Samstag, 20. Dezember 2014

Vom schönen Scheitern..

..mein Weihnachtskleid gehört seit heute nun zu den gescheiterten Projekten. 

Es passt obenrum nicht richtig und nachdem ich an einigen Stellen (besonders mit den Belegen) gepfuscht habe, würde ich es wohl auch nicht mehr tragen. Ich bin ein wenig traurig, dass ich nichts vorzeigen kann, aber insgesamt nicht unzufrieden mit dem ganzen Projekt. Ich habe mich endlich mal bis zum Schluss an Lutterloh gewagt, aber mich damit insgesamt wohl etwas übernommen. Die Schwierigkeiten den Schnitt zu vergrößern, ihn an mich anzupassen und dann noch ohne Anleitung zu nähen waren doch etwas zu groß. Dennoch habe ich viel gelernt, habe viel herumprobiert und gesehen was funktioniert und was nicht klappt, daher bin ich nicht allzu traurig. Und ich habe ja noch mein Weihnachtskleid vom letzten Jahr, das ich an Heiligabend tragen werde!

Und so werde ich das Projekt nun einfach abhaken und mich an andere machen, denn nach dem Kleid ist vor dem Rock oder dem Kleid oder der Bluse - mal sehen.

Ich wünsche euch allen geruhsame Weihnachten und hoffe, dass euer Weihnachtskleid ganz wunderbar geworden ist!

Dienstag, 16. Dezember 2014

Was tut man, wenn..

Das Weihnachtskleid liegt noch unverändert herum und ich muss mich dringend ranhalten, aber bis dahin zeige ich euch einen kleinen Auszug aus Beyer - Mode für Alle von 1943.

Damals waren Kleiderschränke noch nicht so üppig gefüllt und Kleider wurden getragen bis sie wortwörtlich auseinander fielen. Kragen und Manschetten oder andere Teile, die schnell verschleißen, wurden ausgetauscht. Das sparte Stoff und so entstand auch das typische Bild von zweierlei Stoffen in Kleider, Hemden und Blusen.

Heutzutage scheint sich das Ausbessern kaum noch zu lohnen. Der Aufwand ist fast zu groß und ein neues Kleid schnell gekauft, aber dennoch kann man auch modisch durch solche Ausbesserungen einiges erreichen wie man hier sieht!

Bessert ihr Kleidung noch aus? Oder landet gleich auf dem Müll wo der Kragen verschlissen oder ein Loch drin ist?
[verlinkt beim Creadienstag]


Freitag, 12. Dezember 2014

Anleitung: Schulterpolster

In den 40er und 50er Jahren wurden oft und gern Schulterpolster in Kleidern, Blusen und Pullovern verwendet - die sorgten neben der schmalen Taille auch für die gewünschte Sanduhrensilhouette. 

Allerdings waren das natürlich keine von diesen schrecklichen, übertriebenen Schulterpolstern, wie wir sie aus den 80er Jahren kennen, sondern zurückhaltender. Doch trotz dieser Zurückhaltung sitzt so manches Oberteilen eben nur mit Schulterpolstern so richtig gut. 

Somit kommt man auf Dauer nicht um Schulterpolster herum, wenn man nach den alten Schnitten näht, daher möchte ich euch heute zeigen wie man die selbst macht:

 
[Elsa April 1950]

Und ihr? Seid ihr Freunde von Schulterpolstern oder haben die 80er Jahre da zu viel zerstört? Habt ihr schonmal welche selbst gemacht?

Montag, 8. Dezember 2014

Anleitung: FBA - Anpassung für großen Busen

Was ist eine FBA?

 

FBA steht für Full Bust Adjustment, also auf deutsch eine Anpassung für einen großen Busen. Da die meisten Schnittmuster auf eine Körbchengröße B ausgelegt sind, haben Frauen mit mehr Busen zu wenig Platz um die Brust - diesen Platz schafft die FBA.

Brauche ich eine FBA?


Üblicherweise brauchen Frauen mit Körbchengröße C oder mehr eine FBA. Ob Du eine FBA brauchst, siehst Du am besten am Kleidungsstück - entweder am Probeteil oder auch an Kaufklamotten. Wenn Dir zB Blusen stets überall passen, aber die Knopfleiste über der Brust aufspringt oder auch wenn es um die Brust zwar herum passt, aber die Schulter zu weit ist und es an der Taille schlabbert. Am Schnittmuster kann man es auch schon erahnen, wenn die Maße von der Taille viel zu groß ausfallen.

Wie mache ich eine FBA?


Eine FBA gehört zu den Dingen, die unheimlich kompliziert sind - bis man sie gemacht hat. Denn Schritt für Schritt ist sie sehr einfach, logisch und gut nachzuarbeiten. Deshalb möchte ich Dir zeigen wie Du in nur 6 Schritten mehr Platz für Deine Kurven schaffst. 

Ein kleiner Hinweis: Das ist die einfachste Variante einer FBA und auch nicht die einzige Möglichkeit, also nicht wundern, falls Dir noch andere Varianten begegnen.

1. Messen

 

Zunächst müssen wir über Maße sprechen. Normalerweise sind für ein Oberteil das Oberweitenmaß und das Taillenmaß wichtig. Bei einem großen Busen ist aber das Oberweitenmaß genau das Problem, daher umgehen wir es indem wir statt die gesamte Brustbreite [Full Bust] nur die kleine Brustbreite messen [High Bust].

Am besten misst eine zweite Person, die hinter Dir steht. Stelle Dich entspannt und gerade [aber nicht steif] hin. Ihr legt das Massband hinten an als würdet ihr die normale Oberweite messen, aber dann führt ihr das Maßband direkt unter den Achseln hindurch und messt den Brustansatz.

Dieses Maß ist zum einen das fiktive Oberweitenmaß, nach dem Du die Größe bestimmen kannst, und zum anderen zeigt der Unterschied zwischen diesem Maß und der normalen Oberweitenmaß an welche Breite Du durch eine FBA hinzufügen musst.

So habe ich zB eine Brustbreite von 112cm, aber nur eine kleine Brustbreite von 104cm. Ich muss also meine Größe nach der kleinen Brustbreite wählen und insgesamt 8cm, also 4 cm pro Seite hinzufügen.

2. Brustpunkt bestimmen

 

Der Brustpunkt bezeichnet den höchsten Punkt Deiner Brust. Üblicherweise ist es die Brustwarze, aber je nach Form kann es auch mal ein anderer Punkt sein. Dieser Punkt ist wichtig, weil genau hier am meisten Platz benötigt wird und alle Abnäher stets auf diesen Punkt zulaufen.

Du hälst also einfach das Schnittmuster an Dich ran und machst einen Punkt dort wo Deine Brust ihren höchsten Punkt hat - bei mir ist es der schwarze Punkt. Der markierte Bereich ist der Bereich wo ich mehr Platz brauche und die kleinen Falten in der vorderen Mitte deuten das Problem an, dass dort der Stoff spannt.


3. Weite zugeben

 

Nun schaffen wir Platz! Zunächst widmen wir uns der Breite unseres Schnittmusters. Dazu zeichnen wir zunächst paralell zur vorderen Mitte, also genau senkrecht, eine Linie von der Taille zum Brustpunkt. Von da aus zeichnen wir eine Linie zu dem Punkt, der das untere Drittel des Armlochs anzeigt. Diese Linie schneiden wir bis kurz vor das Armloch - am Armloch schneiden wir nicht durch! Es verbleibt eine kleine Verbindung, die dafür sorgt, dass das Armloch sich in der Länge nicht ändert. Der Ärmel bleibt also von der FBA zemlich unberührt.

Außerdem zeichnen wir eine Linie von der Seitennaht waagerecht zum Brustpunkt. Diese Linie schneiden wir von aussen nach innen, aber auch hier bleibt kurz vor dem Brustpunkt eine Verbindung bestehen. 

Nun wird das untere rechte Teil nach unten gezogen, sodass die senkrechte Linie einen paralellen Spalt bildet. Dieser Spalt sorgt für die zusätzliche Breite, die wir zugeben müssen. Also ziehen wir den Spalt so weit auseinander bis wir das fehlende Maß [bei mir die oben genannten 4cm] erreichen.

Du siehst, dass der waagerechte Schnitt sich aufklappt und einen Freiraum schafft. Daraus wird nachher einen Abnäher und schließen wir diesen Abnäher später wieder, dann ist die Länge der Seitennaht gleich. Das ist wichtig, denn wir wollen an den Seitennähten nichts verändern, damit unser Vorderteil weiterhin ohne Probleme zum Rückenteil passt.

4. Länge zugeben


Ein großer Busen braucht aber nicht nur Breite, sondern auch Länge, denn der Stoff legt über die große Brust mehr Wegh zurück, also schneiden wir waagerecht links neben dem Spalt das Schnittmuster durch und ziehen das Stück so nach unten, dass es wieder auf einer Höhe mit dem auseinandergezogenen Teil des Schnittmusters ist.

Die vordere Mitte wird also verlängert - das ist unsere einzige 'Naht', die von der FBA betroffen ist und nicht durch einen Abnäher wieder verkürzt wird.

Das Schnittmuster ist nun komplett zerschnitten, aber in den Umrissen fertig angepasst und Du kannst es jetzt neu abzeichnen, bevor Du weiter machst, aber achte darauf alle entstandenen Freiräume zu markieren.

5. Abnäher setzen

 

Die Abnäher sorgen dafür, dass die Seiten- und Taillennaht unverändert passt, sodass die benötigte Weite wirklich nur am Busen sitzt.

Also zeichnen wir erneut den Brustpunkt ein und lassen die Abnäher von den entstandenen Freiräumen auf diesen Brustpunkt zu laufen. Abnäher zeigen wie bereits gesagt direkt auf den Brustpunkt. Sie sollten stets rund 5cm vor dem Brustpunkt enden und am Schluss etwas spitzer zu laufen, damit sie keine Falten werfen. Da die Brust rund ist braucht sie sowohl den Abnäher von der Seite als auch von unten, aber natürlich kann man die Abnäher auch noch verlegen - wie man Abnäher verlegt, zeige ich euch aber ein anderes Mal.

6. Fertiges Schnittmuster


Unser Schnittmuster ist also fertig. Verändert haben wir die Länge der vorderen Mitte, die Breite auf Brusthöhe sowie das Einfügen von zwei Abnäher. Die Abnäher steppen wir natürlich am Vorderteil als erstes und dann wirst Du schon sehen, wie die Abnäher Deine Brust nachformen.

Es bleiben alle Nähte, die auf andere Teile des Schnittmusters treffen, unverändert. Das Armloch blieb durch die Verbindung unverändert, das Rückenteil passt an Schulter- und Seitennähten genau so zusammen wie das Rockteil an der Taillennaht.

So, seid ihr gut mitgekommen? Habt ihr noch Fragen oder ist alles klar?
[verlinkt beim Creadienstag]


Sonntag, 7. Dezember 2014

Weihnachtskleid Sew-Along #4

Willkommen zum vierten Teil vom Weihnachtskleid Sew-Along!

Ich muss gestehen, dass ich in dieser Woche kaum etwas geschafft habe - lediglich den Rockteil zugeschnitten und zusammengefügt. Der sitzt soweit schonmal sehr gut und der Stoff ist äußerst angenehm, allerdings habe ich da nun nicht so recht etwas vorzuzeigen.

Bevor ich mich nun aber weitermache, wollte ich euch schnell noch zeigen, dass wir auch nicht die ersten sind, die sich zu Weihnachten ein Kleid nähen - auch diese junge Dame aus dem Jahr 1956 tat das schon und erntet zu Recht Komplimente.

 
[aus Schwabe - Der neue Schnitt 12/1956]

Ich hoffe wir stehen auch alle am Weihnachtsabend zu erfreut an der Kaffeetafel und wünsche euch einen fleißigen zweiten Advent! Und nächste Woche geht es hier dann mit einem hoffentlich fast fertigem Kleid weiter..

Dienstag, 2. Dezember 2014

Schneiderlehrgang - Der Zuschnitt von gemusterten Stoffen - Teil 3

Kommen wir zum letzten Teil der Reihe zum Zuschnitt von gemusterten Stoffen.


Einmal die ganze Seite damit die Stoffverbrauche im Vergleich gut sichtbar sind - der Text kommt danach nochmal lesbar. Die Stofflängen gehen von 3,00m über 3,50m und 3,85m bis 5,10m bei je 90cm Breite, die damals noch üblich war.



Erstaunlich wie sich die Längen je nach Stoffmuster oder -struktur ändern können. Sollte man beim Stoffkauf wohl immer mal wieder vor Augen haben.

Ich hoffe der kleine Schneiderlehrgang zum Zuschnitt von gemusterten Stoffen hat euch Freude gemacht und es waren ein paar wertvolle Tipps dabei für künftige karierte, gestreifte oder sonst gemusterte Stoffe.
[verlinkt beim Creadienstag]