Samstag, 24. Februar 2018

Und dann waren plötzlich alle Blusen pink..

Ich bin eine sehr vorsichtige Wäscherin. Alle selbstgenähten Sachen werden zwar in der Maschine gewaschen, aber natürlich in den Schongängen und nach Farben sortiert. Tja, und dann gibt es sie - diese Tage, an denen alles schief geht, und an denen sich ein dunkelrotes Poloshirt des Mannes in die Maschine mogelt und die gesamte Wäsche einfärbt. Drei meiner liebsten Blusen kamen fleckig pink aus der Maschine! Nach dem ersten Schock habe ich versucht zu entfärben - zufällig hatte ich noch Intensiventfärber da. Das half allerdings kaum - die Blusen waren eine Nuance weniger grell pink. Ich hätte weinen können (okay, ich habe auch ein bisschen geweint), weil es mir so leid drum tat. Sowohl die Pudelbluse als auch die Bluse aus dem Frühlingsensemble und die zartrosa Bluse sind hinüber.
Die gemusterten Stoffe sind inzwischen vergriffen und so kommt auch Nachnähen nicht in Betracht. Ich bin immernoch wirklich traurig drum.

Nun muss man aber ja das Beste daraus machen, also kaufte ich Färbemittel - Espresso-Braun und Rosen-Rot von Simplicol. Und falls jemand selbst auch mit dem Gedanken des Einfärbens spielt (zB auch von ungeliebten Stoffen), wollte ich das Ergebnis gern zeigen:


Die Handhabung war ein Kinderspiel und die Waschmaschine hat das ohne Weiteres mitgemacht. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis selbst. Es wurde schön gleichmäßig und ausreichend intensiv. Bei beiden Färbegängen hatte ich noch ungeliebte (Probe)Stoffe aus Baumwolle und Viskose beigefügt und auch da ist das Ergebnis perfekt. Aber zurück zu den Blusen.

Das Espresso-Braun ist leider einen Tick zu hell, um auch die dunkelbraunen Blätter des ursprünglichen Muster zu verdecken und so wirkt die Bluse immernoch leicht in sich selbst gemustert. Das stört mich allerdings nicht. Dass aber die Nähte aus Polyestergarn noch immer zartgrün sind, ist ein wenig schade.

Und auch das Rosen-Rot ist selbst schön geworden, aber leider eigentlich viel zu pink für mich. Da so ein hellrosa Stoff mit geflockten Stipseln durchaus noch zu besorgen wäre, spiele ich hier noch sehr ernsthaft mit dem Gedanken die Bluse einfach nachzunähen.

Die Pudelbluse habe ich erstmal so gelassen - sie ist weniger fleckig als die anderen beiden Blusen gewesen und der Entfärber hat ein gleichmäßiges Rosa hinterlassen. Ich bin noch unentschlossen, ob ich sie so rosa auf rosa tragen werde, aber Einfärben (müsste ja schwarz werden wegen der Pudelumrisse und schwarz trage ich eh nicht) habe ich nicht über's Herz gebracht.


Tja, es ist ein einziges Ärgernis, aber es ist nun so wie's halt ist und ich mache das Beste daraus - auch wenn ich teilweise noch nicht ganz sicher bin, was das Beste ist. In Zukunft werde ich auf jeden Fall wieder noch genauer auf die Wäsche achten - und jetzt habe ich erstmal alle versauten Blusen weggeräumt und eine ganz neue Hemdbluse angeschnitten; so zur Ablenkung und weil es einfach ein schöner Schnitt ist.

Ich wünsche euch immer gute Waschgänge und wenn jemand noch ein Zaubermittel für die Pudelbluse hat, dann immer her damit.

Montag, 19. Februar 2018

Fertig: Oberteil nach einem Schnitt von 1940!


Ein Pullover nach einem Kleiderschnitt aus der Modenschau Nr. 332 von 1940.

Der Schnitt ist eigentlich als Kleid gedacht, aber hat als solches nicht so recht überzeugt. Nachdem aber die Anpassungen eigentlich gelungen waren, habe ich es gekürzt und schonmal als Pullover genäht. Die Schleife habe ich dieses Mal zum Wohl meiner Broschensammlung weggelassen.


Im Gegensatz zum letzten Pullover habe ich dieses Oberteil ein paar cm länger gemacht - für mich ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber im Zweifel kann ich es ja noch kürzen oder reinstecken. Insgesamt soll es aber halt ein warmes Teil für das Frühjahr und den Winter sein.

Außerdem habe ich die Falten in den Ärmeln nicht mehr so stark abgenäht. Leider fehlt es an einem Einsatzpunkt für die Ärmel, sodass ich sie eher nach Gefühl einsetzen musste.


Der Stoff ist aus dem wunderbaren Stoffladen um die Ecke, aber ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was für ein Stoff das sein soll - er fühlte sich geeignet hat und so kaufte ich ihn. Er ist auf einer Seite flauschig ange(g)raut und auf der anderen Seite sind schwarze Schlingen sichtbar. Ich bin ja nicht so bewandert in dehnbaren Stoffen, aber das müsste so ein Sommersweat sein?


Der Ausschnitt ist entsprechend dem Schnittmuster vorn leicht erhöht und hat einen selbstgemachten Beleg bekommen. Belege sind nicht schwierig. Man nimmt einfach den Oberteilschnitt, kopiert die Kragenlinie und fügt mindestens 5cm nach innen hinzu bzw. ich mache es meistens so, dass es gut zu versäubern ist und sich angenehm legen kann.

Die beiden Belegteile (je Vorder- und Rückenteil) habe ich verstärkt, zusammengenäht und an der äußeren Kante versäubert - innen ist es nicht nötig und macht nur die Nähte dick. Die vordere Mittelnaht habe ich einfach ab einem Punkt offen gelassen und den Beleg gegengenäht, die Rundungen eingeschnitten und den Beleg verstürzt (also nach innen gewendet). Anschließend die Nahtzugabe versäubert und dabei den Beleg mitgefasst. Den Beleg habe ich mit wenigen Handstichen an der Schulter und in der hinteren Mitte angenäht.

Der Kragen hat nun genau soviel Stand, dass er ein wenig absteht, aber er ließe sich mit einer Brosche auch legen. Belege sind immer eine schöne und saubere Variante für Kragen.


Wegen dem großen Körbchen hat das Oberteil natürlich eine FBA bekommen - insgesamt vier Abnäher je Seite und dann noch eine geschwungene Linie in der vorderen Mitte formen die Brust aus.

Auch wenn der Stoff dehnbar ist, sitzt ein gut passendes Oberteil immer besser. Entsprechend viel Stoff muss bei einem großen Körbchen an den Seiten durch Abnäher weggenommen werden.

Weil ich es eine aparte Möglichkeit finde, habe ich den Brustabnäher, der sich bereits im Armloch befand, verwendet und diesen dann auf drei Abnäher aufgeteilt. Ich mag den strahlenförmigen Effekt - wie man einen Abnäher aufteilt, könnt ihr hier lesen.

Dazu kommt dann noch der Taillenabnäher, der über die Taille hinaus auch noch Richtung Hüfte für einen körpernahen Sitz sorgt.

Hinten gibt es ebenfalls zwei Taillenabnäher für den gleichen Effekt.


Der Rock hatte nach dem Bürotag schon ein wenig Falten und Knitter geschlagen und bräuchte besonders am Saum mal wieder ein bisschen Dampf, aber er wird gern getragen und passt zu vielem. Hier hatte ich ihn schon zusammen mit dem anderen Pullover gezeigt.  


Ich bin sehr glücklich mit dem neuen Pullover, aber nun werde ich lieber für den Frühling nähen - vom Winter habe ich genug! Wie findet ihr denn mein letztes Winterstück?

Freitag, 2. Februar 2018

Ein Kragen für den Herren!


Ihr erinnert euch sicher an den Hirschpullover für den lieben Gatten. Der wird gern getragen, aber es fehlt noch das Hemd mit passendem Kragen, das in den 40er und 50er Jahren unter keinem Pulli fehlen durfte.


Nun ist der Pulli schon recht warm für den Büroalltag und ein Hemd darunter würde vermutlich eh nur auftragen und knittern, daher haben wir uns entschieden, dass ein Kragen reicht. Der soll dann angeknöpft werden, sodass der Pullover weiterhin mit oder ohne Kragen getragen werden kann.

Und so nähte ich am Wochenende den Kragen vom bewährten Hemdschnitt aus einem Rest cremefarbener Baumwolle.


Es fehlen noch die Knöpfe (sowohl vorn zum Schließen als auch zum Anbringen an den Pullover - da werden es wohl Druckknöpfe werden) und für den richtigen Eindruck noch die Ziernaht am Kragenrand. Und dann bin ich sehr gespannt, ob es sich so unkompliziert tragen lassen wird, wie ich mir das vorstelle und wie es den Eindruck vom Pullover verändert.


Habt ihr solche Kragen schonmal genäht? In den alten Heften sind sie ja auch gerade für die Damen oft drin. Kragen, passende Manschetten und ähnliche Kleinigkeiten sollen den Kleidern immer wieder ein neues Aussehen geben. Bisher habe ich sowas noch nicht versucht, aber vielleicht komme ich ja noch auf den Geschmack.

Dienstag, 30. Januar 2018

Samstag, 27. Januar 2018

Zwickel

Will man Kleider aus den 50er Jahren nähen und dazu originale Schnittmuster verwenden, wird man früher oder später auf den Unterarmzwickel stoßen und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen:


  1. Was ist ein Zwickel?
  2. Wozu brauche ich einen Zwickel?
  3. Die gängigsten Zwickelarten
  4. Wie nähe ich einen Zwickel ein?


1. Was ist ein Zwickel?


Ein Zwickel ist ein keilförmiges Stoffstück, das in ein Kleidungsstück eingesetzt wird, um an einer bestimmten Stelle mehr Weite oder Stabilität zu geben, aber auch aus hygienischen oder anderen Gründen. Heute kennt man Zwickel vor allem von Strumpfhosen und Unterwäsche. In den 50er Jahren aber als angeschnittene Ärmel, feste Stoffe und schmale Taillen aufeinandertrafen, waren Zwickel im Bereich des Unterarms unerlässlich für einen guten Sitz und ausreichend Weite der hübschen Kleider.


Heute sind Kleider oder Blusen mit angeschnittenen Ärmeln so weit oder aus so dehnbaren Stoffen, dass man auf den Zwickel verzichtet. Dennoch möchte ich euch Zwickel empfehlen, denn sie erlauben andere Stoffe zu verwenden und Webware fällt einfach blusiger und weicher als gewirkte Ware.

Ihr habt noch nie einen Unterarmzwickel gesehen? Das liegt daran, dass die Lage des Zwickels, nämlich direkt unter dem Arm in der Achsel, ihn fast unsichtbar macht. Nur selten und wenn man ganz genau hinschaut, kann man Zwickel auf den alten Bildern sehen.


Zwickel oder Keile (oder auch Fische genannt) gibt es natürlich auch noch in anderen Varianten. So gibt es auch eingesetzte oder angeschnittenen Zwickel an einzusetzenden Ärmeln (z. B. bei stark strapazierter Arbeitsbekleidung oder bei sehr schräg gestellten Ärmeln), diese sollen hier aber nicht Thema sein.



2. Wozu brauche ich einen Zwickel?


Der größte Nutzen vom Unterarmzwickel liegt im Bewegungsradius. Das möchte ich hier einmal veranschaulichen.

Links sieht man wie der angeschnittene Ärmel eigentlich liegt - es wäre schwer bis unmöglich damit den Arm zu heben. Der Stoff in der Achsel würde sich der Bewegung nach oben sperren.
Der eingenähte Zwickel verursacht kaum Falten und fällt daher kaum auf .

Rechts ist der Bewegungsradius mit ausgestelltem Zwickel viel größer. So kann man auch mal ein Buch vom oberen Regal nehmen, ohne dass sich das gesamte Kleid mithebt. Der Stoff an der Schulternaht faltet sich einfach und liegt wieder glatt sobald die Arme wieder gesenkt werden.


Aber auch die Bequemlichkeit und Form ist nicht zu unterschätzen. Ein Blick ins (theoretische) Armloch zeigt wieso:

Links ein Armloch für einen einzusetzenden Ärmel, daneben ein angeschnittener Ärmel und rechts ein angeschnittener Ärmel mit Zwickel.

Ein angeschnittener Ärmel ist eben grundsätzlich nichts anderes als zwei Lagen gegeneinander genäht. Und gerade diese zwei Lagen müssen dann aber auch vorab noch die Rundungen des Oberkörpers mitmachen.

Der Zwickel macht das Armloch dreidimensional, also plastischer, und ermöglicht einen besseren Sitz für unseren Arm - ähnlich wie beim zweiteiligen Ärmel bei dem das Zusammenspiel aus Ober- und Unterärmel eine lebendigere Form gibt. Dies wird umso wichtiger, wenn man eine große Brust hat und dadurch die zwei Stofflagen aus Vorder- und Rückenteil eh schon mehr Rundungen mitgehen müssen.

Könnte man diesen Effekt auch erreichen ohne Zwickel? Nein, zumindest nicht so. Will man auf einen Zwickel verzichten, dann müsste man so viel Weite zugeben, dass der Arm sich frei bewegen kann. Dies würden dann nur Kimono- oder Fledermausärmel schaffen, die aber widerum viel mehr Falten unter der Achsel erzeugen.




3. Die gängigsten Zwickelarten


Unterarmzwickel sind zumeist rautenförmig - je nach Konstruktion gleichmäßig oder ungleichmäßig, manchmal auch abgerundet. Dabei liegen zwei gegenüberliegenden Ecken in der Seitennaht und die anderen beiden Ecken laufen in das Oberteil hinein.


(1) Der zweiteilige Zwickel ist am leichtesten zu nähen - er wird in das einzelne Vorder- oder Rückenteil eingenäht und erst danach werden die Seitennähte geschlossen.

(2) Der einteilige Zwickel wird erst nach dem Schließen der Seitennähte eingenäht. Wird er im schrägen Fadenlauf geschnitten, dann erhält er noch ein wenig mehr Dehnbarkeit.

(3) Dieser Zwickel gibt nicht nur direkt unter dem Arm Weite, sondern fungiert wie ein kleiner Unterärmel. Die Rautenform wird dazu zu einem Fünfeck erweitert. Diese Form bietet sich vor allem bei Kleidern mit kurzen überschnittenen Ärmeln an.

Zum besseren Verständnis der Sitz im Kleidungsstück:


Und dann noch ein paar Beispiele für jede Zwickelart aus den alten Heften:

(1) Zunächst das Modell aus der Burda 09/1953: Der Zwickel (Teil 59) besteht aus zwei gleichschenkligen Dreiecken, die für Vorder- und Rückseite des Oberteils identisch sind. Der Zwickel wird hier jeweils in einen Schlitz (Passzeichen 4) eingesetzt. Dabei ist nur sehr wenig Nahtzugabe vorhanden, sodass es sich empfiehlt den Stoff zusätzlich durch Stütznaht und Vlieseline zu schützen.


Fertig genäht sieht das dann so aus:


(2) & (3) Ein Modell mit zwei Zwickelarten aus Schwabe Der neue Schnitt von 07/1957: Dieses Modell bietet gleich zwei Zwickelarten, denn es kommt mit langen und kurzen Ärmeln daher und bietet sich daher gut für den Vergleich an. Der Zwickel für die kurzen Ärmel (Teil 63) dient als kleiner Unterärmel, während der Zwickel für den langen Ärmel (Teil 59) nur unter der Achsel eingesetzt wird. Da aber beide Zwickel das selbe bezwickeln.. äh.. bezwecken, unterscheiden sie sich grundsätzlich kaum. So sind die Ecken 15, 13, 14 und 6, 3, 5 zueinander identisch. Lediglich 11 und 7, 8 unterscheiden sich. Daher sind auch in den Teilen des jeweiligen Oberteils nur geringfügige Unterschiede auszumachen.

Hier wird der Zwickel nicht in einen Schlitz, sondern einen kleinen Keil im Oberteil eingesetzt - es ist folglich mehr Nahtzugabe vorhanden, daher reicht es dann oft aus nur die Spitze im Oberteil extra zu sichern.


(3) Und zum Schluss noch ein Modell aus dem Schwabe Der neue Schnitt von 07/1957: Dieses Modell kommt schon sehr dicht an den Unterärmel ran, denn obwohl die Ärmel etwas länger sind, wird der Zwickel bis zum Ärmelsaum fortgeführt.




4. Wie nähe ich einen Zwickel ein?


Das Einnähen eines Zwickels ist weniger kompliziert als vielmehr sehr fummelig. Dadurch, dass der Zwickel in ein bestehendes Stück eingesetzt wird, hat man im Stück selbst meistens nur sehr wenig Nahtzugabe zur Verfügung. Man muss daher sehr sorgfältig beim Nähen sein und auch beim Versäubern, damit der Zwickel an den Kanten nicht ausplatzt.

Um den Stoff des Oberteils zu sichern und beim Einschnitt genau arbeiten zu können, empfiehlt es sich eine Stütznaht zu machen. Es wird also genau auf der späteren Naht (oder ganz leicht Richtung Einschnitt versetzt) eine gerade Naht von aussen nach innen und zurück genäht. Wenn euer Stoff zum Ausfransen neigt, ihr nur sehr wenig Nahtzugabe zur Verfügung habt oder sehr viel Zug auf den Zwickel kommt, dann könnte ihr euch auf verschiedene Arten behelfen. Entweder den Einschnitt vorab durch bügelbare Vlieseline verstärken und sichern oder rechts auf rechts ein Stoffstück gegennähen und nach links wenden. Dadurch wird alles zwar etwas dicker, aber die Schnittkante ist geschützter.

Bei meiner Bluse z. B. habe ich rechts auf rechts bügelbare Vlieseline angenäht, geschnitten und nach dem Wenden fesgebügelt - mein Stoff franst sehr stark und hält kaum Zug aus, daher war viel Schutz notwendig.

Dann gibt es zwei Art den Zwickel einzunähen, nämlich entweder rechts auf rechts, also ohne sichtbare Naht, oder rechts auf links, also den Zwickel quasi hinter das bestehende 'Loch' in der Naht setzen.

Rechts auf rechts sieht man oben auf dem Bild auch (einschließlich der Naht). Daher beginnen wir damit:

Der Zwickel wird rechts auf rechts mit dem Oberteil angesteppt. Dazu muss der Einschnitt im Oberteil sehr weit auseinander gezogen werden um die Form des Zwickel mitzugehen.

Hier sieht man wie sehr der Stoff vom Oberteil (vorn) sich an den glattliegendenen Zwickel (hinten) anpassen muss. Es gilt da einiges an Stofffalten zu bändigen. In schwarz sieht man die abzusteppende Naht, die Zwickel und Oberteil zusammenfügt; die weiße Naht ist die Stütznaht.

An der Spitze des Zwickels wird die Nadel im Stoff gedreht. Im besten Falle werden hier nur ein paar Fäden vom Oberteil erfasst, sodass die Ecke dann faltenlos im Oberteil liegt.

Abgesehen davon, dass der einteilige Zwickel vor und der zweiteilige Zwickel nach dem Schließen der Seiten- und Ärmelnaht eingesetzt wird, gibt es kaum einen Unterschied.

Stets wird von außen, also der Nahtkante, nach innen, also in das Oberteil, genäht. Beim einteiligen Zwickel beginnt man an einer Seite auf der Naht und arbeitet sich rundherum.


Falls es notwendig ist kann man auch anschließend noch schmal neben der Naht eine weitere Steppnaht setzen um den Stoff besser zu sichern.
(Und falls ihr das mal Schritt für Schritt am echten Modell anschauen möchtet, dann schaut doch bei dem Zwickeltutorial von Sabine Michaela von PeterSilie & Co. vorbei.)

Rechts auf links, also den Zwickel hinter das offene 'Loch' zu nähen, bietet sich vor allem bei steifen oder dicken Stoffen an, wenn sich die Nahtzugaben gegeneinander genäht nicht schön legen lassen würden.

Dazu werden im Oberteil die Nahtzugaben umgelegt und ordentlich geplättet oder zB durch wenige Handstiche fixiert. Anschließlich wird der schon versäuberte Zwickel untergelegt und alles mit Stecknadeln befestigt. Anschließend absteppen und fertig. Auf der rechten Stoffseite sieht man dann die Naht, aber auf der linken Stoffseite, ist die Nahtzugabe des Schnittes gut geschützt und der Zwickel liegt schön glatt.


Egal für welche Varianten ihr euch entscheidet, denkt daran die Nahtkanten zu sichern, damit der Zwickel nicht ausplatzt und ihr lange Freude daran habt.

Schlusswort


Und damit bin ich am Ende angelangt - ich hoffe, dass der Beitrag euch gefallen hat und hier und da ein wenig helfen wird, obwohl ich glaube, dass die wenigstens in ihrem Nähleben schon einen Unterarmzwickel eingenäht haben oder einnähen werden. Oder hattet ihr schonmal das Vergnügen? Wie immer gilt: wenn ihr Fragen oder Ergänzungen habt, dann schreibt das gern in die Kommentare.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Fertig: Bluse aus der Burda 09/1953


Eigentlich ist die Bluse ein Kleid und eigentlich ist der Stoff ein Wollstoff in rot und schwarz in sehr feinem Karomuster. Der Stoff wirkt allerdings auf mehr als einem Meter Entfernung eben doch mehr dunkelrot und so erfreue vor allem ich mich selbst an dem wunderbar gelungenem Musterzusammentreffen, aber nun gut, dass ich daran Freude habe ist ja auch am wichtigsten..


Der Schnitt aus der Burda 09/1953 ist ein Tageskleid vornehmlich für karierte (oder gestreifte) Stoffe mit Raffung am glatten Kragen und angeschnittenen langen Ärmeln mit Zwickel. 
Angeschnittene Ärmel, besonders wenn sie dann auch noch lang sind, sind immer etwas schwierig bei einer großen Oberweite. Es fehlt das Armloch, das erlaubt den Ärmel schon gut geformt einzusetzen. Man behilft sich in den alten Schnittmustern dann zumeist mit einem Zwickel. Er bringt in das Armloch noch ein bisschen mehr Form und erlaubt gleichzeitig mehr Bewegungsfreiheit des Ärmels, ohne dass dieser zu weit werden müsste.
Hier unter dem Arm kann man den zweitiligen Zwickel (und auch den eingesetzten Reißer) ganz gut erkennen und auch seinen Nutzen erahnen, denn ohne ihn könnte ich den Arm nicht höher als auf Brusthöhe heben.

Nun reichte das Schnittmuster für meine Oberweite nicht aus - ich habe ein Probemodell gemacht (korrektes Ausmessen wird bei angeschnittenen Ärmeln und Falten/Kräusel nicht einfacher) und es war deutlich zu sehen, dass Weite und vor allem Länge fehlte. Also musste eine Anpassung (FBA) her und statt Abnähern habe ich mutig alles in die Kräuselung am Kragen geschoben. Und das habe ich gleich so übermütig gemacht, dass sich so ein paar kleine Falten über die zugegebene Länge an der Brust mogeln - es hätte wohl auch ein bisschen weniger Zugabe getan.


Nun war also das Kleid fertig und.. ja.. und nu? Das Kleid wurde seinem Namen nicht gerecht und kleidete mich so gar nicht. Auch der kleine Gürtel könnte nicht genug optisches Gewicht in die Körpermitte bringen und so sah ich kleiner, runder und insgesamt etwas farblos aus.

Also die Ärmel hochgekrempelt und kurzen Prozess gemacht und das ganze Kleid unter dem eingesetzten Reißers gekürzt und eine Schößchenbluse draus gemacht. Dann habe ich noch in den Ausschnitt eine Paspel eingearbeitet und den Kragen mit ein paar Handstichen umgeklappt angenäht. Und wo die Ärmel schonmal oben waren, habe ich die auch noch eine handbreit gekürzt und Schulterpolster eingesetzt.


Von hinten ist das Ganze eher unspektakulär. Die Ärmel werden an der Schulterlinie hinten eingehalten um genug Raum für die Schulterblätter zu schaffen und es sind zwei Abnäher vorhanden.
Der Stoff trägt sich übrigens wunderbar angenehm und ich würde gern verraten woher ich ihn habe, aber der liegt schon so furchtbar lange bei mir herum, dass ich es gar nicht sagen kann. Aber es wurde nun höchste Zeit, dass er verarbeitet wird und für die gewählte Form ist er perfekt.

Der Rock ist ebenfalls selbstgenäht. Der gerade Rock passt sehr gut zu dem ja doch eher unruhigen Falten am Oberteil.


Nun bin ich doch sehr zufrieden mit der Bluse, auch wenn vom Schnittmuster nicht mehr allzuviel übrig ist. Dennoch finde ich, dass diese typische Linie der 50er Jahre sehr gut rauskommt und das gefällt mir. Was sagt ihr dazu?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]