Dienstag, 25. Juli 2017

Fertig: Hut und Rock von 1956!


Über den Rock gibt es nicht viel zu berichten - der Schnitt von 1956 ist der gleiche wie beim smaragdgrünen Rock. Eigentlich ein Bahnenrock habe ich die vordere und hintere Mitte in den Bruch gelegt, so fällt der Rock etwas anders, aber das macht dem einfachen Baumwollköper nicht viel aus.

Es ist ein Stoff, den man gern mitnimmt, weil er zu allem passt, aber sich nicht mehr recht entsinnt woher er eigentlich stammt - zumindest geht mir das so. Ich bin allerdings noch nicht ganz entschlossen, ob mir der Rock nicht vielleicht zu schlicht ist und ich Taschen aufsetzen sollte.


 Das Retroshirt Boogie zeigte ich bereits und passend dazu wollte ich gern ein Hütchen habe. Ich finde Hutmode ganz wunderbar, aber finde es tatsächlich ein wenig schwierig mit. Zum Einen habe ich einen sehr großen Kopf und zum Anderen meist sehr genaue Vorstellungen und es ist schwer für jemand anderen diese zu erfüllen. Ich habe mal vor einigen Jahren schon eine Modistin im Fernsehen gesehen, die sehr charmant war und erzählte, dass es immer schwieriger wird die Kundinnen glücklich zu machen. Da heutzutage das Anfertigen lassen von Hüten [oder auch übertragbar auf Kleidung oder Schuhe] eher unüblich ist, haben Kundinnen, die sich nach langem Überlegen doch dazu entschließen, oftmals zu viel erwartet. Dann sind sie enttäuscht, wenn das fertige Stück nicht alle gehegten Wünsche erfüllt, weil diese gar nicht mehr zu erfüllen waren.


Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich möchte mein Gebastel nicht mit dem Modistenhandwerk vergleichen! Aber dennoch bin ich recht zufrieden mit meinem Werk. Grundlage dafür waren ein stoffüberzogener Rohling und Netzschleier [beides in China bestellt], ein Samtband und Kunstblumen. Als Werkzeuge dienten die Heißklebepistole und Nadel und Faden.

Der Rohling ist leicht rundlich geformt und mit Stoff überzogen, sodass er ein wenig an Filz erinnert. Innen hat er so etwas wie eine Moosgummischicht. Eine Grundlage zu finden ist das Schwierigste und die ist hier wirklich sehr schlicht, aber sie genügt.


Der Rest ist schnell erklärt. Ich schnitt den Rohling etwas anders zu und entfernte die ursprünglichen Krokodilklammern. Mit der Heißklebepistole klebte ich zunächst rundrum ein Samtband und die Blumen an, wie es mir gefällig erschien und nähte danach den Netzschleier am unteren Ende an. Damit das zusammengeraffte Netz nicht so komisch aussieht, klebte ich eine kleine doppelte Samtschleife auf. Hinten nähte ich einen Haarkamm an und überdeckte ihn und die Stellen, an denen vorher die Klammern waren ebenfalls mit Samtband. Beim Annähen des Haarkammes habe ich den Rohling noch ein wenig runder geformt, damit er sich gut legt.


Die Gestaltung dauerte am längsten - welche Form soll der Rohling bekommen? Wohin mit den Blüten? Und wie sieht der Hutschleier am besten aus? Nachdem das alles entschieden war, war der Rest nur ein wenig Fleißarbeit und viel heißer Kleber.


Ich bin äußerst zufrieden mit dem Ergebnis - das Hütchen erinnert sofort an die gewünschte Zeit und ist sehr hübsch geworden. Es trägt sich zudem problemlos und wird sich gut in meine Garderobe einfinden.
Was sagt ihr? Ist es nicht süß geworden?

[verlinkt beim Creadienstag]

Donnerstag, 20. Juli 2017

Fertig: Ein Retroshirt Boogie in Flieder und Veilchen!


Massenware gibt es schon lange. Manche Gegenstände erfreuen sich halt großer Beliebtheit und bei vielen Dingen bemerkt man das bis heute: Immer wieder begegnen mir besonders auf dem Flohmarkt ältere Veilchenbroschen der gleichen Art, aber mit unterschiedlichen Blütenanzahl und -größe. Ab und an sind sie zudem in gutem Zustand und günstig zu bekommen, dann nehme ich sie mit. Und so präsentiere ich heute zwei davon an meinem neuen Retroshirt Boogie in einem zarten Lavendelton - das ist zwar keine Massenware, sondern ein Einzelstück, aber erfreut sich zumindest hier im Hause auch großer Beliebtheit.


Der fliederfarbene Jersey ist von alfatex und enthält neben der Baumwolle noch etwas Elasthan. So ist er ein wenig fester als der Jersey vom letzten Modell und vorn in der Brust dieses Mal in Falten gelegt.


Ich finde die Falten vorn ordentlicher und gefälliger als die Kräusel. Außerdem habe ich das Rückenteil, das erst vorn auf das Vorderteil trifft, weniger gekräuselt, sodass der Ausschnitt weniger weit ist und ich nicht Gefahr laufe, dass die Träger des Büstenhalters hervorblitzen.


Den Rock hatte ich hier bereits gezeigt - durch seine einfache Form und den in sich gemusterten, aber einfarbigen Stoff ist er ein wunderbar kombinierfreudiges Teil. Durch das Grün in den Broschen ist er ein guter Partner für das Retroshirt.


So richtig überzeugen kann Jersey mich insgesamt immernoch nicht, aber dennoch bin ich froh, dass ich nun einen Schnitt habe, mit dem ich Jersey für den Notfall (also wenn der Stoff wirklich ganz besonders hübsch ist) für mich tragbar machen kann. Und ich muss schon zugeben, dass mir dieses Shirt und in der Kombination sehr gut gefällt und euch? Kennt ihr die Veilchenbroschen auch?
[verlinkt bei Rums]

Mittwoch, 12. Juli 2017

Augen auf beim Stoffekauf!

Heute mal ein anderes Thema: Unsere Rechte als Verbraucher.

Gleich vorneweg: Dies stellt keine Rechtsberatung dar und ich übernehme keine Gewähr - jeder ist selbst verpflichtet sich zu informieren. Es geht hier lediglich um das Zusammentragen von Rechtsvorschriften und Urteilen, die insbesondere Stoffe, Bänder, Schnittmuster oder andere Dinge im Zusammenhang mit dem Nähen betreffen.

  1. Der Widerruf im Allgemeinen
  2. "Meterware ist vom Widerruf ausgeschlossen"
  3. Widerruf bei digitalen Medien
  4. Umtausch statt Widerruf
  5. Mängel und Reklamation
  6. Stoffeigenschaften und die Frage, ob ein Mangel vorliegt
  7. Papierschnitt, Ebook & Freebook - der Weiterverkauf
  8. Papierschnitt, Ebook & Freebook - die Privatkopie





1. Der Widerruf im Allgemeinen


Das Widerrufsrecht (§312g BGB) steht uns als Verbrauchern bei allen Geschäften mit Unternehmern zu, die wir nicht in deren Geschäftsräumen oder per Fernabsatzvertrag (Onlinebestellung) abgeschlossen haben, also bei denen wir die Ware nicht vor Ort auf deren Eigenschaften testen konnten (gilt auch für Ware im Schlussverkauf oder wenn ich meinen Onlinekauf persönlich im Laden abhole!). Und genau das soll uns durch das Widerrufsrecht ermöglicht werden, nämlich das Prüfen der gekauften Ware und die Wahl, ob wir das Geschäft aufrecht erhalten wollen oder nicht - so müssen wir nicht die Katze im Sack kaufen.

Also für einen Widerruf reicht es, dass uns die erhaltene Ware nicht gefällt, anders aussieht als erwartet oder wir es uns schlicht anders überlegt haben. Es braucht keine Begründung eines Widerrufs!

Wir haben nach Erhalt der Ware 14 Tage Zeit uns zu überlegen, ob wir widerrufen wollen und dies müssten wir dann innerhalb dieser Zeit dem Händler eindeutig mitteilen (§355 BGB). Die Kosten der Rücksendung kann der Händler dem Verbraucher auferlegen, aber das muss er in die AGB's schreiben oder euch vor Vertragsabschluss darauf hinweisen - tut er das nicht, dann muss der Händler die Kosten übernehmen.


2. "Meterware ist vom Widerruf ausgeschlossen"


Dies mag so mancher schonmal gelesen haben - auch große Ketten haben dies in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen. Aber stimmt das?

Tatsächlich gibt es Ausnahmen für den Widerruf - das ist gemäß §312g Abs. 2 BGB zum Beispiel der Fall bei verderblichen Waren, Zeitungen oder bei hygenisch bedenklichen Waren, aber auch bei
"Waren, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl oder Bestimmung durch den Verbraucher maßgeblich ist oder die eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse des Verbrauchers zugeschnitten sind".
Das soll verhindern, dass der Händler Ware zurücknehmen muss, die so persönlich ist, dass sie für ihn wertlos ist oder nur mit unzumutbarem Nachlass verkauft werden kann.

Nun bestellen wir ja im Onlineshop eine bestimmte Menge Stoff, Borten oder Bänder und diese wird für uns persönlich zugeschnitten, also könnte man durchaus meinen, dass diese Ware vom Widerruf ausgeschlossen ist. Aber wir sprechen hier von Meterware - wie der Name schon sagt handelt es sich um Ware, die nach Metermaß verkauft wird und es liegt in der Natur der Sache, dass diese Ware geschnitten wird. So führte auch das AG Donaueschingen (AZ: 11 C 185/10) aus, dass die "vorgenommene Angabe der Anzahl der (vollen) Meter des (..) ausgewählten Stoffes – bei regelmäßig als „Meterware“ verkauften Sachen – von vornherein keine „Spezifikation“" ist. Nun spricht das Gericht hier vom vollen Meter - tatsächlich bieten immer mehr Händler an in kleineren Schritten zu kaufen und auch hier ist sicherlich davon auszugehen, dass jedes Maß das als geschäftsüblich anzusehen ist, nicht spezifiziert genug ist, um den Widerruf auszuschließen.

Der Händler kann ein zugeschnittenes Stoffstück ganz normal und zum gleichen Preis weiterverkaufen - oftmals kann man ja auch Meterware schon 'vorportioniert' erwerben, daher liegt hier keine ausreichende Spezifikation vor. Grundsätzlich handelt es sich bei solch spezifizierten Waren um Dinge wie Maßanzüge, Sonderanfertigungen außerhalb des händlereigenen Baukastens, Gravurware oder Grabsteine. Wann wäre denn alltägliche Meterware persönlich genug? Tatsächlich wird das im Einzelfall betrachtet werden müssen, aber beispielsweise wenn ihr den Händler vorab bittet euch den gekauften Meter in 10cm zu stückeln oder wenn ihr euch Stoff nach euren Wünschen bedrucken lasst, dann läge eine „Spezifikation“ vor. Auch nach Maß angefertigte Gardinen sind vom Widerruf ausgeschlossen, allerdings ist dies sicherlich auf die fertige Ware Gardine und nicht auf die Meterware bezogen (Drucksache zum §312g BGB).

Nun stehen wir aber vor einem anderen Problem: der Ausschluss steht doch in den AGB's und wir haben denen beim Kauf zugestimmt, also was tun?

Ein Händler kann in seinen AGB's die Rechte des Verbrauchers nicht einschränken! Er darf sie freiwillig erweitern (zB 30 Tage Widerrufsfrist oder die Möglichkeit des Umtausches einräumen) oder er darf innerhalb des gesetzlich vorgeschrieben Rahmens Bestimmungen machen (zB bei den Rücksendekosten), aber er darf unsere Rechte nicht beschneiden - die gesetzlichen Vorschriften sind das Mindestmaß! Dieser Teil der AGB's ist also schlicht unwirksam - und noch dazu abmahnfähig. Falls der Händler darauf verweist, solltet ihr ihn widerum auf die gesetzlichen Vorschriften aufmerksam machen und ausdrücklich euren Widerruf erklären.


3. Widerruf bei digitalen Medien 


Immer mehr Ebooks drängen auf den Markt - kann man so eines eigentlich auch widerrufen, zB weil es nicht gefällt? Das ist etwas kniffelig, daher verweise ich an dieser Stelle auf diese gute Erläuterung des Händlerbundes.


4. Umtausch statt Widerruf


Die Möglichkeit einen Umtausch einzuräumen ist freiwillig, aber im normalen Handelsgebahren durchaus üblich. Der Händler erlaubt dann eine Ware (wir kennen das sicherlich alle von Kleidung) ohne Begründung innerhalb einer bestimmten Frist gegen Geld oder Gutschein umzutauschen. Das gilt dann auch bei Waren, die im Ladengeschäft erworben wurden. Falls der Händler diese Möglichkeit einräumt, dann kann er dies zu seinen Bedingungen tun, also wäre "Meterware ist vom Umtausch ausgeschlossen" zulässig - schränkt aber weder den Widerruf noch die Reklamation ein!


5. Mängel und Reklamation


Ein anderes Thema sind Mängel (§434 BGB). Die Ware ist frei von Mängeln, wenn sie
  • "die vereinbarte Beschaffenheit hat" oder 
  • "wenn sie sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann."
Ist die Sache mangelhaft, also zB hat der Stoff Löcher oder Druck-/Webfehler oder wurde euch nicht die vereinbarte Länge geliefert, dann könnt ihr dies dem Händler mitteilen und der muss entweder den Mangel beheben (was wohl im Alltag mit Stoffen kaum vorkommt) oder eine mangelfreie Ware liefern (§439 BGB). Die Kosten, die dadurch entstehen, sind vom Händler zu tragen.

Ihr habt den Stoff einfach in den Schrank gelegt und erst einige Wochen später bemerkt, dass da ein Mangel vorliegt? Kein Problem, denn Mängelansprüche verjähren erst nach zwei Jahren (§438 Abs. 1 Nr. 3 BGB).

Aber Achtung: Nach einem halben Jahr dreht die Beweislast (§476 BGB). Man geht also davon aus, dass jeder Mangel innerhalb der ersten sechs Monate auch schon beim Verkauf vorlag - danach ist es die Pflicht des Verbrauchers zu beweisen, dass der Mangel bereits vorlag. So könnten zB Löcher ja auch erst bei euch entstanden sein - bei Druck- oder Webfehlern sollte klar sein, dass die schon beim Verkauf vorlagen.

Ausgenommen davon sind natürlich Waren, wenn wir ihren Mangel beim Verkauf kannten (zB bei zweiter Wahl oder nach Hinweisen des Händlers - §442 BGB).


6. Stoffeigenschaften und die Frage, ob ein Mangel vorliegt


Schwierig ist die Frage, ob überhaupt ein Mangel vorliegt - ist Einlaufen oder Ausbluten ein Mangel? Ist Pilling oder verblasste Farben nach den ersten Wäschen ausreichend für Reklamation? Und wo endet die sachgemäße Verwendung?

Regelmäßig kann man davon ausgehen, dass Stoffe, die der Wäsche ausgesetzt werden, Einlaufen oder Farbe verlieren. Das wird jede Hausfrau bestätigen können und somit handelt es sich dabei grundsätzlich um ein übliches Merkmal von Stoffen und ist hinzunehmen. (Wenn auch etwas anders gestaltet, aber ein Urteil über das normale Einlaufen, nämlich die "Entspannungskrumpfung", gab es beim Landesgericht in Bonn (Az. 5 S 166/10)).Dies gilt grundsätzlich auch für Farbverlust, obwohl man - wie immer - auf den Einzelfall abstellen müsste. So ist ein Farbverlust natürlich normal, aber wenn ein roter Stoff plötzlich zartrosa aus der Wäsche kommt, dann ist das sicherlich ein Mangel.

Ähnlich verhält es sich auch beim Pilling oder bei Ziehfäden zB bei Frottee - es handelt sich dabei sicherlich manchmal um ein Zeichen von schlechter Qualität, aber nicht um einen Mangel, denn dies ist auch bei Sachen gleicher Art üblich.

Noch etwas kniffeliger wird es bei der Frage der richtigen Wäsche - wurde der Stoff sachgemäß gewaschen oder vielleicht zu heiß? War die Maschine zu voll oder wurde zu sehr geschleudert? Weist ein Stoff nach der ersten Wäsche einen Mangel auf, dann wird es schwierig nachzuweisen, dass es am Stoff selbst liegt. Die Pflege der Ware, also auch die Wäsche, ist im Risiko des Verbrauchers - man wäre dann auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen.
Daher empfiehlt es sich auf jeden Fall den Stoff vorab zu prüfen und wenn er zB Flecken hat, dann sollte man vor der Wäsche den Verkäufer darauf hinweisen und im Zweifel lieber reklamieren bzw. sich versichern, dass der Verkäufer die gewaschenen Stoffe zurücknimmt, falls die Flecken nicht rausgehen.


7. Papierschnitt, Ebook & Freebook - der Weiterverkauf


Kurz noch am Rande zu den Schnittmustern, denn auch da stellt sich immer mal wieder eine Frage, nämlich die nach dem Wiederverkauf.

Hier muss man unterscheiden, ob es sich um einen greifbaren Gegenstand oder um eine digitale Ware handelt.

Einen greifbaren Gegenstand, also ein Buch, einen Papierschnitt oder eine CD, darf jeder von uns im privaten Bereich weiterverkaufen oder verschenken, spenden oder tauschen. Wir brauchen dazu nicht die Erlaubnis des Händlers und dürfen zB den Gegenstand auch teurer verkaufen als wir ihn erworben haben.

Bei einer Datei verhält es sich anders, denn wir haben keinen greifbaren Gegenstand, sondern ein Nutzungsrecht erworben. Und dieses Nutzungsrecht darf der Verkäufer einschränken, also verbieten, dass die Ware weiterverkauft oder kopiert wird. Zur Zeit stimmt die deutsche Rechtsprechung dieser Einschränkung zu (OLG Hamm Az. 22 U 60/13) - ob das so bleibt wird der europäische Gerichtshof entscheiden müssen.

Übrigens ist es egal, ob man die Datei für eine Gegenleistung oder frei (Freebook) erhalten hat.


8. Papierschnitt, Ebook & Freebook - die Privatkopie


Eine Privatkopie, also eine Vervielfältigung für den Verbraucher selbst ist immer erlaubt (solange kein Kopierschutz dafür geknackt wird). Die Privatkopie erlaubt also ein Schnittmuster nicht zu zerschneiden, sondern so oft man möchte abzumalen, und man darf auch das Ebook ausdrucken und für den eigenen Gebrauch auf verschiedenen Festplatten speichern. Man darf eine Privatkopie sogar an sein sehr enges privates Umfeld geben, also zB die Mutter oder die beste Freundin (nach gängiger Rechtssprechung maximal 7 Kopien).

Man darf allerdings nicht (und schon gar nicht gegen Gewinn) Kopien in den Umlauf bringen, also an sonstige Dritte weitergeben - das verstößt gegen das Urheberrecht und führt daneben zu Schadensersatzansprüchen des Händlers.

Noch ein Hinweis: Das Erstellen von Schnittmustern ist eine Arbeit, die wie jede andere wertgeschätzt und vernünftig bezahlt werden sollte. Das unerlaubte Weiterreichen und Vervielfältigen ist daher nicht nur verboten, sondern auch moralisch verwerflich! Und wenn euch ein Schnittmuster so gut gefällt, dass ihr eure Lieben daran teilhaben lassen wollt, dann schenkt ihnen doch einfach ihr eigenes Schnittmuster.


Schlusswort


Recht ist immer ein heikles Feld und muss im Einzelfall betrachtet werden, dennoch wir haben Rechte und sollten diese kennen, daher dieser kleine Beitrag. Ich weise nochmal darauf hin, dass es sich nicht um eine Rechtsberatung handelt und ich keine Gewähr übernehme. Ich hoffe dennoch, dass es vielleicht über die ein oder andere Unsicherheit hinweghilft. Habt ihr noch Fragen? Ich nehme auch gern noch weitere Themen dazu.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Fertig: Hosenrock & Retroshirt Boogie!

Normalerweise kaufe ich nur Stoffe, die in meine Farbwelt passen - ich bin ein Sommertyp und mir stehen kühle Farben: Vanillegelb, Kirschrot, dunstiges Blau, Mint oder Zartbitterschokoladenbraun. Was mir nicht steht: Schwarz, Weiß, orangestichiges Rot, Türkis oder Ocker. Und trotzdem kaufte ich einen Stoff, der (von Ocker mal abgesehen) mal so gar nicht zu mir passt..

 

Aber ich kann das erklären: Es war einer dieser sehr heißen Tage und ich ging eigentlich nur in den Stoffladen, weil es da immer so schön kühl ist (es ist immer gut eine Ausrede für einen Besuch im Stoffladen zu haben). Da begegnete mir diese wundervolle Viskose, kühl und griffig, das Muster blumig und zur Abwechslung mal irgendwie modern - das perfekte Stoff für die lange Version des Hosenrockes nach Burda 120 aus 05/2014. Und wenn so weit von meinem Gesicht entfernt, dann merkt bestimmt auch keiner, dass die Farben mir nicht stehen. Ich konnte nicht widerstehen..


Wie es den Viskosen so eigen ist, floß der Stoff beim Nähen in alle Richtungen und ließ sich nur widerwillig vernähen, aber dafür umso schöner tragen - leicht und luftig und perfekt für heiße Tage.

Und so stand ich vor dem Schrank auf der Suche nach dem passenden Oberteil und.. nunja.. hatte keines. Logischerweise besitze ich kein Oberteil mit einer Farbe, die mir nicht steht, also auch keines, das zum Rock gepasst hätte.


Ich ging also wieder in den Stoffladen und hielt meinen Stoff an alles ran, was in mein Farbschema passt und alles war irgendwie nicht das Wahre. Nur ein kräftiges Taubenblau gefiel mir für uns beide - und das war Jersey! Ich bin kein Jerseymädchen, ich fühle mich darin unangezogen und nackt, außerdem fehlt mir die Erfahrung in der Verarbeitung. Aber ich bin auch kein Mädchen für solche Farben und das hatte mich offensichtlich auch nicht abgehalten.

Also kaufte ich im Stoffladen den Jersey und zuhause dazu einen Schnitt für Jersey, nämlich das Retroshirt Boogie. Ich mag das Detail, dass das Rückenteil bis zum Ausschnit vorn durchgeführt wird und Raffungen finde ich ja eh schick.


Genäht habe ich das Retroshirt Boogie in der größten Größe und auf eine FBA verzichtet. Beim nächsten Mal würde ich den Stoff vom Vorderteil in der Seitennaht etwas einhalten und am Ausschnitt noch etwas mehr auf Zug nähen, weil der zu lose geraten ist. Außerdem werde ich es mal mit Falten versuchen, denn die Kräusel betonen die Oberweite schon sehr.

Aber ist trotzdem ein Happy End, denn ich finde Jersey zwar immernoch komisch zu tragen, aber das Blau passt zu mir und zum Rock und bequem ist es ja schon.


So bin ich auf jeden Fall auf die kommenden heißen Tage vorbereitet und wenn es mir doch zu warm wird, dann ist da ja noch der kühle Stoffladen. Aber ich werde mich wieder brav an mein Farbschema halten! Habt ihr ein Farbschema, dem ihr treu seid, und klappt das immer? Oder auch mal so einen Ausrutscher?

[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Mittwoch, 28. Juni 2017

Fertig: Kleid mit Zackenlitze.. viel Zackenlitze!

Heute möchte ich euch ein Kleid präsentieren, das mich bereits eine Weile verfolgt: Als ich in 2012 mit dem Nähen begann, postete Colette Patterns einen kleinen Beitrag über Zackenlitze als schmückendes Detail. Teil dieses Beitrages war ein wunderbares, blaues Kleid aus den 50er Jahren, das ich auf Anhieb haben wollte, aber ich stand ja erst am Anfang mit dem Nähen und so verlief es sich im Sande. Ein gutes Jahr später postete Erika ihre Version dieses Kleides und wieder wollte ich es auch haben, aber wieder verlief es sich im Sande.

Dann fand ich das Kleid vor einigen Wochen bei pinterest wieder und an der Faszination hat sich nichts geändert - ich wollte es wirklich haben! Und welch glückliche Fügung, dass ich auch einen hellblauen Stoff hier liegen hatte, der genau dafür reichen würde..


Doch bevor es losging brauchte ich ja erstmal passende Zackenlitze. Die Suche vor Ort war leider vergeblich, also musste ich im Netz schauen. Gar nicht so einfach, wenn man die Litze gleich meterweise braucht. Ich schrieb also mehrere Händler an, die hellblaue Zackenlitze im Angebot hatten, und entschied mich schließlich für 25m baumwollene Litze. Die würde zwar nicht reichen, um das Kleid in so engen Streifen zu schmücken wie das Original, aber war die längste verfügbare Zackenlitze und erschien farblich und von der Breite gut zu passen. Und sie passt wirklich so exakt zu meinen Vorstellungen und dem Kleiderstoff, dass es kaum zu glauben ist.


Aber wie kommt die Zackenlitze nun ans Kleid? Einen Moment lang fürchtete ich, dass ich das gesamte Schnittmuster zerhackstückeln müsste, aber das geht auch einfacher: Man sieht auf den Bildern des Originals, dass das Oberteil Teilungsnähte hat - würde es komplett aus Streifen bestehen, würde das keinen Sinn machen, weil man die Passform dann über die Streifen schaffen könnte. Ich vermutete also, dass die Nähte in Wahrheit nur Nahtbiesen sind, die nach inne liegen, und genauso nähte ich auch.

Durch die Biesen (im Schnitt ca. 2mm breit, also 4mm Längenverlust pro Biese) hat sich die Länge nur wenig geändert, sodass ich ganz pragmatisch am Saum jeweils einfach ein wenig mehr Länge zugab.

Für das Oberteil verwendete ich den Schnitt vom zweiteiligen Kleid aus dem letzten Jahr und für das Rockteil den Schnitt des smaragdgrünen Rockes von 1956. Der Rock ist so etwas schmaler als beim Original, aber das spart Zackenlitze.


Das Anbringen der Litze war aufwendig, wenn auch nicht kompliziert. Schwierig war eher das korrekte Ausrechnen der Abstände, um eine gute Verteilung zu erreichen. Gerade beim Oberteil, das vorn mehr Länge hat als hinten, war das ziemliche Rechnerei. Um noch etwas mehr Zackenlitze sparen zu können, habe ich den Abstand der Streifen im Kleid von oben nach unten größer werden lassen.

Zum Anbringen habe ich jeweils die Bruchlinie aufgezeichnet, gebügelt, die Zackenlitze an die Bügelfalte angelegt, ordentlich mit Nadeln festgesteckt und als schmale Biese abgesteppt. Das ist auch schon der ganze Trick, aber es dauert halt sehr lang die Zackenlitze aufzubringen. Es war die Mühe aber wert und ich bin begeistert, wie gleichmäßig es mir gelungen ist.


Das Kleid ist leider einen Tick zu eng an Hüfte und Brust geraten. Da ich wegen der Zackenlitze keine Möglichkeit zum Auslassen habe, werde ich es entweder auf leichtes Dehnen beim Tragen hoffen oder ein bisschen Diät halten müssen.

Als Verschluss habe ich einen Reißer in der hinteren Mitte gewählt - an sich eine gute Wahl, allerdings komme ich nicht ohne eine helfende Hand in das Kleid oder heraus. Aber der Liebste ist zum Glück bislang sehr hilfsbereit in der Hinsicht.


Der einzige Nachteil an der schönen Zackenlitze ist, dass der Stoff durch die Nähte noch ein wenig steifer wird (und der Stoff ist sowieso schon von sich aus recht steif) und zum leichten Knittern neigt, aber da es eh ein Alltagskleid sein soll, nehme ich das mal so hin. Ich habe den Stoff von Karstadt und tippe auf Baumwolle mit ein wenig Elasthan. Ich meine mich zu erinnern, dass er 10 Euro kostete, dazu noch die Zackenlitze für knapp 35 Euro und ein vorhandener Reißer sowie Garn und Kleinkram. Macht ein Gesamtbetrag von rund 50 Euro.


Ich bin sehr zufrieden mit dem Kleid - es ist nahezu perfekt am Originalkleid bzw. meiner Vorstellung davon und passt insgesamt recht gut. Die Zackenlitze ist ein wunderbares Detail und das Kleid wirklich hübsch geworden.
Was sagt ihr zu meinem nachgemachten Kleid? Kommt es ans Original heran?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Dienstag, 20. Juni 2017

Die Liebe zum Detail!

Vielleicht geht es euch auch so, dass ihr das Gefühl habt andere seien viel produktiver und schneller. Im Netz wird scheinbar mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit genäht - die Teile 'hüpfen' nur so von der Maschine. Manchmal ist es schwer sich diesem Druck zu widersetzen und sich nicht zu fragen, ob man etwas mehr auf's Pedal treten sollte. Es sind aber die Details, die soviel Zeit brauchen. Es sind aber auch die Details, die so besonders Freude machen. Details, die vielleicht niemand außer mir sieht und die nicht notwendig wären, sondern einfach nur charmant.

Um zumindest einem Detail mal etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, möchte ich euch die stoffbezogenen Schulterpolster der Frühlingsbluse nicht vorenthalten:


Bei der Beerenbluse habe ich mir die Mühe aus Zeitgründen nicht gemacht und mich gestern beim Aufhängen der Wäsche über meine eigene Eile geärgert. Also in Zukunft lieber wieder mehr Zeit zum Details und sich nicht hetzen lassen.

Der Zauber steckt im Detail!

[verlinkt beim Creadienstag]