Samstag, 18. April 2015

MfA #3 - Die Maschen- & Musterprobe


Die Maschine ist aufgebaut, die Wolle gewickelt, der Strickschlitten steht rechts und ihr seid bereit? Dann geht es nun ans Stricken von Maschen- und Musterproben!

Die Maschenprobe


Bei dem Wort Maschenprobe erntet man oft ein genervtes Schnauben und ich bin auch sicher, dass viele beim Stricken per Hand auch ohne Maschenprobe auskommen, allerdings ist das bei der Strickmaschine anders. Das Nadelbett verzieht das Strickstück in der Breite und der Anschlagkamm mit den Gewichten verzieht es in der Länge. Es ist daher überhaupt nicht abzusehen wie ein Strickstück aussieht, wenn man es von den Nadeln nimmt - von einem Anprobieren zwischendurch ganz zu schweigen. Deshalb ist eine Maschenprobe bei der Strickmaschine unerlässlich - und dazu gehört auch das Waschen!

Dafür hat die Strickmaschine einen anderen ganz entscheidenden Vorteil, denn so eine Maschenprobe ist unheimlich schnell erledigt, sodass es sich anbietet gleich eine ganze Reihe von Maschenproben zu machen.

Hier das Beispiel der Maschenprobe meines Frühlingspullovers - bei der Maschenweite habe ich unten mit 4 angefangen, bin dann auf 3 runter gegangen und dann auf 6 wieder hoch. Man erkennt deutlich die Unterschiede.

Dazu seien noch ein paar Worte gesagt, denn so eine Strickmaschine ist ja ein Gerät das vor allem bei vielem Stricken unterstützen soll - in den 50er Jahren eingeführt sollte die Dame des Hauses damit die ganze Familie [und wahlweise noch den ganzen Häuserblock] bestricken können. Anders als beim gemütlichen Stricken auf dem Sofa mit den Knäulen im Schoss stellt sich also bei der Strickmaschine auch eine gewisse Massenproduktion ein. Es empfiehlt sich daher neben den großen Wollkonen auch Wolle, die man gern hat und sich gut verstricken lässt, gleich in verschiedenen Farben zu ordern. Denn neben der reinen Geschwindigkeit punktet die Strickmaschine auch mit ihrer Gleichmäßigkeit. Ein Garn in der gleichen Maschenweite und mit der gleichen Fadenspannung ergibt immer das gleiche, regelmäßige Strickbild, daher macht es auch Sinn eine Maschenprobe gleich umfassender zu machen anstatt nur auf eine bestimmte Anleitung beschränkt. Wer sparsam an Wolle sein möchte oder muss, der kann sich natürlich auf eine kleine Maschenprobe beschränken.

Auf der Maschine gibt es neben dem Nadelbett Hinweise auf die verschiedenen Nadelpositionen. Bei der Brother KH 891 unterteilt es sich nach A, B, D und E.

A » Diese Nadeln sind außer Betrieb
B » Diese Nadeln stehen in der normalen Arbeitsposition, sie werden glatt abgestrickt
D » Diese Nadeln stehen in Musterposition
E » Diese Nadeln sind in Betrieb, aber in Ruhestellung

Zunächst schieben wir in der Mitte vom Nadelbett mehrere Nadeln von A in Strickposition B, sodass sie abgestrickt werden. Bei der Breite richte ich mich immer nach meinem kleineren Anschlagkamm, aber grundsätzlich sollten 40M. reichen. Danach kümmern wir uns um den Schlitten

So ein Schlitten hat unterschiedlichste Knöpfe, aber wir kümmern uns nur um zwei Dinge und das sind der Maschenweiteregler (1) und das Fadenführernüßchen (2). Also der Punkt an dem ich die Maschenweite einstelle (bei Knittax zB ganz einfach 'Wählscheibe' genannt) sowie der an dem ich meinen Faden einfädeln muss.

Grundsätzlich geht man davon aus, dass die passende Maschenweite dem Doppelten der normalen Nadelstärke entspricht. Mein Garn zB ist für Nadelstärke 3 ausgelegt, also liegt der Wert auf der Strickmaschine bei rund 6.
Anstatt nun aber eine einzelne Maschenprobe auf der 6 zu stricken, fange ich bei einer offensichtlich zu kleinen Größe an - zB bei 3. Davon stricke ich 20 Reihen und stelle dann auf 4, weitere 20 R. und auf 5 und so weiter. Bis ich schließlich bei dem offensichtlich zu großen Wert 9 ankomme. So kann ich am Ende am besten vergleichen und mich zwischen den Maschenweiten entscheiden.

Normalerweise schauen wir dann welche Einstellung der Vorgabe des Strickstückes am besten entspricht. Die Brother KH 891 hat noch Zwischenschritte, sodass ich bei kleineren Abweichungen nach oben oder unten noch weiter verfeinern kann. 

Das Stricken der Maschenprobe


Nun müssen wir den Faden in den Schlitten bekommen - das ist wieder so eine Sache, bei der ihr bitte eure eigene Anleitung bemühen müsstet. Die Brother sieht eine Einfädelung  mit Fadenführung vor und bei einer alten Knittax zB braucht man gar nicht fädeln.

Der Faden ist also im Schlitten, die Nadeln sind vorgeschoben und alles ist bereit. Wir halten nun den Faden am unteren Ende fest bzw. befestigen ihn zB am Tisch und schieben den Schlitten von rechts nach links über die abzustrickenden Maschen. Der Faden liegt nun in den Nadeln, damit die Maschine in den folgenden Reihen Maschen bilden kann, brauchen wir Gewicht!

Wir hängen also den Anschlagskamm auf die gesamte Länge des Strickstückes ein - falls der Kamm länger ist als unser Strickstück hängen wir ihn so, dass das Strickstück möglichst mittig sitzt, aber achtet darauf, dass der Faden vor den Haken den Anschlagskammes liegt. Nun beschweren wir den Anschlagskamm zunächst an den beiden Enden und je nach benötigtem Gewicht auch regelmäßig verteilt in der Mitte und ziehen dann den Strickschlitten wieder von links nach rechts, dann von rechts nach links, usw. Und weil das so furchtbar theoretisch zeige ich euch das lieber einmal:



Achtet darauf, dass der Anschlagskamm auch alle Maschen erwischt und ausbalanciert beschwert wird. Und man sieht auch deutlich, dass ich zwischendurch die Maschenweite ändere (von 6 auf 9).

Die Musterprobe


Grundsätzlich würde ich euch empfehlen beim ersten Mal auf ein Muster zu verzichten, allerdings ist es ein wirklich einfacher Bettschal und wer nicht auf Muster verzichten möchte, der sollte das auch nicht müssen. Ihr solltet dann aber das Muster auch in der Maschenprobe berücksichtigen oder nach der Maschenprobe nochmal eine Musterprobe machen.

Ich rate  euch bei einfachen Mustern zu bleiben, also entweder per Farbwechsel [da der Bettschal von Ärmel zu Ärmel gestrickt wird, ergäbe das ein längsgestreiftes Muster] oder per Veränderung der Maschenweite. Beides funktioniert ohne aufwendige Löcher, Zöpfe, Fangpatente oder Ähnliches.

Der Farbwechsel erfolgt, indem ihr am Ende der Reihe einfach andersfarbige Wolle in den Schlitten spannt und damit weiterstrickt. Die Fadenenden werden am Ende vernäht. Wenn ihr lediglich die Farbe verändert, aber die Wollart/-stärke gleich bleibt, braucht ihr das nicht wieder zu berücksichtigen. Falls ihr eine andere Wollart/-stärke verwendet sollte eure Maschenprobe das beinhalten.  Das Gleiche gilt dann für Änderungen in der Maschenweite. Die genauen Zahlen werden dann von der Musterprobe entnommen.

Die Maschenprobe beenden


Nachdem wir unsere Maschenprobe mit den wechselnden Einstellungen wie oben beschrieben und samt Musterprobe beendet haben, schneiden wir einfach den Faden oberhalb des Schlittens ab und entfernen ihn aus dem Schlitten. Wir nehmen die Gewichte ab und halten den Anschlagskamm in der Hand, damit er nicht herunterfällt. Nun schieben wir den Schlitten erneut über das Nadelbett [dabei halten wir das Strickstück am Anschlagskamm etwas gespannt - ihr wisst ja: Ohne Spannung läuft nichts] und er wirft das Strickstück einfach ab. Wir entfernen den Anschlagskamm und waschen und spannen unser Strickstück - aber Vorsicht denn die enden sind ungesichert und könnten ausribbeln. Wenn das Stück trocken ist, schaut und fühlt ihr welche Maschenweite euch für den Bettschal am besten gefällt und notiert die Maschen- und Reihenzahlen auf 10cm [ggfs. hochgerechnet]. Danach notieren wir uns natürlich die Einstellungen und heben wir die Maschenprobe für's nächste Mal auf!

Nachdem wir  nun wissen mit welcher Maschenweite und welchen Zahlen wir stricken, geht es am Dienstag weiter mit der Berechnung und dem Schnittmuster und der Berechnung.

Ich hoffe, ihr seid gut mitgekommen und nun nicht abgeschreckt. Ich kann euch aber versichern, dass das sehr ausführlich beschrieben ist und schnell von der Hand geht - all das ist leichter getan als gesagt!

Kommentare:

  1. Ja, ja die leidige Maschenprobe........aber ich habe schon bemerkt wie wichtig die ist. In Zukunft werde ich sie nicht mehr weglassen. Ich habe also schon was dazugelernt:). Im Moment habe ich noch keinen festen Platz für meine Maschine, daran scheitert eigentlich die häufigere Nutzung.
    Danke, daß Du Dir die Zeit nimmst diese aufwendigen Posts zu schreiben! Manches verstehe ich so besser, als in der Anleitung zu meiner Maschine.
    L.G.

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  2. Sehr schöne Anleitung . Danke
    LG Ute

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