Dienstag, 21. Februar 2017

Abendkleider!


Abendkleider für einen bleibenden Eindruck aus der Rundschau 02/1952.

[verlinkt beim Creadienstag]

Freitag, 17. Februar 2017

Anleitung: Anpassung Hohlkreuz und runder Rücken!

Während ich den Beitrag zu Abnähern schrieb, kam auch das Thema Hohlkreuz auf. Ich selbst habe auch ein leichtes Hohlkreuz bzw. eine sehr aufrechte Haltung, also hier nun ein paar Hinweise zum Umgang mit dem Hohlkreuz und weil es dazu passt auch mit dem runden Rücken.

Nähen: Anpassung Hohlkreuz / Runder Rücken

» direkt zum Hohlkreuz » direkt zum runden Rücken


Einleitung


Ein paar Worte möchte ich vorab verlieren, denn es ist gar nicht so einfach bzw. selbstverständlich sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nähen erfordert - noch mehr als Kaufen - sich selbst in Hinblick auf gängige Maße zu hinterfragen. Es nutzt ja nichts sich Klamotten selbst zu nähen, um dann die selben Passformmängel zu haben wie bei der Konfektionsware. Also müssen Form, Figur und auch Fehlhaltungen und andere Abweichungen von der Norm genau betrachtet werden und das ist nicht leicht. Es lohnt sich aber. Gut sitzenden Kleidung ist den kritischen Blick in den Spiegel wert.

Falten oder schiefe Säume fallen viel schneller ins Auge als die Abweichung von der Norm an sich. Und das Hohlkreuz und auch der runde Rücken sind gute Beispiele dafür, denn es geht nicht darum diese genau auszuformen, sondern darum für eine bessere Passform und ein stimmigeres Gesamtbild zu sorgen.

Es können leider nicht alle individuellen Abweichungen dargestellt werden - jede Figur ist anders. Manchmal werden nach der ersten Anpassung weitere notwendig sein (z. B. Weite zugeben, Armloch anpassen oder Ähnliches) oder nach der Anpassung stellt man fest, dass es doch eine andere Ursache für die Falten gab. Es empfiehlt sich daher immer erst mal mit Probestücken zu arbeiten.


Ursache von Passformmängeln


Eine gewisse Wölbung in Richtung Taille haben wir alle aufgrund der normalen Rückenrundung und der Schulterblätter. Ein Hohlkreuz jedoch entsteht durch eine gekrümmte Wirbelsäule. Die schiebt die Taille nach oben und verkürzt daher die Länge in der Rückenmitte. Im Ergebnis ist das Schnittmuster zu lang und so staucht der Stoff hinten in der (meistens unteren) Rückenmitte.

Nähen: Anpassung Hohlkreuz / Runder Rücken

Den gegenteiligen Effekt hat ein runder Rücken - zumeist stärker am oberen Rücken ausgeprägt - sodass dieser die mittlere Rückenlänge verlängert. Auch dabei handelt es sich um eine Fehlhaltung in der Wirbelsäule, daher sind wieder die Seitennähte davon mehr oder weniger nicht betroffenen.


Das Hohlkreuz


Ein Hohlkreuz sorgt für Querfalten in der Mitte des unteren Rücken. Wir neigen dazu zu vermuten, dass zu viel Stoff stets ein Zeichen von zu viel Weite ist und versuchen besonders hinten fast reflexartig diese Weite durch vertikale Abnäher abzunähen. Wie oben beschrieben liegt das Problem aber meistens in der Länge.

Hinweis: Bevor ihr anfangt, prüft bitte, ob der Stoff genug Platz an der Hüfte hat. Falls diese zu eng ist, schiebt der Stoff sich hoch und verursacht dann ähnliche Falten.

Nähen: Anpassung Hohlkreuz / Korrektur

Da die Seitennähte vom Hohlkreuz unbeeinflusst bleiben, kann man nicht einfach nur das Rückenteil in der gesamten Länge kürzen, sondern muss es gezielt in die Mitte laufend verkürzen. Dazu näht ihr jeweils von der Rückenmitte aus einen Querabnäher zu den Seitennähten hin.

Die exakte Lage und Breite dieses Abnähers ist dabei nicht ganz einfach, weil es auf die Ausprägung und die Lage der Fehlhaltung ankommt. Im besten Falle habt ihr einen Helfer oder eine passgenaue Schneiderbüste und steckt direkt ab. Ansonsten solltet ihr euch über Probestücke an die ideale Lage herantasten.
Nähen: Anpassung Hohlkreuz / Korrektur in der Taille

Für ein gefälliges Aussehen bietet es sich sinnigerweise besonders bei Kleidern an, den Abnäher direkt an der Taille zu positionieren und zB in einer Teilungsnaht oder unter einem Gürtelchen zu verstecken.

Wenn Röcke oder Oberteile in der Taille enden, dann kann der Einfachheit halber der überschüssige Stoff am Bund oder am Saum weggenommen werden.

Wahlweise könnte man den Abnäher aber auch zum Designelement machen und mit einem Riegel oder einer Schleife den Abnäher akzentuieren oder den Abnäher aufteilen oder gestalten.

Besonders charmant an diesem Abnäher ist, dass man ihn auch noch nachträglich einfügen kann. Also auch bei schon fertigen oder gar gekauften Kleidungsstücken, könnt ihr diese Falten noch korrigieren.


Hohlkreuz: Variationen


Falls man einen Querabnäher lieber verhindern möchte [zB weil keine Taillennaht vorgesehen ist], kann man die Länge auch anders rausnehmen. Zwei gefällige Variationen möchte ich euch zeigen.

Weil es sich besonders für Kleider, die sowieso einen Reißer im Rücken haben, anbietet, kann man das Rückenteil durch eine Mittelnaht in Form bringen. Dazu wird der Abnäher einfach geschlossen. Dann kann man zwar nicht mehr im Bruch zuschneiden, aber kommt ohne Querabnäher aus und kann auch am Halsausschnitt noch kleinere Änderungen vornehmen.

Nähen: Anpassung Hohlkreuz / Korrektur Mittelnaht

Eine weitere Möglichkeiten wären Teilungsnähte, wie die Wiener Nähte. Diese bieten sich besonders bei Schnitten an, die sowieso weitere Abnäher vorgesehen habe. Die Wiener Naht wird einfach aufgeschnitten und der Abnäher an den einzelnen Teilen geschlossen.



Der runde Rücken


Der runde Rücken entsteht wie auch das Hohlkreuz durch eine Fehlhaltung, aber braucht durch die Wölbung mehr Länge. Dadurch, dass der Stoff über die Wirbelsäule mehr Weg braucht, bilden sich von unten Falten, die von der Seitennaht nach oben ziehen und der Saum ist mittig zu kurz.

Nähen: Anpassung runder Rücken oder Buckel / Korrektur

Um ausreichend Länge einzufügen wird nun nicht abgenäht, sondern auseinandergezogen. Waagerecht wird das Rückenteil ungefähr eine Handbreit, also ca. 7-9cm, unter dem Halsansatz eingeschnitten. Damit das Rückenteil weiterhin im Bruch liegen kann, wird ein Abnäher in der Mitte der Schulter eingefügt.

Achtung: Beide Teile werden nicht durchgeschnitten, sondern nur bis kurz vor dem Ende eingeschnitten - so bleibt die Verbindung enthalten, das Armloch bleibt gleich lang und der Abnäher öffnet sich automatisch in der richtigen Breite, wenn ihr das Schnittmuster auseinanderzieht.

Anschließend wird die notwendig Länge hinzugefügt. Dafür zieht ihr einfach den unteren Teil am Bruch entlang nach unten bis die nötige Länge erreicht wird. Danach kann der Abnäher zugenäht werden und das Rückenteil passt.


Runder Rücken: Variationen


Wie zuvor beim Hohlkreuz können auch hier andere Variationen umgesetzt werden. Falls eine Mittelnaht besteht, kann der Bruch unberücksichtigt bleiben und die notwendige Länge einfach durch Auffächern des waagerechten Einschnittes erreicht werden. Es braucht dann keinen Schulterabnäher; das ist auch zu empfehlen, falls die Rundung nicht am oberen Rücken, sondern weiter unten liegt und der Schulterabnäher sonst zu lang werden würde. (1)

Und gerade in Verbindung mit einem Taillenabnäher bietet sich auch hier wieder die Teilungsnaht an. Dazu wird das Schnittmuster an der Teilungsnaht zunächst durchgeschnitten und dann die Länge an jedem Teil für sich hinzugefügt. (2)

Nähen: Anpassung runder Rücken oder Buckel / Korrektur

Es drängt sich wirklich auf, daher sei hier zum Schluss auch die Möglichkeit einer Schulterpasse genannt. Dazu wird das Rückenteil in der Waagerechten durchgeschnitten. Die notwendige Länge wird zugegeben und beide Teile wieder zusammengenäht. Hier kann auch eine Paspel eingesetzt werden, die Passe kann zB im diagonalen Fadenlauf geschnitten werden oder im unteren Teil durch Falten oder Kräusel Mehrweite eingesetzt werden. (3)


Ich hoffe dieser Beitrag war hilfreich für euch und wie immer, falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, dann schreibt es gern in die Kommentare.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Fertig: Roter Rock von 1956!


Passend zur rosa Hemdbluse wollte ich gern einen roten Rock haben - und weil es sich so schön zum Valentinstag anbietet, habe ich es gleich noch mit einem herzigen Hütchen ergänzt.


Der Rock ist einfacher gerader Schnitt von 1956, nach dem ich auch schon den Rock für das Frühlingskostüm fertigte. Leider ist dieser Wollstoff von Karstadt nicht ganz so schmiegsam wie sein Vorgänger und so ist der Rock etwas eng geworden.

Ansonsten gibt es kaum viel zu sagen - der Rock ist gefüttert, ein Reißer ist in der Seite und die hintere Falte sorgt für Bewegungsfreiheit. Der Wollstoff ist recht dick, daher ist es eher ein Rock für kühle Temperaturen. Vielleicht weitet sich der Wollstoff auch noch ein wenig, sodass er dann wie angegossen sitzt.


Obwohl also etwas zu eng  gefällt mir die Kombination der Rottöne ausgesprochen gut und auch das kleine Hütchen - wenn auch etwas plakativ - ist gut gelungen. Valentinstag kann also kommen!
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]


Samstag, 4. Februar 2017

Ideen für Fasching!


[aus Beyers Handarbeit 01/1951]

Kleine Ideen für Fasching mit kecken Reimen - wer also noch unentschlossen ist, der findet ihr vielleicht etwas Inspiration.

Samstag, 28. Januar 2017

Abnäher

..sollen beim Schneidern den glatten Stoff in körpergerechte Rundungen bringen. (aus Schneidern mit Chic von 1966).
..dienen dazu, Kleidungsstücke an bestimmten Stellen in Form zu bringen, z. B. einen Rock, ein Oberteil oder einen Ärmel. (aus Mit Maßband, Nadel, Garn und Schere von 1968)

Vorab möchte ich kurz erwähnen, dass dieser Beitrag einen Überblick verschaffen und Grundlagen vermitteln soll. Es geht nicht um eine abschließende Aufzählung aller Möglichkeiten und auch den Anspruch der professionellen Schnittkonstruktion kann ich nicht erfüllen. Es geht hier um handwerkliche Grundlagen, Einblicke und ausgewählte Möglichkeiten mit Abnähern umzugehen. Insbesondere die Beiträge zur Full Bust Adjustment (hier und hier) sollen unterstützt und ergänzt werden.

Wer sich darüber hinaus mit Abnähern und Schnittmusterkonstruktion beschäftigen möchte, dem seien Fachbücher dazu ans Herz gelegt.

beswingtes Allerlei
  1. Wozu brauchen wir Abnäher?
  2. Wie sieht ein Abnäher aus?
  3. Wo liegen Abnäher?
  4. Wie nähe ich Abnäher?
  5. Von der Konstruktion zum Kleidungsstück
  6. Wie verlege ich Abnäher?
  7. Wie korrigiere ich Abnäher?
  8. Wie teile ich einen Abnäher?
  9. Wie kann ich Abnäher ersetzen?
  10. Abnäher als Designelement



1. Wozu brauchen wir Abnäher?


Wenn man es mal sehr weit runterbricht, dann besteht Kleidung aus zwei aneinandergenähten Stoffbahnen, die unserem weitesten Maß entsprechen (üblicherweise Brustumfang für alle Oberteile und Hüftmaß für alle Beinkleider). Da die Figuren der meisten von uns aber deutlich von Säulen zu unterscheiden sind, brauchen wir Formen und Rundungen. Mal ein Beispiel warum wir Abnäher benötigen:
Zu reinen Darstellungszwecken hat die abgebildete Dame natürlich sehr gleichmäßige Maße. An den aufblinkenden Keilen können wir gut erahnen, dass unter anderem an diesen Stellen der Stoff weg muss. In den Seiten schaffen wir das zumeist durch die Seitennähte. Auch vorn und hinten kann man diese Anpassung durch Nähte erzielen, aber dann wären viele Kleidungsstücke eher Kleidungsstückel - daher greifen wir auf Abnäher zurück.

Wann braucht man keine Abnäher? Auf Abnäher kann man verzichten, wenn..
  • man weite oder lose Kleidungsstücke näht (zB Tellerrock oder Cape), 
  • man wenig ausgeprägte Rundungen hat und/oder genug Passform durch Nähte erzielt,
  • man sehr dehnbare Stoffe verwendet oder den Stoff entsprechend dressiert (dehnt).

Sehr geübte Designer verstecken Abnäher in Designelementen oder Nähten, daher ist nicht automatisch jedes Schnittmuster ohne sichtbare Abnäher schlecht, aber es kann ein Indiz sein und sollte uns zumindest nochmal genau hinschauen lassen.

Also braucht man Abnäher nur bei nichtdehnbaren Stoffen? Dehnbare Stoffe (Jersey und Strickstoffe) lassen sich besser in gewünschte Formen ziehen, aber vielleicht kennt ihr das, wenn ein dehnbarer Stoff zu sehr über der Brust spannt und dort zu dünn oder das Muster auseinandergezogen wird. Da würde ein Abnäher durchaus Sinn machen. Auch ein Kleidungsstück aus dehnbaren Stoffen sitzt besser, wenn es schon in der Konstruktion zum eigenen Körper passt.



2. Wie sieht ein Abnäher aus?


Abnäher sind grundsätzlich keilförmig und zeigen dorthin, wo am meisten Weite benötigt wird.

Und wie hier gezeigt sieht ein Abnäher beispielsweise im vorderen Oberteil aus.

Der Brustpunkt ist dabei besonders wichtig. Er bezeichnet den höchsten Punkt der Brust (üblicherweise die Brustwarze) und dort brauchen wir am meisten Weite.

Wenn sich in der Taille Abnäher von Ober- und Rockteil treffen, dann werden sie zu einer Raute verbunden, aber im Prinzip bleiben es trotzdem zwei Abnäher.

Wir berechnen Abnäher zwar sehr mathematisch und meistens werden sie auch als gleichmäßige Dreiecke mit geraden Linien dargestellt, aber viele Abnäher sind nicht linear. Daher noch eine kurze Übersicht welche Auswirkungen unterschiedliche Abnäherformen haben:

Diese Gestaltung des Abnähers hat nicht nur bei der Brust Bedeutung, sondern auch zB bei der Ausprägung vom Gesäß oder Bauch. Wenn also beispielsweise eure Röcke auf dem Weg zwischen Taille und Hüfte zu eng oder zu weit sind, obwohl beide Maße passen, könntet ihr mal mit der Form eures Abnähers experimentieren. Wer zB ein sehr rundes Gesäß hat, sollte Abnäher eher schmaler gestalten (links).


3. Wo liegen Abnäher?


Abnäher finden sich an allen Arten von Kleidungsstücken. Sie werden stets dort verwendet, wo Weite weggenommen werden soll. Das ist insbesondere an der Taille der Fall, aber auch zB am Hals, am Ellenbogen oder am Schulterblatt.

Wir können natürlich mit den schon vorhandenen Abnähern eines Schnittmuster arbeiten oder wir fügen selbst Abnäher ins das Schnittmuster ein, wie zB bei der Full Bust Adjustment.

Es gibt auch die Möglichkeit Abnäher direkt am Kleidungsstück zu modellieren. Dazu nutzt man im besten Falle eine passgenaue Schneiderbüste (oder einen freiwilligen Helfer) und steckt den Abnäherinhalt per Hand ab. Der Vorteil ist, dass Abnäher sich bei nicht allzu störrischen Stoffen quasi selbst legen, weil sich Falten bilden, wo zuviel Weite ist. So richtig praktisch ist diese Variante aber nicht, da meistens Nähte im Weg sind und Abnäher eben nur die Weite beeinflussen - nicht die Länge. Wenn man also nachträglich zB im Armloch einen Abnäher einfügt, dann fehlt Länge im Armloch und der Ärmel passt nicht mehr hinein.
Daher empfiehlt es sich lieber schon auf dem Papier Abnäher einzuzeichnen und eben auch Längen zugeben zu können. Und man sollte immer ein Probemodell anfertigen.

Die Lage der vertikalen Abnäher, also der Taillenabnäher, ist vorn am einfachsten zu bestimmen. Die Abnähermitte verläuft im Vorderteil direkt unter dem Brustpunkt.
Im Rückenteil liegt der Abnäher auf der Mitte zwischen der Armlinie und der hinteren Mitte. An der Schultern sind Abnäher zB in der Mitte gut plaziert.

Das sind sehr allgemeine Angaben, die je nach Körperform, nach Ausarbeitung des Kleidungsstückes oder nach dem gerade angewandten Konstruktionsmodell abweichen.

So liegt zB der hintere Abnäher eines Rockes in einem Konstruktionsbuch auf halber Strecke zwischen Seitennaht und hinterer Mitte und im nächsten pauschal 8cm von der hinteren Mitte entfernt. Außer die Hüftform macht eine ganz andere Lage empfehlenswerter..

Bei einem Kleid werden die Abnäher des Rockteiles widerrum an die des Oberteiles angepasst, sodass es dem Auge des Betrachters gefälliger wird.

Ihr seht also wo genau ein Abnäher liegt, kann kaum pauschal beantwortet werden und führt zu sehr in die Schnittkonstruktion als das ich dies hier aufführen könnte. Ich beschränke mich daher auf das Arbeiten mit schon vorhandenen oder vorab konstruierten Abnähern.

Um nun wieder den Verweis auf die Full Bust Adjustment zu schaffen, seht ihr hier die gängisten Abnäher am vorderen Oerteil und ich bin sicher ihr habt schon Schnittmuster mit einer dieser Varianten gesehen:




4. Wie nähe ich einen Abnäher?


Das Wichtigste zuerst: Abnäher werden grundsätzlich nicht ausgeschnitten! Die Darstellung als Keile im Stoff ist wirklich nur Darstellung um zuverdeutlichen, wo Weite weggenommen wird. Wenn aus bestimmten Gründen gewollt ist, dass ein Abnäher vor dem Nähen eingeschnitten wird (zB weil eine Kräuselung enthalten ist), dann steht das explizit dabei.

Abnäher werden zunächst exakt auf der Mitte, also der Umbruchlinie, gefaltet, sodass die Nahtlinien genau aufeinander liegen und zuammengesteckt werden könne (1). Gesteckt werden Abnäher stets von der Spitze zur breitesten Stelle des Abnähers und genau entgegengesetzt genäht.

Wir beginnen an der breitesten Stelle und verriegeln die Naht mit wenigen Rückwärtsstichen. Anschließend wird auf der Nahtlinie entlang genäht. Achtet darauf, dass die Spitze nicht zu abrupt, sondern langsam über den Stoff hinaus ausläuft.
An der Spitze wird der Abnäher nicht verriegelt. Das Verriegeln macht die Naht breiter und der Abnäher kann sich dann nicht mehr so schön legen. Daher nähen wir einige Stiche über die Umbruchkante hinaus, schneiden die Fadenenden großzügig haben und verknoten diese leicht verzwirbelt (2).

Anschließend werden die Abnäher gebügelt. Zunächst wird die Umbruchkante flach gebügelt, danach wird der Abnäherinhalt in die gewünschte Richtung gebügelt. Bei vertikalen Abnäher wird der Inhalt zur (vorderen oder hinteren) Mitte und bei waagerechten Abnäher nach oben gebügelt. Ein ausgebügelter Abnäher kann mit wenigen Stichen an der Nahtzugabe befestigt werden (3).


Tipps & Tricks:
  • Bei sehr feinem Stoff oder sonstwie widerspenstigen Abnähern sollten diese geheftet werden. Dabei wird der Abnäher mit einem Faden und einigen Handstichen so genäht, dass der Faden auf der linken Stoffseite den Abnäherschenkeln folgt und auf der rechten Stoffseite zwischen den Abnäherschenkeln wechselt. Zieht man anschließend den Faden fest, zieht der Abnäher sich automatisch zusammen und kann mit der Maschine abgesteppt werden.
  • Taillenabnäher werden ebenfalls von der breitesten Stelle zur Spitze genäht. Da sie zwei Spitzen haben, näht man sie also auch in zwei Schritten.
    Damit sie sich schöner legen, kann der Abnäherinhalt auf Taillenhöhe eingeknipst werden.
  • Bei dicken Stoffen wird der geschlossene Abnäher an der Umbruchkante entlang bis 2cm vor der Spitze eingeschnitten und dann zu beiden Seiten weggebügelt (falls der Stoff aufribbelt, sollte er mit einigen Handstichen gesichert werden). Auch die Spitze wird (zB mit Hilfe einer spitzen Schere) gleichmäßig auseinander gebügelt. 
  • Wenn der Stoff sich von rechts zu sehr durchdrückt, kann beim Absteppen ein Stoffstück mit eingenäht werden, das auf die andere Seite als der Abnäherinhalt gelegt wird und diesen dann ausgleicht.



5. Von der Konstruktion zum Abnäher im Kleidungsstück


Bei der Full Bust Adjustment zB werden am Brustpunkt neue Abnäher konstruiert und auch beim Verlegen von Abnähern wird stets der Brustpunkt als Drehpunkt verwendet. Dabei entstehen zumeist offene Keile, die dann zum Abnäher werden, aber wie genau funktioniert das?

Zunächst ist wichtig, dass der fertige Abnäher nicht bis zum Brustpunkt (oder zum Punkt der größten Weite) geschlossen wird. Die Abnäherspitze endet 2-3cm vor diesem Punkt - je runder desto früher endet der Abnäher, je spitzer desto weiter wird er geschlossen. Wer also einmal einen Spitztütenbüstenhalter nähen will, der kann den Abnäher gern bis zum Brustpunkt laufen lassen.

Aber zurück zum normalen Abnäher: zuerst wird der offene Keil geschlossen, also großzügig mit einem weiteren Papierstück unterklebt. Dann schließen wir den Keil so dass der Knick des untergelegten Papiers in die gleiche Richtung zeigt wie der Abnäherinhalt später - im Beispiel wäre also die vordere Mitte rechts vom Keil.


Das überstehende Papier wird abgeschnitten. Dabei können sehr kantige Übergänge am Abnäher nach Augenmaß angepasst werden. Danach kann der Keil wieder geöffnet werden. Automatisch ist das Abnäherdach entstanden, sodass der Abnäher am fertigen Stück exakt mit der Naht abschließt. Der entstandene Knick ist die Abnähermitte und an dieser können wir nun die Abnäherspitze vom Brustpunkt wegverlegen.
Zum Schluss kann der Abnäher noch in Form gebracht werden, falls er nicht linear werden soll (s. hier).



6. Wie verlege ich einen Abnäher?


Abnäher lassen sich im Prinzip ganz nach eigenem Geschmack oder Bedürfnissen des Stoffes (zB Muster) verlegen. Dazu gibt es mehrere Methoden, aber ich zeige euch die für meinen Geschmack einfachste Methode: Die Einschnittmethode. Falls ihr ein schon mühsam abgeändertes Schnittmuster verwendet macht am besten vorab eine Kopie, denn wie der Name sagt wird hier eingeschnitten.

Es wird dort, wo der Abnäher später liegen soll, bis kurz vor den Brustpunkt eingeschnitten - nicht durchgeschnitten (links). Dann wird der alte Abnäher geschlossen und sofort öffnet sich der neue in der notwendigen Weite (mitte). Wer lieber zwei Abnäher möchte, der schließt den alten Abnäher nicht vollständig und verteilt so die Weite auf beide Abnäher (rechts).



7. Wie korrigiere ich einen Abnäher?


Der Brustpunkt bezeichnet, wie bereits erwähnt, die höchste Stelle der Brust - üblicherweise die Brustwarze. Diese Stelle ist allerdings bei jeder von uns unterschiedlich. Manche haben eher runde, andere eher spitze Brüste, manche Brüste stehen mehr nach oben, andere neigen sich zur Seite. Es ist also völlig unterschiedlich, an welcher Stelle euer Brustpunkt liegt und als wäre das nicht schon schwierig genug, kann sich die Stelle zB durch den Büstenhalter nochmal ändern.

Das Bestimmen des Brustpunktes und die Anproben solltet ihr daher immer auch in der Wäsche machen, die ihr am Ende zu eurem Kleidungsstück tragen möchtet.

Was aber tun, wenn der Abnäher eben nicht auf den Brustpunkt zeigt? Abnäher können einfach im Ganzen verhoben werden. Dazu verschieben wir den gesamten Abnäher entlang der Schnittmusterkante - der Winkel und auch die Größe bleiben also unverändert.

Es ist aber nicht nur die Position der Abnäher, die mit dem tatsächlichen Brustpunkt kollidieren kann, sondern auch die Länge. Abnäher sollen ca. 2-3cm vor dem Brustpunkt enden.

Abnäher, die zu dicht oder zu weit entfernt enden, können einfach entlang der Umbruchkante verlängert oder gekürzt werden. Wichtig ist auch dabei, dass sich der Abnäherinhalt, also die Weite an der Schnittmusterkante, nicht ändert, denn die soll ja weiterhin zum Rest, also zB zum Rückenteil oder zum Rockteil, passen.

Das Gleiche ist übrigens zutun wenn wir eine Full Bust Adjustment machen, den Abnäher verlegen  oder sonstwie den Abnäher auf dem Papier konstruieren. Dabei bilden sich die Abnäher auch erstmal direkt am Brustpunkt, aber werden so entsprechend auf die richtige Entfernung gebracht (s. auch hier).



8. Wie teile ich einen Abnäher?


Frauen mit ausgeprägter Brust und/oder Hüfte kennen das Problem, dass Abnäher eine große Menge Stoff 'schlucken' müssen. Wenn viel Weite weggenommen werden muss, dann kann es passieren, dass Abnäher zu groß werden. Je nach Position und Stoffwahl sind schon 3-5cm Abnäherinhalt zuviel. Es ist dann schwierig die Spitze sanft auslaufen zu lassen bzw. die Stoffmenge unterzubringen. Da ist es zu empfehlen den Abnäher aufzuteilen.

Das erreichen wir entweder wie in unter 6. beschrieben, wenn wir nicht den gesamten Abnäher schließen und so zwei Abnäher entstehen, oder wir können auch einen einzelnen Abnäher aufteilen.

Dazu wird an der Spitze des fertigen Abnähers (also 2-3cm vom Brustpunkt entfernt) eine zur Abnähermitte rechtwickelige Linie und in der gewünschten Entfernung ein oder mehrere weitere Abnäher eingezeichnet. Damit diese gleichmäßig werden, sollten sie paralell gezeichnet werden - möchte man zB ein strahlenförmiges Bild, zeichnet man sie entsprechend ein.
Dann wird entlang der Linie geschnitten und die neuentstandenen Abnäher werden gleichmäßig aufgezogen. So entstehen mehrere kleinere Abnäher, die den Stoff besser verteilen oder als Designelement wirken.





9. Wie kann ich Abnäher ersetzen?


Abnäher kann man grundsätzlich ersetzen, aber es ist wichtig, dass trotzdem die Passform beachtet wird, daher ist ein einfaches Offenlassen der Abnäher nicht möglich.

Abnäher können aber grundsätzlich schon durch Weite ersetzt werden. Dabei geht man im Prinzip so vor als würde man den Abnäher verlegen wollen. Der alte Abnäher wird zugedreht - die Passform dort bleibt erhalten - jedoch bleibt der neue Abnäher einfach offen.

Das geht zB bei Röcken, aber auch mit Oberteilen, die dadurch zum Babydoll werden, oder auch eine beabsichtigte Weite im Rückenteil, das dann lässig fällt.
Dies hat aber Auswirkungen auf die gesamte Form des Kleidungsstückes (aus einem geraden Rock wird eine leichte A-Linie usw.) und ist daher nicht immer geeignet.

Relativ einfach lassen sich Abnäher aber auch durch Falten (auch Biesen) oder Kräusel (auch Smoken oder Raffungen) ersetzen. Die Falten springen dann dort auf, wo die Weite benötigt wird. Am einfachsten entstehen Falten dadurch, dass man Abnähern einfach die Spitze kappt. Je kürzer die Falte abgesteppt wird, desto weicher springt die Mehrweite auf. Wird die Falte bis kurz vor die Abnäherspitze geschlossen oder ist verhältnismäßig breit springt die Mehrweite recht abrupt auf.

Es ist also dem eigenen Geschmack und der Stoffwahl geschuldet wie weit und in welcher Tiefe die Falten geschlossen werden - manche werden beispielsweise nur an der Schnittmusterkante (also zB Saum) zugenäht, sodass sie sich auf die ganze Länge wortwörtlich entfalten können.

Kräusel können schlicht den Abnäher ersetzen (links). Das ist aber gerade bei sehr langen Abnähern manchmal nicht so schön, denn die Kräuselung verläuft sich schnell, sodass der Rest dann nur weit fällt und genau das wollten wir ja durch die Abnäher verhindern. Deshalb ist es dann sinnvoll das Schnittmuster zu teilen - wir bringen also unsere Kräuselung dichter an den Punkt der benötigten Weite ran.


In diesem Beispiel (mitte und rechts) teilen wir das Schnittmuster kurz unter der Brust. Der untere Teil wird zusammengeschoben, sodass die Abnäher wieder entfallen. Der obere Teil wird dann angenäht und dabei die zusätzliche Weite unter der Brust eingekräuselt.

Dabei kommen wir auch gleich zu einer weiteren Möglichkeit: Das Setzen von Nähten. Diese Variante eine ordentliche Passform zu erzielen ist sehr gut geeignet zB bei dicken oder störrischen Stoffe, weil dann nur eine normale Nahtzugabe und kein Abnäherinhalt gebändigt werden braucht. Und zudem lassen sich Nähte im Gegensatz zu Abnähern besser auseinanderbügel.

Die gängigste Variante dieser Teilungsnähte sind die Wiener bzw. Prinzessnähte. Sie laufen durch den Taillenabnäher nach oben zur Schulter-, Armloch- oder Seitennaht.

Die Teilungsnaht kann direkt durch den gesamten Abnäher laufen oder nur die Spitze treffen, sodass die Teile zusammengeschoben werden können (dabei nicht das Einzeichnen von zusätzlicher Nahtzugabe vergessen). Wie im oberen Beispiel können die Nähte auch nur Teile des Abnähers ersetzen. Das führt uns gleich zu den Gestaltungsmöglichkeiten.



10. Abnäher als Designelemente


Abnäher können auch versteckt werden - so werden bei Herrensakkos gern Abnäher durch aufgesetzte Taschen überdeckt (auch bei Röcken zu finden) - oder sie werden gezielt betont (zB mit Paspeln oder Stickereien).

Auch müssen Abnäher nicht immer lineare Nähte sein - wieso nicht mal geschwungene Abnäher? (Ein geschwungener Abnäher sollte allerdings vor dem Nähen in der Abnähermitte eingeschnitten werden, weil man den Stoff sonst nicht exakt an der Nahtlinie aufeinander nähen kann.)


Abnäher können also fast beliebig verschoben und gestaltet werden. Das lässt uns neben den praktischen Aspekten viele Designmöglichkeiten. Und wer die Abnäher noch besser als Designelement verarbeiten will, kann auch noch mit unterschiedlichen Stoffen bzw. Farben arbeiten.

Hier ein paar Beispiele:

 


Schlusswort..


Nun sind wir am Ende dieser kleinen Abnäherkunde angelangt. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen oder völlig falsch oder umständlich erklärt. Hoffentlich hat es euch gefallen und ihr konntet neue Erkenntnisse mitnehmen. Falls ihr Ergänzungen, Fragen oder Hinweise habt, dann schreibt sie sehr gern in die Kommentare.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Fertig: Hemdbluse von 1940!

 

Als ich im letzten Jahr die erste Hemdbluse nach diesem Schnitt nähte, schrieb ich dass (..) es nun mit weiteren Blusen losgehen kann. Und wie man nun sieht, habe ich mich daran gehalten - ich präsentiere heute die dritte Bluse nach eben jenem Schnitt und auch diese wird wohl nicht die Letzte sein.

 

Der Stoff ist ein zartrosa, gecrashter Baumwollstoff mit beflockten Punkten. Der ließ sich völlig anstandslos vernähen und trägt sich ganz leicht - zusammen mit der Farbe ist mir schon fast nach Frühling.

Ein wenig transparent ist der Stoff weshalb man Details wie inneren Beleg, Säume und Abnäher gut erkennen kann. Es war bereits beim Kauf im Stoffladen abzusehen, aber stört mich nicht weiter. 

 

Ich bin nicht mehr ganz sicher wo ich den Stoff eigentlich gekauft habe, aber er war günstig und die farblich perfekt passenden Knöpfe lagen auch schon zuhause. Etwas Garn, Vlieseline und nur wenige Tage kamen noch dazu - ein in jeder Hinsicht sparsames Blüschen.

 

Das ist der Vorteil, wenn man Schnittmuster öfters näht, sie gehen halt gut und schnell von der Hand. Der absehbare Erfolg tut sein Übriges zur Motivation und diese Gewissheit hat auch nicht getäuscht: Ich mag die Bluse sehr!


Das Schnittmuster ist aus der Praktischen Damen- und Kindermode von 12/1940 und ich bin bei den hier schon erwähnten Änderungen geblieben. Etwas kurz fand ich die Bluse beim ersten Anziehen und nachdem ich meinen eigenen Beitrag nochmal gelesen habe, weiß ich nun auch, dass ich das noch korrigieren wollte.. äh.. ja.. vielleicht bei der vierten Bluse..

 

Davon mal abgesehen bin ich sehr glücklich mit meiner neuen Bluse und habe sie bereits im Büro ausgeführt - allerdings zwischendurch noch mit Strickjacke, aber der Frühling fängt ja auch erst an. Passend dazu mit dem Rock vom Frühlingskostüm - von dem sollte ich dringend auch nochmal eine zweite Version nähen..

 

Der Frühling ist zwar noch etwas weiter entfernt, aber ich fühle mich schon gut vorbereitet - wie findet ihr diese neue Bluse?
[verlinkt beim MeMadeMittwoch]