Sonntag, 23. November 2014

Lutterloh - Der Goldene Schnitt - Anleitung Teil 1

1. Model und Maße bestimmen.


Als erstes Suchen wir uns ein Modell aus. Vielleicht ein Kleid? Ein Mantel? Eine Hose? Ich bin sicher da wird jeder fündig.

2. Schnittmusterkarte prüfen.


Bevor es nun ans Abzeichnen geht, sollte man die Schnittmusterkarte prüfen. Ist es die richtige Karte zum ausgesuchten Modell? Sind alle Teile vorhanden oder fehlen welche?

Zur Verdeutlichung einmal die Schnittmusterkarte meines Modells [ich weise ausdrücklich darauf hin, dass dieses Bild aus Urheberrechtsgründen nicht maßstabsgetreu ist]


Bei meinem Modell fehlen der Gürtel und die Ärmel. Die Ärmel können beliebig von einem anderen Schnittmuster verwendet und durch Kräuseln oder Einhalten angepasst werde. Der Gürtel wird einfach nach dem eigenen Maß und Geschmack gefertigt.

3. Schnittmuster verstehen.


Bevor wir anfangen das Schnittmuster zu vergrößern, sollten wir es verstanden haben. Insbesondere welche Teile wo aneinander treffen ist wichtig um zB dafür zu sorgen, dass die gleichen Kurven gezeichnet werden.

Ihr seht auf dem Beispielmuster, dass der obere Rand des Rückenteils und der untere Rand der Hinterpasse markiert wurden. Diese beiden Teile treffen dort aufeinander, also muss ich beim Zeichnen darauf achten, dass die Kurven auch übereinstimmen und der Stoffbruch passt.

4. Markierungen anbringen.


Wir kennen es von normalen Schnittmustern: Die kleinen Ziffern oder Markierungen, die uns zeigen sollen wo Teile zusammengehören. Das sollten wir hier auch machen und am besten nummeriert ihr gleich in der Reihenfolge, in der ihr später auch nähen wollt, also (1) an die Spitze wo sich Rückenteil und Hinterpasse treffen, (2) zwischen Vorderteil und vordere Passe usw.

Diese Markierungen werden erst auf der Schnittmusterkarte und später auf den Schnittteilen vermerkt.

5. Größe bestimmen.


Nun sollte man zunächst ausmessen - nämlich das eigene Oberweiten- und Hüftmaß. Das Oberweitenmaß wird waagerecht über die stärkste Stelle der Brust gemessen und das Hüftmaß entsprechend auf der stärksten Stelle der Hüfte.

Nach diesen Maßen wird dann später das Lineal angesetzt. Oberteile mit dem Oberweitenmaß und Unterteile mit dem Hüftmaß.

6. Schnittmuster vergrößern.


Nachdem wir nun bestens vorbereitet sind, vergrößern wir also unser Schnittmuster. Dazu wird das Lineal an das entsprechende Maß angesetzt und auf das + gepinnt. Nun wird jeder Punkt gemäß der cm-Angabe eingezeichnet und schließlich werden die Punkte zu einem Schnittmuster verbunden. So werden alle Teile nacheinander vergrößert. Lutterloh erklärt das im Jahr 1949 so:


Dabei beachten wir natürlich die vorherigen Schritte hinsichtlich der zu zeichnenden Kanten und Kurven.

7. Details übertragen.


Alle Markierungen wie Falten, Kräuselkanten oder Verschlussöffnungen übertragen wir auf das Schnittmuster. Abnäher sind selbst genau zu bestimmen und einzuzeichnen. Außerdem müssen wir die Art des Verschlusses, Belege und auch zu verstärkende Teile selbst bestimmen Alles wird auf den Schnittteilen entsprechend vermerkt.

8. Maße prüfen.


Die Schnittteile sind nun auf Größe gebracht. Nun gilt zu prüfen, ob sie auch richtig passen, also wird gemessen. Zunächst messen wir die Kanten, die zusammentreffen müssen. Insbesonderes die Seitennähte von Ober- und Rockteil sowie die Maße in der Taille. Kleinere Abweichungen werden angepasst.

Nachdem das passt wird überprüft, ob es auch zum Menschen passt. Dazu vergleichen wir mehrere Maße mit den eigenen und gradieren auch diese hier und da. Geringe Abweichungen zB an der Schulternaht oder an der Taille können auch durch Einhalten später ausgeglichen werden.

Für den Fall dass noch Änderungen (zB Anpassungen für großen Busen, Hohlkreuz, schmale Schultern) vorgenommen oder weitere Teile wie Belege gefertigt werden müssen, dann erledigen wir das jetzt.

9. Nahtzugabe hinzufügen.


Ich zeichne meine Nahtzugabe stets ein bevor ich den Papierschnitt zuschneide. So kann ich später direkt am Papierschnitt entlangschneiden und muss mir darüber auch die nächsten Male keine Gedanken machen. Ob und wieviel Nahtzugabe ihr einzeichnet, entscheidet ihr selbst und denkt auch an den Saum.

10. Papierschnitt zuschneiden.


Nun wird das Schnittmuster ausgeschnitten und ist bereit auf den Stoff gebracht zu werden. Und wenn alle Schritte befolgt wurden, dann sieht das nun so aus:


Nächste Woche geht es dann weiter damit den Papierschnitt auf Stoff zu bringen und dann auch zu nähen.

Und? Konntet ihr der Anleitung gut folgen? Habt ihr noch Fragen? Seid ihr auch schon so gespannt, ob es am Ende passt?

Kommentare:

  1. Hui, das sieht kompliziert aus bei Dir, aber ich bin sicher, da kommt am Ende was Großartiges bei raus, Du machst das alles ja sehr professionell, Hut ab! Blau fänd`ich hübsch für den Schnitt. Vielen Dank auch für deinen Karo-Lehrgang, den kann ich gut gebrauchen und lese fleißig mit! Schönen Sonntag noch & liebe Grüße, Nadine

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  2. Wahnsinn, das sieht aufwändig aus! Aber lieb von dir, dass du das alles so ausführlich mitteilst und erklärst. Ich als Geometriebanause hätte schon längstens das Handtuch geworfen :) Liebe Grüsse und danke für deine vielen tollen Tipps zu meinem Weihnachtskleid in spe

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  3. Da dachte ich erst, du nimmst das Original-Kärtchen und war dann doch beruhigt, dass man auf dem letzten Bild eine Kopie sieht^^
    Was ich noch gelernt habe: Da das Schnittmuster radial vergrößert wird, ist die Größe der Vorlage egal. Wenn du die Karte scannst kannst du sie also vergrößert ausdrucken. Da die Maße von der Mitte aus gemessen sind, ändert das gar nichts, aber es macht das Arbeiten etwas leichter und, so bilde ich mir ein, auch genauer.
    Schade dass das mit dem Stoff so knapp wird. Könntest du nicht ganz 40er-Jahre-typisch ein paar Teile aus einem anderen Stoff machen? Passen, Blenden, Aufschläge, vielleicht sogar die Ärmel oder das Schößchen? Manchmal fehlt ja wirklich nicht viel....
    Mit dem Hinweis, dass ich deine Arbeitslampe sehr schön und deinen Arbeitsplatz beneidenswert aufgeräumt finde, wünsche ich dir einen ganz schönen Sonntag!

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  4. Mir scheint, Du suchst die Herausforderung. Vielen Dank dafür, dass Du Dir nicht nur die Mühe machst Deinen Schnitt zu erstellen, sondern das alles auch so ausführlich dokumentierst und erklärst.

    Janina

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  5. Sehr spannend! Erinnert mich daran, wie ich letztes Jahr mit dem Frohne-Storchenschnabel gekämpft habe. Ich hoffe, dass der Stoff reicht, blau kann ich mir an dir sehr gut vorstellen
    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Inselsommer

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  6. Von dem Lutterloh System habe ich in einem Forum schon sehr viel gelesen, allerdings war mir noch nicht klar gewesen, wie das funktioniert. Ich drück Dir die Daumen, dass dein Stoff reicht!

    Viel Erfolg,
    Alles Liebe, Freja

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  7. Oh - wie kompliziert. Da steckt ja die Hauptarbeit im Schnitt machen ;-). Hoffentlich klappt dann auch alles weitere. Drücke die Daumen. Auf jeden Fall eine Bereicherung in dieser Runde und der Rest ist wahrscheinlich froh, auf neuere Modelle zurückgegriffen zu haben. Dafür kannst Du dann besonders stolz auf das Ergebnis sein!
    LG Anke

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  8. Ich bin schon ganz gespannt wie alles klappt, LL habe ich auch, allerdings die neue Version (und auch ein, zwei Teile danach genäht). In einem Forum gibt es jede Menge Fans, die ganz begeistert sind, meine Begeisterung hält sich allerdings noch in Grenzen

    ich bin daher sehr gespannt wie du dieses doch schon recht aufwändige Teil umsetzt und freue mich schon auf das Ergebnis!

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  9. Ich habe nun auch schon zwei, drei Sachen nach Lutterloh gemacht. Entweder man liebt es oder wird nie richtig warm damit (ich gehöre zu den erstgenannten), da es schon von der Vorbereitung her etwas aufwändiger ist als ein pfannenfertiger Schnitt. Aber dafür hat man in diesen tollen Büchern und Heften eine Unmenge an sensationell schönen Schnitten aus der Zeit (das gleiche Heft habe ich übrigens auch). Klar, es braucht auch etwas Mut, sich an dieses System zu wagen, bei mir dauerte es über ein Jahr bis ich mich überwinden konnte. Und ich bereue es nicht! Ich bin deshalb sehr gespannt auf das Resultat.

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  10. Puh, da wird mir beim Lesen ja schon ganz schwindelig, da hast du dir ja was vorgenommen. Das Verfahren wäre mit Sicherheit nix für mich.
    Aber das Kleid wird bestimmt toll, ich kann mir dunkelblauen oder dunkelgrünen Stoff gut vorstellen. Die von ette vorgeschlagenen kleinen Absetzungen vielleicht in einem grünblauen Schottenkaro (zu Weihnachten packt mich irgendwie immer eine Karo-Vorliebe, das hängt wohl mit meiner Kindheit und den Kleidchen aus Hamburger Schotten zusammen).

    LG, Zelda

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  11. Wie wichtig empfindest du bei diesem System das Nähen eines Probemodells? Ich stelle diese Frage vor dem Hintergrund, da ja bereits die einzelnen Schnittteile auf der Grundlage der persönlichen Maße erstellt worden sind.

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    1. Ich nähe trotzdem ein Probemodell (bzw. mehrere) - auch Lutterloh ist genormt und nicht jede Figur entspricht dieser Norm. Außerdem muss die Taille angepasst werden (sind ja nur Oberweiten- und Hüftmaß). Und es ist eine Herausforderung die Kurven alle richtig zu zeichnen und da habe ich auch noch einiges geändert.

      Ob es bei schlankeren Frauen bzw. solchen, die der Norm mehr entsprechen, noch nötig ist zu proben kann ich nicht einschätzen.

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    2. Ich verstehe, je mehr die eigene Figur bzw. die eigenen Maße demjenigen Modell entsprechen, dem die zugrundeliegenden Maße entnommen sind, desto übereinstimmender/passender ist das Endergebnis.

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  12. Riesenrespekt, dass Du Dich an ein solches Projekt wagst. Mir wird ja schon schwindelig, wenn ich die Skizzen sehe. Ich bin echt gespannt auf Deine Erfahrungsberichte. Ich glaube allerdings nicht, dass ich mich jemals auf sowas einlassen werde.

    Liebe Grüße Irene

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  13. Ich finde das echt interessant, danke für die ausführlichen Schildungerung! Ich bin echt gespannt, ob Du jetzt beim Probemodell letztlich noch so viel anpassen musst, außer der Taille, wie Du schon schreibst. Wenn Du jetzt dann weißt, inwieweit Deine Maße sich von der Lutterloh-Norm unterscheiden, kannst Du dieses Wissen ja bei nächsten Lutterloh-Projekten anwenden und bist da dann schon immer an Deinem idealen Schnitt dran?
    Liebe Grüße, Martina

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  14. Oh je! Ich bin schon nach dem nullachtfuffzehn-Schnitt geschafft, da kann ich mir so ein kniffeliges Ding gar nicht vorstellen. Wahnsinn. Hau rein! LG mila

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  15. Lieben Dank für diese tollen Informationen. Ich bin ganz begeistert, dass Du Dir die Mühe machst. Dich schleiche schon länger um den Goldenen Schnitt herum.
    Liebe Grüße
    Simone

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  16. Ich mußte gerade lachen, als ich weiter unten Teil 1 gelesen habe... "Eigentlich"... und jetzt? Jetzt machst Du also Lutterloh. :)
    Einfach einfach gibt's nicht, oder? ;)

    Ernsthaft: Kudos, ich bin begeistert. Das System ist interessant, wobei ich es zugegebenermaßen noch nicht probiert habe, weil ich ja, WENN ich selbst Schnitte mache, die auch komplett auf Maß mache. Lutterloh geht ja von OW/T/HW aus, da fehlt mir so ein bißchen die Längenanpassung für mich kurze, quadratische Person.
    Aber: SO schöne Schnitte!!! Ehrlich, ich hab schon ein paarmal dran gedacht, mir das zu schießen (ist ja schweineteuer, wenn man mal bei e**y schaut), aber bin dann doch immer wieder zurückgeprallt.

    Umso interessierter werde ich das hier verfolgen. Wird sicher wieder ein Traum von Kleid, da könnte ich fast schon eine Wette drauf abschließen.

    Alle Daumen hoch also, und ich hoffe auf mehrmehrmehr Infos zum System! ♥
    Liebe Grüße
    Katrin

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  17. Wow. Ich habe einen Riesenrespekt vor dir. Das klingt so unglaublich kompliziert. Bin nun umso mehr gespannt auf das fertige Kleid. Lieben Gruß

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  18. Die vielen Zahlen rundherum wüden mich ganz verwirren. Vor ein paar Jahren habe ich eine Lutterloh Vorführung besucht und so gut wie nix kapiert, gut , messen ist nicht meine Stärke.Ich habe schon Mühe die herkömmlichen Schnitte mit allen Nahtzahlen zu finden. Umsomehr bewundere ich Dich mit diesem System zu schneidern. Ich freue mich sehr Dir dabei "über die Schulter zu schauen". Bin total gespannt wie es weiter geht.
    Ganz liebe Grüße von Carmen

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  19. Ich glaube ich hätte auch zweierlei Stoffe genommen. Der Farbwechsel ist ein toller " Hingucker". Ich bin gespannt, wie es weiter geht...
    Liebe Grüße
    Agnes

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  20. Das ist ja höchst interessant und ich konnte Dir gut folgen. Glaube aber, dass sich die Mühe für mich nicht lohnen würde, bin eh mehr der Jersey-Tunika-über-Jeans-Typ, dafür reichen mir die Ottobre-Schnitte :-)
    LG Judy

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  21. Du hast mich sehr neugierig gemacht! Ich bin gespannt, wie es hier weitergeht.
    Martina

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  22. Wow, das sieht ganz schön kompliziert aus. Vielen Dank für die ausführliche Erklärung.

    Aber ich bin gespannt wie es weiter geht und vor allem auf das Ergebnis :)

    Liebe Grüße
    Anika

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  23. ich sag jetzt mal nichts zu der tollen Anleitung, da ich wohl eher nicht nach diesem System nähen werde.
    Aber blau steht Dir als Sommertyp sicherlich sehr gut, sofern es nicht zu knallig ist.

    LG Bella

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  24. Das sieht ja ganz schön kompliziert aus. Schon erstaunlich, wie aus so einem Mini-Schnittteil ein normal großes wird. Ich bin schon gespannt, wie dein Kleid aussehen wird!

    Liebe Grüße
    Julia

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  25. Du machst mir Mut. Ich habe nämlich auch Schnittbuch von Lutterloh. Gekauft habe ich es bei einer Veranstaltung, weil ich unbedingt die Lineale haben wollte. Aus dem Schnittbuch wollte ich im HosenHerbst eine Hose nähen. Schnitt habe ich angefertigt, aber dabei ist se geblieben. Vielleicht sollte ich doch eine Probehose nähen...
    Ich lese bei Dir weiter und freue mich auf Dein Kleid.
    LG
    Eva

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  26. Da hast Du Dir ja was vorgenommen! Das sieht wirklich kompliziert aus. Eine echte Weihnachtskleid-Herausforderung. Aber wenn ich an Dein letztjähriges Weinachtskleid denke, bin ich sicher, dass es auch diesmal ein Traum wird. Ich bin schon so gespannt!
    Liebe Grüße, Kerstin

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  27. Du bist mit Leidenschaft dabei, schreibst sehr interessant und erklärst gut, danke sehr dafür. Ich verfolge gerne Deine Fortschritte und schicke Dir

    spannende Grüße aus dem Drosselgarten
    Traudi

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  28. Du schreibst immer so spannend und anschaulich. Das macht echt Lust auf mehr!
    Bin auf die Farbe es Kleises sehr gespannt...
    Grüsse von Wiebke

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