
Es gibt Kleidungsstücke, die sich auf den ersten Blick nahtlos in eine bestehende Reihe einfügen – und bei genauerem Hinsehen doch eine eigene Geschichte erzählen. Dieses Herrenhemd gehört zweifellos dazu.
Entstanden ist es, wie so viele seiner Vorgänger, auf Basis des bewährten Schnittmusters Simplicity 4760, das sich über die Zeit als verlässliche Grundlage für klassische, gut tragbare Hemden etabliert hat. Klare Linien, durchdachte Details und eine solide Konstruktion machen den Schnitt zu einer konstanten Größe im Kleiderschrank des Gatten.

Neu ist in diesem Fall jedoch nicht der Schnitt, sondern die Ausführung: Der liebe Gatte selbst hat das Hemd genäht!
Mein Mann Martin und ich brennen beide sehr für unsere Hobbies - bei ihm das Angeln und in der Natursein und bei mir das Nähen und Handarbeiten. Im Winter aber, wenn es wie in diesem Jahr eisig kalt ist und die Schonzeit beim Angeln angefangen hat [in dieser Zeit werden bestimmte Fischarten nicht geangelt, damit sie sich in Ruhe vermehren können], ist es schwierig für passionierte Angler und Anglerinnen. Nähen kann man ganz unabhängig vom Wetter und nachdem ich meinem Mann im Dezember schon ein Hemd genäht hatte, meinte der Gatte, dass er auch Lust hätte, etwas für sich zu nähen. Und so hat er dieses Hemd selbst genäht.

Auch den Stoff hat der Gatte sich selbst ausgesucht. Verarbeitet wurde ein Woll-Seide-Gemisch aus dem Lieblingsstoffladen Gädtke Stoffe in Hamburg. Der Stoff ist weich, leicht fließend und besitzt einen dezenten Glanz, der sich erst im Licht vollständig entfaltet. Es treffen verschiedene Grautöne mit weißen Stipseln aufeinander. Der Stoff ließ sich ziemlich gut verarbeiten und trägt sich ganz fantastisch.

Gerade in Kombination mit einem klassischen Hemdschnitt zeigt sich hier ein reizvoller Kontrast. Die konstruktiven Elemente – Kragen, Knopfleiste, Brusttaschen mit Klappen – bringen die notwendige Stabilität und Form, während der Stoff für eine gewisse Leichtigkeit sorgt. Als Verschluss hat der Gatte sich für Perlmuttdruckknöpfe entschieden. Das Ergebnis ist ein Hemd, das sich stilistisch zwischen Alltag und gehobener Garderobe bewegt, ohne sich eindeutig festzulegen.

Ich finde es besonders bewundernswert mit welcher Leichtigkeit und Unerschrockenheit der liebe Gatte an das Hemd herangegangen ist. Statt sich zunächst an etwas Einfaches heranzutasten, fiel die Wahl direkt auf so ein anspruchsvolles Herrenhemd – noch dazu aus einem edlen Stoff. Zwar hat er in der Vergangenheit schonmal ein paar Nähte gemacht und konnte auch davon profitieren, dass ich den Schnitt quasi auswendig kenne, aber dennoch gehört schon eine gute Portion Mut dazu. Gerade weil ein Hemd in der Verarbeitung doch einige knifflige Stellen bereithält, ist es alles andere als selbstverständlich, sich ohne große Vorerfahrung daran zu wagen. Umso schöner war es zu sehen, mit wie viel Geduld und Ehrgeiz er sich Schritt für Schritt herangearbeitet hat - und auch direkt danach noch weitere Teile für sich genäht hat.

Und es hat sich absolut gelohnt - der Gatte hat nun ein wundervolles Hemd, welches sich nicht nur hervorragend in seinen Kleiderschrank einfügt und ihm super steht, sondern das er mit diesem "Das-habe-ich-selbstgemacht"-Stolz tragen kann.
Ist es ihm nicht großartig gelungen? ❤

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