrangig auf die Änderungen bei der Passform.

3. Die Maschenprobe


Nachdem Du nun weißt welche Abweichungen Du hast, musst Du auch wissen, wo diese sind. Gerade bei der Strickmaschine ist eine Maschenprobe ganz wichtig. Durch das Nadelbett und die Gewichte am Strickstück ist ein Nachmessen während des Strickens nahezu unmöglich, sodass Du unbedingt eine Maschenprobe (einschließlich waschen und spannen) machen solltest. Da die Maschengröße an der Strickmaschine eingestellt wird, bleibt diese über das gesamte Strickstück unverändert und daher ist so eine Maschenprobe perfekt um daran Berechnungen vorzunehmen.

4. Berechnungen und Notizen


Die Strickmaschine zählt die Reihen für uns ganz brav mit, sodass es sich empfiehlt sich vorab Notizen über die Reihen zu machen. So kann man entspannt bis zum jeweils nächsten Punkt arbeiten und auch jederzeit das Stricken unterbrechen und wieder aufnehmen ohne den sprichwörtlichen Faden zu verlieren.

Vieles ist nun nur schnöde Mathematik. zB soll ich mit 10cm Bündchen beginnen. Bei 5 R. pro 1cm, kann ich die ersten 50 R. als Bündchen einrechnen. Das Muster wiederholt sich alle 20 R. also in Reihe 50, 70, 90, 110, usw. Daneben notiere ich mir die Reihenzahlen von Ab- und Zunahmen sowie ggfs. Farbwechsel. Du kannst also sowohl Reihen- als auch Längenangaben notieren und hast immer ein perfektes Ergebnis. Zudem hast Du Dich schon einmal von Anfang bis Ende durch Dein Projekt durchgearbeitet und brauchst nun keine unliebsamen Überraschungen mehr fürchten.

5. Das Arbeiten am Strickstück: Umschläge


Falls Du ein Muster noch nie gemacht hast, empfehle ich Dir neben der Maschenprobe auch eine Musterprobe, um eventuellen Übersetzungsfehlern vorzubeugen. Mit unterschiedlich farbigen Fäden kommt man Fehlern besonders schnell auf die Schliche. Und das zeige ich mal am Beispiel meines Musters, dazu beginne ich mit den Umschlägen.

Umschläge werden auf der Strickmaschine erzeugt, indem die jeweilige Nadel, bei der statt Maschen Umschläge gestrickt werden sollen, inaktiv gesetzt wird. Dazu werden die Nadeln nach vorn geschoben. Der Faden wird nun einfach vom Schlitten über die Masche aus der 2. Reihe gelegt. Das passiert viermal für 4 Umschläge. Oben auf dem Bild seht ihr schon die inaktiven Nadeln, die aus dem Nadelbett nach vorn geschoben wurden. Nach dem Anstricken der 3. Reihe sieht das dann so aus:


Eigentlich würde man nun die vier Umschläge stricken, hinter die Masche fallen lassen und dann weiterstricken, aber da ist noch diese rechte Masche. Eine rechte Masche muss von Hand gehäkelt werden. Dazu wird eine linke Masche fallen gelassen und als rechte Masche hochgehäkelt. In diesem Fall spare ich mir das Fallen lassen und häkle ich die rechte Masche aus einem fünften Umschlag, sodass es nach der 7. Reihe also so aussieht:

 

Nun wird die abzustrickende Masche aus der 2. Reihe mit der Arbeitsnadel unter den Umschlägen hervorgezogen.


Die Maschinennadel wird nach hinten gezogen, sodass die Umschläge fallen gelassen werden und die Hebemasche vor den Umschlägen liegt.


Übrigens würde bei einem rechtsflächigen Strickstück die Hebemasche auch nach vorn gezogen, aber dann in die Maschinennadel gelegt werden, damit diese die Hebemasche hinter die Umschläge zieht.

6. Das Arbeiten am Strickstück: Rechte Maschen


In diesem Fall fehlt noch die rechte Masche. Rechte Maschen [oder eben linke, wenn man ein rechtsflächiges Strickstück hat] müssen grundsätzlich von Hand gehäkelt werden. Es gibt auch Hilfsmittel wie ein Doppelbett [dabei wird ein zweites Nadelbett gegenüber gelegt], einen Elektrikschlitten oder einen Wendekamm, um das gesamte Strickstück umzudrehen. Da wir hier nur einzelne rechte Maschen haben, werden die aber per Hand gearbeitet.

Du hast die abzustrickende Masche auf der Arbeitsnadel und lässt sie hinter den kleinen Dorn rutschen. Mit der Nadel holst Du den Faden, lässt den Dorn zuklappen und ziehst den Faden durch die Masche.

Nachdem das bei allen Umschlägen erledigt wurde, werden alle Nadeln wieder in Strickstellung gebracht und können linksflächig weiterstricken bis das Muster erneut wiederholt wird.

Damit ist dann das Hebemaschenmuster fertig und sieht einfarbig aus wie beim Frühlingspullover. Ich hoffe, die Anleitung war verständlich und hat Dir ein bisschen Freude bereitet. Falls noch Fragen offen geblieben sind, nur immer her damit.
[verlinkt beim Creadienstag & Auf den Nadeln]

Sonntag, 1. März 2015

Getrödelt, Gefunden, Gefreut! #24

Es ist der Erste im Monat und damit begrüße ich euch ganz herzlich: Willkommen zu Getrödelt Gefunden Gefreut! 

Worum geht's? Trödelei! Genauer gesagt um alle alten Schätze bis rund 1980, die ihr im Laufe des letzten Monats ertrödelt habt oder - falls es ein sehr glückloser Monat war - sonstwie nochmal besonders in der Hand hattet. Es muss nicht der Flohmarkt um die Ecke sein - es trödelt sich auch wunderbar in Secondhandläden oder im Internet. 
Wie kann ich mitmachen? Einfach einen Beitrag auf Deinem Blog veröffentlichen, diesen Beitrag in der Liste unten verlinken und fertig.
Was muss ich beachten?  Toll wären ein paar Hintergrundinformationen zum ertrödelten Stück: Was ist es? Wo hast Du es her? Was hat es gekostet? Wieso genau dieses Stück?

Und bitte verlinkt doch diesen Beitrag in eurem Post, damit auch andere hier her finden. Mehr Infos findet ihr hier und jetzt geht's los!

Ich habe schon mal einen kleinen Auszug aus meinem Schätzchen gezeigt und bin sicher, dass einige es gleich erkannt haben - ich habe einige neue Hefte für das Frohnesystem ergattert.
 
Soweit erstmal nichts Ungewöhnliches - obwohl man sich schon fragen könnte, ob es Sinn macht Schnittmuster einer Zuschneidesystems zu horten, das ich bisher nicht mal ausprobiert habe. Nun waren das aber nicht irgendwelche Hefte, sondern solche der späten 30er Jahre, also auch nicht häufig zu finden.
 
Wunderschöne Kleider, liebevolle Mäntel und hübsche Jäckchen bestimmen das Modebild der Hefte und Sammelalben und obwohl nicht ganz meine bevorzugte Zeit so finde ich doch viele Modelle, die ich ohne Zögern ausprobieren würde.
Und man muss nun einmal sagen, dass ich eben auch eine Sammlerin bin - das mag euch bislang noch nicht aufgefallen sein, aber die ansehnlichen Heftstapel belegen dies und bei einem Preis von 30 Euro konnte ich nicht widerstehen. Dafür flatterten 3 Modellalben aus 1935/1936 sowie 3 Modellhefte samt Schnitthefte von 1937-1939 ins Haus. In den Modellalben waren die Schnittmuster noch direkt auf die Rückseite der Modelle gedruckt, aber die anderen Hefte sind - wie auch später üblich - unterteilt.

Im Jahr 1936 hat übrigens ein Modellalbum 10,- Reichsmark gekostet. Bei sechs vollständigen Heften macht das bei mir heute einen Schnitt von 5,- Euro pro Heft und ich bin damit wirklich sehr zufrieden. Ich habe mir nun natürlich vorgenommen auch etwas daraus zu nähen, aber erstmal bin ich gespannt, was ihr zu meinem Schätzchen sagt und was ihr gefunden habt.

Dienstag, 24. Februar 2015

Frisuren der 40er Jahre

Ich mag alle meine Zeitschriften, blättere gern und stets andächtig darin, aber wie immer hat man ein paar Lieblinge. So ganz besondere Stücke: die mit den schönsten Strickjacken, die mit den bezaubernden Zeichnungen, die mit dem einen wundervollen Kostüm oder Kleid und auch die besonders seltenen. Dazu zählen vor allem die Hefte der 40er Jahre. Durch den zweiten Weltkrieg wurden die Verlage still gelegt, die Frauen hatten andere Sorgen als Mode oder Handarbeiten und auch die begrenzte Verfügbarkeit von Stoffen und Wolle kam hinzu.  

So hüte ich die paar Hefte, die ich bislang aus diesem Jahrzehnt ergattern konnte, besonders sorgsam. Aus einem dieser Hefte, nämlich Beyers Mode für Alle - Heft 2 Herbst aus dem Jahr 1943, stammt diese wundervolle Darstellung der neuen Frisuren.
Sind es nicht zauberhafte Frisuren? Man kann auch die Hutmode der Zeit schon erahnen, denn die vielen Locken, Rollen und Knoten lassen nur wenig Platz für enganliegende, kopfbedeckende Hüte. Kleine Halbhüte, duftige Kappen und Ähnliches könne sich hingegen gut an die Kopfform anschmiegen ohne die gelegte Lockenpracht zu zerstören.

Die formale Aufgabe des Halses Kopf und Schultern zu trennen finde ich besonders reizend formuliert und die Frisuren sind kleine Kunstwerke - besonders (2) und (3) gefallen mir sehr gut. Und euch? Welche wäre euer Favorit?
[verlinkt beim Creadienstag]

Samstag, 21. Februar 2015

Zwischenstand für den Damenpullover von 1952!

 
Ich bin gut vorangekommen mit dem Frühlingspullover - nach der Musterprobe und dem fertigen Rückenteil (samt Video vom Elektrikschlitten) ist auch das Vorderteil gestrickt, gewaschen und gespannt. 
Im nächsten Schritt kommen die Abnäher in den Pullover - ich überlege aber vorher die Schulternähte schonmal zu schließen um die Passform abschätzen zu können. Solange ich überlege mache ich mich an den zweiten Ärmel. Der wird abgesehen von zwei Musterstreifen komplett linksflächg gestrickt, sodass lediglich die Zu- und Abnahmen Zeit kosten und ich in rund zwei Stunden den ersten Ärmel heute vormittag fertig gestrickt hatte. 

Ich bin bislang sehr zufrieden mit der Entwicklung meines Pullovers, überlege schon konkret welchen Rock ich zu Pullover und Brosche tragen werde und bin gespannt wie es bei den anderen so läuft. Was haltet ihr vom Zwischenstand? Kommt das Muster nicht fabelhaft heraus?

Und noch eine Bitte: Nachdem Frau Vau und Wiebke die Idee einer Anleitung für Strickmaschineneinsteiger in Form eines kleines Knit-Alongs einwarfen, würde ich mich freuen, wenn sich die Damen und Herren mit einer Strickmaschine, die ebenfalls Interesse daran hätten, mal melden könnten, damit ich das ein bisschen besser planen kann. Danke.

Dienstag, 17. Februar 2015

Zwischenstand für den Damenpullover von 1952!

Das Rückenteil ist wie angekündigt inzwischen fertig - die Form lässt sich beim Spannen mit dem Schnittmuster gut nacharbeiten und ich bin sehr zufrieden damit wie die Wolle und das Muster nach dem Waschen aussehen.

 
Und ich kann auch nicht oft genug sagen, wie begeistert ich immer wieder von der gleichmäßigen Arbeit mit der Strickmaschine und dem Elektrik-Schlitten bin. Deshalb habe ich mir auch gedacht, dass ich euch da mal ein wenig mehr daran teilhaben lasse.

Wie eine Strickmaschine grundsätzlich funktioniert, habe ich hier schonmal gezeigt. Zur Erinnerung: man kann mit der Einbettstrickmaschine also nur linke Maschen stricken [oder eben rechte, je nachdem wie man das Strickstücke dreht]. Beim Frühlingspullover wird das Grundmuster linksflächig gestrickt. Der Elektrik-Schlitten [bei meiner Strickmaschine vom Modell Brother KH-891 passt der KG 89] arbeitet nach dem gleichen Prinzip nur eben von der anderen Seite aus, also er holt sich den Faden, strickt diesen ab und hängt die rechte Masche wieder auf die Nadel - das sieht dann so aus:  

video

Statt dem Elektrik-Schlitten könnte man für ein Bündchen auch ein Doppelbett anhängen, also ein gegenüberliegendes Nadelbett, oder einfach jede zweite Maschen fallen lassen und hochhäkeln. Es gibt also verschiedene Varianten für Bündchen oder grundsätzlich Links/Rechts-Muster. Und weil der Elektrik-Schlitten mit Lochkarten arbeitet, kann er neben den Bündchen auch weitere Muster stricken - das könnt ihr euch bei Chrissy mal näher anschauen.

Das Video zeigt übrigens die letzte Reihe vom Vorderteilbündchen, also ich liege da insgesamt sehr gut in der Zeit - vielleicht kann ich bis nächsten Sonntag auch das Vorderteil fertig stellen, denn das muss im Gegensatz zum Rückenteil nicht mal geteilt werden.

Haben eigentlich noch mehr von eine Strickmaschine? Und seid ihr sehr erschrocken von der Lautstärke des Elektrikschlitten? Und vor allem wie findet ihr das Rückenteil?
[verlinkt beim Creadienstag]

Freitag, 13. Februar 2015

Ein farbenfroher Sommerstrauss


 [aus der Frauenhilfe - Heft 8 von 1952]

Nach dem Frühlingspullover kommen die Sommerpullover und so kann man schonmal träumen und sich überlegen wie der perfekte gestricktre Begleiter für eine Spritztour über's Land, eine Fahrt an den See oder ein abendlicher Besuch an der Eisdiele sein muss. Welcher wäre denn euer Favourit?