Dienstag, 9. Juli 2019

Unterrock


Der Unterrock ist ein vielseitiges Wäschestück. Er sorgt dafür, dass die Oberbekleidung ungestört am Körper entlanggleiten kann und nicht beim Gehen nach oben krabbelt. Er kann dem Rock aber auch Stand und Volumen geben oder im Winter die Beine wärmen. Er verhindert, dass Röcke aus Spitze oder anderen zarten Materialien durchscheinen oder schützt die Haut vor unangenehmen Oberstoffen, die pieksen oder kratzen. Oftmals werden aus eben all diesen Gründen Röcke und Kleider gefüttert, aber gerade wenn man nicht jedes Stück unterfüttern möchte (zB weil man den Rock Sommer wie Winter tragen möchte oder weil man sich mal einen Unterrock aus luxuriöser Seide leisten möchte), dann ist ein Unterrock die perfekte Alternative.

Ich möchte euch daher zeigen, wie ihr einfach einen geraden Unterrock nähen könnt, der verhindert, dass euer Rock nach oben rutscht und stattdessen für einen schönen Fall sorgt. Der Unterrock ist vor allem für schmale, gerade und leicht ausgestellte Röcke geeignet.


1. Das Schnittmuster


Die Länge eures Schnittmusters ist die gewünschte Länge des Unterrockes + 5cm Zugaben. Die Länge eures Unterrockes bestimmt ihr selbst - sie sollte sich an eurer normalen Rocklänge oder dem kürzesten Rock, den ihr damit tragen möchtet, orientieren und in aller Regel mindestens eine Handbreit kürzer als der Oberstoff sein, damit das Futter beim Gehen nicht hervorguckt.

Die Breite eures Schnittmusters entspricht eurem Hüftumfang + 6cm Bewegungszugabe + 3cm Nahtzugabe für die eine Naht (Achtung, bitte korrekt ausmessen, wenn ihr einen ausgeprägten Bauch und Po habt, dann schaut am besten einmal hier vorbei).

Diese Maße beziehen sich auf unelastische Webware - wer Strick- oder Wirkware nutzt oder elastische Stoffe, muss bitte entsprechend etwas anpassen (am besten zwischendurch immer mal wieder anprobieren und so dem perfekten Sitz annähern).


Das Schnittmuster passt meist auf die volle Breite einer Stoffbahn und besteht daher aus nur einem Stück. Falls die Stoffbreite zu gering ist, dann solltet ihr den Rock in Vorder- und Hinterteil teilen - denkt dann daran, dass die zweite Naht ebenfalls Nahtzugaben (je 1,5cm) braucht.

Auch wenn es verlockend ist, pauschal die gesamte Stoffbreite als Rock zu verwenden, empfehle ich euch bei der obigen Zugabe zu bleiben. Der Unterrock wäre zwar voluminöser, wenn man den Umfang vergrößert, aber da der ganze Stoff in der Taille gerafft werden muss und puffelt, ist es empfehlenswert für mehr Volumen eher eine Glockenform zu wählen oder in Stufen zu raffen.


2. Stoffwahl & Materialen


Damit der Oberstoff auch ungestört an unserem Unterrock entlanggleiten kann, sollte der Stoff des Unterrockes glatt und nicht zu steif sein. Es bieten sich Satin, Crêpe de Chine, Charmeuse und andere feine Qualitäten an, aber auch normaler Futterstoff kann verwendet werden. Wer es dehnbar möchte, kann Trikot oder feinen Jersey verwenden.
Ich würde euch Seide als Grundfaser empfehlen, aber natürlich sind auch glatte Viskose, Bambus, Modal, Baumwolle und Polyester (achtet darauf, dass er sich nicht zu stark auflädt) geeignet.

Insbesondere Wäsche bietet sich natürlich für Spitze oder Tüll an - achtet darauf, dass diese schön weich sind, damit sie weder an der Strumpfhose hängen bleiben noch den Oberstoff stören. Und denkt daran, dass Spitze, zB am Saum, den Unterrock verlängert, daher solltet ihr ggf. die Länge anpassen.


Außerdem braucht ihr Gummiband - dieses wird am Bund eingezogen, daher ist die Farbe egal. Ich habe bei meinem Unterrock 1cm breites Gummiband gewählt und darauf ist auch die Anleitung ausgelegt. Ihr könnt je nach Stoffart auch schmaleres oder breiteres Gummiband benutzen, müsst dann aber den Tunnel anpassen. Und wer kein Gummiband benutzen möchte, nimmt Wäschegummi oder Dekogummiband und näht dieses ohne Tunnel an.

Die Länge des Gummibandes bestimmt ihr selbst - einfach so stramm, wie es für euch angenehm ist, um die Taille legen, die Strecke abmessen und + 1cm Übertritt hinzufügen. Am besten noch kontrollieren, ob das Gummiband in der gemessenen Länge auch über die Hüfte passt, damit es später keine krachenden Nähte gibt.


3. Das Nähen


Nach dem Zuschneiden wird die offene Naht mit 1,5cm Nahtzugabe geschlossen und versäubert. Dazu bietet es sich an, die Naht als französische Naht zu nähen, dann ist der Stoff gleich versäubert. Wie das geht, könnt ihr hier ganz unten nachlesen.

Wenn euer Unterrock allerdings länger als knielang werden soll, dann solltet ihr die Naht nur bis oberhalb des Knies schließen und den Rest als Schlitz offen lassen, damit ihr genug Bewegungsfreiheit habt.


4. Der Bund


Schlagt den oberen Rand des Rockes 0,6cm breit ein und die eingeschlagene Kante dann nochmal um 1,4cm, sodass sich ein Tunnel bildet. Wenn der Stoff es verträgt, dann ordentlich plätten. Näht nun den Einschlag knappkantig fest, aber lasst eine ca. 3cm lange Öffnung offen und zieht mit Hilfe einer Sicherheitsnadel das Gummiband durch den Tunnel. Schließt das Gummiband zu einem Kreis, indem ihr entweder mit der Nähmaschine oder per Hand beide Enden mit dem 1cm Übertritt zusammennäht - achtet darauf, dass das Gummiband nicht verdreht ist!


Kontrolliert den angenehmen Sitz des Rockes, bevor ihr dann bei gespanntem Gummiband die verbliebene Öffnung vom Tunnel schließt.


5. Der Saum


Der Saum lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise arbeiten. Am schnellsten ist es, den Saum einfach mit der Overlock zu umketteln. Wer etwas mehr Zeit investieren möchte, kann auch den Saum ebenso wie den Bund oben zweifach einschlagen, den Saum mit Schrägband versäubern oder mit Spitze oder Tüll schmücken. Seide sollte am besten per Hand rolliert werden.

Ich habe mich hier für Spitze entschieden, die ich mit farblich passendem Garn per schmalem Zick-Zack-Stich aufgebracht habe. Den Stoff habe ich dann auf ca. 3mm zurückgeschnitten.


Und dann ist der Unterrock auch schon fertig und einsatzbereit.

Diese Anleitung taugt natürlich auch für einen ganz normalen Rock, wenn man entsprechende Stoffe wählt. Viskose oder Baumwolle, aber auch Chambray oder feiner Cord lassen sich so zu einem Rock verarbeiten, allerdings sollte das Gummiband dem Oberstoff angepasst werden, damit dieses ausreichend zusammenrafft!

Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, immer her damit und falls euch der Beitrag gut gefallen hat, dann freue ich mich ebenso über Kommentare oder wenn ihr den Beitrag weiterempfehlt. Oder tragt ihr am Ende gar keine Unterröcke?
[verlinkt beim Creadienstag]

Kommentare:

  1. Das ist ein wunderbares Tutorial, vielen Dank! Das werde ich auf alle Fälle in meine nächste Projektliste mit aufnehmen. Bisher trage ich immer einen Unterrock aus dem örtlichen Wäschegeschäft, aber so richtig passt er natürlich nicht. Jetzt kann ich das auch selbst machen :)

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  2. Schon seit vielen Jahren nähe ich mir Unterröcke selbst, und auch Unter-Hosenröcke, die sind meiner Meinung nach bei heißem Wetter, wenn man keine Strumpfhosen tragen möchte, angenehmer, da sie die Schenkelinnenseite vor dem Wundwerden schützen.

    Zwei Tipps aus meiner Erfahrung:
    Seide fühlt sich zwar toll an, lädt sich jedoch statisch auf und klebt dann an den Strumpfhosen oder am Oberstoff.

    Wenn die Spitze nicht sehr weich ist, verursacht sie Zugfäden an den Strumpfhosen, oder sie kratzt an nackten Beinen. Ich setze sie daher auf den Stoff, nähe sie nicht auf den Stoff auf.
    Als Material für die Unterröcke nehme ich vorzugsweise leichten
    Futterstoff, und am Bund arbeite ich Abnäher wie beim Oberrock, dafür lasse ich in der Seitennaht einen Schlitz offen, um den Unterrock über die Hüften zu kriegen. Die Kräuselweite in der Taille ist dann geringer und der Unterrock trägt weniger auf.

    Die Tutorials zur Schnittanpassung sind großartig und sehr anschaulich, vielen Dank dafür!
    Herzliche Grüße
    Tyche

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    1. Hallo Tyche, Danke für Deine Hinweise :)

      Unter-Hosenröcke nähe ich auch lieber, da ist mir Futterstoff aber zu flatterig bzw. auch schnell durchgeschwitzt (zumindest letztes Jahr im Hitzesommer bin ich mit Seide viel besser klargekommen).

      So wie Du Deine Unterröcke nähe ich meine Futterröcke - allerdings lasse ich dann meist die Abnäher offen, also nähe sie nur als Falten und lege den Falteninhalt auf die andere Seite als den Abnäher, damit es nicht zu dick wird :)

      Liebe Grüße, Anne

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  3. Das soll natürlich heissen, ich nähe die Spitze nicht unten an den Stoff, sondern setze sie auf...
    Tyche

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